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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
_______________Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat"._______________
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
^2 56. Samstag, den 11. Juli 1908. 59. Jahrgang.
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Deutsches Reich.
— Die „Hohenzollern" mit dem Kaiser a Bord ist nach vortrefflicher Fahrt bei gutem Wetter am Mittwoch abend um 7'/, Uhr in Odde eingetroffen.
— Prinz Eitel Friedrich von Preußen, der zweite Sohn unseres Kaiserpaares, vollendete am Dienstag sein 25. Lebensjahr.
— Generalfeldmarschall Freiherr v. Loe, Ehrenbürger der Stadt Bonn, ist am Montag abend 11 Uhr im 80. Lebensjahre hier gestorben.
— Die Vermählung des Prinzen August Wilhelm, vierten Sohnes des Kaiserpaares, mit der Prinzessin Alexandra Viktoria von Schleswig-Holstein, findet bestimmt Ende September in Berlin statt. Die Neuvermählten werden in der früher vom Prinzen Eitel Friedrich bewohnten Villa Liegnitz zu Potsdam Wohnung nehmen. Diese Villa ist renoviert, durch einen neuen Tanzsaal und andere Repräsentationsräume erweitert worden. Ferner wurden ein Marstall und eine Automobilgarage gebaut.
— Am Dienstag traf der Brooklyner Gesangverein Arion mit dem Dampfer „Barbarossa" in Bremer» haven ein. Die deutsch-amerikanischen Sänger machen eine Rundfahrt durch die alte deutsche Heimat. Sie verbleiben einen Monat in Deutschland und besuchen Berlin, Weimar, Eisenach, Dresden, Leipzig, Chemnitz, Nürnberg, München, Stuttgart, Heidelberg, Frankfurt a. M., Wiesbaden, Bonn, Köln und Cassel. Der Verein hat 30 Chöre einstudiert.
— Die neuen Steuern haben sich auch in den ersten beiden Monaten des neuen Rechnungsjahres nicht günstig entwickelt. In erster Linie gilt das von der Erbschaftssteuer. Sie ist im Etat auf einen monatlichen Ertrag von 3,5 oder '/, Million Mark mehr als im Etatsjahr 1907 veranschlagt. Die wirkliche Einnahme aus dieser Steuer betrug im Mai 1,9 Millionen Mark. Einer etatsmäßigen Soll-Einnahme von 7 Millionen Mark steht also eine tatsächliche Ist-Einnahme von 3,1 Millionen Mark gegenüber. Der Ausfall kommt umso überraschender, als sich in den letzten Monaten des vorigen Finanzjahres die Einnahmen aus der Reichs-Erbschaftssteuer bereits auf 2 bis 3 Millionen Mark belaufen hatten. Die Aussicht, daß bei der Erbschaftssteuer diesmal der im Etat angesetzte Jahres» ertrag erreicht wird, ist also recht gering. Nicht ganz so erheblich, aber immer noch empfindlich genug ist der Ausfall bei der Personenfahrkartensteuer. Sie ist im Mai um den Betrag von 7, Millionen Mark, im
April um den Betrag von 1,2 Millionen Mark hinter dem Etatsanschlag zurückgeblieben. Der Ausfall im laufenden Rechnungsjahr beträgt demnach bereits 1,7 Millionen Mark, ein Ergebnis, das um so mehr beunruhigen muß, als der Jahresertrag der Personenfahrkartensteuer um rund 6,9 Millionen Mark niedriger angenommen ist als im Etatsjahr 1907. Allerdings ist zu hoffen, daß sich die Einnahmen in der jetzt beginnenden eigentlichen Reisezeit günstiger stellen werden, so daß der Etatsansatz von insgesamt 23,52 Millionen Mark vielleicht doch noch erreicht wird. Der Fracht- urkundenstempel ist mit 0,4 Millionen Mark gegenüber dem Etat rückständig, und zwar betrug der Ausfall im April 0,3 Millionen Mark, im Mai, 0,1 Millionen Mark. Trotzdem dürfte hier wohl die im Etat angenommene Mehreinnahme von fast 2 Millionen Mark erreicht werden. Die Steuer von Erlaubniskarten für Kraftfahrzeuge sollte nach den anteiligen Elatsansätzen 0,35 Millionen Mark erbringen, hat aber nur 0,26 Millionen Mark erbracht. Auch der Etat rechnet, indem die Einnahmen aus dieser Steuer von 2,94 auf 1,96 Millionen Mark herabgesetzt sind, mit einem verhältnismäßig erheblichen Minderertrage. Höhere Erträge, als der Etat annimmt, sind nur zu verzeichnen bei der Steuer von Vergütungen an Misglieder von Aufsichtsräten, die in den beiden ersten Monaten des laufenden Rechnungsjahres den Etatsansatz um rund 150000 Mark überschritten hat, wobei allerdings zu beachten ist, daß der Jahresertrag dieser Steuer auf nur 5,9 Millionen (gegen 9,8 Millionen Mark im vorigen Etatsjahre) veranschlagt ist, und bei der Zigarettensteuer, die sich fortgesetzt günstig entwickelt und bisher den Etatsanschlag um 300 000 Mark überschritten hat, so daß das im Etat angenommene Mehr von 2,9 Millionen Mark vielleicht erreicht werden wird. Angesichts des Gesamtbildes, das sich aus dem Vorstehenden ergibt, kann jedenfalls die Entwickelung der neuen Steuern, wie sie vom Reichstage gestaltet sind, denen zur Warnung dienen, die sich von diesen Maßnahmen zur Erhöhung der eigenen Einnahmen des Reiches zu viel versprochen haben.
— Der Deutsche Städtetag ist in München zusammengetreten und wurde vom Oberbürgermeister Kirschner-Berlin eröffnet mit der Mitteilung, daß von 163 zum Städtetag berechtigten nur fünf Städte un- vertreten seien, außerdem seien zahlreiche kleine Städte- verbände vertreten. Redner brächte das Hoch auf den Kaiser und den Prinzregenten aus. Oberbürgermeister
Dr. von Borscht-München begrüßte den Städtetag lm Namen der Stadt München. Das erste Referat erstattete Stadtrat Woell-Frankfurt a. M. über den Kreditbedarf im Haushalt der Städte. Sodann sprachen über Formen und Wege zur Befriedigung des Kreditbedarfes der Städte Stadtrat Mitzlaff-Danzig und Oberbürgermeister Kutzer-Fürth.
— Ein Zusammenschluß der nationalen Verbände ist in Elberfeld erfolgt. In einer Versammlung an der Vertreter des Alldeutschen Verbandes, des Allgemeinen deutschen Sprachenvereins, des Deutschen Bundes, des deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes, des evangelischen Arbeitervereins, des Flottenvereins und des Vereins zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande (Deutscher Schulverein) teilnahmen, wurde der Gründung einhellig zugestimmt. Man bezweckt, durch Veranstaltung öffentlicher Vorträge allgemein nationalen Charakters auf breiterer Grundlage nicht nur den nationalen Gedanken besser wach zu halten, sondern vor allem das Verständnis für unsere großen nationalen Aufgaben in den weitesten Schichten der Bevölkerung zu erwecken und zu vertiefen.
— Für die staatliche Förderung des Handwerks finden sich, mancherlei erfreuliche Zeichen. Nachdem durch eine im Vorjahre bei den Behörden der Eisenbahnverwaltung veranstaltete Umfrage festgestellt worden ist, daß schon mehrfach Arbeiten und Lieferungen mit gutem Erfolge an Handwerkervereinigungen (Genossenschaften usw.) vergeben worden sind, hat der Minister der öffentlichen Arbeiten neuerdings bei dem großen Werte, der staatsseitig auf die Erhaltung eines leift- ungsfähigen Handwerkerstandes gelegt werden muß, die Nachgeordneten Stellen ersucht, der Heranziehung von Handwerkervereinigungen zur Ausführung von Arbeiten und Lieferungen im Berichte der allgemeinen Bauverwaltung besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
— In einer Besprechung des Eindringens der Sozialdemokratie in den preußischen Landtag schreibt der Posener „Kuryer", die polnische Fraktion im Abgeordnetenhause werde der Sozialdemokratie gegenüber eine rein sachliche Stellung einnehmen und alle sozial- demokratischen Wünsche, soweit sie nicht mit dem polnischen Fraktionsprogramm in Widerspruch ständen, wohlwollend prüfen und gegebenenfalls unterstützen. — Das ist ebenso bezeichnend wie angemessen; rot ist ja eine der beiden polnischen Farben.
— Zur Einziehung der Talerstücke wird darauf aufmerksam gemacht, daß mit dem 30 September
Hdl- Kerze«.
Roman von Erwin Friedbach. 61
„Darf ich mir die Frage erlauben, ob man Sie in dieser Angelegenheit zu mir gesandt hat?"
„Gewiß dürfen Sie sich die Frage erlauben," entgeg- nete Milly, während ein Blitz de» heißen Zornes, der sie verzehrte, aus ihren dunklen Augen sprühte. „Mit derselben Freiheit, die ich mir nehme, indem ich Ihnen antworte, daß Fräulein Fürstner nicht nur nichts von meinem Hiersein weiß, sondern sich auch auf das Entschiedenste jede Intervention von meiner Seite verbeten haben würde, falls ich ihr die Absicht kundgegeben hätte."
„Sind Sie davon so fest überzeugt?" fragte Henning, der sich unruhig auf seinem Sitze hin und her bewegte.
„Ja, davon bin ich fest überzeugt, und zwar an» dem Grunde, weil Sie ein Tyrann sind, mein Herr, ein Des- pot, dem ein Mädchen, das sich seiner Würde bewußt ist, niemals angehören wird. Am allerempfindlichsten aber haben Sie in dem Augenblicke, wo Sie Wilma vor die grau-
Entscheidung, zwischen Ihnen und uns zu wählen, NeUten, gegen sich selbst gewütet, denn von ihr, die so gutund edel ist, durften Sie mit ein wenig Menschen- kenntm» nicht» andere» erwarten, al» daß sie den Stim- men derLlebe und Anhäuglichkeitfürihre älteren Freunde gehorchte, weil zu lieben und zu helfen de» Weibes eigen- ster Beruf lst. Der Stachel Ihres traurigen Irrtums hat sich hauptsächlich gegen Sie selbst gerichtet, Sie sind der Beraubte und haben eine Wilma verloren, die eS nur einmal auf der Welt gibt, während sie zu der Erkenntnis gelaugte, daß ein Mann, dch in solchem Maße der Sklave seines Eigensinns geworden, sie niemals wahrhaft geliebt hat." Milly erhob sich, ihr Gesicht glühte, und die Augen strahlten vor Begeisterung; nun hatte sie die Em- Pürung von der Seele gewälzt, und mildere Gefühle bra- chen sich Bahn, al» sie Henning sichtlich bewegt sah. Voll brennender Spannung forschte sie auf seinen Zügen nach der Wirkung ihrer Worte, aber immer noch blieben sie
unergründlich. Henning von Ast hatte es meisterhaft gelernt, die Regungen seiner Seele zu verbergen.
„Sie mögen recht haben, Fräulein von Waßmut, der Mensch lernt eben niemals aus; ich ging von dem Standpunkte aus, daß in einer Ehe, soll der Friede dauernd aufrecht erhalten bleiben, ein Wille ausschlaggebend sei, und da» soll nach meiner Ansicht der männliche sein." Er hatte sich ebenfalls erhoben, strich seinen Bollbart und sah unschlüssig vor sich hin.
„Und nun will ich denn gehen," äußerte Milly nach kurzer Pause, indem sie voll heimlicher Befriedigung sah, daß er heftig mit einem Entschlüsse rang.
Und so war eS; als sie ihm die Hand zum Abschied reichte, hielt er sie fest, und abgewandt, halb unverständlich kam ein leise»: „Bleiben Sie ein paar Minuten," von seinen Lippen.
Ein Gefühl freudigen Triumphes durchzuckte Milly, doch diplomatisch nach wie vor, verhielt sie sich ganz still und zeigte eine gleichgültige Miene, um der trotzigen Na- tut deS Mannes Zeit zu lassen, die rechten Worte für da», was ihm zu schwer wurde, zu finden.
„Fräulein Milly," er atmete au» tiefer Brust, „unsere nahe Verwandtschaft erlaubt mir wohl, Sie so zu nennen, bitte setzen wir uns noch einen Augenblick."
„Gern," entgegnete sie so kühl und gelassen, al» handle eS sich um die geringfügigste Angelegenheit und nicht um daS, was ihr das Teuerste und Wichtigste war: Wilma» Glück.
„Sie haben mir," begann er mit verschleierter Stimme, „wie man zu sagen pflegt, den Standpunkt gehörig klar gemacht und eine bewundernSwerte Offenheit und Tapferkeit bewiesen. Jetzt ist eS an mir, ebenso offen zu sein. Es wird mir wahrlich nicht leicht, doch da» ist für den Esel, als den ich mich benommen habe, nur eine gelinde Strafe."
Milly trank gleichsam mit Wonne jede» seiner Worte in sich hinein und vermochte kaum das zufriedene Lächeln zu unterdrücken. Stumm, mit langsamen Bewegun
gen hatte sie ihren Platz ihm gegenüber wieder eingenom- men, als erzeige sie ihm mit ihrem Verweilen einen Gefallen. Die Hoffnung de» Erfolge», den sie anscheinend auf bestem Wege zu gewinnen war, erfüllte sie mit stürmi- schem Jubel: was würde Wilma sagen zu dem Werke, da» sie jetzt im Begriff stand zu vollbringen!
„Sie denken," begann Henning, „daß ich Wilma nicht nach Würden zu schätzen wüßte; da» ist ein Irrtum, ich wäre sonst ja nicht dahin gelangt, sie so warm zu ver- ehren, wie e» der Fall ist Bon der Stunde an, in der ich mich nach dem Entzweien von ihr trennte, hatte ich keine Ruhe mehr und sah ein, wa» für eine kolossale Dummheit ich beging, mein Benehmen hatte mir einen ganz nichtSwürdigen Streich gespielt. Natürlich hielt ich alles für verloren, wie konnte Wilma nach diesem Vorfall wieder Vertrauen zu mir fassen! Ich wollte an sie schreiben, begann wohl zehn Briefe und zerriß sie alle, damit war eS nicht». Zu ihr reisen und sie bitten, wieder gut zu sein ? Ja, sehen Sie, Fräulein Milly," Henning lächelte verlegen wie ein Kind, „ich vermochte da» nicht über mich, aus falscher Scham, aus Furcht, wie ichs verdient hatte. Um diesem unerträglichen Zustand ein Ende zu bereiten, entschloß ich mich endlich kurz, nach St. FranziSko abzu- reisen; so bin ich hierher gekommen in einer Verfassung, die unbeschreiblich ist, den Tod im Herzen, den ich am liebsten gesucht hätte. Da kamen Sie, Sie wollten nicht» al» mir eine Lektion erteilen, mir vor Augen halten, waS ich unwiederbringlich verloren hatte, Wider Wissen und Willen haben Sie jedoch die Rolle eines Engels vom Himmel vor mir gespielt. Fräulein Milly, wenn es jemand auf der Welt gibt, mir zu helfen, so sind Sie e»."
„Zum Helfen, wo es sich um ein gutes Werk handelt, werden Sie mich immer bereit finden, Herr von Ast."
„Nun wohl; Sie stehen Wilma nahe, wie ich gehört habe, am nächsten von allen. Sie wissen, daß es mir vergönnt war, ihr Herz zu besitzen, und es vielleicht noch besitze, Frauenliebe erlöscht nicht von heute bi» morgen, auch unter dem heftigsten Sturm nicht." . 140,18*