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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".________________________

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 68.

Samstag, den 22. August 1908.

59. Jahrgang.

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Amtliches.

J.-Nr. 4477 K.-A. Dem bei dem Freiherrlich von Stummffchen Gute in Dienst stehenden Gutsschmied Georg Zeller in Ramholz ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 30 Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlächtern, den 17. August 1908.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Valentiner.

J.«N. 4474 K.-A. Dem bei dem Freiherrlich von Stumm'schen Gut in Dienst stehenden Pferdeknecht Caspar Dorn in Ramholz ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 25 Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlüchtern, den 17. August 1908.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.

Die deutschen und die englischen Arbeiter.

Das englische Handelsamt hat unlängst eine Unter­suchung über die wirtschaftliche Lage der dortigen im Vergleich zu der der deutschen Arbeiter veröffentlicht. Der Zweck dieser Veröffentlichung konnte naturgemäß nur der sein, den englischen Arbeitern zu zeigen, d> ihre Lage wesentlich besser sei als die der deutschen Arbeitskollegen. Wie nun aberGenosse" Calwer ausführt, fällt an dem Ergebnisse dieser, mit großen Bedenken aufzunehmenden Vergleichsmethode nicht die Feststellung auf, daß die wirtschaftliche Lage des eng­lischen Arbeiters günstiger ist als die des deutschen, sondern vielmehr der Umstand, daß der Abstand, der zwischen her Lage der beiden Länder eingetreten .st, sich wesentlich verringert hat.Noch vor zehn Jahren war," so schreibt Calwer,dieser Abstand ganz erheb­lich größer, wie sich auf Grund früherer Vergleiche ergibt. Das ist eben das Erfreuliche an der Entwick­lung von Deutschlands Volkswirtschaft, daß sich seit etwa 1895 eine wirtschaftliche Hebung der Arbeiter­bevölkerung vollzogen hat, wie sie in keinem andern Lande, mit dem Deutschland um die industrielle Sup­rematie kämpft, zu verzeichnen war. Wohl steht sich der amerikanische und der englische Arbeiter noch besser als der deutsche, aber einen erheblichen Teil des vor dreizehn Jahren bestehenden Vorsprungs hat der deutsche Arbeiter eingeholt. Wenn diese Beobachtung nunmehr durch die Untersuchungen des englischen Handelsamtes bestätigt wird, so hat man nicht den geringsten Anlaß, dieses Resultat mit Unbehagen aufzunehmen, sondern

man hat sich über Die Erfolge zu freuen, welche die deutsche Arbeiterbevölkerung seit 1895 erreicht hat und die zu weite-ein ernsten Streben anspornen." Diese Darstellung ist bedeutsam; aber leider wird sie den Arbeitern von der sozialdemokratischen Presse vorent­halten. Die Arbeiterschaft soll eben in dem Glauben erhalten bleiben, sie verelende unter der heutigen Ord­nung immer mehr, während gerade das Gegenteil der Fall ist. Aber Calwer übersieht bei seiner Feststellung noch immer ein wesentliches Moment: die Verbesserung der Lage der deutschen Arbeiter durch Sozialreform. Die englischen und die amerikanischen Arbeiter mögen, was die Höhe der Löhne anlangi, noch immer besser gestellt sein als die deutschen Kameraden, aber hinsicht­lich des Schutzes gegen Unfall, Krankheit, Altersge­brechen usw. stehen die ersteren gegen die letzteren ganz bedeutend zurück. Bei der Betrachtung der wirtschaft­lichen Lage der Arbeiter in den verschiedenen Ländern wird also stets für Deutschland auch die Sozialreform mit in Rechnung zu ziehen sein, so daß, wenn man das Endresultat feststellt, das Ergebnis nur dieses sein kann, daß der Vorsprung der englischen und amerikan­ischen Arbeiter von den deutschen nicht nur zu einem erheblichen Teil, sondern völlig eingeholt, ja vielleicht sogar überholt ist.

Deutsches Reich.

Der Kaiser bewilligte aus dem Dispositions­fonds der Robert Koch-Stiftung 100 000 M. zur Bekämpfung der Tuberkulose.

Der Geburtstag des Kaisers Franz Josef. Bei der Tafel in Wilhelmshöhe brächte der Kaiser folgenden Toast aus: Ew. Exzellenz : Der Tag voll« zieht sich unter den Auspizien des sechzigjährigen Re­gierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef. Zu den heißen Gebeten und Segenswünschen, die aus so vielen Seelen seiner Untertanen emporsteigen, gesellen sich diejenigen meines Volkes, meines Hauses. Ich wünsche von ganzem Herzen, daß es Seiner Majestät beschieden sein möge, einen langen friedlichen, ruhigen Lebensabend im beglückenden Bewußtsein der Liebe seines Volkes und Heeres zu genießen, der Liebe und Dankbarkeit, die sowohl ich wie meine Frau und meine Kinder Sr. Majestät bezeugen und immer be­zeugen werden, so lange wir leben. Ihnen gebe ich Ausdruck, indem ich rufe: Gott segne, Gott schütze Seine Majestät Kaiser Franz Josef, meinem, erlauchten treuen Verbündeten. Seine Majestät Hurra! Die Musik spielte darauf die österreichische Hymne.

Kronprinz Wilhelm wird nach seiner Rückkehr von der Sommerreise in der letzten Augustwoche seine Tätigkeit im Ministerium des Innern noch 4 Wochen aufnehmen und am 1. Oktober wieder in das Heer eintreten. Wahrscheinlich ist eine Beteiligung des Kronprinzen an den Kaiser-Manövern. Vom L Oktober ab wird der Kronprinz das Kommando des 1. Bataillons des L Garde-Regrments zu Fuß über­nehmen. Der Kronprinz hat bisher noch kein Bataillon geführt.

Die Hochzeit des Prinzen August Wilhelm wird, wie nunmehr feststeht, am 22. Oktober d. I. stattfinden und zwar wird die Braut, Prinzessin Alexandra Viktoria zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, bereits am 20. Oktober in Berlin eintreffen und mit ihrer Mutter im Schloß Bellevue Wohnung nehmen. Von dort aus findet am gleichen Tage und in der­selben Weise wie s. Z. bei der Kronprinzessin Cecilie der feierliche Einzug in Berlin statt.

Amtlich werden folgende Personalveränderungen in hohen Beamtenstellen bekannt gemacht: Der Polizei­präsident von Hellmann in Posen ist zum Präsident der Regierung in Allenstein, der Landrat von Heyking in Pleß zum Polizeipräsidenten in Posen und der Vortragende Rat im Finanzministerium von Baunibach zum Präsidenten der Regierung in Osnabrück ernannt worden.

In der Besoldungs-Reform der Beamten liegt, wie schon gemeldet wurde, jetzt völlige Uebereinstimm­ung im Reiche und in Preußen vor. Wie dieVoff. Ztg." hört, werden den gesetzgebenden Körperschaften, Reichstag und Landtag, die Besoldungs-Vorlagen für M, Reichend für Preußen tunlichst zu gleicher Zeit zugehen. Hand in Hand damit gehen auch die Vor­lagen über die Deckungsmittel. Wenn aber die Frankst. Ztg." meint, Alles in Allem würden unter diesen Umständen die neuen Reichssteuern auf 400 Millionen Mark berechnet werden müssen, so wollen wir doch annehmen, daß der Betrag stark über die Wirklichkeit fortschießt.

Endlich ist nun auch das Ende des Nieterstreiks auf der Stettiner Vulkanwerft gekommen. Nachdem Montag vormittag 618 Nieter die Arbeit wieder aus­genommen hatten, hat die Direktion den vollen Be­trieb wieder eröffnet. Der Verein der Eisenindustriellen in Stettin, der zur Unterstützung des Vulkans 60 v. H. seiner gesamten Arbeiter ausgesperrt hatte, hat diese Aussperrung nunmehr aufgehoben. Damit hat der Konflikt auf dem Stettiner Vulkan sein Ende ge-

Künstkerblut.

Roman von Vera v. Baratowski. 8

Ist das Ihre einzige Sorge, so schlagen Sie ruhig ein !" sagte der Pole gut gelaunt.Nun, ich will Ihnen Zeit zu überlegen geben, und da Sie ermüdet sind, auch einige Stunden der Ruhe gönnen. Doch bitte ich, daß Sie mir später die Freude machen,an einem kleinen Fa- miliensouper teilzunehmen."

Von den verschiedensten Eindrücken bestürmt, zog sich Meißner in die für ihn bestimmten Zimmer zurück, und verfiel nun wirklich in unruhigen Halbschlummer, aus dem er jedoch bald emporfuhr, um sich seiner Reisekleider zu entledigen.

Als die auf demKamin stehende Uhr die achte Stunde e, klopfte Sudowsky bei seinem Gast an, der sich in Gesellschaftstoilette befand, und rief, ohne ein- Kittreten:Ist es Ihnen gefällig, mich zu begleiten, oder wollen Sie lieber allein zu Abend speisen?"'

Nein, nein, ich bin Ihnen sehr verbunden," erwiderte rasch geöffnet hatte,aber ..

Ich hatte doch noch nichtdieGelegenheit, mich den Damen vorzustellen, und es würde unpassend sein ..."

Ach was! In meinem Laufe werden keine Umstände

E10^ Wer mich kennt, weiß, daß ich das nicht liebe, erlassen Sie alle Verantwortung mir. Damit kom- auch den Wünschen der Damen entgegen."

Meißner fugte sich. J a

- r^e®^6^1 empfing ihn eine Greisin mit strengen Gesichtszugen : Sudowskys Mutter. Sie hieß den Gast willkommen, sprach aber nur gebrochen Deutsch JH " gangsiormen waren ziemlich derb und lieben feh fellschaftlichen Schliff vermissen.

Man setzte sich an den Tisch, wo für vier Personen gedeckt war.

re Um-

cmen ge-

Wo bleibt Klothilde?" fragte der Rittergutsbesitzer ungeduldig.

Die alte Frau klingelte und gab dem Diener einige Befehle, mit halblauter, aber eindringlicher Stimme.

Bald darauf erschien eine mehr als interessant und blendend als schön zu nennende Dame. Große, schwarz­bläulich schimmernde Augen, eine überreiche Fülle gold- roten Haares, eine hohe üppige und dennoch schlanke, wahrhaft königliche Gestalt verliehen ihr unwidersteh­lichen Reiz.

Das Gewand von silbergrauer Seide floß, eine kurze Schleppe bildend und sich weich anschmiegend, an ihr nieder. Unter der halbgeöffneten, mit Pelz verbrämten Jacke von grünem Samt umschloß silbergestickter Stoff die klassisch geformte Büste.

Warum so spät?" rief Sudowsky.Ich ließ Dir doch sagen, daß wir einen Gast hätten. Also: Herr Hugo Meißner, ein Maler, dessen Name sicher bald zu den be­rühmtesten gehören dürfte.. meine Cousine: Frau Klo­thilde!"

Sie grüßte so kalt und zurückhaltend, daß es fast an Unhöflichkeit grenzte, und nahm den ihr angewiesenen Platz ein.

Die schon fast überwundene eigentümliche Beklem­mung bemächtigte sich des jungen Künstlers neuerdings. Er mußte immer sein Visavis ansehen. Der aus dem Kamin leuchtende Feuerschein umwob sie wie mit pur­purner Abendröte.

Alles war Glut und Leben an dieser prächtigen Ge­stalt und doch solch kaltes, finsteres, hochmütiges Wesen.

Sudowsky erzählte, lachte und schrie. Seine Mutter flocht manche Bemerkung mit ein. Hugo achtete kaum da­rauf und antwortete zerstreut. Sie, die ihm gegenüber saß, wünschte er sprechen zu hören: aber kein Laut tam über ihre Lippen. Wie die verkörperte Unnahbarkeit war sie anzusehen.

Sudowsky richtete mehrmals das Wort an sie, ohne

Antwort zu bekommen. Dann ging ein häßliches Zucken über sein Gesicht, drohenden Wetterwolken vergleichbar.

Klothildes marmorblasses Antlitz mit dem korallen­roten Munde gab seltsame, unlösbare Rätsel auf. Dieses Weib mußte glühend lieben, glühend hassen und den­noch kalt berechnen können.

Was den ersten Punkt anbelangt, stirtzte sich Meiß- ners Ansicht freilich nur auf Vermutungen; aber Haß, bitterer, unverhohlener Haß sprach aus dem Blick der Witwe, sobald dieser ihren Vetter streifte.

Immer gedrückter wurde dieStimmung,jeeifriger auch der Diener die Champagnerkelche füllte und je auserle­senere Delikatessen serviert wurden.

Möchtest Du uns nicht ein Lied singen ?" fragte die Greisin jetzt ihre Nichte.

Ich weiß keins, das zu frohem Gläsergeklirr paßt," antwortete die junge Frau kurz.

Hugo machte unwillkürlich eine Gebärde der Ueber- raschung. Diese volle, sonore Stimme, von dunklerKlang- farbe kannte er. Er hatte sie heute schon vernommen in dem einsamen Zimmer weilend.

Nur, um sie noch einmal zu hören, und sich von der Richtigkeit seiner Wahrnehmung zu überzeugen, bat er jetzt:Dann ein ernstes, gnädige Frau! Nicht jeder, der fröhlich scheint, ist es auch wirklich."

Ihre Augen, von denen man kaum feststellen konnte, ob sie dunkelblau oderschwarz waren, wandten sich ihm zu, mit einem langen und forschenden Blick.

Dann trat sie an das Klavier und begann mit wun­dervoller Mezzosopranstimme eine tief traurige Melodie zu singen. Der unterlegte Text war Meißner nicht fremd, denn er rührte von dem deutschen Dichter Eichendorff her

Die Fabel erzählte von zwei Genossen. Der eine stand mit beiden Füßen auf der schönen, sonnigen Gotteswelt, sein Gefährte aber war ein verträumter Geselle, der be­ständig nach Wonnen verlangte und suchte, wie sie kei­nem Sterblichen beschieden sind. , . 155,18