sich jedesmal auch zu einer freudigen Huldigung des, Lottes vor der gütigen Fürstin, zu einem nationalen j Festtage; denn die Deutsche Kaiserin lebt in dem Volke und mit ihm. Voll Liebe, Ehrfurcht und Stolz schlagen heute alle deutschen Herzen der hohen Frau entgegen und wünschen ihr weitere lange Jahre gesegneten Wirkens, lichten und glanzvollen Glückes. Möge ihr auch die Zukunft hold fein und ihrem vorbildlichen Wirken, ihren barmherzigen Werken mit reichem Segen lohnen! Möge es der teuren Landes- multer noch lange Jahre vergönnt sein, in ungetrübter Kraft und Frische an der Seite ihres erlauchten Gemahls als Vorbild deutscher Frauentugend ihres hohen Berufes zu walten zum Wohle des deutschen Vaterlandes !
' Deutsches Kelch.
— Der Kaiser eröffnete den Landtag am 20. Okt. im Weißen Saale des königlichen Schlosses.
— Der Kaiser wird am 27. d. Mts. in Werninge- rode eintreffen, um auf Einladung des Fürsten zu Stollberg im dortigen Schlosse einen etwa zweitägigen Jagdaufenthalt zu nehmen.
— Der Kaiser hat dem Grenadier-Regiment König Friedrich III. (zweites schlesisches) Nr. 11 aus Anlaß seines hundertjährigen Bestehens Säkulärfahnenbänder verliehen, die nach Beendigung des Festgottesdienstes und der Verlesung der Allerhöchsten Kabinettsordre an den Fahnen befestigt wurden. Auch die Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen verlieh als Chef des Regiments Fahnenbänder in den Regimentsfarben zur bleibenden Erinnerung an die Kommandoführung ihres hochseligen Vaters weiland König Friedrich HL
— Der König von Griechenland in Berlin. Freitag abend 9 Uhr traf auf dem Stettiner Bahnhof der König von Griechenland beim Kaiser ein. Der Kaiser hatte sich zum Empfange nach dem Bahnhof begeben und geleitete seinen Gast nach dem Königlichen Schloß wo der König Wohnung nahm. Nach der gemeinsamen Ankunft im königlichen Schloß geleitete der Kaiser den König der Hellenen zur Kaiserin, die den König begrüßte. Später hatte der König noch eine Besprechung mit dem griechischen Gesandten. Am Samstag morgen unternahm der Kaiser einen Spazierritt und hörte im Schloß die Vorträge des Staatssekretärs des Reichsmarineamts und des Chefs des Marinekabinetts. Um 11 Uhr empfing der Kaiser den japanischen Prinzen Kunin in Gegenwart des Prinzen Eitel Friedrich und des japanischen Botschafters. Der König der Hellenen besuchte Samstag Vormittag den Staatssekretär von Schön. Hierauf wurde die Aquarellausstellung in der Akademie der Künste in Anwesenheit des Kaiserpaares und des Königs der Hellenen eröffnet. Die Majestäten unternahmen einen Rundgang.
— Patronenfund in Wilhelmshaven. Dreihundert scharfe Patronen wurden in einer Sandgrube unweit Jever, versteckt aufgefunden.
— Der Ballon „Hergesell" wurde ohne seine Insassen in der Nordsee geborg»1. Von den Leutnants Förtsch und Hummel fehlt jede Spur.
— Graf Zeppelin hat das Eh"enpräsidium des württembergischen Landesverbandes des Deutschen Luft- flottenvereius übernommen.
— Bei der Bismarckfeier in der Walhalla in Regensburg wurde der Enkel des Altreichskanzlers Fürst Otto von Bismarck von einem Unwohlsein befallen, so daß er nach Regensburg in sein Hotel befördert werden mußte.
-— Ueber einen Regentschaftswechsel in Reuß ä. L. wurde amtlich bekannt gemacht, daß Fürst Heinrich XIV. von Reuß j. L. die Regentschaft des Fürstentums Reuß ä. L. niedergelegt ha'. Laut Hausgesetz und Landesverfassung übernahm der Erbprinz Heinrich XXV1L Reuß j. L. die Regentschaft in Reuß ä. L-. Bekanntlich ist der regierende Fürst von Reuß ä. L-, Heinrich XXVI., infolge Geisteskrar qr.t unfähig, die Regierung des Fürstentums zu führen, und da außer ihm m^nn lich" Mitglieder der Familie Reuß ä. L. nicht existieren, führt seit seinem Regierungsantritt am 19. April 1902 die Regentschaft der nächste Agnat des Gesamthauses Reuß, oer regierende Fürst von Reuß j. L., Heinrich YIV. Die Niederlegung der Regentschaft durch den Fürsten Heinrich XIV. bürste ihren Grund in dem Alter des jetzt regierenden 76jährigen Fürsten haben.
— Nach einem Erlasse der Ministerien des Innern und der Landwirtschaft werden die Verwaltungsbehörden angewiesen, die Landwirtschaftskammern bei ihren Erhebungen über den Kontraktbruch landwirtschaftlicher Arbeiter auf Erforden nach Möglichkeit zu unterstützen. Es wird hierbei darauf angewiesen, daß der Mangel an zuverlässigen Unterlagen über den Umfang des Kontraktbruches landwirtschaftlicher Arbeiter nachteilig empfunden wird. Die Landwirtschaftskammern beabsichtigen, diesem Mangel nach Möglichkeit abzuhelfen und zu diesem Zwecke unter Benutzung der bei den Ortspolizeibehörden vorhandenen Unterlagen Erhebungen zu veranstalten, die auch im Staatsinteresse als dringend erwünscht erachtet werden.
Ausland.
— Das gelbe Fieber in Frankreich. In Saint- Razaire hat das gelbe Fieber das siebente Opfer gefordert. Die Einwohner sind in größter Aufregung. Man führt das Umsichgreifen der Seuche auf die angeblich ungenügenden Maßnahmen der Sanitätsbehörden zurück
— Riesige Waldbrände bei Detroit Hier wüten fortgesetzt Waldbrände. Ein von Presque Jsle nach der Ortschaft Metz gesandter mit Flüchtlingen besetzter Bahnzug entgleiste und verbrannte. Nach den letzten Meldungen fanden dabei 200 Menschen den Tod. Eine weitere Depesche meldet: Der infolge der Waldbrände in der Nähe von Presque Jsle verbrannte Eisenbahnzug war hauptsächlich mit flüchtenden Frauen und Kindern angefüllt. In den Trümmern des Zuges wurden 15 verkohlte Leichen gesunden.
— Ueber das Programm der neuen Orientconfer- enz ist zwischen England und Rußland eine Einigung dahin erzielt worden, daß die erste Sorge eine Entschädigung der Türkei sein müsse. Ferner soll für eine wirksame Stärkung der jetzigen Verwaltung der Türkei gesorgt werden, welche die beste Sicherheit für Erhaltung des Friedens bietet. Es besteht auch Hoffnung, daß Mittel gefunden werden, um den Wünschen der kleineren Balkanstaaten entgegenzukommen, mit dem Vorbehalt, daß dies nicht auf Kosten der Türkei geschieht, und es ist guter Grund zu der An, nähme, daß die kretische Frage in befriedigender Weise behandelt werden wird, obgleich sie vorläufig vom Konferenzprogramm ausgeschlossen ist. Dagegen besteht nicht die Absicht, die Dardanellenfrage der Konferenz zu unterbreiten.
Infolge stürmischer Auftritte, die in Tätlichkeiten ausarteten, ist der böhmische Landtag vertagt worden. Eine weitere Folge ist die Demission des tschechischen Landsmannministers Praschek und des tschechischen Handelsministers Dr. Fiedler.
Infolge eines Zusammenstoßes zwischen chinesischen und japanischen Truppen in Kantoo (Nordkorea) droht ein ernster Konflikt zwischen China und Japan zu entstehen. Nach Meldungen aus Söul eröffneten die Chinesen die Feindseligleiten durch die Beschießung einer von japanischen Soldaten besetzten Polizeistation. Das Gefecht dauerte mehrere Stunden. Die Zahl der Getöteten und Verwundeten ist unbekannt. Das japanische auswärtige Amt erhob Vorstellungen in Peking, und sofern nicht unverzüglich Genugtuung gegeben wird, werden japanische Truppen die Grenze überschreiten.
Die Bedeutung des Bauernstandes.
Welcher Wertschätzung sich der Bauernstand auch in katholischen Kreisen erfreut, geht aus einer höchst lehrreichen und fesselnden Schrift hervor, die der Zentrumsabgeordnete Dr. Hitze, Professor der Nationalökonomie an der Universität Münster, im Verlage des rührigen Katholischen Volksvereins in M.-Gladbach unter dem Titel „Abriß der Agrarfrage" (Preis 65 Pfg) veröffentlicht hat. Besonders interessant ist das Kapitel über die Bedeutung des Bauernstandes, das dessen nationalen Wert nachweist und mit Nachdruck betont.
Der Bauernstand ist der Jungbrunnen der physischen und sittlichen Volkskraft. Die Arbeit, ansvannend, in freier Natur, voll Wechsel und Anregung, stählt Geist und Körper. (Vergleiche Neuniers Erntearbeiter.) Eine natürliche, einfache Lebensweise, fern von den Genüssen, Lockungen und Aufregungen der Stadt und Industrie, unterstützt durch Religiosität und Sittenstrenge, hält frisch, schafft Lebenskraft und frohen Sinn und sichert dem Familienleben reichen Inhalt und festen Bestand. Die Söhne des Landes stellen die meisten und besten Soldaten und Offiziere. Das Land und die Landwirtschaft weist die geringste Sterblichkeit, den höchsten Geburtenüberschuß auf. Die Großstädte erhalten und verstärken sich nur durch den Ueberschuß des Landes. Auch die akademischen Berufe, insbesondere der Klerus und Lehrstand rekrutieren sich zum guten Teil aus dem Bauernstand.
Der Bauernstand ist in bestem Sinne „national". Er ist mit dem Boden, den er bebaut, den er ererbt hat, innig verwachsen, er liebt Heimat und heimatliche Sitte, sümpft für Haus und Hof, verteidigt ihn gegen Gleichmacherei und Revolution im Innern wie gegen den äußern Feind. Anderseits: wer hat unser Vaterland so wohnlich gestaltet, die wogenden Felder, die grünen Wiesen und Matten, den herrlichen deutschen Wald geschaffen, wenn nicht der Bauer! Wer sein Vaterland liebt, liebt auch unsern Bauernstand. Der Bauernstand ist ein wertvolles konservatives Element in Staat und Gesellschaft. Er verstärkt die Kräfte der Ordnung und Beharrung gegenüber dem stürmen« den Fortschritt. Er rechnet mit den Gesetzen der organischen Entwicklung. Der bäuerliche Mittelstand bildet ein bedeutungsvolles Mittelglied zwischen „Kapital" und „Arbeit". In ihm vereinigt sich Kapital, Intelligenz und persönliche Arbeit. „Arbeitgeber" und „Arbeiter" stehen noch in persönlichen, familiären Beziehungen.
Der Bauernstand hält fest an Religion und Sitte. Die freie Natur — der Tempel Gottes — ist seine „Werkstatt". Sonne und Sterne leuchten zu seiner Arbeit. Der dramatische Wechsel der Jahreszeiten bestimmt seine Arbeitszeit. Die Wolken in ihren wunderbaren Gebilden fenben Schatten und befruchtenden Regen, können aber auch unter Blitz und Donner in einem Augenblick vernichten, was in mühsamer Arbeit geschaffen. Dadurch lernt der Bauer aufschauen nach oben. Er bewundert die Werke des Schöpfers, beugt sich seinen Gesetzen, schaut betend auf zu dem, der allein Segen und Gedeihen gibt.
So erfreuen wir uns eines gesunden, kräftigen „Bauernstandes", der auf einigener Scholle waltet. Nur 12,4 v. H. der landwirtschaftlichen Fläche ist Pachtlaud, von dem bäuerlichen Besitz sogar noch weniger: bei 5 bis 20 Hektar 8,2 v. H., bei 20 bis 100 Hektar 7,3 v. H. Und es sind nicht bloß „Gutsbesitzer", nicht bloß „Oekonomen", sondern „Bauern", die mit Einsetzung ihrer ganzen Persönlichkeit, in Zähigkeit und Intelligenz den von den Vätern ererbten Besitz „bebauen" und, dank der Weckuug des rechten Standesbewußtseins durch die „Bauern"«Vereine, sich mit Stolz so nennen. Trotz „Dornen und Disteln", trotz Sturm und Sonnenbrand ringt er dem Boden Rohstoffe ab für unsere Kleidung und Wohnung. Trotz tödlicher Konkurrenz des Auslandes, trotz eigener Notlage, trotz mangelnder Arbeitskräfte hat er die Erträge stets gesteigert. Diese festen, wettergebräunten, vielleicht von der harten Arbeitslast gebeugten Männer verdienen unsere Hochachtung und Liebe, haben einen berechtigten Anspruch darauf, daß wir ihnen teilnahmsvoll die Hand drücken.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 20. Oktober 1908.
—* Um den Lehrermangel in Kurhessen abzuhelfen, sollen zu Ostern nächsten Jahres zwei neue Volks- schullehrerseminare eröffnet werden, das eine in Rinteln im Anschluß an die dort bereits bestehende Präparan- denanstalt, das andere in Niederzwehren, einem Vorort von Cassel. Ob der Andrang zum Volksschullehrer- beruf so stark sein wird, daß auch diese beiden Seminare gefüllt werden, hängt wesentlich von dem Ausfall des neuen Lehrerbesoldungsgesetzes ab.
—* Vergangene Nacht wurde in der Arbeiterbude beim neuen Tunnelbau am Distelrasen eiugebrochen. Die Diebe entwendeten Eßwaren, verschiedene Kleidungsstücke und eine Schippe. — Der Verlust wird auf 20 Mark geschätzt. — Vielleicht tragen bi^U Zeilen bei, Die Täter Habhaft zu machen.
* Wächtersbach. Mit dem Bau der neuen Drahtseilbahn vom hiesigen Braunkohlenwerk zur Kleinbahn ist seit einigen Tagen begonnen worden.
* Geluhausen. Infolge eines Unglücksfalles, man spricht von einer Geschützexplosion, wurde am Samstag abend 'der Leutnant im 3. Seebataillon in Wilhelmshaven Herr Fritz von Kutzleben von hier, schwer verletzt und ist um Mitternacht bereits verstorben. Der so schnelle Tod des jungen Offiziers, welcher zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, erregt die lebhafteste Teilnahme.
* Das landwirtschaftliche Fest (landwirtschaftliche Ausstellung, Bezirkstierschau usw.) in Hanau hat trotz bedeutender Unkosten mit. einem kleinen Ueberschuß abgeschlossen.
* Frankfurt. Wie der „F. Ztg." aus Berlin oemeldet wird, hat der Vorstand der Preußischen ^ehrervereine beschlossen, den außerordentlichen Lehrertag, der zur Lehrerbesoldungsvorlage Stellung nehmen soll, am 3. Sonnabend und Sonntag nach der Einbringung dieser Gesetzesvorlage in Berlin abzuhalten.
* Frankfurt a. M. Eckenheim und Ginnheim haben den Eingemeindungsvertrag angenommen, so daß jetzt sämtliche Gemeinden des Landkreises eingemeindet werden können.
* Langen. Kommerzienrat Scherer dahier hat dem hiesigen Krankenhause aus Anlaß der Geburt seines ersten männlichen Enkelkindes eine Stiftung im Betrage von 2500 Mk. zwecks Beschaffung einer maschi' nellen Wascheinrichtung zugewiesen.
* Frankenberg. Eine erfreuliche Einnahme haben in diesem Jahre viele Gemeinden des Kreises aus den Verkauf des Obstes erzielt. Während der Gesamterlös im Kreise im vorigen Jahre nur 3477,85 Mark betrug erreichte er in diesem Jahre die Summe von 11516,75 Mark, mithin 8028,90 Mark mehr wie im Vorjahre- — Der Ueberschuß der beiden in diesem Jahre hier abgehaltenen Kriegerfeste in Höhe von 365,46 Mark ist dem Denkmalsfonds überwiesen worden. Es sind noch ca. 2000 Mark aufzubringen.
* Cassel. Regierungs- und Schulrat Martin ist am 1. Oktober wegen Krankheit in den Ruhestand getreten. Aus Anlaß seiner Pensionierung ist dem verdienten Schulmann der Charakter als Geheimer Regierungsrat verliehen worden. Zu seinem Nachfolger ist Regierungs- und Schulrat Dr. Quehl aus Düsseldorf, auch ein geborener Hesse, ernannt worden.