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mit amtlichem Äreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

_______________vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". _____________

Erscheint Mittwoch und Samstag. ~ Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Der Viehhandel im Bürgerlichen Gesetzbuchs.

Ein überaus wichtiges Gebiet für jeden Landwirt, mag er nun Käufer oder Verkäufer sein, ist der Vieh­handel. Wie für jeden Handel, so besteht auch für den Viehhandel eine Reihe von gesetzlichen Bestimm­ungen, die im Bürgerlichen Gesetzbuchs festgelegt sind. Da sie für einen großen Teil unserer Leser wissens­wert sein dürften, so wollen wir die wichtigsten der­selben hier mitteilen.

Für den Verkäufer eines Stückes Vieh besteht die Haftung, d. h. er ist verpflichtet, das verkaufte Stück gegen Erstattung der Kaufkosten und bei Nichtbenutz- ung auch der Futlerkosten zurückzunehmen, wenn sich Mängel an dem verkauften Tiere zeigen. Der Ver­käufer haftet aber nicht für alle Mängel, sondern nur für die Hauptmängel oder diegesetzlichen Fehler". Zur Feststellung dieser Fehler unterscheidet das B. G- B. das Nutz- und Zuchtvieh von dem Schlachtvieh und bestimmt in beiden Klassen bei den verschiedenen Tierarten, Pferden, zu denen auch die Esel, Maulesel und Maultiere eingereiht werden, Rindvieh, Schafen und Schweinen die zur Haftung verpflichtenden Fehler. Diese Fehler sind sehr verschieden und am besten aus dem Gesetzbuchs selbst zu ersehen. Ganz besonders zu bemerken ist die Bestimmung bei tuberkulösem Schlacht­rindvieh. Hier gilt nur dann der Hauptmangel, wenn mehr als die Hälfte des Schlachrgewichts gar nicht oder nur unter Beschränkung als Nahrungsmittel für Menschen geeignet ist, im andern Falle nicht.

Die Hauptmängel verpflichten aber den Verkäufer nur dann zur Zurücknahme des verkauften Stücks, wenn sie sich innerhalb bestimmter Fristen, den sogenannten Gewährsfristen, zeigen. Diese Gewährsfristen betragen bei Lungenseuche des Rindviehs 28 Tage, bei Rotlauf der Schweine 3 Tage und bei Schweineseuchr oder Schweinepest 10 Tage; bei allen andern Hauptmängeln bei Nutz- und Zuchttieren ebenso wie bei Schlachttieren 14 Tage. Sie beginnen mit dem Ablauf des Tages, an dem die Gefahr auf den Käufer übergeht, d. i. mit dem Tage der Uebergabe, wenn nicht anderes ausdrücklich ausgemacht ist. Wenn sich bei einem gekauften Tiere innerhalb der Gewährsfrist ein Haupt­mangel zeigt, so kann der, KäuferWandlung" ver­langen, d. h. Wiederherstellung des Zustandes, wie er vor dem Verkauf war.

Der Käufer verliert aber die ihm wegen des Mangels zustehenden Rechte, wenn er nicht spätestens zwei Tage nach dem Abläufe der Gewährsfrist oder, falls das

Samstag, den 15. August

Tier vor dem Abläufe der Frist getötet worden oder sonst verendet ist, nach dem Tode des Tieres den Mangel dem Verkäufer anzeigt. Als Anzeige gilt auch die Absendung der Anzeige, sowie die Klageerheb­ung wegen Mangels gegen den Verkäufer und der Antrag auf gerichtliche Beweisaufnahme zur Sicherung des Beweises. Der Rechtsverlust des Käufers inner­halb der genannten Frist tritt jedoch nicht ein, wenn der Verkäufer den Mangel arglistig, d. i. wider besseres Wissen verschwiegen hat.

Für die zweitägige Anzeigefrist ist nun noch ver­schiedenes zu bemerken. Fällt ihr Ende, also der zweite Tag, aus einen Sonntag oder allgemeinen Feiertag, so zählen diese Tage nicht mit, die Frist läuft vielmehr dann erst am darauffolgenden Werktage ab. Als allgemeine Feiertage gelten in Preußen der I. und 2. Weihnachtstag, Neujahr, Karfreitag, Oster­montag, Himmelfahrt, Pfingstmontag und der Bußtag. Für Baden gilt noch Fronleichnamstag, Allerheiligen und der Stephanstag; in den anderen außerpreußischen Ländern Deutschlands scheint eine die Gewährsfrist betreffende Feiertagsordnung noch nicht erschienen zu sein. Die Religion oder Konfession des Käufers und Verkäufers kommt bei diesen Bestimmungen nicht in Betracht, ebenso wenig, ob der betreffende Feiertag in den in Frage kommenden Orten gefeiert wird oder nicht. An diesen Feiertagen läuft also die Anzeigefrist nicht ab, sondern erst am nächstfolgenden Werktage.

Deutsches Reich.

Der Kaiser ist am Mittwoch morgen im Sonder- zua im Sennelager eingetroffen. Um 7 Uhr begannen auf dem Truppenübungsplätze Uebungen der verstärkten Kavalleriedivision C.

Der von der Heeresverwaltung bestellte Parseval- Ballon steht unmittelbar vor der Abnahme durch das Kriegsministerium. Die Motorluftschiff-Studiengesell­schaft in Berlin hatte sich zum Einfahren der Motoren des seit einiger Zeit fertiggestellten Parseval-Ballons einige Zeit ausgebeten, die ihr vom Kriegsministerium bereitwilligst gewährt wurde. Die Bedingungen für die Abnahme des Fahrzeuges sind sehr streng und durchaus kriegsgemäß. Das Luftschiff muß aus zwei gewöhnliche Leiterwagen verpackt und an einen vom Kriegsministerium zu bestimmenden Platz gefahren werden. Es ist dort an Ort und Stelle zu füllen und zum Aufstieg zu bringen. Die Fahrtdauer, die von der Heeresverwaltung verlangt wird, beträgt 12

>8. 59. Jahrgang.

UVHHMIHHranV Stunden ohne Zwischenlandung. Diese Probefahrt soll noch im Laufe der nächsten Wochen erfolgen. Man wünscht nichts mehr, als daß auch Parseval des Erfolges langer, mühevoller Arbeit teilhaftig werden möge.

Das deutsche Reichskomitee zur Aufbringung einer Ehrengabe des gesamten deutschen Volkes für' den Grafen Zeppelin zum Bau eines neuen Luft­schiffes erläßt einen vom Kronprinzen als Ehrenpräsidenten unterzeichneten Aufruf, der zur Einsendung von Bei­trägen auffordert.

Die Bereitwilligkeit, mit der die deutsche Nation dem Grafen Zeppelin die Mittel zur Fortführung seiner Experimente auf dem Gebiet der Luftschiffahrt zur Verfügung stellt, wird von der gesamten englischen Presse mit begeisterten Worten anerkannt. Es ist, so heißt es, geradezu bewunderungswürdig, daß in 24 Stunden nach dem Unglücksfalle von Echterdingen bereits zwei Millionen Mark aufgebracht wurden, um den Bau neuer Zeppelins sicherzustellen. Dies sei ein bewunderungswürdiger Patriotismus. Verschiedene Blätter weisen ihre eigenen Landsleute darauf hin, daß die deutsche Nation fest entschlossen sei, ihren Vor- sprung, den sie nun einmal auf dem Gebiete der Luftschiffahrt vor allen anderen Nationen erzielt habe, nicht wieder aufzugeben und kein Mensch denke daran, auf die Gefahren hinzuweisen, die mit der Luftschif­fahrt nun einmal verbunden sind, sondern man hat nur den einen Wunsch, den Grafen Zeppelm weiter zu helfen.

Dem verdienstvollen Mitarbeiter Zeppelins, Oberingenieur Dürr, ist aus Amerika ein verlockendes Angebot gemacht worden. Eine Gruppe von Kapitalisten hat ihm 2 Millionen Mark geboten, wenn er nach Newyork kommen will, um dort den Bau eines Luft­schiffes zu übernehmen. Dürr, der mit Zeppelins Unternehmen auf das engste verwachsen ist, hat die Offerte nicht akzeptiert.

Zum Chef des Geheimen Zivilkabinets des Kaisers ist Regierungspräsident von Valentini in Frankfurt a. O. ernannt worden, der den verstorbenen Kabinettschef v. Lucanus während dessen Krankheit schon vertreten hatte. Rudolf von Valentini ist am 1. Oktober 1355 in Cruffow geboren und entstammt einer Familie, die aus dem Darmstädtischen nach Preußen kam und dem preußischen Heere eine Reihe verdienter Offiziere gegeben hat. Er arbeitete von 1866 ab als Regierungsaffessor erst bei der Regierung,

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Künstkerötut.

Roman von Vera v. Baratowski. 6

Der Rittergutsbesitzer blieb noch eine halbe Stunde und verabschiedete sich dann, aber seine Worte waren wie zündende Funken in Meißners Seele gefallen und ließen längst gehegte Wünsche gleich verzehrenden Flam­men emporlodern.

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Gs ging nicht mehr vorwärts mit dem Bilde. Was Hugo heute machte, wischte er morgen weg. Der Eifer, mit welcher die Arbeit begonnen wurde, erlahmte täglich immer mehr.

Monate waren vergangen und vereinzelte Schneeflok- ken begannen zu fallen, als Sudowsky schrieb, und seine Einladung erneuerte.

Für die beiden Damen war eine Annahme ausge­schlossen, zu Meißner aber sagte Flora, als er den Brief eben mit einer höflichen Ablehnung beantworten wollte. Richt etwa meinetwegen! Ich will nicht wie eine schwere, hemmende Last an Dir hängen. Meinst Du, daß Dir der Aufenthalt bei Deinem Gönner nutzen kann?"

rVr^si es nicht; aber neue Eindrücke sind in der

- r förderlich. Das ewige Einerlei stumpft ab. Vielleicht ist es gut, wenn ich auf einige Wochen nach Galtzren reife.. ' 7

SÜillft Du das begonnene Bild nicht erst vollenden?" Nem. An dieser Aufgabe scheitert meine Begabung, rr elumal ein anderes Feld anweist. Deshalb will ich fort, um etwas zu schaffen, das möglicherweise meinen Namen berühmt niacht. Gegenwärtig gehöre lch ia noch zu den Unbekannten, und über diese muß ich mich erheben, schon Deinetwegen."

..Er sprach noch lange, sich gleichsam selbst entschul- vigend und bemüht, feinen Entschluß zu motivieren.

.. .^"ra erhob keine Widerrede. Sie wurde nur immer vteicher und große Tränen hingen ihr gleichleuchtenden

Perlen an den Wimpern. Langsam wandte sie sich ab und sagte nichts weiter als:Geh .. Gott segne Dich!" Warum so traurig, mein Lieb?" fragte er beklom­men.

Weil ich ahne, daß wir auf ewig auseinander gehen."

Da umschlang er sie, und drückte ihr Köpfchen an seine Brust.Kleine Törin, eben weil ich Dich über alles liebe, treibt es mich in die Ferne. Ich will der ersten einer werden, um Dir bald ein schönes, behagliches Heim bie­ten zu können. Quälst Du Dich mit so unnötigen Be­fürchtungen, so ziehe ich natürlich vor, zu bleiben. Be­trachten wir die Sache als erledigt."

Nein, nein, Hugo," wandte sie lebhaft ein:Jchmöchte Dich um keinen Preis zurückhalten. Vergib meine kindi­schen Worte. Wir schreiben uns häufig, und die Freude des Wiedersehens wird groß sein."

So wurde statt der ablehnenden Antwort eine zusa­gende weggeschickt, und noch in derselben Woche verreiste Meißner. Er hatte aus Bescheidenheit Tag und Stunde seiner Ankunft nicht gemeldet. Auf der letzten Bahnsta­tion fand er ein Fuhrwerk, das ihn an den bezeichneten Ort brächte. Dort angelangt, suchte er erst vergeblich sich dem nur polnisch redenden Diener verständlich zu machen. Der Kutscher muffte sich ins Mittel legen und veranlas­sen, daß ein anderer deutschsprechender Diener gerufen wurde. Dieser nahm die Karte in Empfang, führte den Fremdenin ein elegantes Gemach und bat ihn, etwas Ge­duld zu haben, da der Herr momentan wichtig -beschäf­tigt sei. Er werde ihn aber sobald wie möglich von der Anwesenheit des Gastes in Kenntnis setzen.

Es hat durchaus keine Eile! Stören Sienicht etwa," erwiderte Hugo und betrachtete mit grossem Interesse die Gemälde, offenbar eine ganze Sammlung von Ahnen­bildern, Frauen und Männer in ihren reichen, kleidsamen Nationaltrachten. Hübsche und minder hübsche, zum Teil sogar häßliche Gesichter, die jedoch alle unverkennbare Familienähnlichkeit zeigten.

Aber eine eigentümlich schwere, dumpfe Atmosphäre

beklemmte hier den Atem, gleichsam, als befände man sich in einer Totengruft.

Im Kamin brannte Feuer, trotzdem war es kalt hier. Das Holz knisterte, Funken sprühten auf, Flammen zün­gelten hoch empor .. und dennoch diese dicke, erstickende Luft, an Staub und Moder mahnend!

Obschou Meißner fror, perlten ihm Schweißtropfen auf der Stirn! Er wagte kein Fenster auszuriegeln, öff­nete aber die Türe spaltbreit und vernahm plötzlich krei­schendes, wildes, tobendes Geschrei. Das waren die Ak­zente sinnloser Wut.

Eine Frauenstimme von schönem, weichen, sonoren Klang antwortete erst ruhig und beschwichtigend, dann immer lauter und aufgeregter und endlich mit ebenso krei­schenden, scharfen Tönen.

Das Gespräch oder vielmehrder erbitterte Kampf wurde in polnischer Sprache geführt, von welcher Hugo nur ein­zelne Worte verstand.

Er mochte sich nicht dem Verdacht aussetzen, wohl gar gelauscht'zu haben, und war im Begriff, die Tür leise zu schließen, als ein Weib rasch den Korridor entlang floh. Schattengleich huschte sie vorbei. Hugo hatte ihr Antlitz nicht gesehen. Jetzt folgte ein Mann, mit den Fäusten in derLuft herum fuchtelnd,schwankend,bald links, bald rechts an die Wand taumelnd, Schaum vor den Lip­pen und das Gesicht von Wut verzerrt.

Er stieß offenbar gefährliche und ernstgemeinte Dro­hungen aus und befand sich in fast unzurechnungsfähi­gem Zustand.

Schon wollte ihm der einsame Zeuge dieser häßlichen Szene nachstürzen, denn der Wütende versuchte eineTüre am Ende des Ganges aufzureißen und sah aus, als wäre er zu dem Aerasten fähig; aber man hatte von innen abgeschlossen oder verriegelt. Die Kraft des Sinnlosen er­schöpfte an dem starken, Älen Anstrengungen es zu spren­gen, widerstehenden Schloß. Endlich schlug er sich mit den geballten Händen vor Brust und Stirne und lallte wie jemand, der nicht mehrHerrüberseineZunge ist 155,1L