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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber

________________________vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".______________

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 92.

Samstag, den 14. November 1908.

59. Jahrgang.

Die Reichskanzler-Rede im Reichstage.

Die Rede, die der Reichskanzler Fürst Bülow im Reichstage in Beantwortung der Interpellationen wegen der Veröffentlichung desDaily Telegraph" gehalten hat, dürfte sicherlich zur Beruhigung im Volke beige« tragen haben. Fürst Bülow sprach ruhig und ernst. Von vornherein erklärte er, nicht auf alle von den Vorrednern berührten Dinge eingehen zu können; er müsse die Wirkung seiner Worte auf das Ausland abmesfen und wolle nicht neuen Nachteil zu dem großen Schaden hinzufügen, der durch die Veröffentlichung des Daily Telegraph" bereits angerichtet ist.

Was diese Veröffentlichung betreffe, so seien nicht alle Einzelheiten richtig wiedergegeben worden. Ins­besondere mit dem sogenannten Kriegsplan sei dies der Fall; daß sei kein detaillierter Plan, sondern nur eine aphoristische Betrachtung über den Krieg im allgemeinen ohne jede praktische Bedeutung gewesen. Von einer Mitwirkung des Generalstabes an einem Kriegsplan gegen die Buren könne keine Rede sein. Auch von Indiskretionen könne nicht gesprochen werden, da das in den Gesprächen Gesagte längt bekannt gewesen sei und zum richtigen Verständnis weit mehr hätte ge­sagt werden müssen. Die Buren seien von Deutsch­land rechtzeitig gewarnt worden, und die Transvaal­republik sei nicht im Zweifel gelassen worden darüber, daß sie im Falle eines Krieges allein stehen würden. Die Stelle, die sich mit der Südsee und Japan be­schäftigte, sei ebenfalls falsch aufgefaßt. Wir würden uns in ostasiatische Unternehmungen keinesfalls ein­lassen, und die Ausgaben für unsere Flotte seien keine aggressiven, für den Ausbau der Flotte Jeien .rat unsere Handelsinteressen maßgebend.

Dann mahnte der Kanzler, über den niäteriellen aus dem Zusammenhang gerissenen Tatsachen die Ten­denz und die psychologische Seite der kaiserlichen Ge­spräche nicht zu vergessen; er gab eim psychologische Erklärung dafür, wie der Kaiser dazu kam, sich Pri­vatleuten gegenüber so zu äußern. Mit jedem Zweifel an der Reinheit seiner Absicht, an seiner idealer Ge­sinnung und seiner tiefen Vaterlandsliebe geschehe dem Kaiser schweres Unrecht. Und mit großem Nahdruck erklärte Fürst Bülow, daß cr überzeugt sei, das sich der Kaiser auf Grund der Einsicht, daß die Vevffent- lichung seiner Aeußerungen in England nicht di von ihm erwartete Wirkung, in Deutschland aber tiefghende Erregung und schmerzliches Bedauern Hervorgrusen hat, künftig auch in seinen Privatgesprächen dijenige

Zurückhaltung auferlegen werde, die für eine einheit­liche Politik und für die Autorität der Krone eine unerläßliche ist. Das war der Hauptpunkt der Rede des Fürsten Bülow.

Für die geschäftliche Behandlung des englischen Artikels übernehme er die volle Berantwortung und stehe dafür ein, daß sich so etwas nicht wiederholen werde. Der Entschluß, die Entlassung zu nehmen; sei ihm in dem vorliegenden Falle leicht gefallen; der schwerste Entschluß seines Lebens indessen sei der ge­wesen, auf den Wunsch des Kaisers weiter im Amte zu bleiben. Aber er habe geglaubt, dem Kaiser und dem Lande dienen zu sollen. wie lange noch, das stehe dahin. Fürst Bülow schloß:Und nun will ich noch eines sagen: In dem gegenwärtigen schwierigen Augenblick, wo die Dinge in der Welt wieder einmal in Fluß geraten sind, wo wir unsere Stellung nach außen zu wahren, wo wir unsere Interessen, ohne uns vorzudrängen, mit ruhiger Stetigkeit zur Geltung zu bringen haben, dürfen wir uns vor dem Auslande nicht kleinmütig zeigen, dürfen wir ein Unglück nicht zur Katastrophe machen."

Die in der kurzen, aber packenden Rede gemachten Ausführungen des Reichskanzlers haben die schwersten von den Bedenken über die Kaisergespräche beseitigt. Das deutsche Volk aber sollte nun endlich aufhören, sich vor dem Auslande selbst herabzusetzen, und die Selbstachtung und Selbstsicherheit zeigen, die einem reifen, ernsten und kraftvollen Volke geziemt.

Deutsches Reich.

Der Kaiser verlieh dem Grafen Zeppelin den Schwarzen Adlerorden. ___

-------ReichskanzlerFürfr -Mttoivbeantwortete im Reichstage die Interpellationen über das Kaiserinterview.

Prinz August Wilhelm von Preußen, der mit seiner jungen Gemahlin am 27. November in Pols« dam einzieht, wird bei der dortigen Regierung be­schäftigt werden, um die Tätigkeit dieser Behörde kennen zu lernen. Die Beschäftigung des Prinzen wird vor­aussichtlich am 1. Januar beginnen.

Nach derNational-Zeitung" wird sich das Kaiserpaar im Laufe des Monats April nächsten Jahres zu einem zweimonatigen Aufenthalte nach Korfu begeben. Prinz und Prinzessin Eitel-Friedrich werden das Kaiserpaar begleiten. Die Kronprinzessin, die im Spätsrühling einem freudigen Ereignis ent- gegensieht, wird mit dem Kronprinzen später nach Korfu reisen.

Der Reichstag begann mit Der ersten Lesung des Weingesetzes. Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg legte die Gründe dar, die für die verbündeten Regier­ungen bei Abfassung des Entwurfes maßgebend waren. Abg. Baumann (Z) bedauerte, daß nicht der Deklara­tionszwang für Verschnittweine eingeführt worden sei. Die Abgg. Roesicke (kons.) und Dr. Blankenhorn (natl.) erklärten sich im allgemeinen mit dem Entwürfe einverstanden, während Abg. Hormann (fr. Vp.) sich gegen die Vorlage aussprach. Am Montag wurde die Beratung beendet, ohne daß die Debatte neue Gesichtspunkte zutage förderte. Die Vorlage wurde einer besondern Kommission überwiesen. Dann wurde in die erste Beratung des Gesetzentwurfs über die Festsetzung des Marktpreises für Schlachtvieh nach dem Lebendgewicht eingetreten, mit dem sich die Mehrzahl der Redner einverstanden erklärte. Gegen die Vorlage sprachen sich die Abg. Scheidemann (Soz.), Fischbeck (fr. Vp.) und Kobelt (wildlib.) aus. Der Entwurf wurde schließlich ohne Kommissionsberatung ange« nommen. Der Reichstag beschäftigte sich am Dienstag und Mittwoch mit den von den Rednern der eittzelnen Fraktionen eingehend begründeten Interpellationen wegen der Veröffentlichung imDaily Telegraph", die der Reichskanzler Fürst Bülow sofort beantwortete. In seiner Antwort erklärte er, daß ein vom Kaiser ausgearbeiteter Feldzugsplan gegen die Buren nicht existiere, sondern es sich um eine rein akademische Be­trachtung über den Krieg im allgemeinen gehandelt habe; daß aber der Kaiser die Garantie gegeben habe, sich in Zukunft bei seinen Gesprächen mit Privatper­sonen die größte Zurückhaltung auferlegen zu wollen. Bei Der Besprechung der Interpellationen erklärte Abg. v. Normann (kons.) im Namen seiner Fraktion:Die Antwort, die der Reichskanzler gestern gegeben hat, entsprach der Situation. Wir enthalten uns daher jedes weiteren Eingehens auf die,Sache, wir erwarten, daß der Reichskanzler seinen Worten auch diejenigen Taten folgen lassen wird, die das Wohl unsers Vater­landes erfordert." Als Vertreter des Auswärtigen Amts ergriff der stellvertretende Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter das Wort, der das Auswärtige Amt gegen die verschiedenen Angriffe in Schutz nahm und eine Reorganisation des Amtes ankündigte.

- Die offizielle Uebernahme des Zeppelinschen Luftschiffes durch das Reich ist erfolgt. Professor Hergesell erhielt in Friedrichshafen von Kaiser Wilhelm telegraphisch die Nachricht, daß das Kriegsministerium das Zeppelinsche Luftschiff offiziell übernommen habe.

Künstkerbtut.

Roman von Vera o. Baratowski. 33

Zum erstenmal trat nun eine Meinungsverhieden- Heit zwischen den Gatten zu Tage. Merßner htte sich jetzt genügend Geltung verschafft, um nicht meh auf bie Erfolge seiner Gemahlin angewiesen zu sein uv emp­fand, daß seine eigenen künstlerischen Fortschrre unter einem wenn auch so glänzenden Nomadenlebc leiden

An uns beide erhebt die Kunst ganz verschuenartige Ansprüche," sagte er, nach vergeblichem Versch, ihren Entschluß zu bekämpfen.Du willst von Ort zOrt flie­gen wie der Schmetterling von Blume zu Blme. Ich aber bedarf der Ruhe und Sammlung, wennch wirk­lich ein echtes Kunstwerk schaffen soll. Michbhaftigen gegenwärtig Ideen, anderen Verwirklichung ichneAus- schub zu gehen gedenke. Unternimm Deine Ggpieliefle ohne meine Begleitung."

Um mir diesen Vorschlag zu mach, gehört haben, mich zu lieben!" rief Klothilde.

Den gleichen Vorwurf könnte ich ja in rzug aus Dich erheben, da Du Deine Wünsche den metzen vor- anstellst."

>en, muDu auf-

Bist nicht Du es, für den ich arbeite, ?en Weg Ich mit Gold pflastern möchte?"

Ja, Klothilde, Dir verdanke ich alles!.. Aber begreife auch endlich, daß es mich demütigenuß, in einem beständigen Abhängigkeitsverhältnis zeben."

Wenn zwei Menschen so innig verbundsind rote wir beide, so gibt es doch auch keine Trennu der In­teressen."

Zugegeben, aber dann auch gleiche Steif) tir leben! Soll ich meine Arbeit, bei der ich mit voller Bisterung bin, liegen lassen, um Dir von Stadt zuStadi folgen ? Das kannst Du doch nicht wollen."

»Du sammelst ja auf diese Weise neue Stücke."

Laß mich erst die bereits gesammelten ungestört ver­werten."

Klothilde schien heftig mit sich selbst zu ringen. Lange kam kein Laut von ihren Lippen, dann ging sie zu dem eleganten Schreibtisch, schloß ein Fach desselben auf, ent­nahm ihm verschiedene Papiere und reicht« diese Meiß­ner mit den Worten:Hier sind meine Gastspielver­träge ! Zerreiße sie, wenn Du mir den Triumph, auch im Auslande gefeiert zu werden, nicht gönnst. Du siehst daraus, daß ich Dir meine Wünsche zu opfern vermag, doch scheint solche Bereitwilligkeit Dich nicht zu beseelen. Die dem Sänger zugemeffene Zeit ist kurz. Der Maler kann noch als Greis die Welt entzücken! Du versäumst nichts, für mich hingegen zählen die Monate gleich Jahren. Es tut mir weh, daß Du mich zu diesem Ge­ständnis zwingst, und daß Dir Deine Liebe nicht gebot, es mir zu erlassen . . aber nun ist's gemacht! .. Willst Du mich nicht begleiten, so muß ich natürlich darauf ver­zichten, meinen Verpflichtungen nachzukommen."

Noch besaß das schöne Weib große Macht überHugo. Es quälte ihn, sie leiden zu sehen, wußte er doch, daß alles, was sie plante und ausführte, seinetwegen geschah, daß sie kein aufrichtigeres Verlangen kannte, als ihn glück­lich zu machen, und daß sie sich nur in der Wahl der Mit­tel vergriff.

Noch einmal will ich nachgeben," erklärte er endlich, aber nur unter der Bedingung, daß diese Gastspieltour­nee die letzte ist, und Du dann entweder ein festes En­gagement annimmst, oder von der Bühne abgehst."

Ich verspreche es Dir!"

Sie legte ihre schmale, blaugeäderte Hand in die Sei­nige.

Schon im Laufe der nächsten Woche wurde die Reise 'angetreten.

Klothilde fand anfänglich überall die schmeichelhafteste Aufnahme. Ihre Hände wühlten in Gold und Blumen. Das veranlaßte die Primadonna wohl, sich selbst zu viel zuzumuten und ihre Kräfte zu überanstrengen. Plötzlich

trat empfindliche Erschlaffung ein, und die Stimme be­gann scharf zu klingen, während man bis dahin gerade ihre samtartige Weichheit bewunderte.

»Du bist erschöpft. Mach Deine weiteren Verträge rückgängig," mahnte Meißner. Sie jedoch beharrte auf Einhaltung derselben.

Immer matter wurden ihre Leistungen; auch die größte Energie vermochte die Zeichen peinlicher Anstren­gung nicht mehr zu verbergen. In verschiedenen Zeitun­gen las man: Das als so wundervoll gepriesene Or­gan scheine gelitten zu haben, und bedürfe offenbar der Schonung.

Trotz aller angewendeten Mittel behauptete sich die hartnäckige Indisposition. Der Ton quoll nicht mehr leicht und frei aus Brust und Kehle. Die Sängerin war zu einem Kraftaufwand gezwungen, der sogar die sonst so goldreine Intonation empfindlich schädigte.

_ Alle Specialisten, die sie zu Rate zog, konnten nur Erschlaffung der Stimmbänder konstatieren und längeres Pausieren anordnen.

Frau Klothilde wies diese Zumutung erst leidenschaft- lich zurück, mußte sich aber dann doch der harten Not­wendigkeit fügen.

Vlan trat die Reise nach Europa an und nahm Auf­enthalt in Nizza.

Dort sang Frau Eufemi allerdings nicht öffentlich, gönnte aber trotzdem ihrem überangestrengten Organ kei­neswegs die nötige Erholung. Sie ging immer wieder an das Klavier, versuchte diese oder jene Stelle ihrer Bra- yourpartien und konnte sich selbst nicht darüber täuschen, daß die prächtige Stimme kränkelte.

Ihr leidenschaftliches Temperament machte der Polin geduldiges Abwarten zur Unmöglichkeit. Sie härmte sich, regte sich auf und verschlimmerte dadurch die Sache. Die­ser Gemütszustand blieb nicht ohne Einfluß aus ihr kör­perliches Befinden und ihr Aussehen. Die interessanten Züge verloren jede Spur von Jugendfrische. . 155,18.