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SchluchtermrAttung

mit amtlichem Areisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

64 Samstag, den 8. August 1908. 59. Jahrgang.

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Amtliches.

Bekanntmachung

J.-Nr. 4312 K.-A. Die Aktien-Gesellschaft Port- land-Zementsabrik Elm beabsichtigt auf ihren in der Gemarkung Elm gelegenen Grundstücken Kartenblatt M 154/40, 110/32, 33, 34 und 39 eine Zementfabrik zu errichten.

Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kennt­nis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blat­tes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht

Dienstag, den 25. August d. Js.

vormittags 11 Uhr vor dem Unterzeichneten an. Im Falle des Aus­bleibens der Unternehmer oder der Widersprechenden wird gleichwohl mit Erörterung des Unternehmers bezw. der Einwendungen borgegangen werden.

Zeichnungen und Beschreibungen der Anlagen können während der Dienststunden im Bureau des Kreis-Aus- schuffes eingesehen werden.

Schlüchtern, den 4. August 1908.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Valentiner.

Die nationale Sicherheit.

In London hat in der vergangenen Woche ein Friedenskongreß getagt, bei dessen Beratungen be­sondere praktische Ergebnisse nicht erzielt worden sino. Wichtig für uns ist der Kongreß aber wegen zweier Reden englischer Minister gewesen: der Schatzkanzler Lloyd George sprach in einem sehr versöhnlichen Sinn über die deutsch-englischen Beziehungen, und der Pre­mierminister Asquith lehnte unter Anerkennung der Bestrebungen des Friedenskongresses doch den Gedanken einer allgemeinen Abrüstung ab. Lloyd George be­handelte dabei die Flottenfrage mit einer erfreulichen Aufrichtigkeit und Objektivität. Er legte seinen im wesentlichen englischen Zuhörern dar, daß England, nicht Deutschland, es gewesen sei, das durch den Bau derDreadnoughts" die jetzige Periode der gewaltigen Rüstungen eröffnet habe. Und Asquith betonte sehr nachdrücklich^ daß jedem Lande die Erfordernisse der nationalen Sicherheit in erster Linie stehen müssen.

Daraus ergibt sich für uns zweierlei: einmal die

Anerkennung aus englischem Munde, daß nicht unser Flottenprogramm offensiven Charakter hat, und dann die Bekräftigung des von jedem starken Volke ver­tretenen Grundsatzes, daß es allein darüber zu befinden hat, was im Interesse seiner Sicherheit notwendig ist. Für ein gutes Verhältnis zwischen Deutschland und Englands ist es wertvoll, daß diese beiden Ge­danken so klar zum Ausdruck gebracht worden sind, und man kann nur wünschen, daß sie Gemeingut der öffentlichen Meinung in England wie anderswo werden mögen. Dann werden die Angriffe verstummen, die gegen den Ausbau unserer Flotte, dieses notwendigen nationalen Verteidigungsmittels, immer wieder ertönen, und dann wird sich nirgends die Zumutung mch herauswagen, einem fortschreitenden Lande das Matz seiner Aufwendungen für Verteidigungszwecke durch internationale Vorschriften, an denen natürlich auch die Gegner mitwirken würden, vorschreiben zu wollen.

Nach wie vor bleibt also jedes Land auf seine eigene Kraft gestellt. So soll es sein, und wir wünschen es nicht anders. England hat, wie sich aus Asquiths Rede ergibt, nicht die mindeste Luft, zugunsten inten nationaler Phantasien oder aus Angst vor der Ver- stimlnung der eigenen Steuerzahler ein Stück seiner starken Rüstung abzuwerfen. Darin muß es un Beispiel und Vorbild sein. Auch England hat eine schwere finanzielle Last zu tragen, und es ist entschlossen, sich ohne Murren weiter zu tragen. Da dürfen wir nicht zurückstehen. Vielmehr müssen wir alle Anstreng­ungen machen, um unserer finanziellen Rüstung die­selbe Stärke zu geben, die sie bei England längst be­sitzt. Die ,rationale Sicherheit beruht nicht nur auf Soldaten und Schiffen. Armee und Flotte können auf die Dauer ihren Aufgaben nicht gewachsen bleiben, wenn ihre Ausbildung und Handhabung durch finan« zielle Schwierigkeiten gehemmt wird. Erst dann können wir allen möglichen Gefahren der Zukunft mit Ruhe und Sicherheit entgegengehen, wenn wir durch eine durchgreifende Finanzreform nachgeholt haben, was bisher versäumt worden ist. Die Opfer, welche das deutsche Volk aus finanziellem Gebiete auf sich zu nehmen hat, werden sich überreichlich bezahlt machen. Denn sie werden im Interesse des Friedens und der gesamten Zukunft unseres Volkes gebracht sein.

Deutsches Reich.

Der Kaiser und König Eduard im Taunus. Der Kaiser trifft mit großem Gefolge, nach den bis­

herigen Bestimmungen, im Laufe des 9. August in Schloß Friedrichshof ein. Er nimmt in den Gemächern Wohnung, die er stets bei seiner Anwesenheit dort benutzt. Der König von England kommt am 11. August vormittags mittelst Sonderzuges über Vlissingen KölnWiesbaden nach Cronberg, wo ihn am Bahnhof der Kaiser und das Prinzenpaar Friedrich Karl von Hessen empfängt. Er nimmt Wohnung in den gleichen Räumen, die ihm vor zwei Jahren als Aufenthalt dienten. Im Laufe des Nachmittags unternehmen der Kaiser und der König eine Automobilfahrt nach der Saalburg. Unterwegs machen sie in Homburg an der englischen Kirche Halt, vor der das Denkmal der Landgräfin Elisabeth enthüllt wird. Es ist eine Marmorbüste, vom Bildhauer Fritz Gerth in Homburg geschaffen. Die Feier wird sehr kurz und ohne jeden Prunk sein. Am Abend des gleichen Tages reist König Eduard nach Marienbad weiter, während der Kaiser am 12. August morgens Schloß Friedrichshof verläßt.

Zur Doktorpromotion des Prinzen August Wilhelm hebt in einem Schreiben an dieStraßburger Post" der Dekan der juristischen Fakultät der Univer» sität Straßburg hervor, daß die mündliche Prüfung des Prinzen bei ungewöhnlich schwerer Fragestellung ein außergewöhnlich gutes Resultat ergeben habe.

Graf Zeppelin ist am Dienstag früh 6'/. Uhr in Friedrichshasen augestiegen. Wenn die zunächst vor­gesehene Probefahrt gut verläuft, trat er sofort die 24stündige Fahrt nach Mainz an. Das Luftschiff hat die Richtung nach Konstanz eingeschlagen. Graf Ze^p.nu hat am Dienstag um sieben Uhr Konstanz und sieben Uhr 15 Minuten Radolfzell passiert und befand sich um acht Uhr über Schaffhausen. Er fuhr jetzt nach Basel.

Der dritte Festtag der Jubiläumsfeier der Uni­versität Jena bildete den Glanzpunkt der Feierlichkeiten. Nach einem Aufzug der studentischen Korporationen, der aus ungefähr 1500 Aktiven und Alten Herren bestand, fand die feierliche Einweihung des neuen Universitätsgebäudes statt, an der die in Jena an­wesenden Fürstlichkeiten, der gesamte Lehrkörper der Universität und eine große Anzahl geladener Ehren­gäste teilnahmen. Staatsminister Dr. Rothe übergab das Gebäude dem Prorektor, indem er mit warmen Worten der Opferwilligkeit der Fürsten und der Privaten gedachte, ,welche den Neubau ermöglichten. Der Prorektor wies, gleichfalls dankend auf die Muni-

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Künstlerölut.

Roman von Vera o. Baratowski.

In den Adern des jungen Mannes floß heißes, glü­hender Lava vergleichbares Blut. Es drängte ihn stets, die üppigsten Gebilde einer reichen Phantasie auf der Leinwand festzuhalten.

Heute schwamm ihm die ganze Welt in rosigem Licht, denn sein Erstlingswerk, obschon von der Kritik nicht be­sonders günstig beurteilt, war angekauft worden.

Dies kam dem jungen Künstler um so überraschen­der, als man wohl allseitig seine glänzende Befähigung rühmte, aber hervorhob, daß er zu viel auf den äuße­ren Effekt, auf die Befriedigung des Sinnreizes Hinar- beite, und die höchsten, edelsten Aufgaben der Kunst da­rüber vernachlässige.

Diese Ansicht teilte auch Professor Klußmann.Die Kunst hat wichtigere Ziele, als nur zu schaffen, was dem oberflächlichen Geschmack schmeichelt," sagte er, als Hugo m das Atelier stürmte, um freudestrahlender Blickes zu verkünden:Mein BildBadendes Mädchen und Faun" ist angetauft worden! Aber Sie nehmen die frohe Nach­richt so kühl auf, Herr Professor."

Weck mcht die Arbeit hier den Sieg davontrug, son- dern das Sujet. Wurde Ihr Gemälde etwa von einem echten Kunstkenner erworben? .. Nein! Wie ich bereits horte, von dem polnischen Rittergutsbesitzer Bogislaus von Sudowvky der alljährlich einige Monate hier zu- brmgt, und sich durch sein exzentrisches Wesen, seine Streit­sucht und dadurch, daß er hinter den Kulissen aller Vor- ftabt= und Spezralrtaten-Theater zu finden ist, bemerkbar Macht.

tünnnert mich die Lebensiveise eines Käufers?" «Nichts. Ich wollte damit nur ausdrücken, daß mir Erfolg wenig imponiert. Schaffen Sie etwas Schö- das seine feine Eigenart hat, und ich Ihnen die verdiente Anerkennung nicht vorenthalten."

Minutenlang stand Meißner schweigend da, kämpfte gewaltsam seine zornige Aufregung nieder und erwiderte dann:Auch das, Herr Professor! Ich werde Flora ma­len, meine Braut."

Als was?"

Als Madonna oder Engel."

Weshalb denn gleich wieder nach dem Uebersinnli- chen greifen? Malen Sie Fräulein von Henck als das, was sie ist, als ein anmutiges, liebliches, reines Men­schenkind."

Nachdenkend verließ Hugo den alten ewig unzufrie­denen Führer und wandte sich einem ziemlich einsamen Stadtviertel der Residenz zu.

Dort hatte Flora mit ihrer augenleidenden Mutter eine bescheidene Wohnung bezogen, die Damen lebten von der Pension, welche die verwitwete Majorin von Henck erhielt. Es war schwer mit dieser geringen Summe zu wirtschaften, deshalb arbeitete das Mädchen heimlich für ein großes Tapisseriegeschäft.

Als Meißner eintrat, legte sie die Finger an die Lip­pen und deutete auf ihre schon zurHälfte vollendete Sticke­rei. Wundervolle Blumen sprießten unter den schlanken, fleißigen Händen auf.

Flora, kaum dem Kindesalter entwachsen, sah höchst anmutig aus in ihrem grauen Kleidchen und mit dem schlicht geordneten, kastanienbraunen Haar. Unter schön geschwungenen Brauen schauten zwei tiefveilchenblaue Augen unschuldsvoll sinnend in die Welt.

So, wie Du hier sitzest, so werde ich Dich malen!" rief Hugo.

O nein!" wehrte sie ab.Du siehst mich mit dem Auge des Liebenden. Anderen aber würde ich sehr un­bedeutend erscheinen."

Der Professor machte mir aber den kränkenden Vor- wurf, meine Kunst scheitere an allem, was vornehme Ein­fachheit fordere. Du mußt mir helfen, ihn eines Besse­ren zu belehren. .. Erlauben Sie, Mama, daß ich Flora male?"

!Gewiß, lieber Hugo?" erwiderte Frau von Henck

i freundlich lächelnd. Ihre nicht schönen, aber feinen Zügs ; hatten einen melancholischen und doch ungemein anspre­chenden Ausdruck.

. Die an Räumlichkeiten ziemlich beschränkte Wohnung sah trotz der schon etwas abgenützten Möbel behaglich und einladend aus, denn Flora verstand alles mit Ge­schick zu arrangieren.

Die Damen empfingen selten Besuche; nur der pen­sionierte Hauptmann Theodor von Westberg, der Ma­jorin Schwager, kam wöchentlich einmal zum Tee und wurde immer mit Freuden begrüßt. Gab es doch keinen ehrlicheren und treueren Freund als ihn. Barsch und kurz angebunden, außerordentlich streng und empfindlich im Punkte der Ehre, zeigteerimgewöhnlichenVerkehr harm­lose Fröhlichkeit, scherzte gern und hatte allerlei drollige Einfälle, über die man herzlich lachen mußte. Dabei be­saß Onkel Theo, wie er genannt wurde, viel Talente, die man hoch schätzte. Ein ausgezeichneter Schachspieler, focht er manchen unblutigen Kampf mit den Spitzen der Aristokratie aus, machte gelegentlich hübsche Gedichte und formte auch aus Gips reizende, kleine Büsten.

Früher war auch oft ein entfernter Verwandter vom ihm, der Doktor Ernst Winter, ein noch junger Arzt, mitgekommen, der in freundschaftlichen Beziehungen zu Hugo Meißner stand. Seit Floras Verlobung, von wel­cher man vorläufig allerdings.nur in intimsten Freun­deskreisen wußte, hatte Winter doch seine Besuche allmäh­lich aufgegeben.

Flora, Westbergs Liebling, jubeltejedesmal, wenn der Oheim sich einfand. Nur, daß er ihrer Verlobung mit Hugo nicht so recht freudig beistimmte, betrübte die junge Braut tief. Zwischen Meißner und dem alten Offizier herrschte wenia Sympathie. Meistens vermied es ersterer, an den Abenden, wo er Hauptmann von Westberg anwesend wußte, zu erscheinen, und auch diesem war es lieber, wenn er nur Schwägerin und Nichte antraf. , x, 155,19-