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Die Kaiserparade über das 16. (lothringische) Armeekorps auf dem Truppen-Uebungsplatze von Frascaty bei Metz nahm bei gutem, wenn auch etwas windigem Wetter einen großartigen Verlauf; dem Kaiserpaare und den fürstlichen Gästen wurden von dem massenhaft zusammengeströmten Publikum begeisterte Ovationen dargebracht. Seiner Zufriedenheit mit den militärischen Leistungen hatte der Kaiser in seinem Trinkspruch auf das Armeekorps beim abendlichen Parade-Diner Ausdruck gegeben. Am Freitag hatte der Kaiser eine Feldküche besichtigt und eine Automo­bilfahrt in die Umgegend von Metz unternommen, während die Kaiserin an der Bahre des verstorbenen Herzogs Karl Borwin von Mecklenburg verweilte und mehrere Besuche abstattete. Später besichtigte die hohe Frau dann noch mehrere wohltätige Anstalten. Mit­tags. fand Tafel beim Kaiser und bei der Kaiserin statt. Nachmittags erfolgte die Abreise nach Straßburg unter herzlichen Volkskundgebungen. Der Kaiser sprach der Stadtvertretung seinen Dank für den Will­kommen aus, der ihm unvergeßlich sein werde. Wie in der Moselstadt wurden die Majestäten auch in dem hervorragend festlich geschmückten Straßburg, in dem alle Straßen dicht von Menschenmassen gefüllt waren, mit jubelnden Hochrufen begrüßt. Sehr stark war die Landbevölkerung vertreten. Die Begrüßung der städtischen Vertreter erwiderte der Monarch mit seinen besten Wünschen. Am Samstag fand die große Parade über das 15. elsässische Armeekorps statt. In einem Telegramm an den Prinz-Regenten Luitpold von Bayern lobt der Kaiser die vorzügliche Ausbildung der in Metz stehenden bayerischen Regimenten. Der Regent sprach für dies kaiserliche Lob seinen herzlichsten Dank aus.

In der Zeit vom 14. bis 17. September findet in Cassel die Jubiläumsversammlung des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke an­läßlich des 25jährigen Bestehens des Vereins statt. Aus der reichhaltigen Tagesordnung seien folgende Vorträge hervorgehoben:Die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung der Trinkerfürsorge" von Stadt­rat Kappelmann-Erfurt: zwei geschichtliche Vorträge, und zwarRückblick in die Vergangenheit" von Pastor Dr. Stubbe-Kiel undBlick in die Gegenwart und Zukunft" von Generalsekretär Gonser-Berlin; sodann der FestvortragDie Alkoholfrage in ihrer Bedeutung für Deutschlands Gegenwart und Zukunft" von Ober- med.'Rat Hofrat Prof. Dr. v. Gruber-München. Alle Freunde der Bestrebungen des Vereins werden um rege Beteiligung an den Versammlungen gebeten.

Die Biersteuer kommt. Wie jetzt bekannt wird, hatte am 15. Mai d. I. das Reichsschatzamt die Bundesregierungen der norddeutschen Braufteuer- gemeinschaft ersucht, Erhebungen über die Bier« steuer in den Schankstätten und den Rohnutzen, den die Verkäufer erzielen, nach einem bestimmten Formular anzuordnen. Es sollen die Schankstätten unter drei Rubriken gebracht werden, solche, in denen die oberen Gesellschaftsklassen verkehren, ferner solche, wo die Bürger und Geschäftsleute vorwiegend sich aufhalten, und endlich solche, die für Handwerker, Arbeiter und die unteren Bevölkerungsklassen bestimmt sind. Diese Ermittelungen sind bis zum Schluß des Monats August abzuschlie ßen. Sie sind offenbar bestimmt, für eine Biersteuervorlage die erforderlichen Grundlagen zu schaffen. Es soll eine über Erwarten große Summe, wie man sagt, aus dem Bier herausgeholt werden.

Augenblicklich finden Erhebungen darüber statt, in welchen Gemeinden mit mehr als 10 000 Ein­wohnern eine obligatorische Fortbildungsschule über­haupt noch nicht oder nicht für alle Gruppen gewerb­licher Arbeiter besteht, und wieviel bei etwaiger Ein­führung des Fortbildungsschulzwanges zum Schulbe­suche heranzuziehen sein würden. Daneben sollen die Höhe der dadurch erforderlichen Unterhaltungskosten sowie die Höhe des nach den bisherigen Regeln zu berechnenden Staatszuschusses die Abstufung richtet sich nach der Höhe der direkten Kommunalsteuern ermittelt werden. Veranlassung bietet die Absicht, dem Landtag ein Fortbildungsschulgesetz vorzulegen! wonach alle Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern zur Errichtung und Unterhaltung einer obligatorischen Fortbildungsschule verpflichtet sein sollen. Zum Be­suche der Schule sollen alle in gewerblichen oder kauf­männischen Betrieben beschäftigten männlichen Arbeiter unter 18 Jahren drei Jahre lang angehalten werden. Für den Unterricht sind im Jahre 240 Stunden in Aussicht genommen, die sich in der Regel auf 40 Wochen verteilen.

Eine bedeutende Vermehrung der Eilgüterzüge hat der preußische Eisenbahnminister Breitenbach auf den Staatseisenbahnen angeordnet. Es soll sowohl die Schnellzug-Lokomotive als auch die durchgehende Luftdruckbremse künftig als Regel bei allen Güterzügen «ingeführt werden. Der fahrende Eilgüterzug soll Schnellzugsgeschwindigkeit erreichen, um in den bisher stagnierenden Güterverkehr neues Leben hinein- zubringen. Mit der Maßregel soll bereits im Herbst begonnen werden.

Neue Riesen-Bahnpost-Wagen. 40 neue Bahn- post-Wagen von 17 Mtr. Länge hat nach demBerl.

Tagebl." die Neichspost-Verwaltmig bestellt. Die Wagen sind mit Schutz-Abteilen auf beiden Stirnseiten versehen und finden in den Zügen Verwendung, in denen sie als Schutzwagen hinter der Lokomotive laufen müssen. Die Schutzabteile an den Wagenenden sollen bei etwaigen Eisenbahnunfällen die Wirkung eines Zusammenstoßes abschwächen und zu gleicher Zeit verschiedene Gegenstände aufnehmen, die im Bahnwagen den Raum beengten. Namentlich die Brief- und Zeitungsbemel können aufgestapelt werden.

Der neue Reichszuschuß für Deutsch-Ostafrika für 1909 beträgt 3 670 000 Mk., das sind 800 000 Mark weniger wie im Vorjahre.

Eine deutsche Güterwagengemeinschaft ist zwischen den deutschen Eisenbahnverwalrungen abgeschlossen worden. Die technischen Schwierigkeiten, die dabei erledigt werden mußten, waren nicht unerheblicher Natur. Immerhin muß als erfreulich angesehen werden, daß die Verhandlungen wegen Anbahnung einer Güterwagengemeinschaft nunmehr zu einem be­friedigenden Abschluß gelangt sind, und daß auch die preußische Regierung schon ihr Einverständnis erklärt hat.

Ausland.

Zum Weiterbau der Usambarabahn in Deutsch- Ostafrika wird aus Tanga gemeldet, daß daselbst vor kurzem eine Menge Eisenbahnbaumaterial aus Europa eingetroffen ist. Es soll zum Weiterbau der Usam­barabahn bis zum Panganifluß Verwendung finden. Ein gutes Drittel der Fortsetzung bis Mkumbara ist im Unterbau schon fertiggestellt.

Dieser Tage ist ein großer Bestechungsskandal bei der Präger Gemeindeverwaltung aufgedeckt worden. Mehrere Präger Stadträte haben sich von einer fran- zösischen Gesellschaft bestechen lassen, der die Lieferung von Röhren für die städtische Wasserleitung zugewandt wurde, um sie nicht an eine deutsche Firma zu ver­geben. Das sieht dem tschechischen Fanatismus aller­dings sehr ähnlich.

Ein nettes Stadtoberhaupt ist der Bürgermeister der spanischen Stadt Alarcon, Dr. Tortossa, der unter der Beschuldigung, zahlreiche Morde begangen zu haben, verhaftet worden ist. Bis jetzt sind ihm neun zur Last gelegt worden, darunter der Tod seines Schwagers, seiner Schwiegermutter, des Eigentümers seines Hauses und sechs anderer Personen. Eine junge Arbeiterin tötete er und warf die in Stücke geschnittene Leiche in einen Fluß.

Große Freude herrscht in Konstantinopel über die Versöhnung des Sultans mit dem Thronfolger Reschad Effendi. Der Sultan hat den Besuch des Thronfolgers entgegengenommen und dessen Handkuß empfangen. Das RegierungsblattJkdam" begrüßt die Versöhnung in der Familie des Sultans aufs herzlichste. Das Volk wünsche den Sultan bei jedem Selamlik von den Prinzen umgeben zu sehen. Die rechtmäßige Thronfolge Reschads ist dadurch politisch öffentlich proklamiert.

Das junktürkische Komitee hat an die europäischen Wilajets der Türkei, ferner an die Wilajets Smyrna, Konia, Brussa, Beyrut, Damaskus, Aleppo, Trapezunt, Erzerum sowie an das Sandschak Jerusalem ein Rundschreiben gerichtet, in dem die Bevölkerung zur Ruhe gemahnt und aufgefordert wird, sich nicht in die Staatsgeschäfte einzumischen.

Der Konflikt zwischen den Niederlanden und Venezuela hat einen neuen Zwischenfall gezeitigt. Der KreuzerGelderland" fuhr nach La Guayra, um dort für den niederländischen Geschäftsträger in Caracas bestimmte Aufklärungen und Instruktionen hinsichtlich der jüngsten Zwischenfälle zu überbringen. Als das Schiff auf der Reede vor Anker gegangen war, wurde seine Dampfpinasse mit den für Caracas bestimmten Postsäcken nicht an Land gelassen. Der Zolldampser fuhr der Pinasse entgegen und teilte ihr mit, daß sie nicht anlegen dürfe und die Postsäcke nicht angenommen werden sollten. Zugleich sah man, wie Truppen an Land Bewegungen ausführten und das Fort Vigea seine Kanonen schußbereit machte. Darauf kehrte die Gelderland" nach Curacao zurück.

Durch ein kaiserliches Edikt wird von neuem die chinesische Verfassung bestimmt in Aussicht gestellt. Die Vorbereitungen sollen in neuen Jahren beendet f ein.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 1. September 1908.

* Am 27. und 28. August fand am hiesigen Seminar die Aufnahmeprüfung statt. Zu derselben waren die 35 Zöglinge der I. Klasse hiesiger Präpa- randenanstalt gemeldet und zugelassen worden. Nach­dem alle vorschriftsmäßig schriftlich und mündlich geprüft waren, konnten 33 Prüflinge für bestanden erklärt werden.

* Die Festtage sind verrauscht, ein einzig schönes Fest liegt hinter uns, über dessen Verlauf wir uns ge­nauen Bericht noch vorbehalten. Für heute sei nur bemerkt, daß wir uns nicht entsinnen, ein gleich schönes Fest in unserer Stadt gesehen zu haben. Der Festzug bot durch die Beteiligung sämtlicher Schulen, der meisten

Vereine unserer Stadt und nahezu aller Kriegerverelne des Kreises einen imposanten und zugleich rührend schönen Anblick. Der Denkmälsplatz faßte kaum das in musterhafter Ordnung aufziehende Menschengewoge. Die zahlreichen Fahnen, der grüne Schmuck aller be­nachbarten Häuser, die vielen frischen Kinder mit ihrem patriotischen Festschmuck. Alles vereinigte sich zu einem entzückenden Bilde. Der Festakt selbst wurde eingeleitet durch gemeinsamen Gesang und ein von Herrn Superintendenten Orth gesprochenes Gebet, wo­durch die Festversammlung in weihevolle ernste Stim­mung versetzt wurde, die noch vertieft wurde durch den wundervollen Vortrag des niederländischen Dankgebetes durch den Seminarchor, In der von Herrn Amts­richter Hengsberger gesprochenen Festrede gab Redner einen kurzen geschichtlichen Rückblick auf die Zeit vor Wilhelm I., sowie die Ereignisse von 1870/71, ver­breitete sich dann über Zweck und Absicht des Denkmals, das ein Zeichen der Dankbarkeit für die Männer, die uns das Reich erfochten, ein Ansporn für die Nach­kommen es jenen gleich zu tun, sein solle, übergab das Denkmal der Stadt und schloß während die Hülle des Denkmals fiel, mit einem von der ganzen Versamm­lung begeisterl aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Das Denkmal, an dessen Fuße ebenso wie an der seitlich angebrachten, die Namen der Veteranen nennenden Tafel zahlreiche Kränze niedergelegt wurden, ist wundervoll geworden. Unsere schöne Stadt hat da­mit einen neuen Schmuck gewonnen, wie ihn Wohl kaum eine Stadt von gleicher Bedeutung aufweisen kann. Die Büste giebt die milden gütigen Züge des Kaisers in unübertrefflicher Aehnlichkeit wieder und stellt sich als ein Meisterwerk der bildenden Kunst dar, das zu besitzen unsere Stadt mit Recht stolz sein darf. Der Aufbau des Sockels mit seiner einfachen, edlen Linien­führung wird wuchtig und wird vorzüglich eingerahmt und gehoben durch die einschließende Mauer. Alles in Allem genommen glauben wir nicht zu viel zu sagen, wenn wir behaupten, es könnte nicht schöner sein! Wir hatten denn auch im Laufe des Tages wiederholt Ge­legenheit, zu sehen, wie immer wieder Scharen von Männern, Frauen und Kindern, ebenso wie wir selbst, von dem Denkmal angezogen wurden und mit sichtlicher Ergriffenheit das schöne Werk bestaunten. Nachdem der Enthüllungsakt mit dem vom Seminarchor gesungenen Beethoven'schen ChorDie Himmel rühmen des Ewigen Ehre" geschlossen war, überreichte Herr Landrat Valentiner mit ehrenden Worten Herrn Amtsrichter Hengsberger und den beiden Kriegsveteranen Ludwig Lins und Georg Weitzel die ihnen von Se. Majestät verliehenen Auszeichnungen. Danach setzte sich der Fest­zug wieder in Bewegung und löste sich auf

platze angekommen, nach einem schneidigen Parademarsch der Kriegervereine, auf. Leider war der Fetzplatz durch die Regenfälle der letzten Zeit stark mit Wasser durch­tränkt, indessen vermochte dies die gute Laune der Fest­teilnehmer nicht auf die Dauer zu beeinträchtigen, und es entwickelte sich bald ein fröhliches Treiben, das bis in die späte Nacht anhielt und auch am Montag trotz gelegentlicher Regenschauer herrschte. Ueber Einzel­heiten werden wir in nächster Nummer berichten, für heute schließen wir unseren Vorbericht indem wir dem Kriegerverein und allen an der Ausrichtung des Festes Beteiligten im Namen unserer Bürgerschaft unserer herzlichen Dank für das herrliche Fest aussprechen,

* Gelegentlich der am Sonntage stattgefundenen Denkmals-Enthüllung überreichte Herr LandratValentiner folgende von Sr. Majestät verliehenen Auszeichnungen: Herrn Amtsrichter Hengsberger den Roten Adlerorden 4. Klasse, Herrn Schmiedemeister Ludwig Lins und Herrn Bäckermeister Georg Weitzel das Allgemeine Ehrenzeichen.

* Schon nach 2 Stunden der Enthüllung des Denkmals am Sonntag waren Ansichtskarten von der Feier am Denkmal käuflich zu haben: ein gutes Zeug­nis für die Leistungsfähigkeit unseres Photographen Johs. Freund.

* In Cassel starb am 30. August Herr Lehrer Gerhard Bodenhausen, der vor seiner Übersiedelung nach Cassel längere Zeit an hiesiger Präparandenanstalt als Lehrer tätig war.

* Internationale wissenschaftliche Ballonaufstiege finden am Donnerstag, den 3. September, in den Morgenstunden statt. Es steigen Drachen, bemannte oder unbemannte Ballons in den meisten Haupstädten Europas auf. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die ange­gebene Adresse sofort telegraphisch Nachricht sendet.

* Das Kaiserabzeichen an die im Jahre 1908 im Schießen besten Kompagnien usw. haben erhalten: im Bereich des 18. Armeekorps die Leibkompagnie des Leibgarde-Jnfanterie-Regiments Nr. 115 und die 6. Batterie des 2. Nassauischen Feldartillerie-Regiments Nr. 63 in Frankfurt a. M.

* Hanau. In der letzten Stadtverordnetenversamm­lung wurde ein Magistratsantrag zur Beschlußfassung vorgelegt, beut bisherigen 1. Beigeordneten Hild den Titel zweiter Bürgermeister beizulegen. Die Versamm­lung erklärt sich einstimmig und debatfelos mit d?k