Arztes und Apothekers, der österreichische Vikar Schiefer- mair angestellt, dessen Besoldung der Evangelische Bund und der Lutherische Gotteskasten übernahm. Herr Pfarrer Schiefermair ist unverheiratet und bezieht gegenwärtig eine Besoldung von 2400 Mk. Die 486 Mitglieder seiner Gemeinde wohnen außerordentlich zerstreut und verteilen sich auf ein Gebiet, das sich mehr als 80 km in die Länge erstreckt. Auf das einzelne steuerpflichtige Mitglied (meist arme Landleute) der „Pfarrgemeinde Rottenmann" kommen etwa 10 M. Kirchensteuer. Die Rottenmanner Gemeinde-Diakonisse eine Schwester des Pfarrers, ist in unserer hessischen Heimat, im Diakonissenhaus zu Wehlheiden und in Treysa ausgebildet und wird vom Zweigverein des Evangel. Bundes zu Marburg a/Lahn besoldet. — Beide Gemeinden sind seit dem 1. April 1908 dem Hauptverein Hessen-Cassel und seinem Hilfsausschuß zur besonderen Fürsorge und Unterstützung überwiesen worden. Beide Gemeinden stellen an die Opferwilligkeit ihrer Mitglieder starke Anforderungen, aber sie sind nicht imstande, ohne die tatkräftige Unterstützung von feiten des Evangel. Bundes und des Gustav- Adolf-Vereins ihren Notständen abzuhelfen. Deshalb möge in den Gottesdiensten des bevorstehenden Sonntags jeder Kirchenbesucher die Gelegentheit benutzen, zur Unterstützung der beiden würdigen und hoffnungsvollen Gemeinde-Patenkinder im Auslande ein Scherflein bei- zutragen! Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb! (NB. Auch die Vorstandsmitglieder der Zweigvereine des Ev. Bundes sind jederzeit zur Empfangnahme und Weiterbeförderung von Gaben zur Unterstützung evang. Gemeinden in Oesterreich gerne bereit).
Lokales und Provinzielles.
Schlächtern, 31. Juli 1908.
—* Sonntag, den 2. August feiert der Allg. Staats- Eisenbahn-Verein Elm sein diesjährigesStiftungsfest verbunden mit Tanzbelustigung und Kinderspielen re. Der Festplatz liegt gegenüber dem Bahnhof Elm in prächtiger geschützter Lage. Die bereits in weitem Maße getroffenen Vorbereiiungen lassen auf eine großartige sensationelle Veranstaltung schließen. Herrliche Illuminationen, großes Brillantfeuerwerk, Luftballonaufstieg a la Zeppelin in Miniatur usw., feine Beleuchtung der Grotten, Nischen und der Rotkäppchen«Scenerie findet statt. Es dürfte sich ein Besuch lohnen, da schon eine Augenscheinnahme der gärtnerischen Anlagen rc. weitaus befriedigt.
—* Obwohl Se. Majestät der Kaiser die Errichtung des neuen Kriegerdenkmals prinzipiell genehmigt hat, so sind doch die von Se. Majestät befohlenen Aenderungen am Sockel derart, daß sie unmöglich bis zum 16. August bewerkstelligt werden können. Infolgedessen muß die Enthüllungsfeier bis auf weiteres verschoben werden.
—* Manöver. Die Postbehörde macht im Hinblick auf die bevorstehenden größeren Herbstübungen der Truppen darauf aufmerksam, daß es für die regelmäßige Beförderung und pünktliche Zustellung der an die Offiziere und Mannschaften der Manövectruppen gerichteten Postsendungen durchaus erforderlich ist, in den Aufschriften der Sendungen außer dem Namen und dem Dienstgrade des Empfängers auch den Truppenteil (Regiment, Kompagnie, Eskadron, Batterie usw.) sowie den ständigen Garnisonort anzu- geben.
—* Hühnerjagd. Mit Rücksicht auf die zu erwartende frühe Ernte hat der Bezirksausschuß den Anfang der Hühnerjagd auf den 19. August festgesetzt.
—* Vom 1. August ab können Briefe und Kästchen mit Wertangabe nach Tanger (Marocco) zur Auslieferung durch das dortige deutsche Postamt auf dem Wege über Frankreich versandt werden. Die bisherige Beförderung auf dem Seewege über Hamburg bleibt daneben bestehen. Die Wahl des Leitweges ist in das Belieben des Absenders gestellt. Hierbei ist zu beachten, daß die Taxen für den Weg über Frankreich zwar etwas höher sind als für den Seeweg über Hamburg, daß aber die Beförderung erheblich schneller erfolgt. Briefe und Kästchen mit Wertangabe nach Tanger müssen den Leitvermerk „über Hamburg" oder „über Frankreich" sowie — bei der Leitung über Frankreich — den Zusatz „Deutsches Postamt" tragen.
—* Vom 1. August ab sind Postpakete nach und aus den Vereinigten Staaten von Amerika bis zum Gewichte von 5 kg (bisher nur 2 kg) zugelassen. Das Porto für ein Postpaket aus Deutschland nach allen Orten der Vereinigten Staaten beträgt:
bis 2 kg . . . 1.40 Mk.
über 2 „ 3 „ ... 2.10 „
3 4 „ 2.80 „
" 4 „ 5 „ ... 3.50 „
—* Neue Frachtbriefe. Mit der für den 2. April 1909 in Aussicht genommenen Einführung einer neuen Eisenbahnverkehrsordnung werden dem Vernehmen nach auch neue deutsche Frachtbriefe zur Ausgabe gelangen. Für den Aufbrauch des alten Musters wird zwar wohl eine angemessene Frist gewährt werden, immerhin möchte es für die Geschäfts- und Handelswelt empfehlend sein, größere Vorräte nicht mehr zu beschossen.
* Montag abend kurz nach 9 Uhr brach auf bis
dem Arbeiterstande attgehörende tschechische Elemente daraus abgesehen, den auf dem Marktplatze und in der Teplitzergasse allabendlich stattfindenden Korsu der deutschen Einwohnerschaft durch demonstratives Auftreten zu stören. Trotz einer Warnung des Stadtrats kam es neuerdings zu Reibereien, so daß die Sicherheitswache, die kritische Lage erkennend, sofort einschritt und die Menge in die auf den Marktplatz einmündenden Straßen zurückdrängte. In dem Gedränge erhielten vier Deutsche Messerstiche in den Rücken, ohne daß die Täter zu ernieren waren. Indessen hatte die Polizei sechs Tschechen herausgegriffen und verhaftet. Bei einem derselben wurde ein mit Eisendraht und Lederringen „präparierter" Ochsenzienier vorgefunden und auch auf dem geräumten Marktplatz fanden sich einige vom tschechischen Janhagel verlorene Waffen, darunter ein langer, kantiger und zugespitzter Sparrennagel, welcher an einem Handriemen befestigt war. Vor der tschechischen „Beseda" kam es dann noch zu argen Tumulten, als von dort auf die deutschen Passanten Steine und Mörtel herabgeworfen wurden. Unter den tschechischen Tumultanten befanden sich auch zahlreiche Sozialdemokraten.
— Der Konflikt zwischen den Niederlanden und Venezuela hat in der Hauptstadt der niederländischen Insel Curacao in Willemstad, bereits zu feindseligen Demonstrationen geführt. Eine Volksmenge demonstrierte vor dem venezolanischen Konsulat und umringte sodann das deutsche Konsulat, wohin der venezolanische Konsul flüchtete. Später begleitete eine Truppenab- teilung den venezolanischen Konsul ins Konsulat zu« rück, von wo er alle amtlichen Papiere entfernte.
— Die Unruhen in Persien sind noch immer nicht beigelegt. In Täbris dauert das Gewehr- und Geschützfeuer fort. Auch die russisch-persische Schule hat durch Plünderung gelitten. Die Zufuhr aus den umliegenden Dörfern an Brot und Lebensmitteln, welche unerreichbare Preise erlangt haben, hat aufgehört. Dir Händler in Täbris wandten sich durch Vermittlung der europäischen Sessionen in Teheran an den Schah mit der telegraphischen Bitte, die Ordnung im Lande wiederherzustellen und die Sicherheit von Leben und Eigentum zu garantierten, indem er den Karadag- reitern abzuziehen befehle und die Muschteidenversamm- lung auflöse. Der Schah hat Truppen entsandt, um Täbris einzunehmen.
Evangelischer Bund zur Wahrung der deutsch'protestantischen Interessen.
Da das Königl. Konsistorium für den Reg.-Bez. Cassel für den bevorstehenden Sonntag den 2. August eine allgemeine Kirchenkollekte zur Unterstützung der beiden ausländischen protestantischen Gemeinden Eichwald in Böhmen und Roltenmann in Steiermark ge« nehmigt und allen 543 kurhessischen Geistlichen empfohlen hat, sich dieser Kollekte aufs wärmste anzunehmen, so sei auch an dieser Stelle zum allgemeinen Verständnis der Verhältnisse in beiden unterstützungsbedürftigen Gemeinden folgendes mitgeteilt: Was zunächst Eichwald anbetrifft, so liegt dieser etwa 4500 Einwohner zählende Ort eine Stunde von dem berühmten Bade Teplitz am Fuße des Erzgebirges an einer Hauptverkehrsstraße zwischen Sachsen und Böhmen. Die Bevölkerung besteht zum größten Teil aus Industriearbeitern und ist wenig bemittelt. Im Mai 1904 wurde dortselbst eine deutsche evangel. Predigtstation errichtet, hauptsächlich infolge der Bemühungen eines trefflichen Fabrikdirektors. Während man vorher in Eichwald nur 19 Evangelische zählte, ist die Gesamtzahl derselben, einschließlich der in der näheren Umgebung Eichwalds, jetzt auf rund 700 Seelen angewachsen. Der Geistliche dieser Gemeinde Herr Pfr. Jaehn, ein Brandenburger, ist bereits seit 7'4 Jahren in Oesterreich tätig und bezieht trotz der besonderen Teuerungsverhältnisse in Eichwald nur ein bescheidenes Gehalt. Die Gemeinde zählt 73 Steuerzahler und bringt an direkten Kirchensteuern jährlich 480 Mk. auf. Der in einem Fabrikgebäude hergerichtete Betsaal hat sich inzwischen als zu klein erwiesen, weshalb die Gemeinde daran denkt, ein bescheidenes Kirch- lein zu erbauen. Die bereits vorhandene Amtswohnung des verheirateten Pfarrers schließt auch einen Konfirmandensaal und eine Diakonissenwohnung in sich. — In Roltenmann, einem kleineren, nur 1200 Einwohner zählenden Orte in Steiermark, liegen die Verhältnisse wieder etwas anders. Hier fand der Protestantismus schon in den Tagen der Reformation Eingang. Der damalige Landeshauptmann Freiherr v. Grünbühl verwandelte seine Schloßkapelle in ein evangelisches Gotteshaus, und da bald ganz Rottenmann zum Protestantismus übertrat, so wurde im Jahre 1579 dortselbst eine prachtvolle Kirche erbaut, die aber nach 20 Jahren infolge der Gegenreformation und des Jesuitenordens, am 10. September 1599 mit Pulver in die Luft gesprengt wurde, worauf die protestantische Bevölkerung entweder auswanderte. oder mit Gewalt, wenigstens äußerlich, der alten Kirche wieder zugeführt wurde. Erst im Jahre 1850 wurde der Rittersaal des alten Schlosses von dem neuen Besitzer wieder in eine evang. Gottesdienststätte umgewandelt, und im Jahre 1900 endlich wurde durch die anerkennenswerte Bemühung zweier Neuprotestanten, nämlich das Rottenmanner
jetzt unaufgeklärte Weise im Lagerum für Verpackungs« Materialien der Steingutfabrik Wächtersbach Feuer aus, das infolge der reichen Nahrung bald riesige Dimensionen annahm. Den verzweifelten Anstrengungen der Fabrik-Feuerwehr und den der bald auf der Brandstelle erschienenen Wehren der Wehren der Umgegend gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken und die anstoßenden Gebäude vor dem verheerenden Element zu schützen. Hoffentlich gelingt es, die Urheber dieses Brandes, der für die ganze Bevölkerung von hier und der Umgegend von größtem Unheil hätte werden können, zu ermitteln.
* Langenselbold. Ein hier zu Besuch weilendes Kind fiel in ein Jaucheloch und ertrank sofort.
* Der Magistrat von Frankfurt a. M. hat beschlossen, gleich drei Schulen auf einmal zu bauen. Sie werden im sogen. Kuhwald vereinigt. Zwei Doppelbürgerschulen enthalten je 17, eine Mittelschule 18 Klassen. Inmitten des Baublocks bleiben 6000 Quadratmeter Raum für Spielplätze. Außer den nötigen Dienstwohnungen, Turnhallen usw. wird auch ein Kinderhort mit den Schulen verbunden. Die Baukosten der gesamten Anlagen betragen 1376000 Mk. Eine entsprechende Vorlage ist soeben den Stadt« verordneten zugegangen.
* In Kronberg wurde kürzlich ein Mann verhaftet, der sich als Arzt Ausgab und Untersuchungen anstellte, die soweit gingen, daß die Frauen die Polizei anriefen. Er entpuppte sich als Händler von Alpenkräuter-Tee und Hustenstillenden Süßigkeiten. Da er einen falschen Namen angab, ist die Möglichkeit vorhanden, daß er noch allerhand auf dem Kerbholz hat.
* Rückers. Sein Auge verlor der 10jähr. Knabe der laut Meldung in voriger Nr. sich beim Spielen mit einem Schießgewehre eine Verletzung am rechten Auge zuzog und dieserhalb sich am Landkrankenhaus in Fulda einer Operation unterziehen mußte.
* Bei der Schlachtung eines an Milzbrand erkrankten Bullen in Edelzell bei Fulda verletzte sich der mit dem Töten Beauftragte trotz aller Vorfichts« maßregeln an einem Finger. Man verbrachte den Mann sofort in das Landkrankenhaus nach Fulda, woselbst Blutvergiftung festgrstellt und am Oberarm Einschnitte gemacht werden mußten.
* Gerstungen. Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung ist am Sonntag das Jahresfest des Hauptvereins der Gustav Adolf-Stiftung im Großherzogtum Sachsen hier abgehalten worden, nachdem bereits am Tage vorher eine zahlreich besuche Vorversammlung stattgefunden hatte. Zur Verherrlichung der Feier waren die Straßen und Häuser festlich geschmückt. Me am Schluß des Festgottesdienstes und bei den Ver- sammlungen veranstalteten Kollekten zum Besten des Vereins fielen reichlich aus; auch wurden wertvolle Geschenke an Geldgaben und Kirchengeräten gestiftet.
Vermischtes.
— Eine große Naturmerkwüdigkeil, ein sog. Heerwurm wurde in Ruhla von einem Spaziergänger in einem Promenadenwege entdeckt. Der „Wurm" hatte eine Länge von etwa zwei Metern und bewegte sich sehr langsam vorwärts. Auf den ersten Blick glaubt man eine Schlange vor sich zu haben, und erst bei genauerem Zusehen erkennt man, daß dieser Schlangen- körper aus Tausenden und Abertausenden kleiner Maden zusammengesetzt ist, die durch ihren Schleim aneinanderhängen und sich alle nach ein und derselben Richtung hin fortbewegen. Die unzähligen Maden sind die Larven der Heerwurm-Trauermücke. Sie nähren sich von verwesendem Laube.
— Seit Donnerstag nachmittag wütet ein großer Brand im Königswald bei Potsdam. Es werden mehrere Tage vergehen, ehe bei Brand gelöscht ist.
— Durch Blitzstrahl eingeäschert wurde am 28. d. Mts. in Solingen das bergische Elektrizitätswerk. Das Werk versorgte die ganze bergische Industrie mit Strom. Ein Ersatz ist durch das Elektrizitätswerk Berggeist in Köln geplant.
— Typhus. In dem Döberitzer Heerlager erkrankten 16 Mann des 4. Garderegiments an Typhus.
— Aus dem Zuge geworfen. In dem Morgenzug Regensburg-Passau wurde ein Ziviltransporteur von einem Verbrecher, den er transportierte, aus dem Zuge geworfen. Der Verbrecher hatte vorher dem Transporteur Pfeffer ins Gesicht geschüttet. Der Transporteur wurde schwer verletzt. Der Verbrecher ist ent- flohen. ___•_________________________
Telegraphischer Schiffsbericht der „Red Star Linie"
Antwerpen.
Der Postdampfer „Kroonland" der „Red Star Linie" in Antwerpen, ist laut Telegramm am 27. Juli wohlbehalten in „Newyork" angekommen.
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.
Evangelische Grmeinde: Sonntag, den 2. August
Vorm. 9'/» llhr: Herr Pfarrer Volkenand aus Steinau. Nachm. Herr Pfarrer Volkenand aus Steinau.
Wochendienst Herr Superintendent Orth.
Katholische Gemeinde Gottesdienst: 10- Uhr Herr Pfarrer Richter-Herolz.