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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
U Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
h 69. Mittwoch, den 26. August 1908. 59. Jahrgang.
KMWMMWMWMaWLVWWWMWWWSMMUWMKWVMMK EAI^WWWWWWWK:LMAwWSM>W>^MWWWNWWMk»Mx v Zur D«Mmals-L»thülku«g i« Schlächter» am Sonntag, den 50. A«g«ft 1908.
Werte Mitbürger i« Stadt und Land!
Der Kriegerverein Schlüchtern hat, unterstützt von vaterländisch gesinnten Männern und Frauen aus allen Schichten der Bevölkerung, den Kriegsteilnehmern von 1870|71 ein Denkmal errichtet, das unter uns und unsern Nachkommen die Erinnerung an die große Zeit vor 38 Jahren wachhalten soll. Mit raschen Schritten geht das Werk seiner Vollendung entgegen. Am nächsten Sonntag soll ein mit der feierlichen Enthüllung des Denkmals verbundenes vaterländisches Fest hier stattfinden, das aber nur dann gelingen kann, wenn ein jeder nach Kräften dazu beizutragen willens ist. Wir möchten gern, daß es ein Fest werde, dessen Freude nicht mit Ablauf des Tages schwindet, sondern dessen wohlbegründeter, bedeutungsvoller Ernst unter alt und jung einen bleibenden Eindruck hinterlasse. Deshalb bitten wir, durch rege Teilnahme an den Veranstaltungen, durch Ausschmückung der Straßen und Häuser, durch herzliche Aufnahme unserer Gäste u. s. s. mitzuhelfen und nach Kräften, ein jeder in seiner Weise, dazu beizutragen, daß durch die Festfeier deutsche Treue und die Liebe zu König und Vaterland gestärkt werde!
Schlüchtern,
den 21. August 1908.
Das Festkomitee:
Albrecht, Bürgermeister. Alt, Schneidermeister. Barthelmes, Landesrentmeister. Nik- Basermann, Weißbindermeister. Bauer, Schneidermeister. Dr. Cauer, Kgl. Kreisarzt. Flemmig, Lehrer. Fenner, Kaufmann. Ad. Degenhard senior. Dr. Freudenthal, prakt. Arzt. Dr. Grau, Seminardirektor. Johs. Gutermuth jr., Kaufmann. Hengsberger, Amtsrichter. Henrichs, Justizrat. H Heil, Schneidermeister. Philipp Hildebrand, Landwirt. Nik. Kling, Schneidermeister. Klotz, Stadtförster. Heinrich Knauf, Stadt-Wegewärter. Otto Köhler, Posthalter. König, Lehrer. Leipold, Metzgermeister. Lndw Lins, Schmiedemstr. I. F. Lotz, Buchbindermstr Maurer, Steuerinspektor. Muth, Polizeisergeant. Orth, Superintendent. Ritter, Kgl. Postmeister. A. v. Rockenthien. C. A. Schäfer. Fr. Rudolf, Schreinermstr. Leonh. Schäfer. Schlosfermstr. Emanuel Seelig, Metzgermstr. Adam Schlingloff, Spenglermstr. Siemon Lehrer a. D. Valentiner, Kgl. Landrat.
Georg Weitzel, Bäckermstr. Wiedemann, Kgl. Rentmeister. Zindler, Amtsgerichtssekretär.
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Deutsches Reich.
— Der Kaiser hat für die Ausschmückung des Sitzungssaales des neuen Polizeidienstgebäudes in Kiel sein Bildnis in Marineinfanterieuniform gestiftet. Der Kultusminister ist beauftragt worden, das Bild unfertigen zu lassen. — Der Kaiser hat ferner für das Magistratssitzungszimmer im Rathause zu Belgern ein Wandgemälde gestiftet, das „Friedrich den Großen mit dem Regiment Gensdarmes auf dem Marktplatze in Belgern" darstellt. Mit der Ausführung des Bildes ist der Geschichtsmaler Adalbert v. Rößler- Berlin betraut worden.
— Die Parade auf dem großen Sand in Mainz. Zuerst fand am Donnerstag ein Exerzieren des 1.
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Künstlerölut.
Roman von Vera v. Baratowski. 9
Klothilde hatte die erste, zweite und dritteStrophe beendet und als sie den Schlußakkord greifen wollte, schlugen ihre Hände plötzlich wie im Krampf auf die Tasten. Ein schriller Mißlaut entstand. Die Sängerin sprang aus und eilte aus dem Zimmer.
„Sieh nach ihr, Mutter!" rief Bogislaus.
Die Greisin erhob sich und folgte der Fortstürmen- bey.
Verlegen wollte nun auch Hugo aufstehen und sich verabschieden, aber Sudowsky hielt ihn zurück und füllte die Gläser von neuem.
„Sie haben eben einen kleinen Einblick in unser Familienleben getan," fagt^er, „und ich betrachte mich als verpflichtet, Ihnen einige Aufklärungen zu geben."
$ »®itte sehr, nichts liegt mir ferner .. .* wehrte Hugo
»Ich bin aber in mitteilsamer Laune!Sie sollen mich n^ü^-E^^ Bedürfnis, zu Ihnen, dem gänzlich unpartenschen und Unbeteiligten, zu sprechen." ' wie^ere^n^ na^m' ^ stumm verbeugend, seinen Platz s-^^r^^?^^Zählte mit glänzender Beredsamkeit, wie sein Vetter^Wladrmrr die erst seit einem Jahr der Bühne angehorende Klothrlde in Warschau kennen gelernt und gegen den Willen seiner Verwandten geheiratet habe. „Siewar vielumschwärmtund viel bewundert," fügte er hinzu. „Ich leugne auch keineswegs, daß ich ebenfalls
Engsten Verehrern zählte. Aber sie zog mir natürlich den schonen, reichen, glänzenden Wladimir vor.
Seit, wo ich ihn deshalb haßte.. Der Mensch
GeMß l" emet Empfindungen. Verstehen Sie?"
„Wladimir war ein guter, harmloserJunge. Er hatte
großherzoglichen Hess. Dragoner-Regts. (Gardedragoner« Regiment) Nr. 23 statt. Es folgte um 8 Uhr eine Gefechtsübung. Hierzu waren befohlen die 41. Jnfanteriebrigade, das Füsilier-Regiment von Gersdorff (Hessisches) Nr. 80, das Magdeburgische Dragoner- Regiment Nr. 6 und die erste Abteilung des Nassauischen Feldartillerie-Regiments Nr. 27 „Oranien". Die Gefechtsaufgabe war von Generalleutnant Scholtz gestellt. Die 41. Jnfanteriebrigade unter Generalmajor von Süßkind stellte die blaue Partei, das Füs.-Re- gimeut v. Gersdorff unter seinem Oberst von Conta, die rote Partei dar. Dragoner und Artillerie waren auf beide Parteien verteilt. Hieran schloß sich eine längere Kritik. Gegen halb 11 Uhr begann der Parademarsch unter dem Kommando des Generalleut
mich lieb, fand es aber trotzdem ganz natürlich, daß er stets auf der Sonnen-und ich auf der Schattenseite stand. Er liebte Klothilde heiß und innig, eine Krone hätte er für sie hingegeben, denn was er zu besitzen wünschte, dafür schien ihm kein Preis zu hoch .. Die acht Monate seiner kurzen Ehe gestalteten sich zu einem beständigen Freudentaumel für ihn und seine junge Gattin. Nie wurde ein Weib so auf den Händen getragen, so mit Gold und Blumen überschüttet. Und doch ist'Wladimirs Liebe nichts als Strohfeuer gewesen und würde längst ausgeglüht sein, wäre er am Leben geblieben, darauf möchte ich schwören!.. Es sind jetzt mehr als fünf Jahre verflossen, ich befand mich damals zu Besuch auf diesem Gute, seit mein Vetter, in scharfer Winternacht von einem ent- ferntenSchloß heimkehrend, vonWölfen, welche der Hunger aus ihren Verstecken trieb, verfolgt wurde und verunglückte."
„Viele Zeitungen brachten Artikel überdas furchtbare Ereignis."
„Man trug Wladimir als Sterbenden heim. Er lebte nur noch wenige Stunden. Ich übernahm nun die Bewirtschaftung des umfangreichen Besitzes, und meine Mutter stand dem Hauswesen vor. Denn Klothilde rührte nie einen Finger, wenn es sich um häusliche Obliegenheiten handelte. Sie war eben durch und durch Dame und Künstlerin. Des armen Wladimirs Ende hatte sie tief erschüttert. Man fürchtete das Schlimmste ihres Zustandes wegen. Acht Monate später kam das Kind zur Welt. Es war ein Knabe, aber so schwach und elend, daß man seine Lebensdauer nach Stunden bemaß. Der Tod ging jedoch an dem elenden Menschenpflänzchen vorüber. Es vegetierte von fast fanatischer Mutterliebe bewacht, weiter. Der kleine Nikolaus wurde drei Jahre alt und ertrant dann leider, von seiner unvorsichtigen Wärterin kurze Zeit allein gelassen, in dem Teiche, welcher den Garten des Gutes durchschneidet. Meine Cousine befand sich in der Kirche. Lange suchte man nach dem vermißten Kinde, bis ich es entdeckte. Es war vielleicht gutfürdenKnaben, der geistig
nants Scholtz. — Der Kaiser ritt zunächst die Front der zum Parademarsch angetretenen Regimenter ab und begrüßte dieselben. Der erste Vorbeimarsch erfolgte in Kompagniefront bezw. Eskadron- und Batteriefront, die berittenen Truppen im Trabe; der zweite Vorbeimarsch in front im Galopp. - Nach dem Parademarsch nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen. Alsdann setzte sich der Kaiser mit dem Groß- Herzog von Hessen an die Spitze der Truppen und ritt sodann in Mainz ein, welches reichen Flaggen- schmuck trug. Ein überaus zahlreiches Publikum begrüßte den Kaiser und den Großherzog mit stürmischen Zurufen. Um 1 Uhr fand Frühstücks tafel im großherzoglichen Palais statt. — Gegen 3 Uhr fuhr der Kaiser mit dem Prinzenpaar Friedrich Karl von
und körperlich zurückblieb, daß er in so zartem Alter starb. Aber Mutterliebe macht blind."
„Für Klothilde ist er ein Wunder der Schöpfung, ein verzärtelter, verhätschelter Liebling gewesen. Seit seinem Tode versuchte ich alles, um sie zu trösten und ihr Zerstreuung zu verschaffen, erntete jedoch schlechten Dank dafür. Sie ist und bleibt mir abgeneigt, als trüge ich die Schuld an jedem Schmerz, den ihr das Schicksal bereitete. Die Ungerechtigkeit und die krankhaften Einbildungen dieses Weibes, dem mit Vernunftgründen gar nicht beizukommen ist, könnten mich oft rasend machen."
Er stieß das noch halb gefüllte Glas auf den Tisch nieder, daß der Inhalt über den Rand des selben spritzte.
„Vermögen Sie sich vorzustellen, was es heißt, einem ebenso albernen wie tief eingewurzelten Vorurteil gegenüber gänzlich macht- und hilflos zu sein?"
„Mit Zeit und Geduld wird es sich ja auch besiegen lassen," erwiderte Hugo nicht ohne Befangenheit, denn er ahnte, daß sich hier im engsten Familienkreise eine Tragödie abgespielt hatte oder sich abzuspielen drohte.
„So dachte ich auch," erwiderte Sudowsky, „mußte aber leider erkennen, daß diese schöneHoffnung auf einem Irrtum beruhte. Jeden Stein hätte ich Klothilde aus dem Wege geräumt und ihr von allem Guten das Beste dargeboten" . . er unterbrach sich jäh und fügte mit viel gemäßigterem Tone hinzu: „Weil ich sie als teures Vermächtnis meines Vetters betrachte und weil ich ihm auf seinem Totenbette versprach, ihr stets treu zur Seite zu stehen. Sie erschwert es mir aber über alle Begriffe, diese freudigen Herzens übernommene Atission zu erfüllen."
„Und doch handelt es sich allem Anschein nach nicht um ausgesprochenen Widerwillen gegen ihre nächsten Verwandten; denn würde Frau Klothilde sonst das Gut nicht längst verlassen haben? Oder fesselt sie etwa irgend eine Klausel des Testamentes?" ' 155,18
„Nein! Wladimir stellte die Zukunft seiner Gemahlin sicher, ohne alle Einschränkungen ihres freien Willens.'-