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Erhöhte Kriegsstinnnung wegen des gänzlichen vcchersolges der Reise des Kronprinzen Georg nach Petersburg.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 6. November 19o8.

* Wer sich bei der jetzt beginnenden Haus­schlachtung oder dem Verkauf von Schweinen zum Schlachten vor Schaden bewahren will, versichere seine Schlachtschweine. In jeder Gemeinde unseres Kreises ist ein Ortsvertreter für die Kreisviehversicherungs­anstalt und bei diesen kann man sich für ein paar Groschen einen Versicherungsschein holen und zwar einen Tag vor dem Schlachten. Der Versicherungs­schein hat Gültigkeit für eine Woche.

* .Wie wir erfahren, wird am Mittwoch, den 10. Nov. der evangelische Kirchengesangverein (Kirchen- chor) unter der bewährten Leitung des Herrn Amts­richters Hengsberger seine Gesangsübungen im Hess. Hof wieder aufnehmen. Hoffentlich erfreut sich der Verein nach dem Wiederzusammentritt eines zahlreiche­ren Besuchs als in den letzten Monaten des abgelau­fenen Halbjahres. Bedauerlicherweise bringen die eigent­lichen Schlüchterner Bürger dem Verein seit Jahren nicht das Interesse entgegen, welches erwartet werden müßte.

* Am Sonntag den 1. Nov. fand in hiesiger Turnhalle das Abturnen statt- Es sollte gezeigt werden was die Turner unter der Leitung ihres neuen Turn- wartes Herrn Lehrer Zipf in Breitenbach gelernt hatten. Von schönem Wetter begünstigt versammelten sich die Turner in früher Morgenstunde zum Preisturnen. Das Dargebotene war ein stetiges Wetteifern in guten Leistungen. Die Preisrichter verstanden es, eingedenk der Worte Jedem das Seine" die Uebungen der guten Ausführung gemäß zu werten. Nach Beendigung des Wetlurnens trennte man sich, um Nachmittags 3 Uhr gemeinsam mit den anderen Turnern zum Schauturnen anzutreten. Großes Interesse und viel Beifall fanden von Seiten der zahlreichen Zuschauer die Stabübungen Unter den Klängen der von hiesiger Stadtkapelle aus- geführten Musik, wurde Auf- und Abmarsch sowie die Uebungen selbst vorgeführt. Auch bei den hieraus folgenden Gerätübungen zollten die aufmerksamen Gäste reiche Anerkennung uno großes Lob. Im Anschluß an das Schauturnen fand am Abend die Preisverteilung und Tanzkränzchen statt. Eingedenk der vorzüglichen Leistungen am Morgen, gereichte es dem Vorstand und den Kampfrichtern zur großen Genugtuung fast alle Wetturner mit Preisen zu beglücken. Waren doch-hfe Uebungen im Allgemeinen so gleichmäßig gut ausgeführt, daß selbst die letzten Preise die vorgeschriebenen 7S der höchsterreichten Punktzahl weit überschritten hatten. Den Klängen einer guten Musik folgend, fand auch die edle Tanzkunst wieder ihre eifrigen Anhänger, welche sich nach ernster, erfolgreicher Tagesarbeit um so freutiger diesem Vergnügen Hingaben. Es zeigte sich auch hier im Turnverein wieder einmal recht deut­lich, wie fast ausschließlich eine gute verständige Leitung die Leistungen der Beteiligten zu erhöhen vermag. Daher wollen wir wünschen, daß unser Turnwart noch recht lange und mit guteil Erfolgen seines Amtes walten möge. Es erhielten Preise: I. Riege: 1. Pr. H. Zipf mit 132 Punkten, 2. Pr. W. Gold mit 128 */2 P., 2. Pr. K. Zinkhan mit 121 P., 4. Pr. H. Sauer mit 115 P., 5. Pr. F. Böller mit 114 P., 6. Pr. F. Strätz mit 112 */2 P.. 7. Pr. N. Bolender mit 1017, P., 8. Pr. C. Fehl mit 99'/, P. 11. Riege: 1. Pr. H. Böller mit 121 y8 P., 2. Pr. H. Gold mit 117 P., 3. Pr. I. Kling mit 114-/2 P., 4. Pr. I. Hahn mit 108 P. 5. Pr. Ph. Basermann mit 107 P., 6. Pr. Fr. Bauer mit 106 */2 P., 7. Pr. Fr. Schultheis mit 97^2 P., 8. Pr. Fr. Gläser mit 92 y2 P. 9. Preis Wilhem Schulteis mit 87 72 Punkten.

* Geheizte Güterwagen. Zwischen Frankfurt und Cöln, Frankfurt und Berlin, Frankfurt und Han­nover lausen in den Eilgüterzügen seit einigen Tagen versuchsweise mit Dampfheizung versehene Güterwagen, die frostempfindliche Eilgüter, wie Wein usw. befördern. Auch in anderen Direktionsbezirken verkehren diese Wagen, und zwar sollen sie bis März n. I. kursieren.

* Nach derFrkf. Ztg." verschwindet die erste Wagenklasse als unnützer Ballast aus den Personen- zügen. Die in den Zügen noch vorhandenen Abteil erster Klasse werden in solche zweiter Klasse verwan­delt und tunlichst als Frauenabteil bezeichnet. Völlig überflüssig erscheint die erste Wagenklasse auch auf den oberhessischen Linien Fulda-Gießen und Gießen-Geln- Hausen, wo die meisten Züge noch erste Klasse führen. Diese ist meist leer, während die Fahrgäste sich in den übrigen Klassen oft eng zusammendrängen müssen.

* Ernannt wurde der Stadtsekretär Eberhard in Steinau zum Amtsanwalt.

* Zum Nachfolger des in den Ruhestand getre­tenen Konsistorialpräsidenten von Altenbockum ist nunmehr der bisherige landsherrliche Kommissar der Gesamt' synode für den Regierungsbezirk Cassel, der Ober­regierungsrat Freiherr Schenk zu Schweinsberg, zum Präsidenten des Kgl. Konsistoriums ernannt worden.?

* Gelnhausen. Bei dem Neubau der hiesigen Kirche im Jahre 1877 wurde eine alte Kanzel entfernt, die

* Hofgeismar. Unter den Pferden des hiesigen Dragonerregiments ist die Brustseuche ausgebrochen.

* Bebra. Eine Prüfungsfahrt für leichte Armee- Lastzüge wird auf Veranlassung der Heeresverwaltung in den Tagen vom 9. bis 26. November auf einer 1214,9 Kilometer langen Strecke erfolgen, die von Berlin ausgehend über Luckenwalde-Jüterbog-Lieben- werda-Dresden-Chemnitz-Annaberg-Wiesenthal-Zwickau» Jena-Rudolstadt-Saalfeld-Koburg-Hildburghausen-Ober Hof-Gotha-Eisenach-Bebra-Cassel-Hannöverisch-Münden- Göttingen-Halberstadt-Magdeburg-Potsdam nach Berlin zurückführt. An dieser Prüfungsfahrt werden sich 64 Fahrzeuge beteiligen, die etappenweise abgelaffen werden und die an jedem Tage durchschnittlich 86,9 Kilometer zurücklegen. In Oberhof, Bebra und Hannöverisch- Münden werden die Kolonnen Nachtquartier haben.

* In Cassel wurden im Sommer verschiedene Wohnungen während der Abwesenheit der Bewohner geplündert, wobei die Einbrecher, die vorher stets das Terrain genau erkundeten, äußerst /affiniert zu Werke gingen. Man nahm sofort an, daß es sich um eine die deutschen Großstädte bereisende Bande handle. Dieser Verdacht hat sich nunmehr bestätigt. Wie aus Düsseldorf gemeldet wird, wurden dort der Techniker E. und der Buchbinder A. verhaftet, die in Berlin, Stettin, Halle, Breslau, Cassel, Frankfurt und Düssel­dorf Einbrüche verübt haben. Bei den Einbrechern wurde ein ganzes Lager von Schmuck- und Wert­gegenständen sowie eine größere Summe bares Geld gefunden. Die gestohlenen Gegenstände wurden, so­weit sich ihre Eigentümer ermitteln ließen, diesen wieder zugestellt. So sind durch die hiesige Kriniinalpolizei Wertsachen für mehrere 1000 Mark an die Bestohlenen zurückgegeben worden.

* Cassel. Aus dem Zuchthaus entsprangen vier schwere Verbrecher, die aus Frankfurt a. M. stammen. Mit Hilfe langer Eisenstangen überstiegen sie die Um­fassungsmauer und entkamen.

Nachrichtendienst des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages.

Der geschäftsführende Ausschuß des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages trat am 22. Oktober in Berlin im Saale desWeihenstephan" zu einer Sitzung zusammen, nachdem an den beiden vor­hergehenden Tagen seine ständigen Kommissionen für das Gewerberecht, für das Unterrichtswesen, für Handel und Verkehr und für soziale Fürsorge getagt hatten. Von den Beratungsgegenständen seien folgende her­vorgehoben:

Es wurde beschlossen, in einem Gutachten an das Reichsamt des Innern den Bestrebungen gegenüber zu treten, die eine Herabsetzung der Unpfändbarkeits- grenze beim Einkommen von Privatangestellten bezwecken.

Auf Antrag mehrerer Kammern wurde die Frage der weiblichen Handwerker erneut ausgenommen, mit der Maßgabe, daß soweit wie möglich eine einheitliche Regelung dieser Frage für das ganze Re!ch herbeige­führt werden soll.

Hinsichtlich der Durchführung der Bäckereiverordnung beschloß der Ausschuß bei den zuständigen Stellen darauf hinzuwirken, daß einmal die rückwirkende Kraft der Bäckereiverordnung aufgehoben, und daß ferner der jetzt auf den Namen des Betriebsinhabers lautende eventuelle Dispens in Zukunft auf den Betrieb selbst ausgestellt werden soll.

In Verfolg des Beschlusses der Bceslauer Voll» Versammlung zur Frage Fabrik und Handwerk wurde auf den Vorschlag der zuständigen Spezialkommission die Handwerkskammer Düsseldorf mit der Ausarbeitung eines Entwurfes für die Denkschrift beauftragt.

Auf den Vorschlag der Kommission für das Ge- wecbegericht erklärte sich endlich der Außschuß noch damit einverstanden, daß ein Entwurf betr. neue Vorschriften zur Regelung des Lehrlingswesens" und betr. eineMeisterprüfungsordnung" gemäß den Vor­schriften des kleinen Befähigungsnachweises sämtlichen Handwerks- und Gewerbekammern übermittelt werden soll, um soweit wie möglich eine einheitliche Durch­führung dieses Gesetzes in den einzelnen Kammerbe­zirken zu ermöglichen.

In Anlehnung an den Beschluß des Münchener Kammertages und an mehrere Gutachten preußischer Handwerkskammern wurden ferner Leitsätze aufgestellt, worin der Ausschuß seine Wünsche hinsichtlich der Gestaltung des Fortbildungsschulwesens niederlegt. Um an der Hand dieser Leitsätze bei der für Preußen bevorstehenden Neuregelung des Fortbildungsschulwesens die Wünsche und Forderungen der Handwerkskammern wirksam zu vertreten, soll eine Spezialkommission, be­stehend aus den Kammern Berlin, Breslau, Dortmund, Hannover, Stettin und der Geschäftsstelle, beim preußischen Herrn Minister für Handel und Gewerbe in mündlicher Verhandlung vorstellig werden.

Der Ausschuß beschloß weiter, den Bundesregierungen und dem Reichstag eine Eingabe vorzulegen, worin die Wünsche der Handwerkskammern auf einheitliche Ausgestaltung des Meisterprüfungswesens vertreten werden sollen. Für diese Eingabe stellte der Ausschuß auf den Vorschlag der Kommission bestimmte Leitsätze fest.

Auf den Vorschlag der Kommission für Handel

seit dem Jahre 1600 dort gestanden hatte. Die Kanzel sollte in der Kapelle aufbewahrt werden, ist aber aus unbekannten Ursachen in den Handel gelangt, und erst jetzt wieder auf einer Kunstausstellung in Hannover entdeckt worden. . Der Besitzer der Kanzel will das Stück für den Preis von 510 Mark an die Gemeinde zurückgeben. Von ungenannter Seite ist bereits die Hälfte des Preises gestiftet worden und die noch feh» lende Hälfte soll durch Sammlung aufgebracht werden.

* Hanan. Die nächste Schwurgerichtsperiode be­ginnt am 23. Novemb. unter dem Vorsitze des Herrn Landgerichtrats Gieberich. Als Geschworene sind aus­gelost : Metzgermeister Wilhelm Kramer-Fulda, Hofbau­unternehmer Friedrich Kellermann-Kesselstadt, Bauer Adam Scheel-Hutten, Kaufmann Louis de Grote-Hanau Fabrikant Karl Prinz-Aufenau, Standesbeamter Jgnaz Remmer-Fulda, Bäckermeister Friedrich Rübsam-Fulda, Metzermeister Karl SunkelFulda, Rittergutsbesitzer Schenk zu Schweinsberg-Buchenau, Kaufmann Fried­rich Hammerschmidt-Hanau, Bürgermeister Georg Peter- Somborn. Gastwirt Fridolin Möber-Opperz, Etuis­fabrikant Heinrich Zes-Hanau, Kaufmann Julius Berberich-Hanau,Kaufmann Wilhelm Hausmann-Fulda, Wachswarenfabrikant Joseph Ad. Bonifaz Gies-Fulda, Landwirt Peter Pfeiffer-Altenhaßlau, Landwirt Joseph Deuter-Oberlimbach, Gastwirt Theodor Hodes-Fulda, Bürgermeister Freiherr Hermann von der Tann-Tann, Bürgermeister Fischer-Schlatzau, Möbelhändler Frie­drich Bach III.-Gelnhausen, Bürgermeister Ludwig Veit- Udenhain, Kaufmann Wilhelm Schien-Birstein, Bauer Kaspar Knauf-Sannerz, Bijouteriesabrikant Heinrich Zwernemann-Hanau, Bürgermeister Valentin Bischof- Eichenried, Fabrikant Heinrich Aha-Hünfeld, Installa­teur Ludwig Hamel-Langenselbold, Stadtkämmerer Lud­wig Friedrich-Hersfeld.

Cvm. Ein erbitterter Straßenkampf. In der Rosengasse in Frankfurt kam es zwischen verlotterten Burschen zu einer wüsten Prügelei und Messerstecherei, sodaß mitten in der Nacht die Polizei einschreiten mußte. Die rohen Gesellen lieferten der bewaffneten Macht eine förmliche Schlacht, in der ein Kellner einen Säbelhieb über den Kopf bekam. Der dreißigjährige Kellner und der achtzehnjährige Kaufmann wurden verhaftet. Eine zu heiße Dusche. Der zwölfjährige Schüler Karl Wenneh in der Obermainanlage reizte ein Dienstmädchen trotz mehrfachen Verbotes dermaßen, daß diese im Jähzorn einen Topf brühend heißen Wassers über den Kopf schüttete. Die Rettungswache fand einen im Gesicht und an Beinen und Händen vollständig mit schweren Brandwunden übersäten Patienten vor. Vom Abendschoppen tot nach Haus. Dienstag Nacht um 2 Uhr wurde der 58jährige Privatier, früher Schuhmacher Robert Putzo vom Aepfelwein komme,id, vor seinem Hause Musikanten­weg 47 vom Schlag getroffen und tot in sein Heim gebracht.

* Frankfurt a. M. In der Stallburgstraße wurde einem jungen Ehepaar am Samstag Abend aus be­stimmten Gründen die Möbel aus der Wohnung geholt. Darauf entfernte sich das Paar und ließ sein acht Monate altes Kind in der Wohnung zurück. Als am Sonntag Mittag der Hausherr in die Wohnung kam, fand er das Kind in einer Pappschachtel, die auf dem Herd stand. Er nahm es in seine Wohnung gab dem schreienden Kinde Milch und benachrichtigte die Polizei. Wo die Eltern sind weiß man noch nicht.

* Wallau bei Hochheim. Am 2. Nov. ereignete sich in der Nähe des WirtshausesZum Wandersmann" an der Frankfurterlandstraße ein schreckliches Automo­bil-Unglück, bei dem zwei Menschenleben verloren gingen. Ein von Wiesbaden kommendes Automobil stürzte an der Stelle, wo die Straße den Wickerbach überschreitet, die Brückenmauer umreißend, in den tiefen Bachgraben und prallte derart gegen einen dicken Birnbaum, daß es vollständig zertrümmert wurde und zwei Damen so­fort tot blieben. Von den beiden Herren, die mit- fuhren, ist dem einen der Brustkasten eingedrückt, dem anderen der Arm gebrochen. Der Chauffeur soll we­niger schlimm verletzt sein. Die Herren wurden noch gegen Abend in einem Sanitätswagen nach Wiesbaden abgeholt; die Leichen der Damen blieben an der Un­glücksstelle, bis das Gericht den Tatbestand ausgenom­men hatte.

* Es wird nach und nach mehr Sitte, daß sich reiche Leute alte Burgen kaufen, in Stand setzen und als Wohnstätte benutzen. Auch die bei Herborn ge­legene Burg Beilstein ging, lautGieß. Anzeiger", in den Besitz eines reichen Amerikaners über, der sie renovieren läßt, um sie als Wohnstätte zu benutzen.

* Fulda. Unter Wegelagerer geriet am Sonntag Abend ein Schneider aus Horas auf dem Heimgang von Bachrain^ wo er Geld für gelieferte Arbeit, etwa 25 Mark einkassiert hatte. Die Strauchritter über- fielen den harmlosen Mann vor der neuen Wirtschaft am Bachrain und nahmen ihm kurzerhand die Bar­schaft ab. Der Fall ist bei dem zuständigen Gendar­meriewachtmeister zur Anzeige gebracht worden.

* Fulda. Die landwirtschaftliche Winterschule hier! wurde am 4. Nov. in herkömmlicher Weise eröffnet; sie' beginnt in diesem Winter den Unterricht mit sechzig' Schülern.