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mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber, vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
87. . Mittwoch, den 28. Oktober 1908. 59. Jahrgang.
Amtliches.
Die öffentliche Vorführung der Hengste des Landgestüts Dillenburg findet am Sonnabend (Samstag), den 7. November 1908, Vormittags 11 Uhr statt.
Anschließend daran ein gemeinsames Essen. Anmeldungen über Teilnahme an dem Festessen werden bis 5. 11. ds. Js. an das Landgestüt Dillenburg erbeten.
I. Teil Hengste einzeln nach Jahrgängen u. Vaterland II. „ „ „ unter den Reitern,
III. „ „ „ Vorfahren in Gespannen.
Königliche Gestüt-Direktion Dillenburg.
Die Aufbesserung der Beamtengehülter.
Zu den ersten Vorlagen, die gleich nach der Eröffnung im preußischen Landtage eingebracht wurden, gehört der Gesetzentwurf über Diensteinkommensverbesserungen der Beamten, Lehrer und Geistlichen. Der Gesetzentwurf, der vom Finanzminister v. Rheinbaben in längerer Rede begründet wurde, enthält folgende Hauptbestimmungen:
Den Vorschriften über Diensteinkommensverbesserungen der Beamten wird rückwirkende Kraft vom 1. April 1908 beigelegt. Die Staatsregierung wird ermächtigt, für das Etatsjahr 1908 zu verwenden:
1. a) zu den vorgesehenen Dienstein- Mark kommensverbesserungen .... 53186 493
b) zu Diensteinkommensverbesserungen für diätarisch beschäftigte Beamte und ähnliche Kategorienvon Beamten 5554 500 a) bis k) zur Erhöhung verschiedener Fonds des Staatshaushalts-Etats . . . l 744007 insgesamt . . . 60 485 000 2. zur Ausführung
a) desMohnungsgeldzuschußgesetzes 23 000 000 b) des Lehrerbesoldungsgesetzes . . 30 000 000
c) des Besoldungsgesetzes für evangelische Geistliche..... 10 000 000
d) des Besoldungsgesetzes für katholische Pfarrer...... 2 380 000
3. a) zu Beihilfen an katholische Diözesen behufs Ausbringung d. Ruhegehälier der katholischen Pfarrgeistlichen . 120 000
b) zur Erhöhung eines Fonds im Staatshaushalts-Etat . . . . 15 000 im ganzen . > . 126 000 000
Der Gesetzentwurf über das Diensteinkommen der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen bestimmt u. a. folgendes: Das Grundgehalt beträgt für die Lehrerstelle 1 350 Mark, für die Lehrerinnen- stelle 1050 Mark jährlich. Für die endgültig angestellten technischen Lehrkräfte kann das Grundgehalt durch Beschluß des Schulverbandes auf einen nied- nigeren Betrag, jedoch nicht unter 1 100 Mark für die Lehrerstelle und 900 Mark für die Lehlerinnenstelle jährlich festgesetzt werden. Die Schulverbände mit 25 000 oder mehr Einwohnern können mit Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde die allgemeine Gewährung pensionsfähiger Ortszulagen an ihre Volksschul- lehrerpersonen beschließen. Die Zulagen dürfen in den Schulverbänden mit 25 000 bis 50 000 Einwohnern 200 Mark für den Lehrer und 100 Mark für die Lehrerin, in den Verbänden mit 50 000 bis 100 000 Einwohnern 400 bzw. 200 Mark, bei mehr als 100 000 Einwohnern 750 bzw. 300 Mark jährlich nicht übersteigen. Der Bezug der Zulagen kann von der Erreichung einer bestimmten Dienstzeit abhängig gemacht werden. Schulverbände mit einer geringeren Einwohnerzahl können (unter den oben angedeuteten Voraussetzungen) Ortszulagen bewilligen. Der Einheitssatz der Alterszulage beträgt für Lehrer 200 Mark, für Lehrerinnen 150 Mark jährlich.
Jeder der drei Zweige der wirtschaftlichen Versorgung der evangelischen Geistlichen, das Besoldungswesen, das Ruhegehaltswesen und die Fürsorge für die Hinter« bliebenen, hat eine eigene kirchengesetzliche Regelung erfahren. Es wird jedem der drei Fonds vom 1. April eine dauernde Rente überwiesen, die jährlich für die Äüerszulaffekasse 8 050 000 Mark, für die Ruhe- gehaltskasse 1 600 000 Mark, für den Pfarrer-Witwen- und Waisenfonds unter Fortfall der bisherigen Staatsbeiträge 1 924 739 Mark beträgt. Das Diensteinkommen der katholischen Pfarrer erfährt ebenfalls eine Anst besferung. Der hierüber den Finanzvorlagen eingefügte Gesetzentwurf bestimmt, daß „behufs Gewährung von widerruflichen Beilagen an leistungsunsühige katholische Pfarrgemeinden zur Aufbesserung des Diensteinkommens ihrer Pfarrer ein Betrag von 5 618 400 Mark jährlich aus Staatsmitteln bereitgestellt wird.
Die Aufbefferung der Besoldungen der Beamten, Geistlichen und Volksschullehrer bedingt eine Steigerung des Auskommens an direkten Staatssteuern. Zu diesem Zwecke sollen die nichtphysischen Personen (aus- genommen die Gesellschaften mit beschränkter Haftung)
nicht mehr wie bisher zur Einkommensteuer, sondern zu einer besonderen Gesellschaftssteuer veranlagt worden. Der Ertrag dieser Sondersteuer wird auf 22 Millionen Mark veranschlagt. Ferner soll ein Mehrertag aus der Einkommensteuer durch eine Abänderung des Steuertarifs erzielt werden. Die untersten Einkommensstufen (900 bis 1050 Mark) sind gegenwärtig mit 0,62 v. H. belastet. Der Steuerfuß steigt alsdann mit der Höhe des Einkommens und erreicht bei dem Einkommen von 9500 bis 10 500 Mark den Satz 3 v. H., der bis zu dem Einkommen von 30 500 Mark unverändert festgehalten wird. Erst bei dem Einkommen von mehr als 30 500 Mark setzt eine weitere Steigerung des Steuerfußes ein bis zu dem Satze von 4 v. H., der von allen Einkommen über 100 000 Mark gleichmäßig zu entrichten ist.
Deutsches Reich.
— Der Kronprinz und die Kronprinzessin empfingen am Sonntag abend im Kronprinzenpalais zu Berlin den Prinzen Kuni von Japan, sowie jdie neu- ernannten Botschafter Japans und der Türkei, ersteren mit Gemahlin. Um 8 Uhr fand in genanntem Palais ein Diner statt, zu dem eine Abordnung des Dragoner- Regiments Nr. 8 (Oels), zu dessen Chef die Frau Kronprinzessin ernannt worden ist, bestehend aus dem Regimentskommandeur, einem Rittmeister und vier Oberleutnants bezw. Leutnants, geladen war. An diesem Diner nahmen außerdem einige Herren des Grenadier-Regiments Kronprinz teil.
— Im alten Hohenzollernschlosse zu Berlin hat die Hochzeitsfeier des Prinzen August Wilhelm von Preußen mir der Prinzessin Alexandra Viktoria zu Schleswig« Holstein-Sonderburg Glücksburg, einer Nichte Der deutschen Kaiserin, in glanzvoller Weise stattgefunden. Oberhofprediger Exzellenz D. Dryander hielt die Traurede, der er das Bibelwort „Seid fleißig zu halten an der Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens" zu Grunde legte. Nach der Trauung fand die große Gratulationscour im Weißen Saale staat Das hohe neuvermählte Paar begab sich noch am Abend nach Schloß Hubertusstock.
— Der Ballon Zeppelin 1 ist um 2 Uhr 5 Minuten am Freitag in Mauzest glatt ausgestiegen und fuhr über das Schloß der Stadt Friedrichshafen zu. An der Fahrt nahmen zehn Personen teil. In der vorderen Gondel befanden sich Graf Zeppelin junior, Ober-Ingenieur Dürr, zwei Unlerkapitäne und zwei
Künstlerbtut.
Roman von Vera v. Baratowski. 28
Von flammendem Abendrot durchglühte Nebel um= hüllten, gleich rosigen Schleiern, die Stadt, in welcher Klothilde weilte. Unter den vielen Reisenden, die, kaum dem überfüllten Zug entstiegen, schon geschäftig teils zu Fuß, teils zu Wagen an ihr Ziel zu kommen suchten, befand sich nur einer, der zögernd verweilte: Hugo Meißner.
War es ihm vor kurzem noch gewesen, als seien mit dem Bande, das ihn an Flora knüpfte, auch tausend Srte Fäden in seinem Innern zerrissen, so wich diese mpfindung jetzt wieder einer viel heißeren, leidenschaftlicheren. Hier wohnte das Weib, nach welchem Herz und Sinne verlangten, die Zauberin, welche feinen künstlerischen Ehrgeiz stets zu entflammen, seine Phantasie immer wieder zu erregen verstand. Während er auf dem Bahnhof stand, von niemand begrüßt und erwartet, scheinbar vereinsamt, tönte es unaufhörlich mit frohlockendem Ruf durch seine Seele: „Freiheit und Liebe!"
Ohne sich vorläufig um das Gepäck zu bekümmern, schlenderte er der Stadt zu. Großgedruckte Plakate erregten seine Aufmerksamkeit. Er blieb stehen und las. Klothilde Eufemi gastierte heute als Dalia.. . Welch verlockender Gedanke, in ihrer nächsten Nähe zu sein, noch ehe sie seine Anwesenheit ahnte!
Jetzt bestieg Meißner ein leer des Weges daherkom- meudes Geführt und fuhr nach dem Theater. Die Bil- letts waren fast vergriffen. Nur mit Blühe vermochte er noch einen ziemlich schlechten Platz zu bekommen. Doch, was lag daran? Konnte er Klothilde doch sehen und ihre Stimme vernehmen!
Der erste Akt zog fast interesselos an ihm vorüber, kaum, daß er der Musik und den Vorgängen auf der Bühne flüchtige Aufmerksamkeit gönnte. . dann aber trat das wundervolle Weib dem Sieger, dem Befreier
eines geknechteten Volkes entgegen, ausgerüstet mit den gefährlichen Waffen bestrickender Koketterie und höchster Verstellungskunst.
Wie ein kostbarer Königsmantel floß die fessellose Pracht des metallisch schimmernden Haares um sie her. Ihre hohe, majestätische Gestalt nahm sich herrlich aus in dem Gewände von blauem, golddurchwirkten Stoff. Ein Reif, mit Edelsteinen besetzt, zierte die Stirn.
Als sie nun, aus ihrem Palast tretend, langsam die Stufen Herabstieg, den Helden preisend, mit bewunderungswürdiger, faszinierender Heuchelei, mußte Meißner wieder an jenes Lied denken, das er an dem ersten auf Gut Sudowsky verlebten Abende gehört hatte.
Wie aus dem Bilde: „Die Versuchung des heiligen Antonius" war Klothilde auch als Dalia die Verkörperung des bösen Prinzips, ein verführerischer, aber furchtbarer Dämon.
Kaum vermochte Meißner am nächsten Tage die üb- liche Besuchsstunde abzuwarten. Klopfenden Herzens betrat er das Haus, in welchem Frau von Sudowsky vorläufig eine Reihe elegant möblierter Zimmer bewohnte.
Eine Kammerzofe mit listig funkelnden schwarzen Augen öffnete und erklärte: „Madame hat gestern gesungen, fühlt sich ermüdet und empfängt heute nicht."
„Melden Sie mich nur! Ich komme von weit her und überbringe wichtige Nachrichten. Vielleicht läßt mich Ihre Herrin doch vor."
Mit seiner Karte legte er ein Goldstück in die Hand des Mädchens, welches nun nicht länger zögerte, den Auftrag zu übernehmen.
Die Zofe kehrte nicht zurück, wohl aber kam Liska und forderte ihn auf, ihr zu folgen.
Sie geleitete ihn bis an die Schwelle eines kleinen, ungemein zierlichen Gemaches, durch dessen zurückgezogene Vorhänge das Sonnenlicht nur matt und gedämpft eindringen konnte, sodaß gleichsam den ganzen Raunt goldige Dämmerung füllte und das schöne Weib um= wob, welches auf einem orientalischen Divan ruhte.
„Hugo .. was führt Sie her?" fragte die volle, sonore Stimme der Sängerin.
„Ich bin frei!" erwiderte er. Ein jauchzender Laut ent« rang sich ihrer Brust.
„Frei! . . Das ist die Nachricht, auf welche ich täglich und stündlich wartete! Es mußte so kommen! Wir konnten nicht voneinander lassen!"
Sie war aufgestanden, richtete sich hoch empor und breitete beide Arme aus, wie um ihre Kraft zu erproben. „So fesselt Dich nichts mehr an Flora?"
„Nichts. .. Sie trat selbst zurück."
„Ah!.. Und Du priesest dieses Mädchen als Muster der Treue und Beharrlichkeit?"
„Das tat ich mit vollster Ueberzeugung und wage auch jetzt noch faum, sie der Unbeständigkeit für fähig zu halten. Fest entschlossen, ihr die Veränderung, welche mit mir selbst vorgegangen war, zu verbergen, mag ich diesen Vorsatz trotz des ernstesten Willens vielleicht doch nur mangelhaft ausgeführt haben und so der unendlich Zartfühlenden Ursache gegeben haben, sich scheu und stolz zurückzuziehen."
Zwischen Klothildes schöngeschwungenen Brauen markierte sich eine tiefe Falte und gab dem interessanten Antlitz etwas Finsteres. „Fast scheint es, als beglücke Dich die wiedergewonnene Freiheit nicht sonderlich," sagte sie grolleud.,,Was suchst Du denn hier?"
„Kannst Du mich so mißverstehen? Alle Lebens-und Arbeitslust war mir mit Dir genommen. Klothilde, nur Du bist imstande, mich wieder zu einem frohen Menschen und schaffensfreudigen Künstler zu machen. Ich bedarf Deiner, wenn ich mit Mut und Begeisterung an große Aufgaben gehen und an mich selbst glauben soll. Begreife doch, wie ich es meine! Den Familien Henck und Westberg gegenüber, befreite mich Floras Rücktritt von allen Verpflichtungen .. aber ich werde des quä* lenden Gedankens nicht ledig, daß sie ein großes, über- ilienschliches Opfer brächte." 155,18