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vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 94.

Samstag, den 21. November 1908.

59. Jahrgang.

Zum Totenfeste.

Der Spätherbst rüttelt an den Bäumen, Verlassen liegen Flur und Feld;

Umgaukelt noch von seligen Träumen, Schläft ihren Todesschlaf die Welt. In Trümmer sank das Glück, das holde,

Und was du ringend dir gewannst, Stirbt gleich dem letzten Äbendgolde:

O lieb so lang du lieben kannst!

Verlangend sucht dein Herz die Stätte,

Da ihm dereinst sein Glück erblüht

Nun modert in des Todes Bette

Der Rosenflor, der längst verglüht;

Vereinsamt liegt der duft'ge Garten

Doch fagr, was hilflos, daß du verzagst, Statt deiner Pflichten treu zu warten?

O lieb7, so lang du lieben magst!

Wohl manche holde Menschenblüte

Ist deiner Obhut noch vertraut,

Wie mild des Schöpfers Vatergüte

Auf dürre Mrren niedertaut.

Nicht ewig lacht des Himmels Bläue,

Nicht immer nützt, was heute frommt,

Und jeder Tag mahnt dich aufs neue:

Die Stunde kommt, die Stunde kommt!

Weh, wenn in bittrer Reue Qualen

Du toter Liebe Glück bewein!

Kein Himmel kann dir je bezahlen,

Was du verlorst mit jenem Einst.

Doch dämmert leis ein sel'ges Ahnen,

Wenn still das eigne Herz du fragst;

Es will dich heut zur Einkehr mahnen,

Wo du an Gräbern stehst und klagst.

Paul Lipfius.

Zum Totenfeste.

Der heutige Sonntag, der letzte im Kirchenjahr, ist unsern Toten geweiht. Ein jeder hat irgendwo auf einem Friedhose teure M nschen ruhen. Mancher von denen, die in kühler Erde schlafen, hat uns noch vor einem Jahre oder noch vor einigen Wochen die Hand gedrückt. Wir können es noch nicht fassen, daß die teure Gattin, der Gatte, Vater oder Mutter, ein liebes Kind, ein Bruder, eine Schwester, ein Freund auf Nimmerwiederkehr von uns gegangen ist. Wohin sind sie gegangen? Gibt es einen Ort, wo wir sie dereinst wiederfinden, oder ist mit dem Tode alles aus? Soll soviel Liebe nnd Treue auf ewig ein Ende

KäMSMMääi

haben. ? Soll alles Wirken und Schaffen, sollen alle hohen Gedanken und edlen Taten für immer begraben sein? Das sind bange Fragen, welche die Menschen­herzen seit jeher bewegt haben. Wer gibt uns Ant« Wort auf diese Fragen? Das menschliche Wissen und Forschen, wenn es ehrlich ist, antwortet uns? Wir wissen es nicht. Was jenseits des Grabes liegt, da hört alles Wissen und Forschen auf. Aber es gibt auch überkluge Leute, die wollen behaupten und be­weisen, daß der Tod ein völliges Aushören der mensch­lichen Persönlichkeit sei, daß er Hinfalle wie eine Eiche, die von der Axt des Holzhauers gefällt wird. Aber wie kommt es, daß die frivolsten Ewigkeitsleugner in ihrer Sterbestunde von solch furchtbarem Todesgrauen befallen wurden, daß sie sterbend unter Angst und Zittern die Ueberzeugung ihres ganzes Lebens wider­riefen? Sie schauten bereits hinter den geheimnis­vollen Vorhang, sie sahen das Gericht. Die rechte Antwort gibt uns allein die heilige Schrift. Er, der das Leben gibt und das Leben wieder fortnimmt, kann uns über den Tod den rechten Aufschluß geben, und er sagt: Selig sind die Toten, die in dem Herrn Jesus sterben. Alle die, welche im Glauben und Wandel auf Erden ihrem Heilande nachgefolgt sind und die Worte des Lebens in sich ausgenommen haben, sie gehen im Tode ein zur Seligkeit des Himmels. Nicht ein Auslöschen, sondern gerade ein neues, herrliches Aufflammen des Lebens hebt mit dem Tode an. Alle Mühseligkeiten des irdischen Daseins sind vorüber, und alle Vollkommenheiten, die wir ersehnt und geahnt, beginnen. So wird uns heute wieder die Entscheidung vor die Seele gerückt: Was dünkt euch um Christo? M r ihm hier den Rücken kehrt, muß lebend den ewigen Tod schmecken, und wer in Jesu hier das Leben gesucht und gefunden hat, wird mit ihm leben in ewiger Herrlichkeit. Triff deine Entscheidung, so­lange dir noch das Heute lacht; vielleicht ist es morgen zu spät!

Konsolidation (Verdoppelung) der Grundstücke.

DerFranks. Generalanzeiger" schreibt: Es gibt wohl kein anderes Gesetz, welches der Landwirtschaft so erhebliche Vorteile verschafft als das die Konsoli­dation der Grundstücke betreffende. Leider schreiten noch zu wenig Gemeinden zur Konsolidation, und zwar zu einer Zeit, in der die Aufbesserung der Landwirt­schaft ein äußerst dringendes Bedürfnis geworden ist. Jeder einsichtige und weiter blickende Landwirt kennt die Vorteile, die aus der Konsolidation erwachsen.

Bi Ersparung an Arbeitskräften bei Bearbeitung und Aberntung der Aecker und Wiesen, Schonung des Zug­viehes durch bequeme und gut fahrbar angelegte Wege, Befreiung von lästigem Flurzwang, Entwässerung des nassen Geländes durch Anlegung von Vorflutgräben, Regelung der Wiesenbewässerung, Niedermessung von regelmäßig geformten Plänen unter Beseitigung der unbequemen Schlüsselformen und Vermeidung lang gezogener Parzellen von geringer Breit.e, die Möglich­keit freier intensiver Bewirtschaftung gegen veralteten Zwang und veraltete Gewohnheit, die Festlegung der Grenze durch dauernde Vermarkung u. s. W. Das ganze Verfahren wird von staatlich angestellten und besoldeten Beamten nach gesetzlichen Bestimmungen durchgeführt. Der aus der Mitte der Beteiligten gewählte Konsolidations-Vorstand ist berechtigt und verpflichtet, die Interessen der Gesamtheit in jeder Hinsicht zu vertreten. Erprobte und erfahrene Güter« schätzer sorgen für die Taxierung des Bodens nach landwirtschaftlichen Grundsätzen. Sie werden vereidet und dürfen mit den Beteiligten nicht verwandt sein. Das Gleiche gilt von den Obstbaumeinschätzern und sonstigen Sachverständigen. Der die neue Einteilung bearbeitende Vermessungsbeamte, welcher von seiner vorgesetzten Behörde erst nach jahrelanger Ausbildung und nachdem er sich bewährt hat, mit dieser Arbeit betraut wird, sorgt, daß jeder beteiligte Grundbesitzer nicht nur nach der Fläche und den Klassen seines alten Besitzes, sondern auch in der neuen Lage so niedergemessen wird, daß er nicht weiter vom Wirt­schaftshofe zu liegen kommt, als sein alter Besitz da, und daß jedem so viele Vorteile aus der Konsolidation entstell n, als die Interessen der andern es zu erlassen. Die Kosten der Konsolidation sind nicht groß im Ver­gleich zu dem Nutzen, der gewährt wird. Ein großer Teil der Aufwendungen kommt Mitgliedern der Ge­meinde durch Uebernahme von Arbeiten und Liefer­ungen wieder zugute. Dennoch wird gegen Erwarten noch vielfach der Konsolidation Mißtrauen entgegenge» bracht; von manchen einzig und allein aus dem richtigen Grunds daß er sich von dem Besitze, den er von seinen Vätern ererbt hat, nicht trennen will. Möge das Vorstehende dazu dienen, die der Konsolidation noch mit Argwohn gegenüberstehendcn Landwirte zur eingehenden und vorurteilsfreien Prüfung einer Sache zu veranlassen, die unstreitbar jetzt von ganz besonderer Bedeutung für die Schaffung und Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit der Landwirtschaft in vielen Ge­meinden ist. W.

Künlilerblut.

Roman von Vera v. Baratowski.

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Das weiß ich ja, Klothilde," sagte er gerührt,Du hast ein großes Herz jund eine heiße Seele. Neben Dir komme ich mir klein und erbärmlich vor."

Und ich möchte Dich doch so gern stolz machen... Wessen Liebe erscheint Dir denn mächtiger? Die des Mäd­chens, welches freiwillig von Dir schied, oder die eines Weibes, welches Dir seine nächsten Familienangehöri­gen und mehr noch: zwei als Heiligtum betrachtete Grä-

Du, Klothilde, bist eine Gigantin, und erhebst Dich in jeder Hinsicht hoch über andere Frauen, solltest also auch über kleinliche Eifersüchteleien erhaben sein."

Bin ich eine Gigantin, so zermalme ich, was in feindlicher Absicht meinen Weg kreuzt. Zur selbstaufop- sernden Dulderin wurde ich nicht geboren. Was mein fit vor Gott und Menschen, das halte ich fest, und wer

r rauben will, mit dem gilt es einen Kampf auf Tod und Leben! "

,®£§ Siel der Fahrt war erreicht. Klothilde eilte die

. Teppichen belegten Stufen hinauf, blieb vor der ^Ü^? ^dr Gemächer stehen und schien auf Meißner zu warten. Dieser trat wohl heran, verabschiedete sich aber seine eigenen Zimmer auf.

. r ^ch nachblickte, wurde der ohnehin schon ziemlich scharf markierte Zug um ihre Mundwinkel noch tiefer und einschneidender....

. Tage später sang die Eufemi am Hofthea- ker und hatte dank ihrer unbestrittenen Künstlerschaft einen eutenden Erfolg. Groß und voll ertönte die Stimme. Nur,m letzten Akt war es, als breite sich ein leichter Schleier über das Organ.

^ Wenige Ruhetage genügten, diese Spuren der Ermü- l ""wischen. Bei dem zweiten Gastspiel brächte «mn der Sängerin, glänzende Ovationen dar, und am

selben Abend wurde ihr der Kontrakt vorgelegt, welchen sie unterzeichnete.

Nun hätte wohl das in letzterer Zeit getrübte Glück dem Künstlerpaare wieder hell erstrahlen können, aber Klothilde fühlte, daß Hugo nicht mehr wie früher für sie empfand, und schob die Schuld daran Flora zu.

Ihre Eifersucht wuchs täglich und machte ihr die Stadt M... fast verhaßt. Am liebsten würde sie ihre kontrakt­lichen Verpflichtungen gelöst und auch Meißner zur Auf­gabe seiner Stellung bewogen haben, stieß jedoch bei ihm auf entschiedenen Widerspruch.

Die beständige Aufregung ließ Klothilde älter erschei­nen, als sie in Wirklichkeit war. Ein öfteres Zusammen­treffen mit Westberg und dessen Nichte konnte nicht ver­mieden werden; denn der alte Offizier verkehrte haupt­sächlich indenKreisen, die sich auch den beiden Künstlern geöffnet hatten.

Flora begegnete dem einst so Geliebten mit völliger Unbefangenheit, doch Klothilde, von Eifersucht gequält, meinte gerade diese Ruhe und zurückhaltende,kühle Freund­lichkeit für berechnende Koketterie halten zu müssen.

Die ganze ungezügelte Leidenschaftlichkeit ihres Cha- ratters trat nun hervor. Sie machte Meißner heftige Sze­nen, die ihn abstießen und zu rauhen Entgegnungen reiz­ten und erreichte damit nur das Gegenteil von dem, was sie bezweckte.

Hugo verglich Floras vornehmes, echt weibliches Be­nehmen mit diesen Ausbrüchen rasenden Zornes, welche ihm Ruhe und Sammlung raubten und ihn unfähig zu ernster, gedeihlicher Arbeit machten.

Jetzt begann er wirklich, sich in Gedanken in die Ver­gangenheit zu vertiefen.

Als Flora seine Braut wurde, war sie ja nichts weiter als ein süßes, unschuldiges Kind. Seitdem hatte sich die Knospe zur herrlichen Blüte entfaltet, die nun ein ande­rer pflücken sollte. Meißnerdurfte ja nicht mehr die Hand nach ihr ausstrecken.

Für ihn war sie bestimmt gewesen, aber er, der Ge­

nußsüchtige, ließ der zarten Pflanze nicht .Zeit, zur Pa- radiesblume zu werden.

Er ging geringschätzend an ihr vorüber, um nach einer üppig glühenden Rose zu greifen, die ihn nun mit ihren scharfen Dornen empfindlich verwundete.

Kamen ihm solche Gedanken, dann eilte er fort, stürmte ins.Freie und ging vordem Hause, welches Fräulein von Henck mit ihrem Oheim bewohnte, auf und ab. Wie Hugo einst zu Klothilde sagte, hatte Floras keusches, unschuld- volles Wesen immer so beruhigend wie mildes Mon- denlicht auf ihn gewirkt.. und jetzt, als neuerdings wilde Stürme in seiner Seele tobten, sehnte er sich danach, in diese treuen, klaren Augen, welche des Himmels reines, tiefes Blau widerspiegelten, zu blicken.

Worüber er vor Jahren, von Leidenschaft geblendet, nicht nachsann, die Gründe von Floras Rücktritt, das be­schäftigte ihn nun lebhaft. Ein Wesen wie sie, konnte nicht leichtsinnig sein Wort gegeben und es ohne ernste, schwerwiegende Gründe zurückgezogen haben. Wie war es möglich, daß er Derartiges überhaupt je für möglich hielt?

Einst, als Meißner zu später Stunde unter ihrem Fen­ster stehend, über dieses Rätsel nachgrübelte, hörte er das Herannahen eines Wagens, der in kurzer Entfer­nung hielt.

Dann schob sich ein Arm in den seinigen,und eine be­kannte Stimme ftagte:Gedenkst Du hier zu übernach­ten ?"

Ueberrascht wandte er sich unrund erwiderte mit müh­sam beherrschter Heftigkeit:Du folgtest mir heimlich nach? Wie verträgt es sich mit Deinem Stolz, die Spi- onin zu spielen?"

Ich sang heute im Hoftheater, was Du gar nicht zu wissen scheinst. Der Weg nach unserer Wohnung führt hier vorüber. Willst Du unerkannt bleiben, so rate ich Dir, künftig nicht gerade unter der Gaslaterne Posto zu fassen." 155,13