mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Amtliches.
J.-Nr 3779 K.-A.
PrämiemTierschau in Hanau.
Am 4. und 5. September d. Js. findet in Hanau die Wanderausstellung der Landwirtschaftskammer für den Reg. Bezirk Casfel, verbunden mit Prämiierung von Pferden, Fohlen, Rindvieh, Schafen, Schweinen u. s. w. statt
Ich mache hierauf aufmerksam und ersuche die Viehzüchter unseres Kreises hiermit, dem Kreiszuchtinspektor Gastwirt Kohlhepp in Schwarzenfels, bis spätestens 1. August d. Js. schriftlich oder mündlich anzuzeigen, ob und mit wieviel Tieren sie die Ausstellung in Hanau zu beschicken beabsichtigen. Ich bemerke, daß es im Interesse unserer Viehzucht liegt, wenn die Ausstellung recht reichlich beschickt wird, und zwar nicht nur mit Herdbuchtieren (Reinzucht) der Simmentaler Rasse, sondern auch von Simmentaler Kreuzungstieren. Ich bin überzeugt, daß gerade auch mit letztgenannter Klasse der Kreis Schlüchtern jede Konkurrenz aushalten kann und fordere daher zu recht zahlreicher Anmeldung dringend auf. Unzweifelhaft wird ein entsprechender Erfolg in Hanau den hiesigen Absatz von Rindvieh fördern und damit eine erfreuliche finanzielle Wirkung für unsere Viehzüchter im Gefolge haben.
Schlücktern, den 6. Jnli 1908.
Königliche Landrat: Valentiner.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser hat nach Empfang der Nachricht von dem Unglück auf dem Steinkohlenwerk Carolus Magnus den Minister für Handel u. Gewerbe beauftragt der Gemeinde Borbeck und den Angehörigen der in Ausübung ihres Berufs Verunglückten seine Teilnahme aussprechen zu lassen.
— Der Kaiser ist an Bord der „Hohenzollen" im Hafen von Bergen eingetroffen.
— Telegramme an Kaiser und Kronprinz. Der Vorstand der Deutschen Turnerschaft sandte folgendes Telegramm an den Kaiser: „Die in Frankfurt a. M. das 11. Deutsche Turnfest feiernden 50,000 deutschen Turner begrüßen ehrfurchtsvoll Eure Majestät mit dem einhelligen Gelöbnis trener Arbeit in der Pflege vaterländischen Geistes und an der Wehrhaftigkeit des deutschen Volkes. gez. Götz, Rühl, Friedleben, v. Grunelius, Bender." — Das Telegramm an den Kronprinzen in Hopfceben (Bregenz) lautet: „Eurer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit, ihrem hohen
Mittwoch, den 22. Juli 1908.
59. Jahrgang.
Protektor, senden 50,000 zum 11. Deutschen Turnfest versammelte Turner ehrfurchtsvollsten Gruß und danken Eurer Kaiserlichen Hoheit für das huldvolle Gedenken bei der Eröffnung des Festes, das mit erhebenden nationalen Kundgebungen eingeleitet worden ist. gez. Götz, Rühl, Friedleben, v. Grunelius, Bender."
— Jnfant Alfons von Bourbon hat sich mit der Prinzessin Beatrice von Koburg verlobt. Damit sind die Gerüchte, daß konfessionelle Schwierigkeiten dieser Verbindung entgegenständen, hinfällig geworden.
— Deutsches Komitee für die Weltausstellung in Brüssel. Nachdem die Einladung der Belgischen Regierung zur Beteiligung an der Weltausstellung angenommen und ein Reichskommissar bestellt worden ist, wird nunmehr das deutsche Komitee, um dessen Begründung die Ständige Ausstellungskommission von der Reichsverwaltung ersucht worden ist, im September dieses Jahres konstituiert werden.
— Die Fünfzigpfennigstücke der öfteren Geprägeformen mit der Wertangabe „50 Pfennig" gelten vom 1. Oktober 1908 ab nicht mehr als gesetzliche Zahlungsmittel. Es ist von diesem Zeitpunkt ab außer den mit der Einlösung beauftragten Kassen niemand verpflichtet, diese Münzen in Zahlung zu nehmen. Sie werden bis zum 30. September 1910 bei den Reichsund Landeskassen zu ihrem gesetzlichen Werte sowohl in Zahlung genommen, als auch gegen Reichsmünzen umgetauscht. Die Verpflichtung zur Annahme und zum Umtausche findet auf durchlöcherte und anders als durch den gewöhnlichen Umlauf im Gewichte verringerte sowie auf verfälschte Münzstücke keine Anwendung.
— Kommunale Arbeitsnackweisestellen. Die L: der letzten Nummer des Ministerialblattes derHandels- und Gewerbeverwaltung veröffentliche „Uebersicht über die in Preußen vorhandenen kommunalen oder mit kommunaler Unterstützung betriebenen allgemeinen Arbeitsnachweisestellen nach dem Stande vom 1. Januar 1908" läßt eine weitere erfreuliche Entwicklung in der Tätigkeit dieser Nachweisestellen erkennen. Es wurden bei den allgemeinen Nachweisestellen in den letzten
Jahren Stellen.
angeboten: gesucht: vermittelt: im Jahre 1904 . . 455 283 600 416 320 584 „ , 1905 . . 568 618 694 037 391 379 „ „ 1906 . . 673 110 755 856 460 706 „ „ 1907 . . 684 378 806 199 498 377
In der Zahl der Vermittlungen, die in den Jahren 1897: 104 307, 1898: 122 120, 1899: 160 643,
1900: 185 681, 1901: 189 215, 1902: 218 700 und 1903: 271683 betrug, ist sonach andauernd eine wesentliche Zunahme zu verzeichnen. Mehr als 10 000 Stellen haben im abgelaufenen Jahre vermittelt die 13 Arbeitsnachweifestellen in Berlin (100 917), Düsseldorf (40 579), Frankfurt a. M. (37 780), Cöln (28 656), Magdeburg (19 416), Breslau (14 725), Posen (13 378), Dortmund (12 298), Charlottenburg (11 974), Schöneberg (11 885), Hannover (11 486), Kiel (H 423) und Cassel (10 259), mehr als 5000 bis 10 000 Stellen die 8 Arbeitsnachweise in Barmen (9289), Erfurt (9286), Wiesbaden (7434), Bielefeld (6752), Potsdam (6413), Flensburg (5957), Königsberg i. Pr. (5188) und M. Gladbach (5111). Die Zahl der bestehenden Arbeitsnachweisestellen ist im letzten Jahre von 216 am 1. Januar 1907 auf 222 am ersten Januar 1908 gestiegen. Während einige kleinere Nachweisestellen eingegangen sind, wurden unter anderen Arbeitsnachweisestellen neubegründet in Luckenwalde, Bordesholm, Herne und Weilburg. Für einige weitere Gemeinden ist die Errichtung eines städtischen Arbeitsnachweises in Aussicht genommen. In Bielefeld und M. Gladbach sind die dort bisher mit kommunaler Unterstützung betriebenen Arbeitsnachweise im abgelaufenen Jahre in städtische Verwaltung übergegangen. Von den am 1. Januar d. Js. nachgewiesenen 222 Arbeitsnachweisestellen sind 140 kommunale Arbeitsnachweise; die übrigen 82 Nachweisestellen werden mit kommunaler Unterstützung betrieben.
— Selbsthülfe und Werkmeisterstand. Weit über e.ue PWwn Mark verausgabte der Deutsche Werkmeister-Verband (Sitz Düsseldorf) im Jahre 1907 int Interesse seiner Mitglieder. Gezahlt wurden rund 675 000 Mark für Todesfälle, 204 000 Mark erhielten die Witwen als Unterstützungen, 143000 Mark die bedürftigen, invaliden und kranken Mitglieder. Für Brandschäden wurden 23 000 Mark aufgewendet. Trotzdem wurde ein Vermögen von rund 9*/4 Millionen Mark angesammelt, das nötig ist zur Sicherung der von Jahr zu Jahr steigenden Verpflichtungen. Seit Gründung des Verbandes (1884) betrugen Vermögen und Leistungen bis Ende 1907 rund 21 Millionen Mark. Zur Zeit zählt der Verband rund 47 000 Mitglieder. Etwa 3 500 Betriebsbeamte meldeten sich im Jahre 1907 zur Aufnahme. Die sozialpolitische Tätigkeit war eine besonders rege. Er» strebt wurde eine Milderung des Lohnbeschlagnahme-
Odl- Kerze«.
Roman von Erwin Friedbach. 64
„Sie werden genesen, Rosamunde, und wenn ich gegangen bin, ein neues Leben beginnen. Der letzte Schritt dazu ist ja nun bald getan."
„Ich weiß," äußerte die junge Frau, den Einwurf nicht beachtend, „daß Dr. Horn an meiner Krankheit zwei- seit, er denkt, ich übertreibe, obgleich daS gar nicht meine Art ist; nie war ich weichlich oder übertrieben besorgt um daS eigene liebe Ich. Ich bm eben herzleidend, ver- geffen Sie daS nicht, Dora," fügte sie mit besonderer Betonung hinzu, „und bei Personen, die an solchem Uebel leiden, muß man zu jeder Zeit auf ein plötzliches Ende gefaßt sein. Ich bin eS, und kann mich von der Vermu- tung nicht befreien, bald davon überrascht zu werden. Doch da höre ich LorchenS Stimme, sprechen wir von etwas anderem, das arme Kind leidet so wie so genug unter der düsteren (Stimmung ihrer Mama."
Die Kleine eilte, ihre Mutter freudig begrüßend, herbei. Rosamunde aber hielt sie lange umfaßt, und der Blick, mit bem sie das blühende Kind betrachtete, verursachte Dora eiil unendlich wehmütige» Gefühl. Er war wie der Ab- schiedsblick eines Menschen, der seine Lieben auf unbe- ftimmte Zeit verlassen muß.
. Sollte Rosamunde wirklich kränker sein, als man im Hause allgemein annahm? Schon der nächste Morgen brächte dieser Frage die verhängnisvolle Antwort.
Rvderich hatte gerade im^gegriff gestanden, mit Doktor Burghardt nach der „Urania" zu gehen, um einer der abendlichen Vorstellungen beizuwohnen, alS ihn Rosamuu- des Brief erreichte. Erstaunt, schon wieder Nachricht von seiner Frau zu erhalten, und auf diesem Wege, überflog er zuerst die Zeilen fluchtig, in der Mutmaßung einer be- sonders wichtigen Mitteilung, als der elegische Ton ihn stutzig werden ließ, und er Burghardt, der schon den Hut
genommen hatte, bat, noch ein paar Minuten zu verweilen.
Rosamunde schrieb: „Mein geliebter Roderich! Obgleich ich Dir erst vor wenigen Tagen Nachricht üon uns sandte, treibt es mich doch heute unwiderstehlich, Dir diese Zeilen zu senden. Seit längerer Zeit war es schon meine Absicht, mit Dir über meinen Gesundheitszustand zu sprechen, der viel weniger günstig ist, als Doktor Horn ihn bezeichnet."
„Keine Trostgründe sönnen mit bie Ueberzeugung rauben, daß es einmal schnell zu Ende geht. Du wirst schon sehen, bald ist die Sanduhr meines Lebens abgelaufen. Doch gräme Dich darüber nicht, mein geliebter Roderich, weil ich selbst aud) deswegen nicht traurig bin. Habe ich doch an jedeinTage unserer friedeusvvlleuEhe mehr Wonne durchlebt, als ungezählte Tausende während ihres ganzen Lebens kennen lernten. Nun behaupte ich, meint eilt pflichtgetreuer Mensch sein Ende herannahen fühlt, da soll er, wie eS sich gehört, sein Haus bestellen, und das zu tun drängt es mich heute. Vielleicht steht mir noch ein langes Leben bevor, ich kann indessen auch schon morgen ab- berufen werden, darum soll gesagt werden, was ich Dir notwendig noch sagen muß. Im Falle eines rasch an mich herantretenden Todes also sollst Du, mein über alles geliebter Roderich, nicht ledig bleiben, sondern eine zweite Ehe eingehen, und zwar soll Dora Fürstuer die Stelle einnehmen, in der ich so glücklich gewesen bin. Sie ist die einzige auf der Welt, die ich neidlos als Dein Weib mir vorzustellen verinag. DoraS Verlobung steht zwar unmittelbar bevor, doch habe ich die Empfindung als ob irgend etwas geschehen werde, daS diese unselige Verbindung hinausschieben wird. Dein gutes Herz hatte Dich einst verleitet, Dich meiner anzunehmen, ich wurde Deine Frau. Das war ein Impuls der Großmut Deinerseits; ich, die Aeltere, hätte verständig sein und Deine Güte nicht mißbrauchen sollen. Ich liebte Dich! Darin liegt meine einzige Entschuldigung. Ueberoies hat alles ein Ende auf der Welt, und ich bin sicher, meines ist nicht mehr fern.
Du bist mir der liebevollste, beste Mann gewesen, und nachdem ich stets mir die Glückempfangende war, hast Du Anspruch, daß endlich auch an Dich die Reihe komme. Deshalb eben wünsche ich von ganzem Herzen, daß Dora .. sollten wir unS nicht wiedersehen .. die Deine wird. Mein Segen ruht auf Euch, und habe ich für mich noch eine Bitte, so ist es die: Dora soll Lorchen, unserem einzigen Kinde, eine treue Mutter sein, und Du sollst der kleinen Verwaisten nach wie vor einen Platz in Deinem Herzen bewahren. Weiter hätte ich denn nichts zu berichten. Alles, was mich bedrückte, ist dainit abgetan; weil aber oftmals derartigeTodeSahunngeneineMahnung sind, ließ es mir keine Ruhe, bis alle» besorgt war.
Heute nacht," so hieß eS indem Briefe weiter, „warst Du im Traum bei mir, ich habe Dich geküßt und dabei so geweint, daß mein Kopfkissen, als ich erwachte, von Tränen ganz naß war. Schließlich geht alles besser, als ich beule, aber Du weißt, ich war stets eine viel zu umsichtige Hausfrau, um nicht bis zur letzten Minute auf dem Posten zu stehen. Du denkst: Rosamunde kann noch schere zen,da hat eS mit dem Sterben gute Wege. Nun freilich, aber man kann eben doch nicht missen. ES grüßt und küßt Dich tausendmal Deine dankbare Rosamunde." 140,18
Dieses Schreiben trug uuöetlennbar Tränenspuren. Roderich las noch einmal, ein seltsames, heißes Angstge- fühl schnürrte ihm die Kehle zusammen, auS diesen Zeilen wehte es ihn traurig, mie ein Hauch deS ewigen Ab- schieds an Sollte Rosamunde vielleicht. . seine Stirn be- decktesich mit kalten: Schweiß, großer Gott, ja . . sie war dessen fähig; hatte er doch schon einmal erfahren, welch einen Abgrund üon Liebe und selbstverleugnender Hingabe daS Herz seines Weibe» barg! In seiner Aufregung ließ er ben vertrauten Freund die Zeilen lesen, und Bruno Burghardt, der mit Besonnenheit und Ueberlegung prüfte, vermochte nicht anders, als Roderichs Befürchtungen bei- zustimmen. Sie kamen überein, mit dem nächsten Zuge abzureisen. Doktor Burghardt »sollte den Freund unter diesen zweifelhaften Umständen nicht allein lassen.