noch nicht sehr oft Gebrauch gemacht hat, was Gestells auch an ihren nicht sehr reichhaltigen ^Mitteln liegt. Später sollen für Ostpreußen und Schlesien Ansiedelungsbanken gegründet werden, die namentlich die Tätigkeit der Parzellierungsbanken lahnilegen und nach dem Muster der Danziger Bauernbank und der Posener Mittelstandskasse eingerichtet werden sollen. Die neue Bank würde staatlich subventioniert werden, eventuell würde die Seehandlung sich mit Kapital beteiligen. Die Aufgabe der Bank wäre, wirtschaftlich schwache Besitzer in diesen Provinzen zu stützen, ihre Schuldenregulierung in die Hand zu nehmen und so zu verhindern, daß diese Güter in polnische Hand übergehen und das Enteignungsgesetz so teilweise wirkungslos gemacht würde. Schon heute machen sich Anzeichen bemerkbar, die darauf hindeuten, daß die Polen größere Güterkäufe in Schlesien beabsichtigen, um das Polentum mehr zu stärken.
— Sozialdemokratie und Landarbeiter. Daß die Sozialdemokratie nicht die Besserung der Arbeiterver- Hältnisse erstrebt, sondern lediglich Unzufriedenheit zu erregen sucht, um dann im Trüben fischen zu können, das hat mit dankenswerter Deutlichkeit „Genosse" Horn auf dem zwölften Parteitag der Sozialdemokratie Pommerns, der kürzlich stattgefunden hat, ausgesprochen, indem er zu dem Thema „Landarbeiter und Klassenkampf" unter anderm wörtlich sagte: „Die Landarbeiter sind viel zu zufrieden. Wir müssen sie unzufriedener machen, sie aushetzen. . . . Unbekümmert aller Schwierigkeiten müssen alle agitatorischen Kräfte entfaltet werden, auch die Landarbeiter dem siegreichen Heere der Sozialdemokratie einzureihen!" Dementsprechend wurde dann auch eine Resulution angenommen, die ausdrücklich Maßnahmen zur Besserung der wirtschaftlichen Lage der Landarbeiter ablehnt. So fordert diese Resolution alle Landarbeiter auf, nicht durch Uebernahme von Rentenstellen die herrschende Gesellschaft in ihrer Machtposition zu stärken.. Die ganze innere Kolonisation sei darauf gerichtet, die ländliche Bevölkerung der Ausbeutung und Unterdrückung durch die Machthaber weiter preiszugeben. — Die sozialdemokratischen Hetzer schätzen denn doch die Intelligenz der ländlichen Arbeiterschaft etwas sehr gering ein, wenn sie glauben, sie durch solche Redensarten betören zu können. Der Rückgang der sozialdemokratischen Organisationen in vielen ländlichen Gebieten der Ostmark spricht ja auch eine sehr beredte Sprache. Im übrigen hat „Genosse" Horn die sozialdemokratische Agitationsweise sehr nett gekenn» zeichnet.
Ausland.
— England. Die Arbeitsnot in der größten schottischen Handels- und Fabrikstadt Glasgow hat einen bedrohlichen Charakter angenommen. Die Zahl der Arbeitslosen wird auf 60 000 geschätzt. Die Stimmung der Notleidenden ist zu Ausschreitungen geneigt und schon wiederholt hat es Zusammenstöße mit der Polizei gegeben. Man spricht davon, daß die Arbeitslosen einen Sturm anf das Rathaus und Plünderungen planen. Jedenfalls wird sich der Stadtrat über Notstandsarbeiten schlüssig machen müssen.
— Einen deutsch-venezolanischen Konflikt hat der Präsident von Venezuela Castro nun auch fertig gebracht. Der deutsche Geschäftsträger Baron Seckendorf wollte ein Chiffretelegramm an die deutsche Regierung nach Berlin aufgeben, erhielt jedoch von der Telegraphenverwaltung den Bescheid, daß auf Antrag des Präsidenten Castro eine Uebersetzung einzureichen sei. Baron Seckendorff lehnte dieses Ansinnen natürlich entschieden ab. Präsident Castro scheint es überhaupt darauf abgesehen zu haben, das diplomatische Korps zu brüskieren. So tat er neulich in voller Oeffentlich- keit die Aeußerung: „Die fremden Gesandten hier tun nicht gut. Ich wäre froh, wenn sie aus dem Wege geräumt würden."
— Mit der Rückkehr des französischen Ministerpräsidenten Clemenceau nach Paris hat sich plötzlich die aufgeregte Tonart der französischen Presse geändert, und überall wird die Notwendigkeit einer Verständigung mit Deutschland betont. So gibt das Regierungsorgan „Petit Parisien" seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß der Beginn einer Verständigung zwischen der französischen und der deutschen Regierung in der Frage der Anerkennung Mulay Hafids wahrzunehmen sei.
— Nach einer Versammlung, in der heftige Reden gehalten wurden, haben sozialistische Straßenunruhen in Glasgow stattgefunden. Etwa 2000 arbeitslose Sozialisten versuchten in die Kathredrale einzudringen, gerade als der Nachmittagsgottesdienst beginnen sollte. Die Polizei, die gewarnt war, war in großer Stärke zugegen und trieb die Menge mit ihren Knütteln zurück, wobei mehrere Ruhestörer ernstlich verletzt wurden.
— Fortgesetz finden Arbeiterverhaftungen im russisch- polnischen Jndustriebezirke statt. Es wurde eine durchgreifende politische Revision der Arbeiter der Maschinenfabrik in Niwka, einer Sosnowicer Gesellschaft gehörig, vorgenommen. Die Fabrik wurde von Militär um« ringelt, in die Fabrik selbst drangen gegen 60 Polizisten
unter Führung eines Polizeimeisters ein. Die Maschinen^ Germania verfügt über gute Kräfte und kann leider wurden abgestellt und sämtliche Arbeiter in den Fa- m
brikhof gedrängt. Es wurden 24 Mann verhaftet, die
unter starker Eskorte weggeführt wurden. Tscherkessen zu Pferde mit Nagaiken trieben die Angehörigen der Verhafteten, die sich angesammelt hatten' auseinander.
— Die portugiesische Deputiertenkammer hat ihre Arbeiten mit der Annahme des Budgets abgeschlossen. Es ist dies insofern ein bemerkenswertes Ereignis, als der portugiesische Staatshaushalt seit längerer Zeit eines von den gesetzgebenden Körperschaften gebilligten Budgetts entbehrte, da die zwei letzten Kammern durch die politische Bewegung an der Erfüllung dieser Aufgabe verhindert worden sind.
— Die Eisenbahnlinie Piraeus'Athen-Larissa ist eröffnet worden. Der Betrieb ist bereits auf der ganzen Linie im Gange. Die griechische Presse hebt die große Bedeutung des Ereignisses für den Fortschritt hervor und drückt die Hoffnung aus, daß die Türkei binnen kurzem die Verbindung dieser Linie mit den türkischen Netzen genehmigten werde, was die Krönung dieses Friedenswerkes bedeuten und dem wirtschaftlichen Leben der mazedonischen Vilajets einen neuen Aufschwung verleihen würde.
— Ueber Kämpfe zwischen Japanern und Polizei in Schanghai wird aus London gemeldet: Eine Anzahl japanischer Zivilisten und Matrosen, die auf einem japanischen Kreuzer angekommen waren, besuchte kürzlich die Stadt. Einige der japanischen Offiziere sollen eine europäische Frau von den niederen Klassen insultiert haben, worauf Polizisten die Offiziere verhafteten. Dies war das Signal zu einem allgemeinen Krawall, an dem sich alle Japaner beteiligten. Der Kampf war äußerst erbittert, und auf beiden Seiten wurde mit Revolvern geschossen. Die Polizei unterdrückte den Aufruhr schließlich.
Lokales und Provinzielles.
Schlächtern, 11. September 1908.
— * Heute Morgen 11'/, Uhr gewahrte man einen Luftballon über unsere Stadt. Wie man ungefähr erkennen konnte, war es einen Militärballon mit zwei Insassen. Er nahm die Richtung Nordost ein.
—* Im Anschluß an unsere Notiz in der vorigen Nr. teilen wir das Resultat der Prämiierung auf der landw. Bezirks-Ausstellung in Hanau, soweit unser Kreis in Betracht kommt, nachstehend mit:
Rindvieh.
I. Simmentaler Hochzucht.
a) Bullen:
Rinderzuchtgenossenschaft Schlüchtern.
1. Preis 100 Mk. Jnsp. Preiß-Vollmerz.
75 ~
2.>
3.
4.
1.
4.
5.
3.
3.
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5.
6.
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M
f/
50
50
„
Gemeinde Gemeinde Gemeinde
Sterbfritz. Schwarzenfels. Sterbfritz
b) Kühe: Rinderzuchtgenossenschaft Schlüchtern.
Preis
II
100 Mk. j
25 „ Jnsp. Preiß-Vollmerz.
25 „ 1
c) Rinder: Rinderzuchtgenossenschaft Schlüchtern. Preis 50 Mk. Bürgermeister Gärtner-Elm.
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1.
4.
1.
2.
3.
5.
5.
1.
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5.
Preis
aber nicht alle Mann ins Feld stellen. Borussia wird schon ihr nötigstes tun um ihre Mannschaften zu verstärken. Auf den Ausgang der Spiele wird man gespannt sein, da Germania bis jetzt immer die Ober
hand hatte. Borussia dürfte sich mächtig ins Zeug legen, um überhaupt ein ehrenvolles Resultat zu erzielen. —er.
—* Die Amtliche Gewinnliste der Verlosung gelegentlich der landwirtschaftlichen Ausstellung zu Hanau am 8. September 1008 liegt zu Jedermanns Einsicht in der Exped. der „Schlüchterner Zeitung" ausj
—* Die preußisch-hessischen Eisenbahndirektionen haben unter dem Titel „Merkbuch für den Stückgutversand" eine praktische Zusammenstellung der wichtigsten einschlägigen Bestimmungen herausgegeben zur Verhütung von Verwechslungen, Verschleppungen, Verzögerungen, Beschädigungen und andere Unregelmäßigkeiten im Stückgutverkehr. Das auch in Plakatform erschienene Merkbuch wird an die regelmäßigen Stück- gut-Auflieferer unentgeltlich von den Güterabfertigungen abgegeben.
—* Herr Professor Dr. Lahmeyer, bisher Oberlehrer am Gymnasium zu Fulda, ist auf seinen Wunsch vom 1. Oktober d. I. ab an das Wilhelms-Gymnasium zu Cassel versetzt worden.
—* Das 10jähr. Töchterchen der Wirtsleute Böttcher von Neuenschmidten bei Wächtersbach, welches sich allein zu Hause befand und sich mit dem Kochen des Mittagessen beschäftigte kam dem Feuer zu nahe, so, daß die Kleider Feuer fingen und sich derart verbrannte, daß es auf dem Transport nach dem Landkrankenhause in Hanau, auf Bahnhof Wächtersbach ihren Verletzungen bereits erlag.
* Am vergangenen Montag ereignete sich in der Ziegelei in Romsthal ein schwerer Unglücksfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Drei in der Ziegelei beschäftigte Arbeiter waren damit beschäftigt einen Wagen mit Lehm auf der Feldbahn nach der Ziegelei zu fahren. Kurz nach dem Abfahren rutschte der Wagen aus dem Geleise heraus, schlug um und traf den an der Seite befindlichen Arbeiter Sebastian Hirschfelder aus Romsthal, welcher durch die Schwere des Wagens zur Erde gedrückt wurde. Infolge der entstandenen Verletzungen starb Hirschfelder etwa nach einer halben Stunde. Der Verstorbene war Wittwer und hinterläßt nun 4 unversorgte Kinder.
* Der glückliche Gewinner des ersten Preises bei der Lotterie des landwirtschaftlichen Vereins tn Hanau ist Herr Kretschmer, Stationsvorsteher a. D. hier. Der Gewinn besteht in einem stattlichen Pferde. Der 4.
50 „ Jnsp. Preiß-Vollmerz.
25 „ Joh. G. Kohlhepp-Schwarzenfels. Diplom /
„ [ Jnsp. Preiß-Vollmerz.
d) Familienpreise: Rinderzuchtgenossenschaft Schlüchtern.
50 Mk. u. Ehrenpreis Jnsp. Preiß-Vollmerz.
10 „ u. bronz. Medaille Hch. Blum-Sterbfritz.
II. Simmentaler Kreuzung.
Preis
II
II
Preis
1. Preis
2. „
3. Preis
4.
4.
100
75
50
25
25
Mk.
If
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Kühe:
Bürgermeister Elm-Schwarz enfels.
Bauer W. Lang-Seidenroth.
Bauer I. Lang-Seidenroth.
Oekonom H. Zinkhan-Drasenberg.
Bauer K. Kleiw-Steinau.
Rinder:
75
25
25
25
45
35
20
10
10
Mk.
II
II
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Mk.
II
Mk.
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—* Sport!
Bauer
II
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E. Knauf-Vollmerz.
Ullrich Kreß-Elm.
Ph. Kreß-Steinau
Melch. Berthold-Gundhelm.
Schweine.
Eber:
Gem. Schwarzenfels (I. Schmidt).
Gutsbesitzer Walther-Elisabethenhof.
Sauen:
Gutsbesitzer Walther-Elisabethenhof.
Nächsten Sonntag eröffnet der Fuß-
ballklub „Germania" zu Gelnhausen seine diesjährige Saison. Er stellt seine drei ersten Mannschaften denen des Fußballklubs Borussia gegenüber. Die Spiele finden am Soolsprudel statt und beginnen um 2 Uhr.
den zweiten Preis auf Belg. R. Herr Ludwig Seitz.
„* Falsche Fünfmarkstücke sind in Frankfurt a. M. gegenwärtig in großem Umfange im Umlauf. Die Falschstücke sind etwas leichter als die echten Fünfmarkstücke und am Rande schlecht geprägt. — Die Turnfesthallenwirle, die, wie bekannt, auf dem Feste schlecht abgeschnitten, wiesen eine ihnen vom Wirtschaftsausschuß des Turnfestes angebotene Entschädigung von 10000 Mark als viel zu gering zurück.
* Am Freitag mittag hat, dem „Mainzer Journal" zufolge, in Bretzenheim bei Mainz ein tollwütiger Wolfshund des Spezereiwarenhändlers Merkel sechs Schulkinder gebissen. Nach ärztlicher Hilfeleistung kamen die Kinder ins Hospital. Die. Bürgermeisterei hat unverzüglich Mitteilung an das Kreisamt gelangen lassen. Die Kinder müssen in das Pasteur-Jnstitut in Berlin übergeführt werden.
* Der verstorbene Essigfabrikant Leonhardt hat der Stadt Friedberg (Oberhess.) 30000 Mark zur @^’ dung eines Krematoriums vermacht.
* Die Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung (Berlin NW, Lübeckerstr. 6) hält ihre diesjährige Hauptversammlung vom 3. bis 5. Oktober in Darmstadt ab. Verhandelt wird über die „Erziehung zur Arbeit durch die Arbeit in der Schule" und über die „Aufgaben der Volksbildungsvereine in der Gegenwart". 61 Zu dem ersten Gegenstände hat der Direktor des Hand- fertigkeits'Seminars in Leipzig, Dr. Pabst, das Referat übernommen. Außerdem sprechen zu dem Gegenstände j Geheimrat Professor Fritz Kalle-Wiesbaden (Der haus- wirtschaftliche Unterricht in der Volksschule) und Lehrer Hilsdorf-Darmstadt über die Bedeutung des Arbeiterunterrichtes für die Schule der Zukunft. Ueber den zweiten Gegenstand referiert Generalsekretär $ Tews'Berlin, daneben Pfarrer Dr. Willms-Fraureulh über Mittel und Wege zu einer erweiterten Bolks- bildung, Professor Dr. Brunner-Pforzheim („Wie machen wir gute Bücher zum Gemeingut des Voltes") und Privatdozent Dr. Hanns Dorn-München („Volks- j bildungswesen und Staatsbürgererziehung")
* Anfang nächster Woche wird der hochwürdige! Bischof Herr Schmidt in Fulda Flieden mit seiner Anwesenheit beehren, um an den hiesigen Firmlinge» das hl. Sakrament der Firmung vorzunehmen. Von hier aus wird der hohe Herr zu gleichem Zwecke nach Rückers sich begeben. Bekanntlich wurde der hoch' würdige Herr bereits vor 3 Monaten hier erwartet, ; konnte aber wegen plötzlichen Ablebens eines Familien'