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in warmen Worten gehaltenes Begrüßungsschreiben an die Versammlung gerichtet, in dem er den Zielen der Veranstaltung seine Anerkennung aussprach. Zum Schluß wurde auf Anregung des Bischofs von London und nach Befürwortung durch die beiden deutschen Generalsuperintendenten Faber und Dryander eine Resolution angenommen, in der die Vertreter der Kirchen Englands und Deutschlands das deutsche und englische Volk auffordern, die gegenseitige Freundschaft zu fördern.

In Rußland macht sich in der rechtsstehenden Presse eine heftige Opposition gegen den Besuch des Königs von England bemerkbar. Swjet bespricht die von der Arbeiterpartei gegen die Zusammenkunft in Reval im englischen Unterhause gerichteten Angriffe und bemerkt dazu, daß weder der Premierminister Äsquith noch die Mehrheit des Hauses es für nötig gehalten hätten, gegen die Beleidigung des russischen Kaisers durch die Arbeilerparlei zu protestieren, was sich aus der traditionellen Feindschaft der englischen Politiker gegen Rußland erkläre. Fast alle Parteien wetteifernten von jeher in der Verhöhnung Rußlands, und die nachsichtige Behandlung des von der Arbeiter­partei heraufbeschworenen Skandals sei eine gute Illustration des neuen in Mode gekommenen Themas von der englisch-russischen Freundschaft. Ruskoje Snamja schreibt, England sei der Erbfeind Rußlands und weist jede englisch-russische Annäherung zurück wegen der Politik Englands, das unkultivierte Völker wie Zitronen ausquetsche.

In Persien ist das Entlassungsgesuch des Kabinetts angenommen worden. Die Gründe der Demission sind unbekannt. Voraussichtlich finden nur Verschiebungen innerhalb der verschiedenen Ressorts statt. Die Unsicherheit in Teheran nimmt zu. Der Schah ging nicht in die Sommerfrische, wo er doch verhältnismäßig am wenigsten bedroht wäre. Neuer­dings sind wieder gegen den Schah gesichtete Prok­lamationen an den Mauern angeschlagen worden.

Ein amtliches Telegramm, dessen Absender der französische Konsul in Casablanca ist, besagt, daß de» von den Zeitungen gemeldete geringfügige französisch« spanische Zwischenfall der sich infolge von Streitig­keiten zwischen einem algerischen Soldaten und zwei Eingeborenensoldaten der spanischen Polizeitruppe er­eignete, durch die Bemühungen des Kommandeurs dieser Truppe, des Hauptmanns Ovilo, beigelegt sei.

In Afrika scheint es zwischen England und Italien zu allerhand Reibereien gekommen zu sein. Man behauptet, die italienische Regierung habe in London Beschwerde erhoben wegen andauernd feind­seligen Verhaltens des englischen Konsuls in Derna gegen die Italiener. Es wird auch neuerdings be­stätigt, daß die Engländer die Grenzstation Bomba in Kyrenaika zum Vorteil Aegypiens zu besetzen suchen.

Tätigkeit des Landwirts im Monat Juni.

Das schon begonnene Behacken und Behäufeln der Kartoffeln wird fortgesetzt, ebenso werden die Zwischeräume der Mohren, Rüben und des Maises behackt; denn der Mais wird am besten in Reihen kultiviert und ganz wie Hackfrucht behandelt. Vielfach pflanzt man noch Zucker-, Runkel- und Steckrüben. Ein besonderes Augenmerk muß den Klee- und Luzernefeldern zugewendet werden, damit die Kleeseide keinen Schaden anrichtet. Wenn sich irgend eine Spur von Kleeseide zeigt, so muß sie sofort durch geeignete Mittel vertilgt werden. Ebenso sind die an Wegen und an den Rän­dern der Grundstücke stehenden Disteln und sonstige, namentlich Samen tragende Unkräuter rechtzeitig zu vertilgen. Bei diesen Gängen sind auch die Klee- und Luzerneschläge, wie auch Wiesen zu bestimmen, die be­hufs Heubereitung jetzt zu mähen sind. Die wichtigste Arbeit in diesem Monat ist und bleibt für den Land­wirt die Heuernte, und handelt es sich in erster Linie darum, daß wir derselben vollständig vorbereitet ent« gegensehen, daß wir durch keine anderweitigen Arbeiten verhindert sind, mit derselben am ersten günstigen Tage zu beginnen, daß unsere Geräte und Vorrichtungen in bester Ordnung sind, und daß wir Sensen, Heugabeln, Rechen in genügender Zahl und in bestem Zustande zur Hand haben, daß unsere Heuwagen gerüstet die Fahrwege in gutem Zustande und die Brücken haltbar sind, damit wir der ersten Einladung des guten Wetters zur Ernte Folge leisten können. Der richtige Zeitpunkt der Heuernte ist gekommen, sobald die Gräser in der Blüte stehen. Die irrtümliche Meinung, daß das Heu an Güte und Masse gewinnt, wenn es nach der Blüte gemäht wird, ist durch Versuche längst schon widerlegt. Die Masse wird nur durch Verholzung der Stengel erzielt, aber die Güte leidet darunter ganz bedenklich, sodaß der scheinbare Mehrertrag in keinem Verhältnis zur Qualitätsverschlechterung steht.

Das Bewässern des Wiesenlandes wird nach der Ernte nur noch bei trockenem Wetter notwendig werden, dagegen ist eine Düngung immer noch angebracht, wenn man im Frühjahr oder Herbst nicht dazu gekommen ist. Man gim pro Hektar 300400 Kilogramm Super- Phosphat und 120 200 Kilogramm Chlorkalium, oder das doppelte Quantum Thomasmehl und das vierfache Kainit. Die heißen Sommermonate trocknen jetzt den

! Dünger auf der Düngerstätte sehr rasch aus, wenn Dieselbe nicht durch ein Dach oder Bäume beschattet wird. Die Folge hiervon ist das rasche Zersetzen des Düngers, wodurch große Verluste an wertvollen Be­standteilen entstehen. Das wirksamste Mittel dagegen ist das fleißige Begießen mit Jauche und das Bedecken der Düngerstätte mit Erde. Diese Arbeit darf jetzt nicht außer acht gelassen werden. Ebenso ist jetzt das Umstehen der Komposthausen, wie das Begießen der­selben mit Jauche vorzunehmen.

Die Reife und Ernte des Rapses fällt in diesem Monat und muß dieselbe vor der Getreideernte geborgen sein. Sind die Rapsmandeln noch nicht vom Felde, wenn die Roggenernte beginnt, dann müssen sie öfter bis zum Schlüsse des Ganzen auf dem Felde stehen bleiben, bis sie schwarz werden, denn gerade in diesem und im künftigen Monat drängen sich die Arbeiten gewaltig, daß man nicht weiß, wo man zuerst Hand anregen soll. Kohlrüben zu pflanzen, ist Mitte des Monats Zeit, eher gesteckte Pflanzen schießen leicht in Saat. Auch Johannisroggen wird um Johanni (24. Juni) bestellt, wie schon sein Name sagt. Man beachte daß Fuhrwerk, Geräte und Maschinen zur Getreideernte gut imstande sind und es an Personal nicht mangelt, eventuell vergebe man, wenn möglich, die Erntearbeiten in Akkord.

Viehzucht. In der Tierzucht beginnt mit der Sommerstallfütterung eine neue Periode. Der rationelle Landwirt wird nicht aufs Geratewohl zu füttern, sondern die ihm zur Verfügung stehenden Futtermittel derart einteilen, daß sie den ganzen Sommer über vorhalten. Besonders erfordert die Sommerstallfütterung des Milch­viehes großes Aufmerksamkeit, da sonst leicht Rückschläge im Milchertrage eintreten. Für möglichste Kühlhaltung des Stalles und Vertilgung der lästigen Stallfliege ist Sorge zu tragen; auch schütze man Zugtiere tunlichst gegen die Angriffe der Bremsen. Bei großer Hitze ist das Schwemmen der landwirtschaftlichen Haustiere auf die Gesundheit derselben von heilsamen Einfluß, und es sollte nach Tunlichkeit öfters vorgenommen werden. Dabei sind aber folgende Regeln zu beobachten: 1. Das Schwemmen der Tiere im erhitzten Zustande ist für die Gesundheit derselben von höchst nachteiligem Einfluß. 2. Das Schwemmen in schlammigem Wasser ist ebenfalls schädlich, da sich der Schlamm in den Poren der Haut festsetzt, wodurch die Hauttätigkert ge­hemmt wird. 3. Der Aufenthalt der Tiere nach dem Schwemmen in zugigen Lokalen wirkt gleichfalls nach­teilig. 4. Gut ist es, doch nicht unbedingt notwendig, wenn die Tiere nach dem Schwemmen mit Strohwischen usw. tüchtig abgerieben werden. 5. Das Treiben der Tiere unmittelbar nach der Schwemme aüf staubigen Straßen ist zu vermeiden. Grünfutter ist dem Vieh nur frisch zu verfüttern und auf Reinhaltung der Futterknppen besonders zu achten. An trächtige und säugende Schafe ist nur kräftige, gute Nahrung zu verabreichen. Bei großer Hitze darf das Borstenvieh nicht ausgetrieben werden; dagegen ist ein öfteres Schwemmen desselben sehr angezeigt. Die Zuchtsäue ferkeln jetzt; es ist darauf zu sehen, daß dieselben sorg­sam gefüttert und gepflegt werden.

Die heiße Jahreszeit wird bald dem Schweinerot­lauf, da und dort schon auftretend, weitere Verbreitung verschaffen. Allen Landwirten die einen Rotlauf im Stall haben, oder die in Gemeinden und Gegenden wohnen, wo der Rotlauf einheimisch ist, sei dringend geraten, ihre Schweine durch einen Tierarzt der Schutz sinpfung unterwerfen zu lassen. (Fuld. Krsbl.)

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 9. Juni 1908.

* Das Wetter im Juni fängt nach dem 100jähr- Kalender an wie der Mai, den 4. und 5. trüb, Nebel den 7. Regen, danach warm, den 27. bis 29. Regen, am 30. eine kalte Nacht.

* Der Kaiser hat genehmigt, daß alle Sergeanten die sich in etatsmäßigen stellen bei den Unteroffizier- schulen und Unteroffiziervorschulen befinden, nach neun­jähriger Dienstzeit zu Vizefeldwebeln befördert werden dürfen.

* Der Swakopmunder Turnverein wird auf dem 11. Deutschen Turnfest, das vom 18. bis 23 Juli in Frankfurt a. M. stattfindet, vertreten sein. Bei dieser Angelegenheit wird die Weihe seiner neuen Fahne von dem Vorsitzenden der Deutschen Turnerschaft Dr. Goetz vollzogen werden. Der Newyorker Zeitungsverleger Hearst hat für das deutsche Turnfest einen Preis gestiftet der dem besten deutsch-amerikanischen Turnverein zu­fallen soll.

* In Horas schlug am Freitag der Blitz in das Haus des Johann Grauel. Der Schornstein wurde teilweise zerstört, in einigen Zimmern wurde die Decke und die Wände an mehreren Stellen beschädigt. Ein in dem Zimmer schlafendes, erst einige Wochen altes Kind blieb unversehrt, obwohl der Strahl nur Va Meter vom Bettchen entfernt an der Wand niederfuhr. Ein Schwalbenpaar, das in dem unter der Wohnung be­findlichen Stalle genistet hatte, wurde tot im Nest ge­funden.

* Aus der Rhön. Die vorige Woche über die Rhön gezogenen Gewitter haben besonders das östliche

Rhongebiet schwer heimgesucht. In Brendlorenzen ist die Kornflur durch Hagel zum größten Teil vernichtet. ^ Ein Blitzschlag beschädigte das dortige Armenhaus. | Die Frau des Schäfers Kissner zu Unterweisenbrunn, welche bei der Bahnhaltestelle Schweinhof Schutz unter einem Birnbaum suchte, wurde vom Blitz erschlagen. Zwischen Eichenhausen und Wülfershausen ging ein Wolkenbruch nieder; der Wiesengrund ist völlig ver- schwemmt, die Heuernte ist vernichtet. Das Geleise der Bahnstrecke Neustadt-Königshöfen mußte durch Strecken- [ arbeitet passierbar gemacht werden; der Zug hM 17, Stunden Verspätung. In Eichenhausen mußten I die Bewohner aus den tiefer gelegenen Häusern flüchten k und das Vieh aus den Ställen retten. Hühner und Kleinvieh ging vielfach zugrunde. Viele Häuser standen bis zum 1. Stock im Wasser; die Felder zeigen ein Bild der Verwüstung. Das Dorf Herschfeld durchstoß ein Wasserstrom von 70 Zentimeter Höhe.

* Bad Salzschlirf. Im HotelBellevue" wurde eingebrochen und etwa 1000 Mark in barem Gelde sowie Goldwaren, Brillanten u. dergl. im Werte von 1500 Mk. gestohlen. Den Tätern ist man auf der Spur.

* Badenrod. Das neue Bahnprojekt von Renzen- t dorf an der Bahnlinie GießenFulda durchs obere f Schwalmtal über Vadenrod bis Ulrichstein wird allge- niein mit Freuden begrüßt. Die Vorarbeiten sind in Angriff genommen. Auch das Gruppenwasserwerk- Projekt für etwa 12 Orte des oberen Schwalmtals und die angrenzenden Orte bis nach Alsfeld erfreut sich hier lebhafter Sympathie. Für unsere Gemeinde ist Wasserleitung eine dringende Notwendigkeit, hat doch unsere Einwohnerschaft nur wenige Brunnen mit meist ungesundem Trinkwasser, da der Friedhof inmitten des Dorfes liegt.

* Lichenroth. Ein gräßlicher SJbftmotb ist hier vorgekommen. Ein junger Mann anfangs der zwan­ziger Jahre, schnitt sich mit einer Sense den Hals durch. Der Grund zur Tat soll in Familienverhältnissen zu suchen sein.

Permifchles.

Die Glücksnummer 99988 der preußischen Klassenlotterie, auf welche, außer dem Gewinn von 1000 Mark noch die Prämie von 300000 Mark ge­fallen ist, wird in der Kollekte des Lotterieeinnehmers H. Leibfried in der Scharrenstraße in Berlin gespielt. 1 Das Los war in ein Halblos und zwei Viertellose geteilt. Der auf das erstere treffende Gewinnanteil fiel an einen Herrn, während die Teillose von je zehn ' Teilnehmern gespielt wurden.

Verhagelter Roggen wird m bet umgege^ Berlins als Grünfutter zu 30 Pfg. für die Quadrat­rute verkauft. Die Aehren sind noch grün, aber schon ziemlich entwickelt.

In Gewisch bei Magdeburg wurde beim Gras- M mähen dem Landwirt Höpfner von seinem Sohn, der mit der Sense ausglitt, der Leib aufgeschlitzt, so daß der Tod auf der Stelle eintral.

Die Kriminalpolizei in Jserlohn verhaftete eine aus 6 Personen bestehende Falschmünzerbande, die tut letzten Jahre eine große Menge 2- und 5-Mk.-Stücke in Verkehr gebracht hatte.

- Aus Württemberg. In Ehingen aßen die Kinder einer Arbeiterfamilie Sauerampfer, den sie auf einer Wiese gesammelt hatten. Sämtliche Kinder erkrankten unter Vergiftungserscheinungen und ein Knabe starb unter großen Schmerzen. Man nimmt an, daß der Giftstoff von Kunstdünger stammt, mit dem die Wiese gedüngt war.

Stuttgarter Lebensverficherungsbank «. G (Alte Stuttgarter)

Im Jahre 1907, dem 53. Geschäftsjahre, sind 10 755 Versicherungsanträge mit Mk. 75 535 770 Versicherungssumme eingereicht worden. Zur Auf­nahme gelangten 8 716 Anträge mit Mk. 60 660 650. Der Neinzuwachs bezifferte sich auf 4951 Policen mit Mk. 39 254 7 95 Versicherungssumme und ist der größte, den die Bank seit Bestehen erzielte. Dadurch stieg der Versicherungsbestand auf 130 940 Policen mit Mk. 819 908 001 Versicherungssumme. Die Gewinn- und Verlustrechnung weist aus, daß an Prämien Mk. 31,8 Millionen vereinnahmt wurden, während die Zinsein­nahmen sich auf Mk. 11,1 Millionen beliefen. Für ; fällig gewordene Versicherungssummen und Rückkäufe \ mußten Mk. 14,7 Millionen bezahlt werden. Da die Sterblichkeit dank der großen Neuzugänge der letzten Jahre wieder sehr günstig verlief und die Verwaltungs­kosten nach wie vor niedere sind, hat sich auch für 1907 ein sehr hoher Ueberschuß für die Todesfallver- l sicherten ergeben, nämlich Mk. 10 739 487, Von diesen! Ueberschusse wurden Mk. 295 595 der allge­meinen Reserve, die dadurch auf Mk. 6,8 Millionen anwächst, zugewiesen. Mk. 60000 sollen zur Ver­stärkung des zur Zeit Mk. 1274 937 betragenden Pensionsfonds der Beamten verwendet werden. In die Dividendenreserven der Versicherten flossen Mk. 10 383 892. Das Bankvermögen stieg auf Mk. 29717 7 843, darunter befinden sich Extra- uub Divi­dendenreserven in Höhe von Mk. 56 260 882,