— Das preußische Lraatsministerium trat unter dem Vorsitz feines Präsidenten Fürsten von Bülow zu einer Sitzung zusammen
— Jm August dieses Jahres gingen 21 Dampfer und 28 Segelschiffe verloren : beschädigt wurden 403 Dampfer und 125 Segelschiffe. Unter den 21 verlorenen Dampfern befanden sich 13 englische, unter den 28 Segelschiffen sieben englische und ein deutsches.
— Der ReichSetai für 1909 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 2 865 409 018 M. ab.
— Die Auszahlung des Betrages von 1 150 000 Mark an den Grafen Zeppelin für das vom Reich angekaufte Luftschiff Zeppelin 1 ist jetzt erfolgt.
— Immer wieder werden neue Wahlniederlagen der Sozialdemokratie gemeldet. In Mühlhausen i Th. war das Ergebnis der Stadtverordnetenwahlen ein glänzender Sieg der vereinten Bürgerlichen, die auf ihre Lifte 4309 Stimmen vereinigten, während es die Sozialdemokraten trotz des ausgedehntesten Schlepper- dienstes nur auf 2499 Stimmen brachten. Die Sozi- aldemokraten haben nach dieser Niederlage nur noch einen Sitz im Stadtparlament. Bei den Gemeinderatswahlen in Schwartau (Fürstentum Lübeck) haben d.e Sozialdemokraten sämtliche sechs Sitze an die bürgerlichen Parteien verloren
— Das staatliche oder vom Staate unterstützte Fachschulwesen in Preußen gewinnt eine immer größere Ausdehnung. Nach den neuesten Ausweisen wurden die staatlichen oder staatlich unterstützten Maschinenbauschulen und ähnliche Fachschulen für die Metallindustrie im Sommerhalbjahr 1908 von 4047 Schülern besucht Die Zahl der Schüler, die im gleichen Zeit-; raum die staatlichen und staatlich unterstützten Hand-' werker-, Kunstgewerbe- und ähnliche Fachschulen besucht haben, belauft sich auf 13 666. Dazu kommt, daß die Texüifachschulen einen Schülerkreis von 1939 auswiefen und die Webereilehrwerkstätten von 233 Schülern und Schülerinnen besucht waren. Nimmt man hinzu, daß auch auf andern Fachschulen, so namentlich auf den Baugewerkschulen viele Tausende von Schülern vorhanden sind, so wird man zugestehen, daß der preußische Staat in der Förderung des Fachschulwesens nicht hinter andern deutschen Bundesstaaten zurücksteht.
— Nachdem durch eine Indiskretion bekannt geworden ist, daß an der Technischen Hochschule zu Danzig Pläne für ein lenkbares Luftschiff ausgearbeitet worden sind, ist die „Danziger Allg. Ztg." zur Ber-i öffentlichung folgender Angaben ermächtigt worden: Das Luftschiff, dessen Pläne von dem Hochschul-Professor Schütte in Danzig ausgearbeitet worden sind, ist nach bem starren System entworfen. Der Tragkörper ist 1000 Meter lang und hat einen Durchmesser von 16 bis 17 Dieter. Die Enden verlaufen Paraboloidförmig, das Gerippe wird nicht aus Aluminium, sondern aus doppelt diagonal verlaufenden Holzträgern verfertigt. Die etwa 40 Meter lange und 4 Meter breite Gondel wird in Form eines Schiffskörpers gebaut und ist mit dem Tragkörper fest verbunden. Den Antrieb erhält das Schiff durch beu löOpferdigen Gasmotor, der die Fahrtschraube direkt antreibt. Die Durchschnittsge« schwindigkeir wird 70—80 Kilometer pro Stunde betragen. Da die Tragfähigkeit infolge der Verwendung von Holz an Stelle Aluminiums wesentlich größer ist, können außer der Bemannung und sämtlichem erforderlichen Betriebsmaterial etwa 2000 Kilogramm Sprengstoff mitgeführt werden. Beim Steigen und Fallen ändert das Luftschiff infolge eines besonderen Apparates seine horizontale Lage nicht. Mit dem Bau des Luftschiffes wird im Sommer begonnen werden.
Ausland.
— New-Aork. Eine Schiffskatastrophe im Gelben Meer. Nach einer Depesche aus Tschifu stießen auf dortiger Reede zwei japanische Dampfer zusammen Einzelheiten fehlen noch, doch verlautet, bay 700 Personen dabei ertrunken sein sollen. Es sollen ausschließlich Japaner fein.
— Gegen revoltierende tschechische Volksmassen in Prag mußten Kavallerie und Infanterie einen förmlichen Angriff unternehmen, bei dein zahlreiche Personen schwer verwundet wurden.
— Wieder ist ein neuer tschechischer UebersaU aus deutsche Studenten in Prag in Szene gesetzt worden. Bei einer Auffahrt der Studenten zur Feier des sech- zigjährrgen Jubiläums der Lesehalle der deutschen Studenten wurden acht deutsche Kouleurstndenten von tschechischen Studenten überfallen und mißhandelt. Die deutschen Studenten mußten in das Gebäude der Union- Bank flüchten, deren Tore geschloffen wurden. Die tschechische Menge belagerte das Gebäude so lange, bis hundert Mann Gendarmerie die Eingeschlossenen befreiten. Außerdem fatiten Kundgebungen vor dem Deutschen Haus am Graben statt. Die Tschechen scheinen das Regierungsjubiläum dadurch besonders feiern zu wollen, daß sie den gesamten Pöbel gegen die deutschen Studenten mobilisieren. — In Reichen- berg wurde auf dem Marktplatze eine von Tausenden b-suchle deutsche Protestversammlnng abgehalten, in der
eine Reihe von Rednern, darunter der Bürgermeister von Reichenberg Dr. Bayer und der Obmann der Reichsvereinigung deutscher Arbeitervereine, Verwahrung einlegten gegen die Gewalttätigkeiten, denen die deutschen Studenten in Prag durch den tschechischen Pöbel ausgesetzt sind. Es wurde darauf hingewiesen, daß diese Ausschreitungen an der Stätte der ältesten deutschen Universität, einem ehrwürdigen Kulturbesitz des deutschen Volkes, bereits zu einem europäischen Skandale geworden seien.
— Wie aus New'Aork gemeldet wird, ist ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan über die Politik beider Länder im Pacifischen Ozean getroffen worden. Dieses Abkommen bindet jede der beiden Mächte, die Besitzungen der anderen zu achten und die Integrität Chinas zu verteidigen. Es gewährt allen Nationen dort gleiche Vorteile für Handel und Industrie. Ferner werden dem Abkommen gemäß Japan und Amerika für den Fall, daß Verwickelun,en den Status quo bedrohen sollten, darüber in Verhandlungen eintreten, was gemeinsam zu tun sei.
Lokales und Provinsielles.
Schlichtern 4 Dezember 19ü8
—* Alle diejenigen Zahlungspflichtigen, welche noch mit Gemeinde-Umlage, Elektrizitätsgebühren, Holzkaufgeld, Schul- und Wassergeld, zahlbar zur hiesigen Stadtkasse im Rückstände sind, werden darauf aufmerksam gemacht, daß die gebührenpflichtigen Mahnzettel zugestellt werden wenn die Einzahlung nicht bis zum 7. d. Mts. statt- gefunden hat.
—* Heute Samstag abend wird Jacob Damhofer's Koschatlieder-Quintett in der Turnhalle dahier einen Konzertabend verunstalten. Da Damhofers Ensembles vor allerhöchsten und höchsten Herrschaften Hof-Soireen Konzerte gab u. a. Sr. Maj. der Könige u. Königinnen Albert, Georg und August von Sachsen und des Königs und Königin von Württemberg deren Familie und HofstaR, Hoheiten der Herzoge und Herzoginnen von Anhalt und von Mecklenburg-Schwerin, Herzog von Nassau, Kgl. Hoheiten der Fürsten und Fürstinnen von Hohenzollern, sowie in nur ersten Theatern des In- und Auslandes auftrat und überall große Auszeichnung bekam so wird man ihn auch hier durch ein voll besetztes Haus unterstützen.
* Der Bund der Landwirte wird am nächsten Sonntage für unseren Kreis eine Neueinrichtung beschließen, die sich anderweitig vorzüglich bewährt hat und ihm viele neue Freunde zugeführt. Es sollen nämlich »och in diesem Winter an 6 -7 zentralgelegenen Orten unseres Kreises 6—10 stündige Kurse abgehalten werden über die Anwendung von Kunstdüngemitteln und deren gemeinsamer Bezug. Diese Kurse werden von einem Landwirtschaftslehrer getätigt. Zwecks Festsetzung der geeigneten Lokale und Plätze wird die Ver- sammlung beschließen, weshalb die einzelnen Gemeinden nicht verfehlen wollen, im Deutschen Kaiser dahier vertreten zu sein. Außerdem wird für den aus unserem Kreise verzogenen seitherigen Bezirksvorsitzenden Herrn May-Sannerz ein neuer Vorsitzender gewählt. Das akute Thema unserer Steuerreform wird Herr Buhl eingehends erörtern, sodaß die Versammlung, zu welcher Jedermann höfl. eingeladen ist, sehr interessant zu werden verspricht.
—* Die Prüfungstermine am hiesigen Schullehrer- Seminar sind von dem Köngl. Provinzial-Schulkollegium der Provinz Hessen-Nassau für das Jahr 1909 wie folgt festgesetzt: Entlassungsprüfung vom 12.—19. August, Aufnahmeprüfung am 9. und 10. September, die zweite Volksschullehrerprüfung am 25. und 27. Mai.
—* In Wallroth ist die ev. zweite Lehrerstelle sofort zu besetzen. Das Grundgehalt beträgt 1000 Mk., 120 Mk. Alterszulage und 100 Mk. Mietsentschädigung. Meldungsgesuche mit begl. Zeugnisabschriften und kurzen Lebenslauf sind bis zum 15. Dezember d. Js. an die Königl. Regierung, Abt. für Kirchen- und Schulwesen in Cassel einzureichen.
—* Die Pacht- und Mietverzeichnisse über die im Kalenderjahr 1908 in Geltung gewesenen Pacht- und Mietverträge sind im Laufe des Monats Januar 1909 bei Vermeidung der gesetzlichen Strafe zur Versteuerung zu bringen.
* Cvm. Das neue Eisenbahndirektionsgebäude am Hohenzollernplatz in Frankfurt a. M ist nunmehr auch in der Inneneinrichtung fertiggestellt, fodaß in den nächsten Tagen mit dem Umzug sämtlicher Direktionsbüros aus den alten Häusern in der Hedderichstraße begonnen werden kann.
* Cvm. In Friedberg gibt cs augenblicklich drei Bräute, die zusammen 195 Jahre alt sind. Die jüngste ist 56, die zweite 66 und die dritte gar 71 Jahre alt. Die 56jährige heiratet zum zweiten mal, die beiden andern zum dritten mal. Sie müssen glückliche Ehen gehabt haben, daß ihnen in diesen Altern nach einer weiteren Auflage gelüstet.
* Schmalkaldcu. Die Stadtverordneten beschlossen, das alte Brauhaus uiederzulegen und an dessen Stelle ein Volksbad zu errichten, dessen Kosten auf 51000 Mk. berechnet sind.
Permischtes.
— In der Eisenbahn Marburg-Creuzihal wurden drei bewaffnete Kroaten, die im Siegerlande Einbrüche begangen hatten. im Schlafe überrascht und festgenom- men.
— Die Verzweiflungstat eines jungen Mädchens, das sich auf offener Straße vergiftete, rief in Berlin größes Aufsehen hervor. Die l 7jährige Tochter des Plättereibesitzers Iahn aus Werder mit einem in der Grunewaldstraße wohnenden Beamten der Großen Berliner Straßenbahn ein Liebesverhältnis unterhalten, das vor wenigen Tagen in die Brüche ging. Da ihre Bemühungen den Geliebten wieder zu versöhnen, keinen Erfolg halten, vergiftete sich das Mädchen anf der Straße mit Salzsäure. Sterbeitb wurde die Lebensmüde in das K rankenhaus eingeliefert.
— Die „Bergwerksgesellschaft Trier" in Hamm teilt mit, daß die Zuführung von Wasser in die Zeche „Radbod" nunmehr beendet ist. Die Oberfläche steht 500 Meter unter Tage, das i-'t 200 Meter über der obersten Sohle. Auf Anordnung der Bergbehörde sollen die Entleerungsarbeiken erst nach 14 Tagen begonnen werden, Damit mit Sicherheit anzunehmen ist, daß jedes Feuer, das vielleicht auch tief in die Kohlenstöße ein- gedrungen sein könnte, erstickt ist Die dann vorzu nehmenden Arbeiten sind einer Konferenz am 27. os. Mts. nach eingehender Besprechung zwischen Kommissaren des HandelsMinisters, des Odecbergamtes und der Ortsbergbehörde mit tun Vertretern der BergwerkS- gesellschaft Trier festgelegt worden. Wie schnell alsdann die Aufräumuugsarbeiten vor sich gehen können, läßt sich noch nicht überfein.
— Ueber ein Grubenunglück aus Satzungen wird berichtet: Aus der Grube der Gewerkschaft „G^oßherzog von Sachsen" in DierlaS erfolgte Freuag Nachmittag nach Beendigung der Frühichicht ein größerer Ausbruch von Kohleusäuregasen. Ein Bergmann wurde getötet, mehrere verletzt. Aerztliche Hilfe war sofort zur Stelle. Die Belegschaft, etwa HO Bergleute, konnten glücklich zu Tage gefördert werden. Der Betrieb erleidet keine Störung.
— Dieser Tage ging durch die Kölner Zeitungen die Nachricht, daß ein Dienstmädchen sich eine Schilltt» wunde am Finger zugezogen hatte. Das Mädchen habe kein Gewicht darauf gelegt und so sei Blutvergiftung entstanden, woran das Mädchen gestorben sei. Einige Tage darauf wurde ein Kölner bekannter Arzt dringend zu einem Patienten in einen ländlichen Vorort gerufen. Der Arzt fand den Patienten an einem Tisch stehend vor und auf bem Daumen, der eine Schnittwunde aufwies, lag ein schwerer Gewichtsstein. Auf die verwunderte Frage des Arztes, was er da mache, antwortete der Bauersmann: „Es hatt doch in de Zeitung gestände, das en Deensmädch, bat sich in be Finger geschneiten hat, en Blutvergeftung frügen hat, weil et fei Geweech Drop gelabt hat. Ich han et grünte Geweech Drop geläht, wat mer ein Hus gehat han."
— Der Jäger in Nöten. Als ein Dienstknecht abends seinen Weg über ein Moor in der Nähe von Fiösler bei Kiel nahm, bemerkte er, wie der „Flens- borg Avis" erzählt, ein Paar Stiesel, die mit den Sohlen nach oben aus dem Boden hervorlugten. Neugierig hinzutreteud entdeckte er denn auch den zu den Stifeln gehörigen Mann. Es war ein Flensburger Jäger, der mit dem Kopfe nach unten in einer Fuchshöhle festsaß und nur mit Mühe aus seiner bedrängten Lage befreit werden konnte. Als sein Hund vergeblich Meister Reinccke herauszubringen suchte, war der Jäger selbst in die Höhle nachgetrochen und hatte sich dabei so fest eingezwängt, daß er nicht wieder freikommen konnte. Er wäre sicher umgefommen, wenn der Knecht ihm nicht Rettung gebracht hätte. Ein blanker Taler und die langen Stiefel waren der Lohn, den der Knecht erhielt.
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Evangelische Gemeind e: Sonntag den 6. Dezember 1908. Vormittagsgottesdienst lO fthr Herr Pfarrer Rollnlann Abends 7 Uhr: Herr Superintendent Orlh. Wochendienst: Herr Pfarrer Rollmann
Katholische Gerneinde Gottesdienst: 10 Uhr: Herr Kaplan Roßbach-Sannerz