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Lokales und Provinzielles.

Schlächtern 4 Dezember 19o8

* Die vergangenen Sonntag Nachmittag tut Dentscheu Kaiser da hier stattgefundene Kreisversamm- lung der Mitglieder des Bundes der Landwirte war nicht so zahlreich besucht, wie erwartet werden mußte und der Hauptredner des Tages Herr Buhl aus Unna als Geschäftsführer des Bundes für Westfalen und Kurhessen, bemerkte dies am Schlüsse der Tagung mit recht scharfen Worten, insbesondere, daß von den Land­wirten, Handwerkern und Geschäftsleuten aus Schläch­tern selbst gar keine Beteiligung, an der Versammlung und den Bestrebungen des Bundes konstatirt werden müsse und hieraus die Lehre zu ziehen sei, daß die Stadtbewohner hier wie überall für die Landwirtschaft nichts übrig habe. Die Versammlung selbst verlief wie folgt: Herr Bürgermeister Gärtner-Elm eröffnete die­selbe und begrüßte in herzlichen Worten die Erschiene­nen und brächte mit diesen dann das Kaiserhoch aus. Herr Buhl gedachte mit Dankesworten der Tätigkeit und Verdienste des seitherigen Kreisvorsitzenden Herrn May aus Sannerz, welcher inzwischen verzogen ist. Herr Gärtner-Elm wurde als Kreisvorsitzender, Herr Heinrich Blum-Sterbfritz als dessen Stellvertreter ge, wählt, die Vertrauensmänner in den einzelnen Ort­schaften wurden für die nächsten drei Jahre wieder­gewählt. Der Bundesvorstand ist bereit, erhebliche Opfer dadurch zu bringen, daß er im Januar 1909 eiuen Vortragskursus über Anwendung von Kunst- düngemitteln veranstalten will. Die Versammlung be­grüßte dieses mit Freuden und setzte fest, daß je ein 6- bis 8stündiger Kursus in Elm, Heubach, Jossa, Kressenbach, Sterbfritz, Steinau und Soden abgehalten werden soll, in welcher ein Fachmann (Landwirtschaftslehrer) alles Wissenswerte über Kunstdünger in Wort und Bild vorführen soll. Jeder Landwirt und Interessent, ob Bundesmitglied oder nicht, aus obigen Gemeinden und den nächstgelegenen Orten kann an diesen Kursen teil« nehmen und zwar kostenfrei. Herr Buhl hielt noch einen Vortrag über die zu erwartenden neuen Steuern und wird danach der Bund für alle neuen Steuern eintreren, bis auf die Erbschaftssteuer von dem von Eltern auf ihre Kinder übergehenden Grundbesitz, dieser,- halb wurde eine Resolution an unseren Reichstagsab- geordnetsn beschlossen und abgesandt. Zu weit würde es führen, das Gehörte hier wiederzugeben, jedenfalls war der Vertrag sehr lebendig und auch interessant und erntete der Redner wohlverdienten Beifall und Dank. Um 5 Uhr schloß der Vorsitzende die Ver­sammlung. )

* Sterbfritz. Am Donnerstag Abend hielt Herr Tierarzt Borgien von Hier im Gasthaus zum Adler einen interessanten Vortrag über die Vorteile einer ra­tionellen Ziegenzucht. Er wies darauf hin, daß der Wert der Ziege als Milch- und Schlachttier viel zu wenig gewürdigt wurde. Gerade in dieser Gegend liege die Ziegenzucht noch sehr darnieder. Die Ziege sei ge­wissermaßen die Kuh des kleinen Mannes, sie sei an­spruchslos und mit jeder Nahrung zufrieden. Zum Schluß betonte Redner, daß es, um Erfolge zu erzielen unbedingt nötig sei, nur reinrassige Tiere zu züchten bezw. vorerst zu beziehen. Der anwesende Herr Pfarrer Sartrorius dankte dem Herren Redner für seinen lehr­reichen Vortrag und regte an, einen Ziegenzuchtverein zu gründen. Der Vorschlag fand allgemeine Zustim­mung und traten gleich etwa 25 Herren dem neuen Verein bei. Es wurde beschlossen, sofort einen echten Schweizer Zuchtbock und einige trächtige Muttertiere zu beziehen. Herr Bürgermeister Blum wies noch da­rauf hin, daß derartige Bestrebungen von der Land­wirtschaftskammer sehr gern gesehen würden und stellte auch von der Gemeinde aus regste Unterstützung in Aussicht.

* Gersfeld. Der unterfränkische Landrat hat für Hebung der Rhönindustrie, insbesondere für die Holz­schnitzschule Bischofsheim a. d. Rhön, 2500 M. bewilligt.

* Aus dem Spessart. Bei den Hofjagden wnrden in drei Tagen 188 Sauen erlegt. An den Jagden nahm auch der bayerische Ministerpräsident Podewils teil. Am Sonntag reift der Prinzregent wieder nach München zurück.

* Gersseld, Ein Fürsorgezögling aus der Er« ziehungsanstalt Sannerz, welcher bei einem Bäcker­meister in Hofbieber als Fahrbursche untergedracht war, wurde am 5 Dezember abends auf dem hiesigen Bahn- Hafe verhaftet und dem Amtsgericht zugeführt. Der­selbe hatte bei Besuch der Landkundschaft in einem Dorfe Wagen und Pferde stehen gelassen und sich mit dem einkassierten Gelde entfernt.

* Mainz. Aus Anlaß des Auftretens der Blattern bei einem hier zugereisten Spanier sind noch weitere sieben seiner Laydsleute, die in engerem Verkehr mit dem Erkrankten gestanden haben, in Isolierbaracken untergebracht worden, außerdem wurden ebensoviel Per­sonen unter Beobachtung gestellt.

Vermischtes.

Konkursstastitik. Nach der vorläufigen Mit­teilung des Kaiserlichen Statistische» Amtes zur Kon- kurKstatistik gelangten im 3 Vierteljahr 1908 im Deut­schen Reiche 2515 neue Konkurse zur Zahlung, gegen

Deutsches Reich.

Der Kaiser hörte am Sonntag vormittag dir Verträge des Finanzministers Frhrn. v. Rheinbabe» und des Chefs des Zivilkabinetts v. Valentini und empfing den Tiergartevdirektor Freudemann.

Der Kronprinz hat bei den dem Häuer Fried­rich Ludwigschen Ehepaar in Rothenbach (Reg.-Bez. Liegnitz) am 28. Oktober d. J. geborenen Drillingen die Patenstelle übernommen und gestattet, daß sein Name in das Kirchenbuch eingetragen werde. Gleich­zeitig erhielt die kronprinzliche Schatullenverwaltung Anweisung, der glücklichen Familie das übliche Palen- geschenk von je 30 M. für die drei munteren Jungen zu übermitteln.

Der Reichstag setzte am Donnerstag die De­batte über die Verfassungsanträge fort. Nach einer Red^ des Abg. Graef (W. Vg.), der sich im Prinzip für die Herbeiführung einer juristischen Verantwortlich» keit aussprach, sagten nacheinander die Abgg. Naumann (fr. Vg.), Bindewald (Rp.) und Singer (Soz.) ihr Sprüchlein auf. Dann sprach Abg. Dietrich (kons.), der den Ausführungen Naumanns entgegentrat und erklärte, daß ihm und der großen Masse des königs- und kaisertreuen Volkes die 'deutsche Legende, das Schlachtfeld von Sedan und Kaiser Wilhelm I. und Bismarck, denen der deutsche Reichstag seine Existenz verdanke, tausendmal mehr wert sei, als die Legenden der englischen und französischen Parlamente mit ihrer großen revolutionären Grundlage.' Die Anträge seien völlig mißglückt, teils weil sie in sich selbst wieder- spruchsvoll, unlogisch und unzweckmäßig, teils aber, und zwar hauptsächlich, weil sie der historischen Ent­wickelung des Reiches und der Grundlage unserer Verfassung in einer Weise zuwiederlausen, daß der Charakter des Reiches als Föderativstaat gefährdet werden würde. Nach den nun folgenden vier Schluß­worten der Antragsparteien wurden 'Die Anträge der verstärkten Geschäftsordnung überwiesen. Am Frei­tag wurde die große Gewerbenovelle, die sich mit der gewerblichen Frauenarbeit beschäftigt, in der von der Kommission vorgeschlagenen Fassung nach unerheblicher Debatte in zweiter Lesung angenommen.

Welches sind die reichsten Städte im Deutschen Reich? Das Kaiserliche Statist.sche Amt zu Berlin macht hierüber interessante Mitteilungen. Die reichste Stab. Deutschlands ist nach dieser Statistik Frankfurts a. M. Das Einkommen seiner Bewohner beträgt imi Durchschnitt 4720 Mark. Im 'vergangenen Jahres betrug das Durchschnittseinkommen sogar 4792 Mk. An zweiten Stelle steht Charlottenburg, es folgen dann Aachen, Köln, Danzig, Elberfeld, Essen, Stettin, Magdeburg, Hannover, Halle Berlin (2641 Mk.) Düsseldorf, Barmen, Kiel, Krefeld und Dortmund. Die günstige Stellung der Stadt Essen in dieser Ver» mögensftatiftik ist dem Umstände zuzuschreiben, daß die Familie Krupp dortselbst wohnt, deren Vermögen über 115 Millionen Mark beträgt.

Zum Ersten Bürgermeister von Hamburg für 1909 wurde vom Senat Bürgermeister Dr. Burchhard, zum ^Zweiten Bürgermeister Senator O'Swald ge­wählt.

Die Zunahme des Fleischkonsums in Deutsch­land ist recht deutlich daraus ersichtlich, daß aus den gewe.blichen Jnlandsschlachtungen, also ausschließlich der Hausschlachtungen, und ausschließlich des Einfuhr­überschusses an Fleisch und Fet.en, im Jahre 1907 pro Kopf der Bevölkerung rund 40,74 Kilogramm Fleisch zur Verfügung gestanden haben; damit ist der bisher höchste Betrag pro Kopf im Jahre 1903 von 30,75 Kilogramm noch um rund 1 Kilogramm über« troffen worden.

Ausland.

Aus Kapstadt wird die Entdeckung von Dia­mantfeldern auf deutschem Gebiet in der Nähe der Lüderitzbucht gemeldet, die sich über sieben Meilen bis an die Küste erstrecken.

Der Wochenschrift Opinion zufolge soll Oberst Dupert eine neue Schnellfeuerkanone hergestellt haben, deren Gewicht erheblich geringer ist, als das des Modells 1897. Das Kaliber des Geschosses wird dasselbe bleiben, nur die Pulverladung wird von 580 auf 700 Gramm erhöht werden.

Belluno. Durch einen Bergrutsch wurden am Donnerstag vormittag 30 Gebäude des Dorfes Pra bei Lucano zerstört. Bis abends 6 Uhr waren 11 Leichen und etwa 20 Verwundete aus den Trümmern des Dorfes Pra geborgen. Der Bergsturz erfolgte um Mitternach und fast niemand konnte flüchten Man befürchtet, daß noch weitere 20 Personen unter den Trümmern seien. Die Feuerwehr, die Behörden und das Rote Kreuz eilten zur Hilfe herbei,

Ein Opfer der Rache der Jungtürken ist ein hoher türkischer Offizier geworden, in dem sie eine Hauptstütze des alten Regiments erblickten. An einem Abend erschien beim Divisionsgeneral Ismail Mahir Pascha ein Mann mit einem Brief des Kriegsministers, in dem der General gebeten wurde, zum Minisisr zu kommmen. Auf dem Wege dahin wurde Ismail Mahir von einem Offizier erschossen. Der Mörder ist entflohen.

12205 im 3. Vierteljahr 1907. Es wurden 560 An­träge auf Konkurseröffnung wegen Masseumangels ab« gewiesen und 1955 Konkursverfahren eröffnet; von letzteren hatte in 1133 Fällen der Gemeindeschuldner die Konkurseröffnung beantragt. Beendet wurden im 3. Vierteljahr 1908: 1907 (3. Vierteljahr 1907; 1,839) Konkursverfahren und zwar durch Schlußvertei­lung 1319, durch Zwangsvergleich 437, infolge all« gemeiner Einwilligung 29 und wegen Massenmangels 122. In 848 beendeten Konkursverfahren war ein Gläubigerausschuß bestellt. Von den 2515 neuen und den 1907 beendeten Konkursverfahren betrafen: Natürliche Personen 1848 1553 Nachlässe 443 217 Handelsgesellschaften 129 80 Genossenschaften 19 9

Andere Gemeinschuldner 76 49

Der dichte Nebel in Paris verursachte ein ent­setzliches Unglück. Fünf mit Hochzeitsgästen beladene Landauer wollten das Bahngeleise der Gürtelbahn zwischen Paissy und Acheres passieren. Der Bahn­wärter ließ sich bestimmen, die Barriere in Zder Mei­nung zu entfernen, daß der nächste Bahnzug wegen des Nebels noch weitere Verspätung haben werde. Vier Wagen erreichten die andere Seite, aber der fünfte, ein breiter Landauer, wurde von der Lokomotive entzwei­geschnitten. Fünfzehn Minuten währte es, bis man den vollen Umfang des Unglücks erkannte. Drei junge Damen wurden vollständig zermalmt aus den Trümmern hervorgezogen. Ein viertes Mädchen liegt hoffnungs­los darnieder. Der Kutscher wurde einige Meter weit tot aufgefunden. Die neuvermählte Frau blieb unver, letzt, erkrankte jedoch schwer infolge des Schreckens.

Falsche Aktien. Auf Veranlassung der Pariser Polizei wurde in Lausanne ein Buchdruckereibesitzer und mehrere Angestellte verhaftet unter der Beschuldigung für eine halbe Million Francs falscher Aktien der Französischen Nordbahn hergestellt und hiervon für 140 000 Francs verkauft zu haben.

Ein reicher Bettler. In Geldern wurde ein Bettler aufgegriffen, der sich durch besondere Zudringlich­keit auszeichnete. Man fand bei dem halbverhungerten Manne, der so elend war, daß er dem Krankenhause zugeführt werden mußte, 16 000 Mk in bar.

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Frankfurt a. M., 7. Dez. Amtliche Notierungen der Viebwarkt preise. Zum Verkauf standen 417 Ochsen, 44 Lullen, 915 Küh* und Färsen (Stiere und Rinder), 334 Kälber, 433 Schafe und Hämmel, 1688 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfund: Ochsen a) vollfleischige, auSgemästete höchsten SchlachtwerteS bis zu 6 Jahren Mk. 80 - 83, b) junge fleischige nicht auSgemästete und ältere ausgemästete Mk. 74 - 76, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere Mk. 60-63, d) gering genährte jeden Alters Mk. bis. Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwep^S Mk. 66 bis 68, b) mäßig genährte jüngere und g^t ae- genährte ältere Mk. 6g 64, e) gering genährte Mt., Kishe und Färsen Stiere und Rinder: u) vollfleischige, auSgemästete Färsen (Stiere und Rinder) höchste» SchlachfwerteS Mk. §8 -7Q b) vollfleischige, auSgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes biS z» 7 Jahren Mk. 60 6?, c) ältere auSgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 4850, d) mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 00 OO, e) gering genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk.. Bezahlt wurde für ein Pfund a) feine Mast (Vollm.-Mast)und beste Saugkälber (Schlachtgewicht) 9295 Pfg., (Lebendgcivicht) 5556 Pfg., b) mittlere Dsgst- und gut. Saugkälher (Schlachtgewicht) 82 - 9Q Pfg., (Lebendgewicht) 5Q53, $fg., c) geringe SaugkälberjOtpfg., d älfere gering gegähtt Kälber Fresser Pfg. Schafe: a) Mastlämmer nnb länge» Masthämmel 72 80 Pfg., b) ältere Mqsthämmcl $8-60 Pfg c) mäßig genährte Hämmel und Schafe (Märzschafe) Ps Schweine: a. vollfleischige der feineren Rasten und deren theut ungen im Alter bis zu 1^/4 Jahren 7> Pfg., d. fleischige 69 -<0