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mit amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
__Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".___
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
85. Mittwoch, den 21. Oktober 1908. 59. Jahrgang.
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Amtliches.
J.-Nr. 13830. Die Einreichung der Anträge auf Erteilung von Wandergewerbescheinen für das Jahr 1909 bringe ich hiermit in Erinnerung. Schlüchtern, den 17. Oktober 1908.
Der Königliche Landrat:
I. V. Schultheis.
J.»Nr. 5489 K.«A. Der bei dem Bürgermeister Ringler in Heubach in Dienst stehenden Katharina Jordan dortselbst ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 20 Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden.
Schlüchtern, den 14. Oktober 1908
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses:
J. V. Berta.
J.-N. 5679 K^Aß
Berdingung von Wegebanarbeiten snr 1909.
Zur Vergebung der Anlieferung und des Zer- kleinerns von Basalt- und Kalksteinen sowie aller sonstigen Arbeiten und Lieferungen auf den Land» wegen des Kreises für das Jahr 1909, und zur Verpachtung der Grasnutzungen auf den Böschungen und in den Gräben, werden folgende Termine anbe- raumt:
1. Dienstag, den 27 Oktober.
Vormittags 8'/, Uhr in der Halbreiterffchen Gastwirtschaft zu Steinau für Steinau, Hunds- rück, Marborn, Bellings, Hohenzell, Linden» berg, Niederzell, Marjoß, Seidenroth.
Mittags 12*/a Uhr in der Heil'schen Wirtschaft zu Ulmbach für Ulmbach, Sarrod, Rabenstein, Rebsdorf, Uerzell, Neustall, Klesberg.
Nachmittags 4'/, Uhr in dem Gasthaus „Zum Hirsch" in Soden für Salmünster, Soden, Ahl, Romsthal, Eckardroth, Wahlert,Kerbersdorf.
2. Mittwoch, den 28. Oktober
Vormittags 9 Uhr in dem Gasthaus „Zum Löwen" in Schlüchtern, für Schlüchtern, Elm, Herolz, Ählersbach, Vollmerz mit Ramholz und Hinkelhof.
Nachmittags 2 Uhr in der Rosenberger'schen Wirtschaft zu Wallroth, für Wallroth, Hinter- steinau, Reinhards, Klosterhöfe, Breitenbach, Kressenbach.
3. Mittwoch, den 4. November.
Vormittags 10 Uhr in der Müller'schen Wirtschaft zu Gundhelm, für Gundhelm, Hütten, Oberkalbach, Heubach, Uttrichshausen.
4. Donnerstag, den 5 November.
Vormittags 9 Uhr in der Löffert'schen Gastwirtschaft zu Sterfritz, für Sterbfritz, Oberzell, Weichersbach, Mottgers,Züntersbach, Alten- gronau, Neuengronau, Jossa, Breunings, Sannerz, Weiperz.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, obige Termine im Interesse ihrer Gemeinde rechtzeitig bekannt machen zu lassen.
Schlüchtern, den 15. Oktober 1908.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: ________________________I. A. Berta.___________
Zum 50. Geburtstage der Kaiserin.
Bunter Flaggenschmuck verkündet heute überall, wo Deutsche wohnen, daß Deutschlands Kaiserin ihren Geburtstag feiert. Mit reicher innerer Befriedigung blickt die hohe Frau an diesem Tage auf 50 Jahre eines vielgesegneten Lebens zurück. Ein höheres und schöneres Los ist kaum je einer Frau beschieden gewesen, die eine Krone trug. War doch schon die Vermählung der anmutreichen holsteinischen Prinzeß Auguste Viktoria mit dem Erben der Zollernkrone von glück- hafter nationaler Bedeutung als Zeichen des Friedens zwischen dem Kaiserhofe des jungen Reiches und dem adligen Fürstengeschlecht des edlen deutschen Stammes in der Nordmark. Und hat doch die Kaiserin an der Seite des kaiserlichen Gemahls, im Kreise blühender Kinder, als Förderin zahlreicher Werke der Wohlfahrt eine Ehe gelebt, die ein leuchtendes Vorbild darstellt unter den Hochgefürsteten aller Länder und aller Zeiten.
Aber sie ist auch das herrliche Vorbild einer von echt deutschem Geiste erfüllten Frau und Mutter. Ebenso wie sie eine treue, verständnisvolle Gefährtin ihres hohen Gemahls, unseres teuren Kaisers, ist, so hat sie auch als Mutter, welche ihren sechs Söhnen, von denen zwei bereits eine Familie gegründet haben, der dritte aber, Prinz August Wilhelm, heute mit der holsteinischen Prinzessin Alexandra den Ehebund schließt, und dem Töchterchen eine gediegene, vorzügliche Erziehung gab, mancher Familie zum Beispiel dienen
können. Schlicht und einfach, aber herzlich geht es am Kaiserhof zu, und das ist nicht zum wenigsten auch ihr Verdienst mit. Schon in früher Jugend zeichnete sie sich durch Liebreiz und Anmut aus und durch herrliche Eigenschaften des Charakters. Als der damalige Prinz Wilhelm von Preußen um ihre Hand anhielt, gab sie ihm freudigen Herzens ihr Jawort. Die Vermählung fand am 27. Februar 1881 statt. Freud und Leid gingen seitdem auch an der Deutschen Kaiserin nicht vorüber. Mit Stolz sah sie vier Generationen auf einmal: Kaiser Wilhelm I., den Kronprinzen Friedrich, den Prinzen Wilhelm, ihren Gemahl, und ihren ältesten Sohn, so daß das frohe Wort: „Hurra, vier Kaiser!" damals geprägt wurde. Aber schon bald lichtete der Herrscher über die Fürsten der Erde auch diese Reihe. In einem Jahre schieden der greise Heldenkaiser und sein schwer leidender Sohn; nun wurde sie an der Seite ihres hohen Gemahls auf ben deutschen Kaiserthron erhoben, und zwanzig Jahre hindurch trägt sie jetzt den Titel einer Deutschen Kaiserin.
Mit recht hat man es unserer Kaiserin von jeher nachgerühmt, daß sie es mit echtem Takte vermieden hat, in den Fragen der Politik irgendwie eine Rolle spielen zu wollen, wie es oft schon Frauen auf dem Throne getan haben. Das Arbeitsfeld, das sie sich erkor, liegt auf dem Gebiete, auf dem gerade die Frau und zumal die Fürstin sich die meisten Lorbeern zu erringen vermag, dem der christlichen Nächstenliebe und sozialer Fürsorge für alle diejenigen, denen das Schicksal härtere Lasten auflegte als der Mehrzahl der Menschheit. Gerade nach dieser Richtung hat die Kaiserin eine nie erniüdende Arbeitskraft entfaltet. Sie hat sich nicht damit begnügt, Mittel für wohltätige Zwecke zur Verfügung zu stellen und die Arbeit der christlichen Nächstenliebe im großen zu fördern: gerade ihr persönliches Eingreifen, die hundertfache Arbeit im kleinen ist es gewesen, die ihr die Herzen ihres Volkes gewann, das auch mit herzlicher Anteilnahme das innige Familienleben am Kaiserhofe verfolgt, als dessen Trägerin die Kaiserin in erster Linie gilt.
Deshalb steigen heute auch aus allen deutschen Herzen Gebete empor für das stete Glück und Wohlergehen unserer teuren Kaiserin, deren segensreiches Wirken und mildherziges Walten auf allen Gebieten der Nächstenliebe viele Tränen getrocknet hat, und das frohe Fest im Kreise der kaiserlichen Familie gestaltet
Künstterötut.
Roman von Vera v. Baratowski. 25
Schon am nächsten Tage schied sie, nach einem letzten Besuche der Familiengruft, von ihrem bisherigen , Wohnsitze und begab sich, von Liska begleitet, zu einem • längeren Gastspiel nach Warschau.
Man begrüßte den ehemaligen Liebling mit Enthu- ' siasmus. Klothilde hatte einensunbestrittenen Erfolg.Ihre Stimme besaß immernoch Schmelz und Wohllaut, vereinigt mit schmetternder Kraft. Vortrag und Spiel aber waren von packender Leidenschaft.
Befriedigter Stolz strahlte der gefeierten Sängerin aus den Augen, als sie wiederholt stürmischen Hervorrufen Folge leisten mußte. Plötzlich aber verfinsterte sich das interessante Antlitz. In einer Loge, nahe der Bühne, gewahrte Klothilde ihren Vetter Bogislaus von Su- dowskn. Er spendete lebhaften Beifall, und unter den Kränzen, welche ihr 511 flogen, war seiner der prächtigste.
Gegen Mitternacht traf sie ermüdet und doch fieberhaft erregt wieder im Hotel Royal ein.
Liska breitete die duftenden Zeichen der Bewunderung vor ihrer Herrin aus und sagte: „Sieh nur, Herzchen, über einen Teppich von Lorbeeren und Blumen könntest Du gehen."
Ein eigentümliches Lächeln umspielte Klothildes Lippen. Sie antwortete nicht, schrittüber Sudowskys Kranz dahin und zertrat ihn. Unheimlich raschelten die Blätter unter ihren Füßen.
Hatte Meißner anfänglich gehofft, sich wieder in die früheren Verhältnisse hineinfinden zu können, so erwies sich diese Hoffnung bald als eine trügerische. Das ganze Leben erschien ihm leer und öde. In lockende Erinnerungen vertieft, wandte er, an der Staffelei sitzend, oft oen Kopf, als müßte Klothilde hinter feinem Stuhle ste-
I hen, wie es einst ihre Gewohnheit war, um die im Wer- ; den begriffene Arbeit prüfenden Blickes zu betrachten.
Was hätte er nun gegeben nicht nur für ein lobendes, sondern auch für ein tadelndes Wort aus ihrem Munde! Aber alles .. alles war ja vorbei!. . In unabsehbarer Ferne gingen die noch vor kurzem so eng verschlungenen Lebenswege auseinander.
Viele Zeitungen enthielten Referate über Frau Klothilde Eufemis Gastspiele in Warschau, und fast alle Berichte feierten die Schönheit und hohe Begabung dieser der Bühne wiedergewonnenen Künstlerin.
Hugo suchte eifrig nach solchen Nachrichten und verschlang sie mit einer Art seelischen Heißhungers. Sie erregten sein Inneres, Sturmesgewalten gleich, welche schäumende Wogen vor sich herjagen und blühende Landschaften verwüsten. Eines Tages konnte er nicht umhin, an die leidenschaftlich Geliebte zu schreiben, und meinte sich damit eine erdrückende Last vom Herzen zu wälzen.
Was seine Seele quälte und zerriß, was sein verpfändetes Wort ihm befahl, vor Flora und deren Angehörigen geheim zu halten, strömte nun auf das Papier. 3lod) einmal, zum letzten Male mußte er Klothilde sagen, daß ihm mit ihr alles verloren ging; daß ihn an das holde, anmutige Kind, welches er „Braut" nannte, nur mehr der Verlobungsring fesselte. Sein Versprechen werde und müsse er halten, wenn es ihm auch Lebensglück und Schaffensfreudigkeit koste; denn mitKlothilde sei ja auch Begeisterung und Lust zur Arbeit von ihm genommen. „Unter diesen peinlichen Verhältnissen widme id) mich meinem Berufe ohne Freudigkeit," fügte Meißner am Schlüsse seines Schreibend hinzu. „Ich male, um Geld zu verdienen und fühle, wie ich allmählich vom Künstler zum Handwerker berabsinke. Wie so ganz anders hätte alles sich gestalten können, wäre es mir vergönnt gewesen, meiner genialen Freundin zu begegnen, ehe ein goldener Reif mir zur unlösbaren Fessel wurde."
Er selbst trug dieses Schreiben zur Post und atmete tief auf, als es befördert war. Blieb ihm auch nichts
zu hoffen und zu erwarten, so zwang er die ferne Geliebte doch, seiner und der mit ihm verlebten Stunden zu gedenken.
Frau von Hencksiechte unrettbar dahin. Obschon ärztliche Wissenschaft und aufopfernde Pflege unermüdlich das irdische Dasein der Kranken zu verlängern suchten, vermochten sie doch dem Tode, der sein Opfer forderte, nicht zu wehren. Ernst Winter mußte Flora auf dasAergste vorbereiten.
Freilich ahnte sie längst, welch herber Verlust ihr be- vorstehe, meinte jetzt aber dennoch zusammenbrechen zu müssen, unter der Bürde des überwälttgenden Schmerzes. Nur mühsam gelang es ihr, sich soweit zu fassen, um der Mutter gegenüber scheinbare Ruhe und Heiterkeit zu bewahren.
9lm selben Abend ging ihr ein Schreiben zu, dessen Poststempel sie erstaunt betrachtete. Die Adresse zeigte eine ihr völlig fremde Schrift.
Flora erbrach den Brief. Je länger sie las, einen desto gramvolleren Ausdruck bekam ihr abgehärmtes Gesicht- chen, desto schmerzlicheres Erstaunen spiegelte sich in den unschuldigen Augen.
Dann faltete sie das Papier zusammen, ging in ihr Zimmer und schloß sich dort ein.
Als sie wieder heraustrat und zu der kranken Mutter ging, war sie ruhig und gefaßt, nur die stark geröteten Lider zeugten von vergossenen Tränen. Diese Spu- reu des tiefen Wehes konnte die Sterbende ja nicht wahr- nehmen.
Wenige TagespäterschlummerteFrauvonHenck sanft in die Ewigkeit hinüber. Ihr Tod war ein langsames Erlöschen. Mit mildem, freundlichen Lächeln schied sie von einem Dasein, das ihr wenig Freude, wohl aber viel Kummer und schwere Sorgen gebracht hatte. Ihre erkaltende Hand legte Meißners und Floras Hände ineinander. Dann entfaltete die reine, gottergebene Seele ihre Schwingen und schwebte empor zum Throne des Allmächtigen. 155,18.