spende zu gewähren, der in Spandauer Stadtverordnetenkreisen aufgetaucht ist, ist mit Genugtuung zu begrüßen. Wenn jede Gemeinde für jeden Einwohner 10 Pfg. gibt, kommen rund 6'/, Millionen, Mark zusammen, die dem Grafen den Bau, die Fortführung feiner Versuche und den Bau neuer Luftschiffe ermöglichen würden. Der Plan muß erst noch feste Gestalt annehmen. Wir glauben aber nicht, daß er auf Widerstand stoßen wird. Der nationale Gedanke läßt sich hier in schöner und auch in nutzbringender, für das Reich nutzbringender Weise in die Tat umsetzen.
— Generalmajor Freiherr v. Ende, Kommandeur der 35. Infanterie-Brigade, der am 14. April v. I. zum Generalmajor befördert wurde, hat sein Abschiedsgesuch eingereicht.
— Der Gesetzentwurf über den unlauteren Wett- beiyerb geht im Reichsamte des Innern seiner Fertigstellung entgegen. Wie es heißt, wird er als eine der ersten Vorlagen dieses Herbstes an den Reichstag gelangen.
— Die Auswanderung aus Deutschland nimmt weiter ab. Im ersten Halbjahr 1908 sind aus Deutschland über deutsche Häfen 7549 (1907 11927) Personen ausgewandert, darunter 4557 (7890) über Bremen und 2992 (4037) über Hamburg. Rechnet man die Auswanderung Deutscher über fremde Häfen mit rund 1550 (2709) Personen hinzu, so umfaßte die Gesamtauswanderung 9000 Personen gegen 14 637 im Vorjahre, also jetzt 5637 oder 38 v. H. weniger. In ähnlichem Verhältnis ist auch die Gesamtauswander- ung, einschließlich der deutschen, über deutsche Häfen gesunken.
— Die polnische Absonderung wird auf allen Gebieten immer mehr vertieft. So hat sich in Posen eine Genossenschaft gebildet, die in dem Ausflugsorte Unterberg ein Sommerheim für junge polnische Kanf- leute gegründet hat. Es ist dort eine Villa, die 13 Zimmer, Küche, Gärtnerwohnung, 3'/, Morgen Garten und über 1 Morgen Wald aufweist, zu diesem Zwecke angekauft worden. Schon längst hat sich eine beinahe vollständige Trennung im geselligen Verkehr vollzogen. Die Polen meiden die deutschen Lokale und Gärten, und diese Scheidung würde noch vollkommener sein wenn nicht „vorurteilsfreie" Deutsche noch immer polnische Lokale besuchen.
— Zur Gewinnung eines geeigneten Entwurfs für die äußere Ausstattung des neuen 25,Pfennigstücks wird laut »Reichsanzeiger" ein Wettbewerb für deutsche Künstler ausgeschrieben. Es sind Preise von 2000 Mark, 1500 und 1000 Mark ausgesetzt. Die Ent« würfe müssen bis zum l. Dezember cr. eingereicht sein.____________________________
Ausland.
— Soeben wurde ein Meistbegünstigungsvertrag zwischen Deutschland und Bolivia abgeschlossen. Derartige Verträge hat Bolivia bisher nur mit Chile, Peru und den Vereinigten Staaten von Amerika abgeschlossen. Die Verträge mit Chile und Peru sind neueren Datums, älter ist der mit den Vereinigten Staaten abgeschlossene Vertrag.
— Der znm Direktor des deutschen Hospizes in Jerusalem ernannte Pater Ernst Schmitz war bisher Leiter des Priesterseminars in Funchal (Madeira). Zurzeit weilt Pater Schmitz in seiner Vaterstadt Rheydt. Dort erklärte er in einer Ansprache, sein Herz habe in Madeira stets deutsch geschlagen, und mächtig habe es ihn jedesmal ergriffen, wenn er die Heimatlaute vernommen habe. Er werde seine ganze Kraft einsetzen, damit das deutsche Hospiz in Jerusalem dem Deutschtum ein Hort und eine Zuflucht bleiben werde. Pater Schmitz begibt sich anfangs August nach Jerusalem.
— Zur Milderung der Landnot der russischen Bauern hat die Regierung einen großen Plan ausgearbeitet. Danach sollen im laufenden Jahre 69 568 kleine Bauernwirtschaften geschaffen werden, für die ein Flächenraum von 7 7 3 905 Deßjätinen Gemeindeland und von Bauern erworbene Ländereien zur Verfügung stehen. Außerdem sollen 1 856 406 Deßjätinen Landes aus dem Agrarfonds der Bauernagrarbank an Bauern parzellenweise verkauft werden. Davon sind 1636 298 Desjälinen von Privatbesitzern erworben und 220110 Deßjätinen der Bank aus demApanagen- ressort zugewiesen worden. Insgesamt werden im laufenden Jahre zwecks Versorgung der Bauern Landarbeiten auf einem Flächenraum von 3 952 961 Deß« jätinen unternommen.
— Das Bandenunwesen in Mazedonien gedeiht in unverminderter Kraft weiter. Bei Verfolgung einer griechischen Bande bei Nevaska im Bezirk Florina wurden ein Offizier und vier Soldaten getötet, drei Soldaten verwundet. Eine griechische Bande brannte in dem bulgarischen Dorfe Kiepiudcz im Sandschak Monastir eine große Anzahl Häuser nieder. Zwanzig Personen beiderlei Geschlechts fanden den Tod in den Flammen. Die Bande entkam ohne Verluste. ■
— Das neue persische Kabinett ist jetzt endgültig wie folgt zusammengesetzt: Mushir Saltaneh Minister- präsidWt und Inneres, Ala Saltaneh Aeußeres, Amir ba Hadur Krieg, Kam am Dauleh Finanzen, Mushir Dauleh Justiz, Muhand is Mamalik Handel, Mutam Ll Mulk Unterricht.
Lokaler und Provinzielles.
1 Schlächtern, 28. Juli 19o8.
—* Wie wir hören, hat Se. Majestät der Kaiser die von dem hiesigen Kriegervereine vorgelegten Pläne etc. zur Errichtung eines Kriegerdenkmals mit der Büste Kaiser Wilhelms I. genehmigt. Die Enthüllung des Denkmals findet bestimmt am Nachmittage des 16. August statt. An der Enthüllungsfeier sollen sich wie wir hören außer dem Seminarchor auch sämtliche Schulen beteiligen.
—* Einen schönen Fußpfad hat der Verschönerungsverein durch den Wald oberhalb des ehemaligen Con- cordia-Terrains anlegen lassen, sodaß Spaziergänger jetzt von dem Wald an der Ecke der Breitenbacherstraße bis auf die „Röthe" am Waldrande entlang, die herrliche Aussicht genießend, gehen können. Am besonders schönen und geschützten Stellen sind Bänke ausgestellt worden, die dem Schutz des Publikums anbefohlen seien. Wieder und wieder sind Bubenhände an den Anlagen und Bänken zerstörend tätig. Darum muß hier, da die Polizei nicht überall sein kann, ein jeder helfen, Schönes zu schützen.
—* Die Obstaussichten sind nach einer Zusammenstellung des praktischen Ratgebers in Aepfeln ziemlich gut, besonders in Süddeutschland wird eine gute und sogar teilweise sehr gute Apfelernte erwartet. Württemberg hat feit vielen Jahren keine so reiche Ernte. Die Birnenernte ist ziemlich übereinstimmend in allen Teilen Deutschlands gering. In Hauszwetschen (Pflaumen) steht eine Mittelernte in Aussicht.
—* Von Montag, 27. Juli, bis Sonnabend, 1. August, finden in den Morgenstunden internationale wissenschaftliche Ballonaufstiege statt. Es steigen Drachen, bemannte oder unbemannte Ballons in den meisten Hauptstädten Europas auf. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Anweisung gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und die angegebene Adresse sofort telegraphisch Nachricht sendet.
* Frankfurt a. M. Veim Turnfest wurde bekanntlich nicht nur geturnt, sondern auch gehörig gegessen und getrunken. Eine Statistik über den Konsum bei den Wirten auf dem Festplatz dürfte von einigem Interesse sein. Es wurden etwa 2800 Hektoliter Bier und 300 Hektoliter Apfelwein getrunken. Verzehrt wnrden 151000 Frankfurter Würstchen, 2700 Laib Brot, 95 000 belegte Brötchen, 125 000 Rippchen und Haspel, 156 Zentner Rindssolber, 25 000 Salzgurken, 65 Eimer Senf, 630 Pfund Butter, 10 700 Koteletts, 10 Zentner Käse und 6500 Pfd. Schinken. In der Festhalle wurden verbraucht: 75 Zentner Roastbeef, 20 Ztr. Ochsenfleisch, 25 Zentner Schweinefleisch, 80 Ztr. Kalbfleisch, 25 Ztr. Hammelfleisch, 30000 Frankfurter Würstchen, 25 Ztr. Schinken, 25 Ztr. Fische 30 000 Schinkenbröte, 1600 Gänse, 2600 Hahnen, 6 Zentner Käse, 12 000 Eier, 5000 Liter Milch, 35 000 Tassen Kaffee, 21000 Stück Torte, 1600 Laib Brot, 18 Zentner Maktaroni, 9 Zentner Sauerkraut, 9200 Portionen Eis, 12 Zentner Butter, 26 Zentner Zucker, 10 Zentner Mehl, 38 Zentner Salz, 8000 Gurken, 62 000 Flaschen Wein, 35 000 Flaschen Limonade und Mineralwasser und 20 000 Zigarren. — Am 25. Juli begannen der 23. Kongreß der Allgem. Radfahrer-Union mit einer Festlichkeit im Römer, bei der das Bundesbanner durch den Vorsitzenden des Konsulats Aachen dem Konsulat Frankfurt übergeben wurde. Am Abend fand ein Kommers im Gesellschaftssaal des Zoologischen Gartens statt. Am 26. morgens began« nen die Kongreßverhandlungen und nachmittags 4 Uhr folgte der Korso. Ein Radfahrerkorso und sei er noch so wohl vorbereitet, hat einige Mühe, sich Geltung zu verschaffen, wenn er 8 Tage nach dem größten Turner - zuge kommt, den man je erblickt hat. Immerhin um- säumte die Straßen, durch die der blumengeschmückte Radier- und Wagenzug der Union bald in flottem Tempo, bald feierlich langsam sich bewegte, eine große Menschenmenge die mit Beifall nicht sparsam war. Dem kriegsstarken fahnenüberw-hten Radlerregiment zogen 4 Herolde mit Fanfaren voraus. Es folgten Wagen aller Art, geschmückte Droschken, Automobile, Musikkapellen und Prunkwagen in langer Reihe. Die meisten Teilnehmer ritten jedoch, wie sichs gebührt, das blankgeputzte, stolz geschmückte Stahlroß. Einzelne Konsulate hatten sich zu malerischen Gruppen zusammengeschlossen, so die fliedergeputzten Heilbronner mit ihrem Kätchen, die Heidelberger mit Faß und Mädchen, die Thüringer mit der Wartburg. Die Neustädter fuhren gar vierspännig an mit einem Wagen, der den Weinbau in empfehlende Erinnerung brächte. Den Schluß des Zuges machten die Gastgeber, die Mitglieder des Frankfurter Hauptkonsulats.
* Wiesbaden. Zur Förderung der Jugendspiele in ihrem Bezirk hat die Königliche Regierung zu Wiesbaden die probeweise Einführung der obligatorischen Spielnachmittage in etlichen Gemeinden jeden Kreises angeordnet. Die Spiele sollen an 30 Nachmittagen im Jahre je 2 '/2 Stunde gehalten werden. Die Spielleiter (Lehrer) erhalten 100 Mk. Die Kosten trägt der Staat zu einem Drittel, wenn Kreis und Gemeinde die übrigen zwei Drittel tragen.
* Mainz. Bei den Festungs Manövern, zu dem eine größere Anzahl auswärtiger Truppen zugezogen war, I erfolgte am 23. Juli die Explosion eines Geschosses wobei 5 Pionire aus Metz verletzt worden.
* Eschwege. Am 24. Juli brach in Niederhohne in einem Gehöft Feuer aus, das sich mit großer Schnelligkeit auf die benachbarten Grundstücke ausdehnte. In kaum einer halben Stunde standen 8 Gehöfte in Flammen. Die Feuerwehren der benachbarten Orte waren sofort zur Stelle, konnten aber dem verheerenden Element gegenüber nicht viel ausrichten. Es verbrannten 8 Scheunen, mehrere große Stallungen und 4 Wohnhäuser nieder. Die Abgebrannten sind leider nur gering versichert. Am meisten geschädigt ist der Gutsbesitzer Bierschenk.
* Gersfeld. Vom 15. bis 18. August wird das Westfälische Train-Bataillon Nr. 7 hier einquartiert werden und Uebungsfahrten in der Umgegend unternehmen.
* Schmalkalden. Am 27. und 28. August d. J. findet hier unter dem Vorsitz des Stadtrats Boedicker« Cassel die diesjährige Hauptversammlung des „Spar- kassenverbandes für die Provinz Hessen-Nassau und das Fürstentum Waldeck" statt.
* Bebra. Am 26. und 27. d. Mts. fand die diesjährige Wanderversammlung des Hess. Bienenzüchtervereins hier statt. Der seit 1860 bestehende Verein hat in den letzten Jahren- sehr zugenommen und zählt jetzt rund 800 Mitglieder, wozu wohl hauptsächlich die für die Mitglieder kostenlose Haftpflichtversicherung beigetragen hat. In Bebra wird wie üblich, über das vergangene Jahr berichtet und Rechnung gelegt werden. Zwei Vorträge („Wie findet die Biene die Blumen" und „Die Bienenzunge") wurden gehalten; eine Ausstellung erfreute die Freunde der Bienenzucht und schließlich fand noch für die Mitglieder eine Preisverlosung statt.
* Kassel. Das Baugeschäft in Kassel verharrte, wie die Handelskammer in ihrem jüngsten Bericht aus? führt, während des vergangenen Berichtsjahres in seiner ungünstigen Lage. Es wurden 200 Zwangsversteigerungen und 137 Zwangsverwaltungen von Haus« grundstücken anhängig. Der Höhepunkt der Baukrise kann jedenfalls als überschritten gelten. Die Zahl der Konkurse stieg von 36 im Jahre 1906 auf 80 im vorigen Jahre.__________________________
Am Sommer. ~
Ach, wenn's doch immer Sommer war', Das Leben wär nur halb so schwer;
Und muß man auch zuweilen schwitzen, Man kann doch meist im Freien sitzen Und braucht auch keinen Ofen mehrT^^^-j^
Man braucht nicht Pelz noch Ueberrock;
Man schnürt sein Ränzchen, nimmt den Stock,
Und wandert um die Welt zu sehen, Durch's Tal und über Berg und Höhen
Gar lustig über Stein und Stock. —
Der Himmel ist so klar und blau,
Die Lüfte weh'n so lind und lau;
Die Vöglein singen in den Zweigen,
Der Blumen süße Düfte steigen
In Wald und Feld, auf Wies' und Au'.
Der Tisch ist überall gedeckt;
Im Freien alles besser schmeckt.
Im Garten kann man Früchte haben,
Im Walde sich an Beeren laben,
Im weichem Moose hingestreckt.
Und hat man Durst, da ist ein Quell; MA
Wie sprudelt er so silberhell!
Der wird uns neue Kräfte spenden,
Wir schöpfen ihn mit unsren Händen,
Und Durst und Schwäche schwinden schnell.
Und wenn's auch manchmal blitzt und kracht,
Und uns ein Wetter bange macht,
Wenn so der Regen niederrasselt,
Wohl auch der Hagel niederprasselt, —
Doch bald die Sonne wieder lacht. •—
Find' ich im Hause keine Ruh',
Und flieht mich auch der Schlaf dazu:
Im Walde unter kühlen Bäumen
Da kann ich all mein Leid verträumen,
Da find ich die ersehnte Ruh'.
Im Sommer herrscht viel Fröhligkeit;
Und trifft uns auch bisweilen Leid,
Wir mögen's leichter doch zu tragen
An Hellen, warmen Sommertagen,
Als in der trüben Winterszeit.
Und ist das Wetter gar zu schwül,
Nimmt man ein Bad im Flusse kühl
Und reckt sich, um nicht zu ermatten,
Im frischen, kühlen Waldesschatten
Hin auf des Mooses weichen Pfühl. —
Ach, wenn's nur immer Sommer tvär',
Das Leben wär, nur halb so schwer;
Und muß man auch zuweilen schwitzen,
Man kann doch meist im Freien sitzen. —
Drum, wenns nur immer Sommer wär', Das wünschte ich und sonst nichts mehr!
GelnhauskN. Hermann Hanse.