)
Vierteln bliche Verlage: „Unsere eimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Prei« * 'sblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anze
epen die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 100.
Lamstag, den 12. Dezember 1908.
59. Jahrgang.
Amtliches.
Rirrderzrrchtgenofienschaft
' Diejenigen Landwirte, welche die landw. Ausstellung in Hanau mit Kühen oder Rinder beschickt hatten, werden gebeten, das von ihnen in Hanau verauslagte Stallgeld mit 1 Mk. pro Stück baldigst, spätestens aber bis 1. Januar 1909 bei dem Geschäftsführer der Genossenschaft — Kreisausschuß-Sekretär Schäfer — in Empfang zu nehmen.
Alle bis zum 1. Januar 1909 nicht abgehobenen Beträge werden an die Genoss. Kasse abgeführt.
Ich bitte die Herren Bürgermeister für möglichste Verbreitung vorstehender Bekanntmachung zu sorgen.
Schlüchtern, den 2. Dezember 1908.
Der Vorsitzende der Rinder-Zuchtgenossenschaft: Valentiner, Landrat.
Deutsches Deich.
— Der Kaiser hörte am Mittwoch vormittag den Vortrag des Reichskanzlers, hierauf, den Vortrag des Chefs des Admiralstabs der Marine.
— Prinz August Wilhelm von Preußen nahm die Ehrenmitgliedschaft des preußischen Landeskriegerver- bandes an.
— Kaiser Franz Joseph hat zu der vom deutschen Kronprinzenpaare Veranstaltern Sammlung für die Hinterbliebenen der Radboder Katastrophe 5CCD Mari gespendet.
— Der Reichstag begann am Sonnabend mit der ersten Lesung des Etats, die vom Reichsschatzsekretur Sydow mit einer längeren Rede über den Etat eingeleitet wurde. Er machte zunächst Mitteilungen über den Abschluß des Rechnungsjahres 1907 und ging dann zu den Ziffern des lfd. Rechnungsjahres über, das mit einem Mehr-Fehlbetrag von U22/s Mill. Mark abschließen dürfte. Der Militäretat ist um 33 Millionen Mark gegen das Vorjahr zurückgeblieben. Der Reichs« schatzsekretär ging dann noch auf die Besoldungsvorlage ein, deren Beratung mit der Etatslesung verbunden wird. Abg. Speck (Z) kritisierte den Etat durchaus abfällig. Abg. Bassermann (natl.) hielt eine große politische Rede, und Abg. Sch^oemann (Soz.), der keinen Pfennig bewilligen will, zog sich bei seinen heftigen Angriffen auf die Politik des Reichskanzlers
einen Ordnungsruf zu. — Am Montag sprach zunächst Abg. Graf Kanitz (kons.). der die Schutzzollpolitik verteidigte un> sich scharf gegen die Tarifpolitik der Syndikate erklärte. Auch wandte er sich gegen die Höhe des Marineetats. Abg. Dr. Wiemer (fr. Vp.) plädierte im wesentlichen für größere Ersparnisse in Heer und Marine. Dann hielt Reichskanzler Fürst Bülow eine großzügige Rede über die auswärtige Politik und unsere Beziehungen zum Auslande. Nach« dem uoch Frhr. v. Gamp (Rp.) und Lattmann (Wirtsch. Vg) gesprochen, ohne neue Gesichtspunkte in die Debatte gebracht zu ^aben, wurde die Wüter- beratung auf Mittwoch vertagt.
— Der Deutsche Katholikentag findet am 29. August 1909 in Breslau statt.
— Maximilian Harden, der am Mittwoch einen politischen Vortrag hielt, wurde während desselben von einer vorübergehenden halbstündigen Ohnmacht befallen.
— Zu dein Kampf zwischen dem Verband deutscher Lebensversicherungsgesellschaften und der deutschen Aerzteschaft wird von der Korrespondenz des Aerzte- Verbandes berichtet, daß die Einigungsverhandlungen daran gescheitert sind, daß der „Lebensversicherungsverband" die von seinen eigenen Unterhändlern bereits zugestandene Honorarerhöhung von 5 Prozent nicht allgemein, sondern nur für einzelne Städte zu bewilligen war, außerdem einen neuen Vertrag nur für die der Aerzieschaft unannehmbar lange Dauer von 15 Jahren zustimmte.
Bei der . preußischen Landtagsersatzwahl in Raguit-Pillkallen wählten von 302 Wahlmännern 238 den Gutsbesitzer Ewald Hofer (kons.) zu Schmilgen, 57 den Rittergutsbesitzer Schmalz (kons.) zu Küssen. Hofer ist somit gewählt.
— In der Wahlbewegung im Wahlkreise Meseritz- Bomst hielten neulich in B ntschen die Konservativen eine Wahlversammlung ab, in welcher der konservative Kandidat Graf Westarp, Reichstagsabgeordneter Pauli und Rittergutsbesitzer v Haza-Rodlitz sprachen. Die deutschen Katholiken waren in dieser Versammlung besonders stark vertreten. Ein deutscher Katholik empfahl die Annahme folgender Resolution: „Die hier anwesenden deutschen Katholiken der Stadt Bentschen und Umgegend sprechen dem konservativen Kandidaten Herrn Grafen v. Westarp ihr volles Vertrauen aus. Sie können zu ihrem Bedauern die Zentrumskandidatur nicht unterstützen, da die Art und Weise der Aufstell, ung des Kandidaten von ihnen nicht gebilligt wird und
mit ihrem deutschen Nationalbewußtsein nicht vereinbar ist." Die Resolution fand Annahme.
Die verstärkte Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhau,es hat die Einführung einer Gesellschaftssteuer gegen die Stimmen der Konservativen abgelehnt. Im Mantelgesetz wurde der Vorschlag der Regierung, schon für 1908 30 Millionen Mark an Steuerzuschlägen erheben, ebenfalls gegen die Stimmen der Konservativen abgelehnt, dafür aber die bei dem Steuergesetz beschlossene Erhebung von Zuschlägen zur Emkommeu- und Ergänzungssteuer für 1909/10 ein- gefügt.
— Von der südwestafrikanischen Schutztruppe werden im ersten Quartal des neuen Jahres 569 Mann nach Deutschland heimgesandt werden. Der Transport soll Mitte März in Hamburg eintreffen. Die Schutztruppe erreicht dadurch die Stärke von. 2431 Mann. Die Heimgesandten erhalten in Deutschland einen einmonatigen Urlaub, während des Urlaubs steht ihnen volle Löhnung zu. Im Rechnungsjahre 1909 (Mai 1908) sind weitere 549 Mann abzulösen, dieser Transport trifft im August in Hamburg ein.
— Als Schiedsrichter in der Casablanca-Frage hat die deutsche Regierung den Wirklichen Geheimen Legationsrat und Justitiar im Auswärtigen Amte Dr. Kriege und den italienischen Staatsral Fusinato gewählt.
Ausland.
— Der Akademische Senat der Präger Deutschen Universität hat an Jws österreichische Kultus- und lln* terrichtsministerium einen Bericht gesandt, in welchen- er nach eingehender Schilderung der Vorgänge in Prag seit bem !8. Oktober zu folgendem Schlüsse gelangt: Der Akademische Senat sieht sich genötigt, die Verantwortung für eine gedeihliche Leitung der Angelegenheiten der Universität abzulehnen und hält sich verpflichtet, gegen diese Vorgänge in der nachdrücklichsten Weise Protest zu erheben. Die Mitglieder des Akademischen Lenats der K. K. Deutschen Karl Ferdinand-Universität in Prag haben daher in der Sitzung vom 3. Dezember 1908 beschlossen, ihre Stellen im Akademischen Senat niederzvlegen.
— Die italienische Deputiertenkammer beschloß ein Vertrauensvotum für die auswärtige 'Politik des italienischen Ministeriums, indem sie mit 297 gegen 140 Stimmen den Antrag Fusinato annahm, in dem die äußere Politik der Regierung gebilligt wird. Dem Beschlusse gingen zwei bedeutsame Ministerreden vorher
Künstkerbkut.
Roman von Vera v. Baratowski. 44
„Laß nur mir gegenüber die Maske fallen!" sagte der Pole eineH Tages. „Ich weiß ja doch, was in Deiner Seele vorgeht, und daß Du weit entfernt, Dich glücklich zu fühlen, über alle Begriffe elend bist."
„Ich mache Dir dieses Zugeständnis nicht!" rief sie heftig. „Zwistigkeiten kommen in jeder Ehe vor. Ich war kein junges, albernes Ding mehr, als ich Hugo kennen lernte, und weiß, daß leidenschaftliche Liebe zu mir die Triebfeder aller seiner Handlungen gewesen ist."
„Strohfeuer!" erwiderte Sudowsky zynisch lachend. „Ein jähes Aufflackern, und dann bleibt von der ganzen verzehrenden Leidenschaft nichts weiter übrig, als ein armseliges Aschenhäufchen, das der erste Windhauch in alle vier Himmelsgegenden bläst, Du wurdest gewarnt, wolltest ja aber nicht hören."
„Du und Deine Mutter, Ihr verspritztet schon Euer Gift, als das Glück mir noch alle seine Schätze zu Füßen legte."
„Wir zeigten Dir die Gefahr, um Dich vor bitterer Enttäuschung zu bewahren. Hugo, bessert Ehrgeiz schon Manche empfindliche Demütigung erlitten hatte, wußte, daß er nichts erreichen konnte ohne Dich .. alles aber mit Dir! Er war nahe daran, unterzusinken, Du jedoch rissest ihn empor. Der Glanz Deiner Künstlerschaft ließ auch seinen matt glänzenden Stern heller strahlen. Eigensucht und Berechnung leiteten Meißner."
„Auch Wladimir brächte mir,DeinerBehauptung nach, nichts weiter mit als eine jäh aufflammende Leidenschaft, die nur deshalb bis zu seinem Tode dauerte, weil dieser schon im achten Monat unserer Ehe erfolgte. Wer Dich hört, müßte glauben, ich sei nie fähig gewesen, eines Mannes Liebe zu fesseln."
„Daß ich anders darüber denke, habe ich Dir wohl bewiesen," flüsterte er mit unheimlichem Eifer. „Seit un-
w»»»ML««^»M!trVMU MMlWWFM7gWgMVam2g,i^SFre«MffitEgSBira&^^ 1 |j, HI m serer ersten Begegnung bete ich Dich ja an und würde das Glück, Dich zu besitzen, mit einer Krone, mit einem Verbrechen, mit.. ach Gott mit allem, was ein Mensch geben oder tun kann, nicht als zu teuer erkauft betrachten. Das Ziel meiner brennendsten Wünsche warst im= mer nur Du, Duallein und bist es auch heute noch. Wärst Du mein, so würde ich gar keinen anderen Lebenszweck mehr kennen, als Dir Gegenwart und Zukunft zu einer Kette von Freuden und Genüssen zu gestalten. Klothilde.. Klothilde, ich vermag ja nichts zu sagen, was ich empfinde und spreche wie ein Trunkener .. aber Du mußt doch begreifen, mußt verstehen, daß dieses wirre, sinnlose Gestammel der Ausdruck heißester Liebe ist, die vergebens nach klaren Worten ringt."
Versengend wie der tödliche Wüstenwind stürmten feine Liebesbeteuerungen auf die Erschreckte ein, welche fast erzitterte vor einer Leidenschaft, die zu bändigen nicht mehr in ihrer Macht stand.
Stumm, wie betäubt, hörte sie zu; dann aber gewannen Stolz, Sarkasmus und der Widerwille, den ihr Sudowsky stets eingeflößt hatte, doch wieder die Oberhand.
Frau Ellfemi lachte schneidend auf und rief: „Bist Du wahnsinnig geworden? Ich müßte Dich jetzt Hinausmeisen und Dir verbieten, mir jemals wieder nahe zu kommen! Aber wqs Du oben sHtest, ist ja zu lächerlich, zu erbärmlich, als daß ich es ernst nehmen sollte. Du bildest Dir ein, mit Hugo in die Schranken treten zu können, und meinst, unser augenblickliches Zerwürfnis werde Deinen Plänen förderlich sein?" Sie zuckte verächtlich mit den Schultern und fuhr fort: „Dieser Gedanke ist so absurd, daß er mich zur Heiterkeit reizt."
„Ich glaubte, die Fähigkeit zu lachen, wäre mir gänzlich verloren gegangen. Nur laß mich für heute gefälligst allein. Zuviel ist stets vom Uebel. Auch ein Uebermaß der Fröhlichkeit würde vielleicht schädlich auf mich wirken."
„Ganz recht! Wie es heißt pflegen nicht selten Träume
und herbes Weh darauf zu folgen. Möge das alte Spricht wort diesmal zu schänden werden."
„Auf Wiedersehen, Klothilde.. Du gestattest doch, daß ich wiederkoulme, und fürchtest Dich jetzt nicht ettoa vor mir?
„O Gott, nein! Das war ja eben ein zu drolliger Nimm's mir nicht Übel, wenn ich immer noch nicht ernsthaft werden kann."
„Ich freue mich Deiner Fröhlichkeit! Liegt mir doch vor allen Dingen daran, Dich vergnügt zu sehen Adieu meine Teure!" ' ' '
™r? Frau bemerkte den zornigen, heimtückischen Blick nicht, der sie streifte, als Sudowsky ging.
* *
♦
®ie Weihnachtszeit mit ihrem holden, weihevollen Marchenzauber nähte. Eisblumen schmückten, im Schein der kalten Wintersonne funkelnd, die Fensterscheiben Jedes Dach, jeder Baum schien versilbert. Schlitten flogen dahin lustiges Schellengeläute ertönte. Zwischen den Bu- denreihendes Marktes wogte es von Erwachsenen, die um dieses und jenes feilschten, und von Kindern, welche mit großen, weitgeöffneten Augen alle verlockenden Herrlichkeiten anstaunten und am liebsten ihre kleinen rotgefrorenen Hände danach ausgestreckt hätten.
Große und kleine Tannenbäume wurden getragen, Pa» feie auf- und abgeladen. In den schön dekorierten Läden stieß und drängte man sich.
Auch Hauptmann von Westberg hatte heimlich so manches nach Hause gebracht. Heute, am Vorabend des Festes, war ihni aber bedeutet worden, daß er in seiner Häuslichkeit vollkommen überflüssig sei, da man denBaum ausputzen wolle.
„Dabei könnte ich ja helfen," sagte der alte Herr.
»Nein, damit ist es nichts!" erwiderte Flora. „Du bist das Kind undwirstüberrascht.Diese Freude lasse ich mir nicht verderben, Onkel." 155 ig.