wiedergegeben sind. Die Zusendung der „Nachrichten für Handel und Industrie" erfolgt auf Antrag an das Reichsamt des Innern kostenlos an jeden im Inlands wohnenden Deutschen, der ein dauerndes Interesse an ihrem Inhalte bartut.
— Am heutigen Tage wenden sich die Blicke von Millionen kath. Christen nach Rom. Dort feiert am 18. September d. J. Papst Pius X. den 50. Jahrestag seiner Priesterweihe. - Seine Heimat ist das Dörfchen Riefe in der ehemaligen Lombardei. Hier wurde er am 2. Juni 1835 als Sohn des Gemeindedieners Johann Sarto und der Margarete Sanson geboren und erhielt in der Taufe den Namen Joseph Melchior.
— Nach dem nunmehr vollständig vorliegenden Ergebnis der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Wolfenbüttel-Helmstedt erhielt Kleye (vereinigte nationale Parteien) 11 423, Dedekind (Welse) 5926, Rieke (Soz.) 6196 Stimmen. Mithin ist Stichwahl zwischen Kleye und Rieke erforderlich. Im Jahre 1907 siegte der von den Nationalliberalen und dem Bund der Landwirte gemeinsam ausgestellte Kandidat bereits im ersten Wahlgange. Der Ausfall ist diesmal ein anderer, weil die nationalen Parteien annährend 3000 Stimmen eingebüßt, die Westen dagegen über 1000 Stimmen gewonnen haben. Die Sozialdemokraten sind um rund 800 Stimmen gegen die letzte Reichstagswahl zurückgeblieben. Der Sieg in der Stichwahl hängt von den Stimmen der Westen ab und ist deshalb für den nationalen Kandidaten sehr unsicher.
— Die Mitgliederzahl der christlichen Gewerkschaften, die im Jahre 1906 247 116 betrug, ist am Schlüsse des Jahres 1907 auf 284 649 gestiegen. Den Jahreseinnahmen von 4 311 495 Mark standen Ausgaben von 3193 978 Mark gegenüber. Der Vermögensbestand beziffert sich auf 3 487 495 Mark._____
Ausland.
— Das Gerücht von einer Fehlgeburt der Königin von Holland ist völlig unbegründet. Noch immer nennt man den Anfang des März als kritischen Zeit- )UNkt.
— Die Cholera in Rußland greift mit unheim- ächer Schnelligkeit um sich. Dabei muß noch in Veracht gezogen werden, daß die ärztliche Statistik in Rußland kaum rasch und verläßlich genug arbeiten dürfte, um alle Erkrankungen und Todesfälle an jedem Tage genau zu verzeichnen. Die bis jetzt veröffentlichten Meldungen zeigen ein schnelles Wachstum der Choleraepidemie. In der Zeit vom 5. August bis 14. September erkrankten 401 Personen an Cholera und starben 98. Seit dem Ausbruch der Epidemie in Rußland erkrankten 6747 Personen, wovon 3130 starken. Auch Kronstadt ist jetzt für choleraverseucht erklärt worden. In Pawlowsk und einer Reihe von anderen leinen Städten der Umgegend hat die Cholera ihren Einzug gehalten. Es fand im Stadtrat eine geheime Beratung über den Kampf gegen die Cholera statt, zu der die Stadtärzte zugezogen wurden. Die Aerzte erklärten, daß der ganze, von der Stadt gegen die Cholera ausgearbeitete Plan nichts wert sei. Sie deckten eine Reihe von Tatsachen auf deren Veröffentlichung zweifellos den Ausbruch von Unruhen zur Folge haben würde Jedenfalls wurden sämtliche Mißstände in der städtischen Wirtschaft eifrig erörtert, so daß man beschloß, einen neuen Plan zum Kampf gegen die Cholera auszuarbeiten, obgleich es dazu eigentlich schon längst zu spät ist/ Es sind Fälle vorgekommen, wo die Choleraleichen nach den Kirchen gebracht und dort unter feierlichem Totenamt begraben wurden. In einzelnen Hospitälern liegen die Choleraleichen seit fünf Tagen unbeerdigt. Die Aerzte schlugen infolgedessen vor, die Verbrennung der Choleraleichen als oblgator- isch einzuführen. Da diese Frage die Geistlichkeit entscheiden muß, so ist kaum auf eine schnelle Lösung zu hoffen.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 18. September 1908.
— * Wie wir in Erfahrung gebracht haben, ist noch von sehr vielen Berechtigten, die in diesem Jahre Staatsloosholz bezogen haben, das Forstgeld nicht bezahlt, welches bei Verlust des Anspruches auf den Loosholzbezug für nächstes Jahr bis spätestens 1. Oktober an die Königliche Forstkasse abgeliefert sein muß. Zur Verhütung dieses Nachteils und Ersparung der Kosten für Zwangsbeitreibung empfehlen wir ungesäumte Zahlung des noch restirenden Loosholzgeldes.
— * Herr Regierungspräsident Graf Bernstorf weilte in dieser Woche kurze Zeit in unserer Zeit.
— * Dem sicherem Vernehmen nach tritt mit dem 1. Oktober d. Js. der Sekretär des hiesigen Landcats- amtes Carl Wilhelm Pfeffer in. den wohlverdienten Ruhestand. Seit anno 1875, also 35 Jahre lang, hat sich derselbe mit voller Hingebung seiner ihm obliegenden Dienstgeschäfte insbesondere des Militärwesens gewidmet. Möge es dem Scheidenden vergönnt sein, noch viele Jahre hindurch ein zufriedenes Dasein zu verleben.
— * In den ersten Tagen dieser Woche wurde durch Herrn Kreisgärtner Walther in der „Turnhalle" ein Obstverwerlungskursus abgehalten.
dem er seiner besonderen Freude und Genugtuung Ausdruck gab.
— Der Kaiser hat für das deutsche Heer die Einführung einer Selbstladepistole, die an die Stelle der Revolver 79 und 83 tritt, genehmigt. Sie erhält die Bezeichnung Pistole 08.
— Zu den Schlußmanövern des 1. (ostpreußischen) und 17. (westpreußischen) Armeekorps unter der Oberleitung des Generalinspekteurs v. d. Goltz, der am 18. September das 17. Korps gegen das von ihm früher befehligte 1. Korps führt, wird der Kaiser am 18. in Osterode in Ostpreußen erwartet.
— Das Projekt einer Jnseratensteuer wird in der „Deutschen Tageszeitung" lebhaft bekämpft. Sie weist u. a. darauf hin, daß bei Besteuerung der Inserate zweifellos in kurzer Zeit die Abwanderung der Inserate in den redaktionellen Teil erfolgen würde. Dann wird weiter ausgeführt: Das würde uns zu französischen Zuständen führen, wo die offene und versteckte redak- nonelle Reklame weit höher bezahlt wird als bei uns Inserate. Der Preßkorruption würde Tür und Tor geöffnet werden. Damit würde der redaktionelle Teil der Blätter auf ein Niveau herabgedrückt werden, das der Presse und ihrem mühsamrn Emporringen schweren Schaden zufügen müßte. Ohne Einnahmen läßt sich auch njMs bieten. Das Abonnement ist heute aber meistens derart niedrig, daß die Einnahmen aus Inseraten einfach Lebensbedingung für die meisten Zeitungen find. Werden diese geschmälert — und die Versteuerung bringt einen Rückgang, so ist für finanziell schwache Zeitungen entweder der letzte Tag des Erscheinens gekommen, oder sie wandeln einen anderen Weg, der heute als nicht fair gilt.
— Zu dem Internationalen Tuberkulosekongreß in Washington, den Präsident Roosevelt am 28. d. Mts. eröffnen wird, wird Deutschland zahlreiche namhafte Vertreter der medizinischen Wissenschaft entsenden. Als Führer der Delegation des Deutschen Reiches wird Geheimrat Robert Koch sich von Japan nach Washington begeben und den Kongreß im Namen des Deutschen Reiches begrüßen. Von den übrigen Vertretern Deutschlands begeben sich am Dienstag Geheimrat Professor Dr. von Leube-Würzburg als Regierungs' Vertreter, ferner Dr. Freund-Berlin und der Leibarzt des Fürsten von Hohenzollern, Geheimer Medizinalrat Dr. Schwaß, an Bord des Schnelldampfers „Kronprinzessin Cecilie" des Norddeutschen Lloyd nach New- Aork, wohin eine Reihe anderer Mediziner schon früher mit den Lloyddampfern „Barbarossa", Kaiser Wilhelm H." und „Großer Kurfürst" u. a. abgereist sind.
— Herr Professor Ernst Daenell aus Kiel tritt am Dienstag, 15.. d. Mts., an Bord des Schnell - dampsers „Kronprinzessin Cecilie" des Norddeutschen Lloyd die Reise nach Newyork an. Herr Professor Daenell geht als "Austauschprofessor" an die Universität nach Chicago.
— Ueber den Besuch des spanischen Königspaares am bayerischen Hofe wird aus München berichtet: Das spanische Königspaar macht den Besuch am Münchener Hofe auf feiner Reise nach Pest zum ersten Staatsbesuche beim Kaiser Franz Joseph. Der Minister des Auswärtigen begleitet das Königspaar. König Alfonso war im März 1906 zwei Monate vor seiner Verheiratung noch zur Brautschau in München. Die Königin Ena Viktoria kommt jetzt §um ersten Male dorthin. Sie unternimmt an einem der der Jagd gewidmeten Tage während des Münchener Aufenthalts einen Ausflug nach Tegernsee zu ihrer Tante, der Herzogin-Witwe von Koburg (Edinburg). Nach seinem Aufenthalt in Pest besucht das spanische Königspaar den Oheim des Königs, den Erzherzog Friedrich, den Bruder der Königin-Witwe Marie Christine auf dessen ungarischer Besitzung und geht dann erst nach Gmunden zum Herzog von Cumberland. Der spanische Botschafter am Berliner Hofe, Polo de Bernabe, und das gesamte Berliner Botschaftspersonal werden beim Besuche des Königs in München zugegen sein. Der Kronprinz von Rumänien, der ursprünglich mit dem spanischen Königspaar zusammen in besonderer Mission des Königs Carol nach München kommen sollte, um dem Regenten eine neue Ehrung zu überbringen, hat seinen Besuch verschoben.
— Wie die Erfahrung lehrt, gehen bei den Kaiserlichen Konsulaten im Ausland aus den Kreisen von Handel und Industrie zahlreiche Anfragen so allgemeiner Natur ein, daß die entsprechenden Antworten gedruckt vorrätig gehalten werden können. Um den mit der Einholung derartiger Auskünfte verbundenen Zeitverlust sowie unnötige Kosten zu vermeiden, sind die bei den einzelnen Konsulaten gebräuchlichen gedruckten Antworten zusammengefaßt und als Beilage ^u Nummer 107 der im Reichsamte des Innern zusammengestellten „Nachrichten für Handel und Industrie" vom 12. September 1908 unter dem Titel „Winke für den Verkehr deutscher Interessen des Handels und der Industrie mit den Kaiserlichen Konsulaten im Auslande" veröffentlicht worden. Die Bearbeitung ist in der Weise erfolgt, daß einem allgemeinen Teile, der für den Verkehr mit allen deutschen Konsulaten gleichmäßig geltende Ratschläge enthält, sich ein besonderer Teil anschließt, in dem die speziellen Winke der einzelnen Konsulate
— * Als Lehrer angestellt wurden die Schulamts- kandidaten Buß von Steinau in Mottgers, Mehler in Sterbfritz Kreis Schlüchtern, Wämser in Rockensüß, Detloff in Hochstadt.
* Gelnhausen. Schöffengerichtssitzung. Der Schirm- flicker Nikolaus R. von hier war beschuldigt, zu Mar- born sich des Hausfriedensbruchs und Betrugs schuldig gemacht zu haben. Auf Grund der Verhandlung wurde derselbe zu einer Gefängnisstrafe von fünf Wochen I verurteilt. — Das Dienstmädchen Ottilie Z. aus Garitz welches bei dem Karuffelbesitzer Lehmann von Schlüchtern in Stellung war und seinerzeit sich hier aufhielt, hatte ' dem p. Lehmann ein goldenes Halskettchen entwendet. Wegen Diebstahls erhielt dieselbe 10 Tage Gefängnis.
* Herr Kreissekreär Conrad in Hanau wurde zum 1. Oktober d. Js. in gleicher Eigenschaft an das Landratsamt Cassel (Landkreis) versetzt.
* Strafkammer-Sitzung vom 14. September in Hanau. Der Backsteinmacher Valentin Möller von Magdlos lieh sich im Juli v. I., von einem dortigen Einwohner ein Gewehr, um auf die Jagd zu" gehen. Bald darauf wurden auch zwei Schüsse in der von ihm eingeschlagenen Richtung gehört. Das Schöffengericht hielt die Beweise aber nicht für ausreichend zu einer Verurteilung und sprach ihm frei. Die Strafkammer kommt, nachdem durch Chemiker Dr. Popp-Frankfurt festgestellt wurde, daß sich an dem Rocke des Möller Rehhaare und Rehblut befinden, zu anderer Ansicht und erkennt auf 14 Tage Gefängnis. — Der 13jährige Schuljunge August Eichhorn von Wächtersbach ist des Diebstahls in acht Fällen ange- klägt. Davon sind drei schwere und fünf einfache Diebstähle. Er öffnete zwei Sammelbüchsen in den Schulzimmern mit seinem Griffelkastenschlüssel, stahl in der Fasanerie des dortigen Schloßparkes 3 Hühner, bei Wächtersbacher Einwohnern zwei Hähne und andere Dinge. Seit seiner Mutter Tod vor 2y4 Jahren fehlte ihm, da der Vater in Frankfurt beschäftigt ist und wenig nach Hause kommt, die elterliche Aufsicht und Ueberwachung seines Tuns. Er wird zu 10 Tagen Gefängnis verurteilt.
* Dieser Tage ist ein in Fechenheim wegen Diebstahls verhafteter Mensch, der mit einem gewissen Franz Novy aus Oesterreich identisch sein soll, aus dem Amtsgerichtsgefängnis Bergen ausgebrochen. Dieser raffinierte Gauner hatte mit aller Schlauheit und List seine Flucht bewerkstelligt. Er hatte nämlich mit Wasser, das ihm zum Waschen diente, die Dielen unter seiner Pritsche zum Quellen gebracht, so daß sie sich geräuschlos heben ließen. Mit einem vom Ofen entnommenen Stück Eisen hob er dann die Dielen, durch-' brach die Decke, nachdem er auch diese durchnäßt ha^L um jedes Geräusch zu vermeiden. Der Gauner wars sodann seine Kolter durch das Loch, um das Ausspringen lautlos zu besorgen und ließ sich dann an beut Bettuch hinunter. Durch ein Fenster des Erdgeschosses gewann er schließlich das Freie. Alle Nachforschungen und Bemühungen, seiner wieder habhaft zu werden, blieben bisher erfolglos.
* Fulda. Der Revolverheld vom Samstag ist kein Zigeuner und kein Zirkusmensch, sondern ein KaruffMe- sitzer, dessen Ringelfahrzeug in Hosenfeld am Vogelsberg stillsteht, weil die Pferdekraft in Fulda zurückbehalten wurde. Er hat übrigens die zwei Schüsse erst dann abgegeben, als er vorher von dem Metzgergesellen Schäfer gerizt und bedroht worden wär. Einen Schuß erhielt der Schäfer in die linke Hand, was er anfänglich verschwieg.
* Bei den Ausschachtungsarbeiten zu der neuen Wasserleitung am Galgenberg in Hünfeld wurde in etwa 80 Ztm. Tiefe ein menschliches Skelett ausgegraben, welches anscheinend in sitzender Stellung ver» schüttet oder begraben wurde. Vielleicht ist es das Skelett eines Gehenkten, da wohl in der Nähe der Galgen errichtet war.
* Die Einrichtung einer Wanderhaushaltungsschule ist in Gersseld (Rhön) geplant. Die Schule soll während des Winterhalbjahres Kurse von dreimonatiger Dauer nach und nach in allen größeren Orten des Kreises abhalten, um der Heranwachsenden weiblichen Jugend Gelegenheit, zu geben, sich in allen Zweigen der Haushaltung auszubilden.
Kürbis.
Man nimmt einen mittelgroßen, reifen, aber noch festen Kürbis, schält ihn bis auf das Fleisch ab, schneidet ihn auseinander, schabt das Kerngehäuse mit einem Eßlöffel heraus und zerteilt den Kürbis in fingerlange, zwei Finger breite Stücke und wiegt dieselben. Aus 1 Pfund rechnet man 7» Pfd. (375 Gramm) Zucker, 12 ganze weiße Pfefferkörner, etwas Zimt und V» Liter verdünnten Essig, welchen man aus gleichen Teilen Essig und Wasser gemischt hat.
In einem irdenen oder Emailletopf bringt man mit gleichen Teilen Wasser vermischten Essig zum Kochen, legt die Kürbisstücke in kleinen Portionen hinein, läßt einmal auftochen, legt sie auf ein Sieb und läßt sie bis zum nächsten Tage stehen. Dann läßt man die nötige Menge Zucker mit bem verdünnten Essig wie oben angegeben zum Kochen kommen, legt die Kürbis-Stücke hinein und läßt sie darin so lange