Predigt von der Strafkammer des Landgerichts in teilungen der einzelnen Vereine über das Geschäfts- i ergebnis des Vorjahres. Auch hieraus war im all
Metz zu zwei Wochen Festungshaft verurteilt worden war, ist vom Bischof Benzler vom Dienst enthoben
worden.
— Eine unwürdige Kriecherei vor dem Polentum stellt folgendes Vorkommnis dar: Die Zigarettenfabrik von Schlichting u. Opelt in Berlin bringt nach Berichten polnischer Blätter „papierosy narodowe“ (Nationalzigaretten) in den Handel, deren Verpackung folgende Lockmittel für die Polen aufweist: Auf der Hauptseite in der Mitte eine rotweiße Fahne, auf dem roten Felde die Aufschrift „papierosy“ und aus dem weißen Felde die Aufschrift „naredowe“ ; die Fahnenstange scymückt ein weißer Adler. Ueber der Fahne ist das Wappen von Polen und Litauen mit der Krone und rings herum die Wappen der Stadt Warschau, Krakau, Lemoerg und Posen angebracht. "Natürlich macht sich die polnische Presse über diese Deutschen lustig und verspottet jte als Bauernfänger, denen doch kein Pole auf dem Leim kri-chen würde. Was sollen aber Deutsche von Deutschen denken, die geradezu wettkriechen vor den Polen und ihre antideutschen Bestrebungen und ihre dem Deutschtum so gefährlichen Sonderwünsche. für die eigenen kleinen Geschäftsvorteile ausbeuten und mißbrauchen?
Ausland.
— Ein schwerer Eisenbahnunfall forderte am Samstag in Bukarest in der rumänischen Station Adjud mehrere Opfer. Dort entgleiste ein Lastzug, wobei sechs Getreidewagen vollständig zertrümmert wurden. Drei Tote und mehrere Verletzte wurden unter den Trümmern hervorgezogen.
— In Tientsin hat die feierliche Eröffnung der Eisenbahn Tientsin—Pukou stattgefunden. Deutschland hat an diesem Bahnbau ein besonderes Interesse, da das sehr umfangreiche und kostspielige Werk tu zwei Dritteln mit deutschem, zu einem Drittel mit englischem Gelde vollendet werden soll, und da ferner die Bahn durch Gebiete führen wiro, welche für das Gedeihen von Schanlung, dieses Hinterlandes der deutschen Kolonie Kiautschou, von großer Wichtigkeit sind. Demgemäß war Deutschland auch bei der Er« öffnungsseierlichkeit besonders vertreten. Während die übrigen Mächte nur ihren in Tientsin residierenden Konsul entsandt hätten, war deutscherseits von der Gesandtschaft in Peking eigens ein Mitglied in der Person des Legacionssekretärs von Mustinus nach Tientsin geschickt worden. Auch der Chefingenieur der Nordstrecke der Bahn, Herr Borgmann, welcher an der Feier teilnahm, ist ein Deutscher. Endlich wurd^ der sozusagen deutsche Charakter der Feier noch dadurch betont, daß der chinesische Direktor der Nordstrecke, der Taotai Leschin, eine Rede in deutscher Sprache hielt.
— Das in Rio de Janeiro erscheinende brasilianische „Jornal deCommercio" bringt in einem „Zehn Jahre deutscher Zivilisation" überschriebenen Artikel das von der „Gegenwart" veröffentlichte Resume der Denkschrift des Staatssekretärs von Tirpitz über Kiautschou. Das „Jornal" schreibt, die Denkschrift sei für die ganze Welt interessant, und weißt in der Einleitung des Artikels auf die beispiellose Entwicklung dieser deutschen Kolonie hin.
— Ueber die Vorgänge in der Türkei wird weiter gemeldet, daß der Sultan die äußerste Einschränkung des Hofhalts angeordnet hat, sämtliche Gehälter werden stark reduziert, viele hohe Palastbeamte entlassen. Namentlich die Haremsausgaben werden wesentlich vermindert. Der Sultan hat auch bereits den Befehl gegeben, alle Zahlungen für Spione und politische Agenten im In- und Auslande einzustellen. Die dadurch erzielte Ersparnis wird auf mehr als 19 Millionen Francs geschätzt. Die Amnestie ist auch auf die gemeinen Verbrecher ausgedehnt worden. Nach dem Selamlik empfing der Sultan das diplomatische Corps in Kudienz und begrüßte besonders herzlich den deutschen Vertreter, der Grüße des Kaisers und dessen Wünsche ausrichten konnte, daß der neue, vom Sultan mit so viel Weisheit und so rückhaltlos betretene Weg seiner Regierung und seinem Lande zu Glück und Segen gereichen möge.
26 Verbandstag der hessischen Borschutz und Kreditvereine.
Eschwege, 30. Juli. Nachdem am Dienstag aber., im „Berliner Hof" hierselbst Vorberatungen stattgtz- funden hatten, begannen die Hauptverhandlungen am Mittwoch nachmittag im Saale des Stadtparks unter Leitung des Berbandsdirektors Herrn Justizrat Harnier- Cassel. Er dankte zunächst den Vertretern der Behörden für ihr Erscheinen. Herr Bürgermeister Bocke- Eschwege entbot darauf den Gästen das Willkommen der Stadt Eschwege, während Herr Regierungsaffeffor Koppen-Caffei die Grüße des Herrn Regierungspräsidenten überbrachte und Reg-Assessor Castan die Gäste im Namen des dienstlich verhinderten Herrn Landrats von Keudell willkomnien hieß. Darauf erstattete der Verbandsdirektor Bericht über das vergangene Rechnungsjahr.
Der folgende Punkt der Tagesordnung betraf Mit-
gemeinen eine gesunde Entwickelung der Vereine zu erkennen. Den Bericht über die Hilfs-, Ruhegehalts-, Witwen» und Waisen-Pensionskasse erstattete Herr Ver- bandsanwalt Dr. Crüaer. Redner wies auf die segens- reichen Wirkungen dieser Einrichtungen hin, die trotz des in Aussicht stehenden Versicherungsgesetzes für Privatangestellte nichts an Bedeutung verlieren werden und sprach den Wunsch aus, daß sich alle Genossenschaften dieser Kasse anschließen möchten. Herr Direktor Thorwart-Franlfurt a. M. sprach über die Liquidität der Kasten. Ueber Scheckgesetz, Scheck- und Ueoerweisungsverkehr verbreitete sich Herr Dir-ktor Malz-Frankfurt a. M in eingehendster Weise. Redner wies daraus hin, daß die Genossenschaften jetzt keine Veranlassung mehr hätten, der Einrichtung des Post- scyeäverkehrs entgegen zu stehen und empfahl auch die haldige Einführung innerhalo der Vereine.
Der nächste Punkt der Tagesordnung lautete: Hergabe von größerem Kre at an industrielle Unternehmungen." Hierüber referierte Herr Verbandsanwalt Dr. Crüger. Der Verbandsanwaü sprach sodann über die Teilnahme der Genossenschaften an der Entschuldungsaktion. Es wird hie-bei an die Entschuldung von ländlichem Besitz gedacht und zwar durch Gewährung unkündbarer Amortisationshypotheken bezw. Bürgschaftsleistung seitens der Genossenschaften. Ein von der schlesischen Genossenschaft gestellter Antrag, den Redner -ur Verlesung brächte und der zum Genoffenschafts^age in Frankfurt o. M. zur Tagesordnung gestellt werden soll, wird der Frage näher treten und weitere Aufklärung bringen.
Der folgende Punkt: Besteuerung der Genossen« schaften, wurde von der Tagesordnung abgesetzt. Bei Prüfung der Verbondsrechnung wurden Anstände nicht gefunden, ebenso wurde auch der Voranschlag für das nächste Jahr genehmigt. Als Verbandsdirektor wurde Herr Justizrat Dr. Harnier wiedergewählt. Zum Ver- bandsrevisor bezw. dessen Stellvertreter wurden für 1 Jahr die Herren Dörr und Reins wiedergewählt. Durch Los wurde bestimmt, daß die V-reine Alsfeld Tutzbach, Friedber g, Großalmeraoe, Hecsfeld und Wil- dungen je einen Ungeordneten zum Genossenschaftstage in Frankfurt a. M. zu entsenden haben. Als Ort für den nächsten Berbandstag wurde Bad Nauheim gewählt.
Den Verhandlungen schloß sich ein gemeinsames Mittagessen im großen Stadcharksaale an. Den Schluß des Tages bildete die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt und ein Gang nach dem Leuchtberg.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 4 August 1908.
*— Am verflossenen Sonntag wurde das alljährlich wiederkehrende Weitzel'sche Stiftungsfest (Augustfest) begangen. Das Comitee ließ an diejenigen, denen es durch Fleiß, Mühe und Umsicht gelungen ist, ihren Viehstand und Feldbau musterhaft nachzuweisen, die dafür ausgesetzten Prämien verteilen. Um 3 Uhr nachmittags zogen trotz der Himmel nicht ein so heiteres Gesicht mochte, Scharen von Einwohnern der Stadt und Umgegend auf den sog. Acisbrunnen, um Zeuge der Verteilung zu sein und sich an dem Glück anderer
be
zu freuen und den Nachmittag zu feiern in Lust und Heiterkeit. Die Preisverteilung, die in Geldpreise stehen, ergab folgendes Resultat:
1. Preis Fritz Schäfer
Für Kühe:
Für Rinder:
Für Roggen
Für Weizen:
Für Hafer:
Für Gerste:
Für Erbsen:
2.
3.
1.
2.
3.
1.
2.
1.
2.
1.
2.
1.
2.
1.
2.
ff
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Für die Jugend
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If
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war
Philipp Rüffer
Adam Baist, Fuhrmann KaspaL Eckhardt Fritz Pauli
Jean Schickedanz
Sebastian Baumann Schneider Kaspar Baist Metzger Callmann Scelig Schneider Heinrich Eckhardt Heinrich Beck Friedrich Rüffer
Ludwig Walther
Martin Gärtner
Philipp Hildebrand, Bierbrauer Spediteur Nikolaus Müller, durch Tanz, Karrussel, Spielbude
jujw. hinreichend gesorgt. Erst in später Stunde verabschiedete man sich von dem so gern besuchten Ort.
— * Durch schweres Verbrühen an beiden Aermchen
verstarb nach unsäglichen Schmerzen das 2jährige Söhnchen der H.'schen Eheleute hier, das am Sonnabend Nachmittag in kochendes Wasser griff. Das,
Kind war ohne Aufsicht. Dieser Fall dient wieder zur Warnung nicht so leichtfertig mit der Aufsich: kleiner Kinder zu sein.
—* Heute gingen die großen Ferien zu Ende uM
hieß es wieder : „Zur Schule!" Wie ganz ande ! klingt diese Botschaft doch im Gegensatz zu dem freudigen Rufe, der vor 4 Wochen von Mund zu Alande ging: Wir haben Ferien! Wie unendlich lang dünkte unserer ein sog kalter Strahl in die 10 Meter vom Touristen- Jugend die ihnen gewährte Frist goldener Freiheit und Wiesenhaus auf dem Dammersfeld entfernte Laube süßen Nichtstuns, und nun ist sie wie im Handum- und zertrümmerte einen Pfeiler völlig. Kurz vorher drehen schon dahin geschwunden. Nur, wir wollen hatten Leute in der Laube geweilt.
hoffen, daß die Ferien für Alle zur vollsten Zufriedenheit ausgenutzt worden sind, sodaß unsere Knaben und Mädchen ihren ersten Schulgang nach den Ferien neu gestärkt und mit neuer Lust antreten und sich solcher Art der Uebergang vom freien, ungebundenen Dasein zur strengen Schuldisziplin leichter vollziehen wird, als man gedacht. /
* Wittgenborn. Am Donnerstag Nachmittag entlud sich ein Gewitter über unseren Ort, bei welchem dem Einwohner Hch. Horst durch einen Blitzstrahl eine Kuh im Stalle getötet wurde. Dabei hatte der Strahl an dem Gebäude nur wenig Schaden angerichtet.
* Zur Warnung diene folgender Fall: Der 21jähr- Knecht Wenzeslaus Fleckenstein aus Denkendorf aß eine Portion Kirschen und verschluckte dabei fast sämtliche Kerne. Nach achttägigen entsetzlichen Leiden war der Unvorsichtige eine Leiche. — Das gleiche Schicksal ereilte die Besitzerin des „Blohmanngutes" zu Droissen- dorf. Sie hatte ebenfalls Kirschenkerne verschluckt, erkrankte an Blinddarmentzündung und büßte trotz vorgenommener Operation ihr Leben ein.
* In den ersten Tagen des Monats September wird die Stadt Hanau im Zeichen der Landwirtschaft stehen. Am 5. September hält der Vereinsausschuß der _ Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Casfel in Hanau seine Generalversammlung ab, am Tage vorher (4. Sept) findet eine große Bezirkstierschau mit Prämiierung rc. statt. Eine Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen, eine Verlosung und andere Veranstaltungen werden das Bild der landwirtschaftlichen Woche in Hanau vervollständigen und sicherlich aus nah und fern zahlreiche Besucher in die gastlichen Mauern der Stadt Hanau führen Zweifellos wird ein Ausflug nach der schmucken Mainstadt reichen Genuß und mannigfaltige Anregung bieten. Obwohl in breiter Ebene liegend, entbehrt die Stadt Hanau sicherlich nicht eines großen Reizes ihrer Umgebung und der Schönheit der Lage. Das Landschaftsbild wird belebt durch die beiden Flüsse Main und Kinzig, schmucke gärtnerische Anlagen umgeben die Stadt, im Westen, Norden und Osten finden wir herrliche, weit ausgedehnte Waldungen, nach ver» schiedenen Richtungen führen schattige, wohlgepflegte Alleen; bis in die Nähe senden Spessart und Vogelsberg ihre Ausläufer. Ein froher, ungezwungener Ton herrscht unter der Einwohnerschaft und ladet zu längerem Verweilen ein. Geselligkeit, Kunst und Witfenschaft finden in der gewerbefleißigen Stadt Hanau reiche Pflege und stellen sich gerne in den Dienst gemeinnütziger Veranstaltungen. Ein Blick in das
angelegen sein läßt, den Teilnehmern nach Erledigung der anstrengenden geschäftlichen Vereinstätigkeit auch heitere Genüsse zu bieten. Das Programm lautet: Donnerstag, den 3. September: Begrüßungsabend, Konzert und Gesangsvorträge. Freitag, den 4. Sept.: Bezirkstierschau, Konzert, Gesangsvorträge und turnerische Aufführungen, Volksbelustigung und Tanz. Samstag, den 5. September: Generalversammlung des Vereinsausschusses der Landwirtschaftskammer für den Reg.« Bez. Casfel, Festesfen, Konzert, Gesangsvorträge und turnerische Aufführungen, Volksbelustigung und Tanz. Sonntag, den 6. September: Konzert, Aufstieg eines Luftballons (Kätchen Paulus), Schauturnen und Turn- spiele der Hanauer Turnvereine, Gesangsvorträge, Volksbelustigung und Tanz. Montag, den 7. Sept.: Großes Volksfest, Ochsenbraten, Kinderspiele, Tanz; abends Abbrennen eines Brillantfeuerwerks.
* Frankfurt a. M. In den Tagen des Deutschen Turnfestes vom 19. bis 23 Juli wurden im hiesigen Hauptbahnhose zusammen 283 470 Fahrkarten ausgegeben. Vereinnahmt wurden dafür 471 587 Mk., das ergibt per Tag 60000 mehr als die Einnahme beim gewöhnlichen Sommervertehr beträgt. Die bei der Abfertigung beteiligten Beamten sollen, wie verlautet, von der Elsenbahndirektion eine Gratifikation erhalten.
* Cronberg. Das Erbprinzenpaar von Sachsen' Meiningen ist am Montag zu mehrtägigem Aufenthalt im Schloß Friedrichshof eingetroffen.
* Marburg. Allerhand Hochstapler fanden sich in den letzten Tagen hier ein. So stellte sich anfangs voriger Woche hier ein junger Mann vor, der auf dem Turnfeste in Frankfurt bestohlen zu sein angab und um Mittel zur Heimreise nach Lippstadt bat. Der
angebliche Turner konnte sich jedoch durch keinerlei Papiere ausweisen. — Ein anderer Mann stolzierte mit Orden und Ehrenzeichen aus China und Afrika auf der Brust einher und suchte die Kriegervereine heim. Verschiedene Schwindeleien sollen ihnen gelungen sein.
* Wie man meldet, wird in militärischen Kreisen ,e Verlegung der Unteroffizierschule in Biebrich nach Wetzlar erwogen. Man glaubt, daß anstelle der Unter- (offizierschüler das 3. (Hamburger) Bataillon der 80er [bann in Biebcich seinen Einzug halten werde.
* Während eines Gewitters in der Rhön schlug