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Teilen Deutschlands besucht ist, feiert sein 60-jähriges Bestehen; er wurde im Revolutionsjahre 1848 ins Leben gerufen. Nach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden u. der Absendung eines Huldigungstele­gramms an den Kaiser nahm der Lehrertag den Vor- trag des Pros. Natorp-Marburg entgegen überVolk und Schule Preußens vor 100 Jahren und heute." Die nächste Jahresversammlung findet 1910 in Straßburg statt. Der nächste Gegenstand der Tages­ordnung betraf die Notwendigkeit und den Wirkungs­kreis einer Reichsschulbehörde. Die heutige Mittwoch- Sitzung ist ausschließlich der Besprechung des Lehrer­mangels gewidmet.

Das Mannheimer Schöffengericht verurteilte sieben streikende Holzarbeiter, welche am 6. Mai mit einer großen Anzahl anderer Streikender in das Holz­lager der Firma A. Messerschmied eingedrungen waren, um die Arbeitswilligen auf ihre Seite zu bringen, wegen erschwerten Landfriedensbruches zu je 4 Monaten Gefängnis.

Ausland.

Aus Lüderitzbucht verlautet, daß dort die ersten Schritte getan werden, um eine politische Gemeinde und daneben eine evangelische Kirchengemeinde zu bilden. Darin liegt ein sicheres Zeichen dafür, daß die Ver­hältnisse dort stetig geworden sind. Auch das Ver­einsleben entwickelt sich, so hat sich z. B. ein Turn­verein gebildet. Bei der Eröffnung der Regierungsschule dort wies der Bezirksamtmann Böhmer darauf hin, daß seit der Landung des Herrn Lüderitz dort bereits 25 Jahre verstrichen sind. Seitdem hat Lüderitzbucht einen ungeahnten Aufschwung genommen.

In Marokko hat die allmähliche Zurückziehung der französischen Truppen aus der Schaujaprovinz be­gonnen. Am 3. Juni trafen in Casablanca 3000 Soldaten von Sidi den Sliman ein, weitere Truppen werden erwartet. Kleinere Abteilungen verbleiben auf den befestigten Militärposten in Busnika, Sidi ben Sliman, Boucheron, Kosbah ben Ahmed, Settat, Dar ber Reschid, Mediuna, Fedallah. Es ist unbekannt, ob die Einschiffung der zurückgezogenen Truppen be­absichtigt ist.

In Japan ist der Vizeminister der auswärtigen Angelegenheiten Baron Chinda zum japanischen Bot­schafter in Berlin, der japanische Gesandte in Peking Hayaschi zum japanischen Botschafter in Rom, der Direktor der Handelsabteilung im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten zum Vizeminister der auswärtigen Angelegenheiten, der japanische General­konsul in Tientsin Tieun zum japanischen Gesandten in Peking ernannt worden.

Die russische Duma hat bei der Beratung des Etats des Marineministeriums mit 194 gegen 78 Stimmen den geforderten Kredit von rund elf Millionen Rubel für den Bau neuer Panzerschiffe abgelehnt.

Bei der meist ausgesprochen deutschgegnerischen Haltung der australischen Presse ist es bemerkenswert, daß in einem Artikel des MelbournerHerald" die preußische Eisenbahnpolitik außerordentlich anerkannt und zugleich die gesunde Grundlage der preußischen Finanzen bestätigt wird. Der Artikel weist nach, daß der Wert der preußischen Eisenbahnen wesentlich höher ist als die Staatsschuld Preußens, selbst wenn man dazu den Anteil rechnet, der von der Reichsschuld auf Preußen kommen würde. Nicht ohne Wehmut ver­gleicht der Artikel am Schlüsse Preußen-Deutschland mit Australien. Es heißt da: Das ausgesprochen geschäftstüchtige deutsche Volk weiß, wenn es etwas Gutes erlangt hat. Wir' Australier aber haben unter uns noch Leute, die fortgesetzt über das Staatseigentum an der Eisenbahn jammern und es als ein industrielles Verbrechen ansehen, das notwendigerweise mit einer großen Katastrophe enden müsse.

Was ist eine Kilowattstunde?

Wohl den meisten, die in ihrem Hause elektrisches Licht zu brennen haben, wird der NameKilowatt­stunde" schon ausgefallen sein. Eine Erklärung dieses Namens dürfte vielen willkommen sein, da sich nament­lich in neuerer Zeit durch die Einführung der Metall­fadenlampen (zum Beispiel der Osram-Lampe u. a.) wieder ein Wettstreit zwischen Gas und Elektrisch anbahnt und hierbei das Wort Kilowattstunde eine nicht unwesentliche Rolle spielt. In dem Lieferungs- werk:Der Siegeslauf der Technik" wird in leicht verständlicher Weise geschildert, was eine Kilowatt­stunde ist. Es heißt im vorerwähnten Buche wie folgt:

Wollen wir die Leistung dahinfließenden Wassers, also eines Baches, messen, so brauchen wir nur seinen Druck und die Wassermenge zu bestimmen. Beide miteinander multipliziert, zeigen uns, welche Leistung wir mit dem Bache zu vollbringen vermögen. Der elektrische Strom gleicht einem dahinfl'eßenden Bach. Wenn er durch eine Leitung hindurchströmt, so hat er eine gewisse Spannung, die dem Druck des Wassers entspricht, und eine gewisse, der Wassermenge ver­gleichbareStärke". Die Spanung wird in Volt gemessen, die Stromstärke in Ampere. Multipliziert man beide miteinander, so erhält man die Leistung ^rusgedrückt in einem Maße, das man nach dem

Erfinder der Dampfmaschine Watt genannt hat; 1 Volt mal 1 Ampere ist 1 Watt, und 100U derartige Watt sind 1 Kilowatt.

Die Beziehungen der Pferdekraft zum Kilowatt sind einfach. 736 Watt oder 0,736 Kilowatt sind eine Pferdekraft in allen Ländern, in denen das metrische System eingeführt ist. In England hin­gegen sind 746 Watt eine Pferdekraft. Wie man sieht, ist im allgemeinen eine Pferdekraft theoretisch etwa 7« Kilowatt. Erzeugt man aber in der Praxis aus einer Dampfmaschine oder einem Gasmotor Elek­trizität, so verliert man dabei einen Teil der Krast, und der Elektrotechniker pflegt deshalb in der Regel die Pferdekraft mit 0,6 Kilowatt oder rund mit 73 Kilowatt anzunehmen. Was vermag nun eine Pferde­kraft zu leisten? Da wir Freunde des Fortschrittes sind, so wollen wir die Leistungen auf die Kilowatt­stunde beziehen. 1 Kilowatt, das eine Stunde lang wirkt, ist eine Kilowattstunde. 7s bis 7* davon entsprechen einer Pferdekraftstunde.

Um uns den Begriff der Kilowattstunde etwas deutlicher vor Augen zu führen, möge hier die Tat­sache angeführt sein, daß man, wenn nur sehr dünne Stoffe zu nähen sind, eine Nähmaschine etwa 21 Stunden lang mit einer Kilowattstunde antreiben kann. Man kann aber auch mit dieser Kraft vier Plätteisen für eine Stunde erhitzen oder eine Wärmflasche 32 Stunden lang warm halten.

(Technische Beleuchtungs-Korrespondenz.)

Males und Provinzielles.

Schlüchtern, 12. Juni 1908.

* Im letztenAmtlichen Schulblatt" sind wieder 27 vakante Lehrer- und Lehrerinnenstellen ausge­schrieben. Gegenwärtig sind im Bezirk Cassel nahezu 60 Lehrerstellen unbesetzt. Die Schulstelle zu Schlitzen- Hausen bei Tann a. d. Rhön ist schon seit dem 1. Dezember v. Js. erledigt. An eine Beseitigung des Lehrermangels ist um so weniger zu denken als fort­während Lehrkräfte aus dem Schuldienst hier aus­treten, um anderswo, meist im Westen der Monarchie, besser dotierte Schulstellen zu übernehmen. Der Lehrermangel dürfte aber in Zukunft noch gewaltig steigen, da viele ältere Lehrer nur das in Aussicht stehende neue Besoldungsgesetz abwarten wollen, um sich dann pensionieren zu lassen.

* Der Förster Scherz in Marjoß, gl. Ober­försterei, wird vom k.Juli d. J. ab in den Ruhestand versetzt.

* Bei der Handelskammer zu Hanau wird seit dem 10. cr. Herr Dr. Chr. Marx aus Hanau-Kessel- stadt als Volontär beschäftigt. Herr Dr. Marx hat eine 3jährige Tätigkeit bei einer Großbank absolviert und studierte dann Handels- uud Staatswissenschaften. Er veröffentlichte 1906 eine Schrift über die Ent­wickelung dss ärztlichen Standes seit den ersten Dezennien des 19. Jahrhunderts; im Februar 1907 wurde er in Tübingen auf Grund seiner Arbeit über die öffentlich rechtliche Stellung der Aerzte nach § 29 der Reichsgewerbeordnung zum Doktor der Staats­wissenschaften promoviert.

* Büdingen. DerAnzeiger" schreibt, daß der Plan der Hilfsaktion für die durch den Zusammen- bruch der Mockstädter Vorschuß- und Kreditkasse gefährdeten Existenzen nunmehr geändert wird. Es wird eine neue Kasse gegründet werden, nachdem im Bezirk eine ruhigere Auffassung Platz gegriffen hat. Die Form der Kasse soll eine andere sein als die seitherige. Als einen für dieselbe geeigneten Kassierer, der vertrauenswürdig ist, nennt derAnzeiger" Herrn Bürgermeister Virkenstock von Ranstadt. Es wird als notwendig bezeichnet, daß alle, die der alten Kasse etwas schulden, Mitglieder werden, weil dies die Be­dingung« sein dürfte, unter welcher ihnen Hilfe geleistet wird. Während des wohl einige Jahre dauernden Konkursverfahrens ruht der Zinsenlauf der Forderungen, doch wird die Kasse in kurzer Zeit die Forderungen abzahlen können. Von den Kassenschuldnern ist bis jetzt nur die Einzahlung der Anteile der Kassenmit- glieder im Betrage von 200 Mk. verlangt worden, für welche die Gemeinde durch ihre Bürgschaft erfor­derlichenfalls die Aufnahme des fehlenden Kapitälchens ermöglichen kann. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß auf diese Weise sich die Lücke im Kreditwesen des Bezirks alsbald schließt. Die neue Kasse übernimmt mit Vorteil für alle Beteiligten die Abwicklung der Geschäfte der in Konkurs befindlichen Kasse.

* Einen gräßlichen Selbstmord verübte in Lichen- rod bei Gelnhausen der reiche Landwirtssohn Lössert, der sich auf dem Felde mit der Sense den Hals durch­schnitt. Liebeskummer wird als Beweggrund der schrecklichen Tat bezeichnet.

* Die Dauer der Heimarbeit-Ausstellung in Frankfurt a. M. ist mit Rücksicht auf das große Interesse, das sie andauernd und in allen Schichten der Bevölkerung erregt, bis zum 18. Juni d. J ver­längert.

* Bereits am 1. April 1909 soll der ganze Land­kreis Frankfurt mit 11 Gemeinden und 30 000 Ein­wohnern der Großstadt einverleibt sein. Es handelt sich dabei um die Orte Rödelheim, Hausen, Heddern-

heim, Eschersheim, Praunheim, Ginnheim, Eckenhelm, Preungesheim, Berkesheim, Bonames und Niederursel. Einige dieser Gemeinden haben bereits ihre Zustimm­ung zu den vorliegenden Eingemeindungsverträgen gegeben, zweifellos werden die übrigen sich anschließen.

* In der Nähe des Bahnhofs Obertshausen bei Offenbach wurde dieser Tage bei den Bohrungen zur Anlegung eines Brunnens hinter dem Berkerschen Hause eine Quelle aufgefunden, welche fortwährend sprudelt. Es ist dies in ganz kurzer Zeit die dritte Quelle. Die Bohrungen werden nun weiter fortgesetzt werden.

* Ein Akt unerhörter Roheit wurde nach dem Höchster Kreisblatt" in einem Stalle im Gasthaus Zum Schützenhof" in Höchst an einem Pony des Obst und Gemüsehändlers Meyer ausgeführt. Dem Pferde wurden die vier Hufe durchbohrt, mit einem Strick durchzogen und das arme Tier mit den Beinen nach oben aufgehängt. Als sein Herr am frühen Morgen in den Stall kam, war das Tier dem Ver- enden nahe. Dem brutalen Täter ist man bereits auf der Spur. .

* Der Privatdozent an der Universitäts-Augenklmik, in Marburg Dr. Krauß, wird demnächst den Kreis Marburg bereisen, um statistische Unterlagen dafür zu sammeln, in welchem Umfange die ägyptische Augen­krankheit verbreitet ist.

* Bon der Lahn. Auch in diesem Jahre tritt der Eichenwickler im Lahntal und auf den Abhängen des Taunus und Westerwaldes in verheerender Weise auf. Nicht nur die geschossenen Eichenbestände, sondern auch alle alleinstehenden Bäume sind vollständig kahl ge­fressen. Ebenso haben die Obstbäume, besonders Aepfel- und Birnbäume, sehr unter den Raupen des Frostspinners und Goldafters zu leiden. Auch diese Bäume stehen vielfach ganz kahl da wie zur Winterzeit.

* In Fulda wurde in diesen Tagen bereits mit der Heuernte begonnen. Die Wiesenbesitzer sind mit dem Ergebnis des ersten Schnittes recht zufrieden, da infolge der feuchten Witterung das Gras reichlich ge­wachsen ist. Auch der Kleeschnitt fällt sehr gut aus.

* Der gegenwärtig 160 000 Mitglieder zählende Verband deutscher Touristenvereine; der im Jahre 1883 in Fulda gegründet wurde, hat die Stadt, wo seine Wiege stand, zur Feier seines silbernen Jubilä­ums ausersehen. Die Tage vom 2y. bis 31. August sind für die Verhandlungen der Verbandsdelegierten und die festlichen Veranstaltungen in Aussicht genommen. Die Vorbereitungen haben ein Hauptausschuß und eine Anzahl Komitees übernommen. Die aus Anlaß des Jubiläums erscheinende Festschrift wird u. a. eine Geschichte des Verbandes, eine Statistik feinet Be­strebungen und wissenschaftliche Abhandlungen ent­halten. Den Gästen soll ein reich mit Bildern aus­gestatteter Führer durch Fulda überreicht werden. Mit dem Verbandstage ist zugleich die 34. Hauptversamm­lung des Rhönklubs verbunden. Die Zeiteinteilung und die Aufstellung der Tagesordnung erfolgt derart, daß Verband und Rhönklub ohne Störung ihrer Ver­handlungen tagen können.

* Der Graf von Schlitz hat sich bereit erklärt, die Jagd wieder zu pachten, und zwar für die jährliche Summe von 800 Mark auf die Dauer von 12 Jahren. Die Regelung der Grenze gedenke er in dieset Zeit vorzunehmen. Dieses Anerbieten ist, wie man erfährt, vom Gemeinderat einstimmig abgelehnt worden. Der Gemeinderat soll sich darüber schlüssig gemacht haben, die Jagd am 1. Juli öffentlich zu verpachten, und^ zwar auf 6 Jahre, wie überall üblich, einerlei ob die Grenzregulierung erfolgt ist oder nicht.

* An der in Helmers (bei Wernshausen) aushängen­den Gemeindetafel prangte dieser Tage folgender ori­ginelle Ukas:Es wird hiermit bekannt gemacht, daß niemandetwas insWasser macht. Morgen wird gebraut."

Um die Kirschenernte vor Spatzen und Staren zu schützen, werden vom praktischen Ratgeber Spiegel empfohlen, die, an dünner Schnur befestigt, lang vom Zweige herabhängen und sich ständig bewegen. Die naschhaften Vögel werden dadurch beständig erschreckt und in Aufregung erhalten, so daß sie die Kirschen verschonen. Gartenfreunde, welche sich hierfür inter­essieren, können sich vorn Geschäftsamt des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau zu Frankfurt a. Oder eine Nummer mit Anleitung lastenfrei schicken lassen._______ Telegraphischer Schiffsbericht derRed Star Linie«

Antwerpen.

Der PostdampferVaderland" derRed Star Linie" in Antwerpen, ist laut Telegramm am 10. Juni wohlbehalten inNewyork" angekommen.__________

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.

Evangelische Gemeinde: Sonntag, den 14. Juni

Vorm. 9'/» Uhr: Herr Superintendent Orth. Nachmittags 1'/, Uhr: Herr Pfarrer Rollmann.

Wochendienst Herr Superintendent Orth.

Kathol ische Gemeinde

Gottesdienst: 10 Uhr Herr Pfarrer ^Richter- Herolz.