Titeländerung einverstanden. Die Genehmigung der Kgl. Regierung ist schon vorher eingeholt worden.
* Frankfurt. Auf dem hiesigen Standesamt Ecke Buch- und Münzgasse stehen fein säuberlich in Schweinsleder gebunden und nach Jahrgängen geordnet die Geburtsurkunden, in denen jeder Besucher der Standesamtsregistratur gegen Bezahlung Geburtseintragungen nachschlagen kann. Ein hiesiger Genealoge, der sich gerade mit einer wissenschaftlichen Arbeit über Goethe befaßt, wollte in dem Jahresband 1749 die Urkunde über Goethes Geburt aufsuchen. Er konnte sie aber nicht finden. Die Urkunde war herausgeschnitten und verschwunden. Als man nach der ersten Aufregung über diesen frechen Diebstahl noch genauer zusah, stellte sich heraus, daß auch ein der Geburtsurkunde angehef- teter Goethe-Festbericht jaus bem Frankfurter „Jntelli- genzblatt" gestohlen worden war. Und zwar waren im ganzen drei Blätter aus dem Jahrgang herausge- schnitten, jedoch so geschickt, daß bei gewöhnlichen Durchblättern kaum etwas zu bemerken gewesen ist.
* Fulda. Was man schon gleich nach der Tat befürchtete, ist nun leider eingetreten: der Tod des schwerverwundeten Gendarmen Schenk von Flieden. Dieser brave, pflichttreue Mann ist das Opfer seines beschwerlichen Dienstes geworden, der ihn vor einigen Tagen in den Rommerzer Wald rief, um als staatliches Ordnungsorgan gegen eine unbotmäßige Zigeunerbande einzuschreiten. Während er es mutig mit der Ueber- macht aufnahm und sich zweier hyänenmäßigen Weiber erwehrte, erhielt Schenk meuchlings einen Schuß in den Rücken — eine schwere Verletzung, der der 39jährige Sicherheitsbeamte und Vater von 5 Kindern am Freitag Abend im hiesigen Landkrankenhause erlag. Die Um» stände, wie hier ein Mannesleben verloren ging, lassen es begreiflich erscheinen, daß dieser Todesfall nicht nur die allgemeine Teilnahme mit den Hinterbliebenen hervorruft, sondern daß auch dem Verlangen Ausdruck gegeben wird, Mittel und Wege zu finden, um die Zigeunerplage und Zigeunergefahr von unserem Landkreise ein für alle Mal abzuwenden. Gerade im Kreise Fulda haust dieses fahrende, nichtsnutzige Volk ganz barbarisch. Die Leiche des Wachtmeisters Schenk wurde nach Elm überführt und am dortigen Friedhof am 1. September nachmittags 7,5 Uhr beigesetzt.
* Der Vogelhändler Herjett aus Ersrode Kreis Rotenburg wurde beim Wildern vom königlichen Oberförster in Neuenstein erschossen.
* In Buchenberg ist ein vierjähriger Junge an Vergiftung durch Tollkirschen gestorben. Ein älterer Bruder, der ebenfalls von den gefährlichen Früchten gegessen, dieselben aber wieder erbrochen hatte, kam mit dem Schrecken davon.
* Ein junger Mann hatte sich in Ilmenau vor einigen Tagen selbst im Walde Pilze gesammelt und sie, nachdem sie bereits einige Tage alt geworden waren, von seiner Wirtin zubereiten lassen, obwohl diese ihn gewarnt hatte, die Pilze zu genießen. Nach kurzer Zeit wurde der junge Mann, wie das „Leipz. T." be» richtet, von einem heftigen Unwohlsein und starkem Erbrechen befallen. Er mußte deshalb sofort ins Krankenhaus eingeliefert werden, wo auch seine völlige Erblindung eingetreten ist. Sein Zustand ist hoffnungslos. Es wird vermutet, daß sich unter den Pilzen ein sogenannter Teufelsschwamm befunden hat.__________
Vermischtes.
— Graf Zeppelin hat bereits Schritte getan, als Beauftragter sozusagen des deutschen Volkes, sein Unternehmen auf weiterer und vervollkommneter Grundlage weiterzuführen, wozu ihn die reichen Mittel der Volksspende instand setzen und sein Verantwortungsgefühl bestimmt- Ein rheinischer Industrieller, der seit Jahren mit der Sache in Fühlung stand, ist als leitender kaufmännischer Direktor engagiert, und neben den alten wissenschaftlichen Mitarbeitern sind neue um ihre Mitwirkung an dem Unternehmen ersucht worden. Es wird sich naturgemäß zunächst darum handeln, die Werkstätten und Hallenanlagen zu erweitern, ehe man
an den Bau weiterer Luftschiffe geht, für die Platz und H jf/n geschaffen werden muß. Der Wiederaufbau des zerstörten Schiffes kann nicht wohl von heute auf morgen beschlossen werden, da man den gemachten Erfahrungen gemäß Verbesserungen plant, die jetzt in Ruhe konstruktiv überlegt werden können. Zunächst wird das Modell 1907 einem Umbau unterzogen werden, wodurch es zirka 900 Kilogramm mehr Tragkraft und einen entsprechend vergrößerten Aktionsradius gewinnt. Im Herbst können mit diesem dann Fahrten gemacht werden, die man aber als Fernfahrten nach bestimmten Zielen auszuführen keine Veranlassung hat. Es drängt eben zum Glück keinerlei Notlage mehr. Da die Auffassung der Daimler-Werke, es seien durch mangelhafte Oelung die Motordefekte verursacht, nicht ganz von der Hand zu weisen ist, wird eine positive erste Verbesserung darin erstrebt werden, durch geeignete Vorrichtungen eine ausreichende Oelung der Lager auch bei Schräg- stellung des Fahrzeuges zu erzielen.
— Die in Hamburg ankommenden Schiffe berichten, daß sie in der Nordsee Schiffstrümmer und -Güter angetroffen haben. Man vermutet, daß diese von schweren Schiffskatastrophen während des Sturmes der letzten Tage herrühren. Ueber das Schicksal mehrerer kleiner Schooner, die vor Ausbruch des Sturmes in See gingen, herrscht noch Besorgnis.
— Ein neues Heilverfahren gegen den Krebs. Aus London wird dem „B. T." telegraphiert: Die Londoner Aerzte erwarten mit lebhafter Spannung den Erfolg einer Krebskur, die der Londoner Arzt Dr. Robert Bell an zehn Patienten vollzog, die sich, nachdem sie von anderen Aerzten zum Teil operativ behandelt und rückfällig geworden waren, ihm zur Verfügung gestellt haben. Darunter befindet sich eine gewisse Louisa Kelly, der die Aerzte nach der Operation und dann eintretender Rezidive nur noch vier Wochen Lebensfrist gegeben haben. In allen zehn Fällen ist die Krebserkrankung außer allem Zweifel festgestellt worden. Bell erklärt, daß Louisa Kelly der Heilung entgegengeht, während bei allen anderen Patienten die Besserung von ihren eigenen Aerzten konstatiert wurde. Bell hofft, daß jeder dieser Patienten geheilt wird. „Die Operationen", sagte Bell, „sind ganz zwecklos". Er ist der Ansicht, daß der Krebs nicht die Folge eines Mikroben oder Parasiten, sondern die direkte Folge einer morbiden Metamorphose des Zellgewebes ist. Ein wichtiger Punkt der Behandlung Bells ist die Diät. Er duldet nur ungekochte Speisen: Salat, ungekochte Früchte, Eier, Milch und Käse. Dies sollen die Hauptnahrungsmittel sein, doch sind nach seiner Ansicht reine Luft, reines Wasser und sorgfältig inne- gehaltene hygienische Verhältnisse dringend erforderlich. Der Rest der Kur kann nur von Aerzten vorgenommen werden. Bell erklärt sich bereit, seinen ärztlichen Kollegen jede Auskunft zu geben. Die Ameisensäure ist eines der Hauptmittel, das er im Kampf gegen den Krebs anwendet. Nach Bells Ansicht besitzt die Ameisensäure nicht nur .eine zerstörende Wirkung auf die Krebszellen, sondern neutralisiert auch die giftigen Bestandteile im Blut.
— Ein richtiger Schluß. Bei der 50jährigen Amts- jubiläumsfeier eines höheren Beamten treffen eine Unmenge Blumenspenden ein. Frau Schmidt, ein altes Faktotum des Hauses, hat eine Zeitlang wortlos staunend vor der Blumenpracht gestanden, endlich wendete sie sich an die Frau des Hauses mit den Worten: „Nein, Frau Geheimrat, was für 'ne Menge Blumen; wie wird da erst's Begräbnis werden!"
— Im Bergwirtshaus. Tourist: „Was? Alles überfüllt! Wo soll man denn übernachten? Da geben Sie mir mal gleich das Beschwerdebuch!" — Wirt: „Da ist auch kein Platz mehr brin "
— Passendes Lied. Dirigent: „Was singen wir denn nur unserm Mitglied, dem Zahnarzt Meier, beim Geburtstagsständchen?" — Gesangvereinler: „Ich dächt', das Lied vom Krähwinkler Landsturm: „Reißt aus, reißt aus, reißt alle aus!"
— Gute Aussichten. Patient: „Doktor, wenn nutt aber die Operation nicht glücken sollte?" — Arzt: „Beruhigen Sie sich, Herr, wenn sie nicht glückt, werden Sie das nie gewahr werden."
— Alles schon dagewesen. A: „Da hat jemand ein Hemd erfunden, das keinen Knopf hat." — B. (mit einem Seitenblick auf seine Frau): „Alte Sache, trage ich schon längst!“
— Zweideutig. „Sie haben es gut, nach zwanzigjähriger Tätigkeit können Sie sich nun zur Ruhe setzen." — Barbier: „Ich hab' auch manchen ein» seifen müssen, ehe ich es so weit gebracht habe."
Drei Gedenktage deutscher Geschichte.
(Zur Sedansecer.)
Drei Tage nehmet stets in acht,
Ihr alten und jungen Leute,
Die hat der Herr der Welt gemacht Dem Deutschen zur Lust und Freude! — Als Deutschland brach der Knechtschaft Joch Auf Leipzigs blutiger Aue,
Da schlugen Aller Herzen hoch,
Und Jubel durchschallte die Gaue.
Das war ein heller Oktobertag,
Als Deutschland seine Fesseln brach. Heil Dir, Tag von Leipzig!
Der Frühling aber kam nicht gleich,
Noch fehlte die Kaiserkrone,
Noch harrte bang das Deutsche Reich
Des Kaisers auf dem Throne.
Ein Sturm von Westen braust herein,
Nach Frankreich zogen die Heere.
Sie schlugen den Feind und schloffen ihn ein
Bei Sedan, Tag der Ehre!
Das war ein heller Septembertag
Als Frankreich gänzlich unterlag, Heil Dir, Tag von Sedan!
Der Frühling aber kam nicht gleich,
Noch fehlte die Kaiserkrone,
Noch harrte bang das Deutsche Reich
Des Kaisers auf dem Throne.
Und weiter flog die Siegerschar
Auf raschem Siegesfluge,
Bis sie im Herzen Frankreichs war
Im stolzen Siegeszuge.
Da kam der Tag im Januar,
Die Krone schmückt den Zollernaar,
Heil Dir, deutscher Kaiser!
Nun braust der Frühling durch das Land,
Es schwellen die knospenden Reiser:
Gott schirme Dich, mein Vaterland,
Und schütze den Kaiser, den Kaiser!
Gelnhausen. Hermann Haase.
Frankfurt a. M., 31. Aug. Amtliche Notierungen der Viebmarkt preise. Zum Verkauf standen 408 Ochsen, 36 Lullen, 781 Kühe und Färsen (Stiere und Rinder), 300 Kälber, 229 Schafe und Hämmel, 2260 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfund: Ochsen a) vollfleischige, ausgemägete höchsten Schlachtwertes bis zu 6 Jahren Mk. 78 -80, b) junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästeic Mk. 73 -75, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere Mk. 60 -64, d) gering genährte jeden Alters Mk. — bis -, Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwertes Mk. 66 bis 38, b) mäßig genährte jüngere und gut ge- genährte ältere Mk. 60 —62, c) gering genährte Mk. —, Kühe und Färsen Stiere und Rinder: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen (Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwertes Mk. 74—76 b) vollfleischige, ansgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren Mk. 65-67, c) ältere ansgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 54—56, d) mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 00 00, e) gering genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. —. Bezahlt wurde für ein Pfund a) feine Mast (Bollm.-Mast)und beste Saugkälber (Schlachtgewicht) 92—94 Pfg., (Lebendgewicht) 55—56 Pfg., b) mittlere Mast- und gute Saugkälber (Sch lachtgcwicht) 84 - 92 Pfg., (Lebendgewicht) 50—54. Pfg., e) geringe Saugkälber 68—72 Pfg., d ältere gering genährte Kälber Fresser - Pfg. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel 82 00 Pfg., b) ältere Masthämmei 74—76 Pfg. c) mäßig genährte Hämmel und Schafe (Märzschafe) — Pfg. Schweine: a. vollfleischige der feineren Raffen. und deren Kreuzungen im Alter bis zu tV« Jahren 70 Pfg., b. fleischige 68 -00.
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