SchWernerZeitung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
_______________________vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
32 46. , Samstag, den 6. Juni 1908. 59. Jahrgang.
Ofingstbitte.
Nun rauscht in frühlingsgrünen Bäumen Der Geist des Lebens und der Kraft;
Die Erde schwelgt in Blütenrräumen, Befreit aus langer Wintershaft.
Mit neuen Zungen kündet wieder
Die Schöpfung ihres Gottes Macht,
Und frohbeglückt dem Lied der Lieder Lauscht still des Waldes Zauberpracht.
Kein Baum, der nicht in leisem Wehen
Die großen Taten Gottes preist;
Kein Blümlein, das nach Himmelshöhen
Uns nicht die sel'gen Pfade weist;
Kein Quell, der murmelnd nicht verkündet
Der ew'gen Liebe Wunderkraft,
Die aller Herzen neu entzündet
Und neue Herzen in uns schafft.
So senke dich, du Geist der Pfingsten, Herab auf uns, wir harren dein,
Und kehre auch bei dem Geringsten
Mit deiner Gaben Fülle ein:
Gib Glauben, Liebe, Kraft und Stärke
Und führe uns des Lebens Spur —
Dann reifen in uns edle Werke
Auf unsrer Herzen Frühlingsflur.
__Paul Lipsius.
Zum Pfingstfeste.
Wie alle die großen christlichen Feste ruht auch Pfingsten auf einem Gotteswunder. Hier ist es- wunderbare Ausgießung des heiligen Geistes auf die Jüngerschar, und die schlichten, zaghaften Männer aus dein Volke predigen mit einemmal in allerlei Sprachen von den Großtaten Gottes. Der Unglaube hat seine liebe Not, dieses göttliche Wunder aus der Pfingstge« schichte auszumerzen. Es ist zu geschichtlich. Nicht im Verborgenen ist es geschehen, nicht von ein paar christfreundlichen Menschen ist es mit angesehen worden, sondern von Tausenden von jüdischen Festpilgern aus aller Herren Ländern. Sie bekennen es mit Staunen und Entsetzen: „Sind .nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie Chören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren sind?" Die Tausende aus allen Völkern konnten sich nicht täuschen. Wir wissen auch, daß seit jener Ausgießung des heiligen Geistes Boten des Evangeliums bis heute in alle Welt ausgezogen sind, und haben die christliche Wahrheit
gMt K-rz-n.
Roman von Erwin Friedbach. 51
Liebte er sie wahrhaft, ohne die schroff hervortretende Selbstsucht der Mannesnatur, so durfte er seine Liebe nicht beeinflussen lassen von einem Wunsche, der unter den ge- genwärtigen Umständen an Grausamkeit grenzte.
Mit aller ihr zu Gebote stehenden beredsamen Wärme sprach sie noch einmal in diesem Sinne zu ihm, von ihrer mütterlichen Liebe zu den Kindern, die sie groß gezogen, daß Milly, am Nachmittage zweimal von einem Ohn- machtSanfall getroffen, selbst der Pflege bedürfend, die Verantwortung für den schwerkranken Vater und Bruder unmöglich tragen könne, daß ihr jemand zur Seite stehen müsse und nur sie, Wilma, diese Stelle ausfüllen könne, weil sie die fehlende Hausfrau ersetze.
Doch je deutlicher ihre unwandelbare Zuneigung für Geheimrat» erkennbar wurde, um so lebhafter erwachte seine Eifersucht, desto unerbittlicherbeharrte er bei feinem Willen.
Henning sah düster vor sich hin, doch war el unmöglich, dem scheinbar unbewegten Antlitz den heftig tobenden enntten Sturm zu lesen.
war aufgestanden und griff nach seinem Hut. „So läßt Du mich denn gehen . . allein?"
Wilma» Knie wankten, da» Bewußtsein drohte ihr zu schwinden, alle Fasern ihre» Herzen» zuckten unter dem Rresenkampfe, dem es wie tödliche» Erstarren folgte, al» sie die unentwegte Festigkeit des Entschlusses in seinen Zü- flenl°,L".3^nVl6bt^ «» «m solchen Preis erkauf- tr» Glück kann lch Nicht mmetjmen! In der Seligkeit unsrer Vereinigung zu schwelgen, während diejenigen, die A liebe, hier unter den traurigsten Verhältnissen mit dem Tode ringen, vermag ich nicht, selbst ..
»Wilma, bedeuke Dich,"unterbracher sie mit mühsam unterdrückter Leidenschaft, „ob der Preis meiner Liebe «rchtzu hvchistfürda», waS Du hierzurück läßt!"
verkündet in den Sprachen aller Völker. Dieses Pfingftwunder gibt uns die frohe Zuversicht, daß die Verkündigung des Christen-Evangeliums keine bloße zeitgeschichtliche Erscheinung ist, die eben wie alles in der Geschichte ihre Zeit und Bedeutung nur für eine bestimmte Epoche hatte, sondern ein für alle Erdenzeit, für alle irdische Zukunft in die Erscheinung getretener göttlicher Wille. Es soll alle Welk Eigentum Christi werden. Will aber ein König seine Pläne und Entschließungen zur Ausführung bringen, so muß es willige und treue Untertanen haben. Die braucht auch der König des Himmelreichs, und da lassen wir eS gar sehr fehlen. Wir geben ja unsere Zungen zu allerlei Gerede her. Kluges und Törichtes reden wir und sprechen wir nach; Großes und Kleinliches geht durch unseren Mund. Und nun gar, wenn es um den lieben Nebenmenschen und den neuesten Klatsch sich halrdelt! Lernen wir doch, uns für törichte und kleinliche Dinge zu gut zu halten! Reden wir mehr von den großen Taten Gottes in der christlichen Heilsund Reichsgottesgeschichte, öffnen wir mehr unsere Lippen, die Ehre des Herrn und die Wahrheit seines heiligen Sohnes zu verkündigen — und zwar so, daß es hoch und niedrig versteht, daß es jedem zu Herzen geht! Weß das Herz voll ist, dem geht der Mund über. Aber freilich, das Herz muß uns erst voll werden von heiliger Pfingstbegeisterung, voll des heiligen Geistes. Doch auch heute gilt noch, wenn an solchem Pfingstgeiste etwas gelegen ist und er Gott darum bittet, der wird ihn erhalten. So lasset uns bitten: O heiliger Geist, kehr bei uns ein und laß uns deine Wohnung sein! O komm, du Herzenssonne!^ —-------
Deutsches Reich.
— In der Reichshauptstadt haben König Gustav V. und Königin Viktoria von Schweden einige Tage als Gäste unseres Kaiserpaares geweilt. Die Bevölkerung bereitete dem Königspaar einen herzlichen Empfang. Während der Tafel tauschten Kaiser Wilhelm und König Gustav warm gehaltene Trinksprüche aus, in denen sie der neuen Verkehrsverbindung zwischen Deutschland und Schweden sowie des Nord- und Ostseeabkommens gedachten. Aus Anlaß des Besuches des schwedischen Königspaares in Berlin haben fast sämtliche Stockholmer Blätter äußerst sympathische Leitartikel gebracht, worin sie an die festen Bande erinnern, die von altersher Deutschland und Schweden verbinden. Es geht daraus hervor, daß das schwedische Volk die herzlichsten Gefühle seines Monarchen gegen«
„Henning! Selbst dieser Preis darf nicht zu hoch sein; denn ich kann nicht anders handeln."
„Du hast gewählt," stieß er heiser zwischen den Lippen hervor. „Ich sehe ein, daß es Täuschung war, als Du behauptetest, mich zu lieben, Dein Herz gehörte diesen hier, nicht mir, für mich hattest Du nur ein Almosen, während sie Dich besitzen. Ich aber begnüge mich nicht mit den Brocken, die diese Fremden mir zu überlassen geneigt sein sollten. Lebewohl, Wilnra, wir sehen un» nicht wieder; ich gehe binnen kurzem nach meiner neuen Heimat zurück, um zu vergessen, wenn eS mir gelingt, daß ich hier ein Glück gefunden hatte, das ich nicht besitzen soll. Lebe wohl!" Er wandte sich zum Gehen, immer noch zögernd, als ob er den Ruf zum Bleiben von ihr erwarte.
Wilma stand regungslos, die Züge im Schmerz versteinert. Ein Schrei tödlichen Wehs wollte sich au» ihrer gequälten Brust ringen, sie hielt ihn zurück, nur ein tie- fer Seufzer, der wie eine leise Klage tönte, kam von ihren Lippen.
„Lebe wohl, Wilma!"
„Henning!" Sie wankte einen Schritt vorwärt», streckte die Hand au», als wollte sie ihn halten.
Er sah die Bewegung und zögerte noch einmal, doch der Arm sank schlaff herab .. Wilma verharrte regung». lo».
Er entfernte sich, seine Schritte verhallten langsam, dann ging die Korridortür. .. Vorüber.
Die mit unnatürlicher Anstrengung aufrecht gehaltene Kraft verließ sie, Wilma glitt zu Boden und ein konvulsivische» Schluchzen erschütterte ihren ganzen Körper.
So mochte sie wohl zehn Minuten gelegen haben, al» eine kleine, kühle Hand sanft ihre brennende Stirn berührte. „UmGotte» willen, meine Wilnra,wa»hat er Dir getan?"
Sie öffnete die Augen und sah Milly mitherzzerreißen- dem Ausdruck an. „Es ist vorbei. Er hat mich aufgegeben."
„Aufgegeben! Und warum?"
Wilma schwieg.
Milly räusperte sich und sagte dann au» trockener Kehle
über Deutschland teilt und mit ihm von der Ueberzeugung des hohen Wertes der deutschen Freundschaft für Schweden durchdrungen ist.
— Seitens der Reichstagsabgeordneten Dr. Erz« berger und Dr. Südekum ist in der Reichstagssitzung vom 30. März cr. und später eines Gerüchtes Erwähnung getan worden, wonach die Firma Krupp nach 1870/71 von der preußlschen Kronfideikommißverwaltung einen Vorschuß zur Betriebserweiterung erhalten habe, der noch nicht zurückgezahlt worden sei und noch jetzt die Unterlage für eine relativ hohe Gewinnbeteiligung der Krone an dem Kruppschen Unternehmen bilde, und es hierauf zurückführen sei, wenn die Mitglieder der Artillerieprüfungskommission sich zu einer Art von Begünstigung von Krupp verpflichtet erachteten. Die letztere Behauptung hat der Vertreter des Kriegsministeriums alsbald in derselben Sitzung als eine unbewiesene und unbeweisbare Behauptung zurückgewiesen. Nachdem verschiedene Zeitungen aber bis in die letzte Zeit auf diese Angelegenheit zurückgekommen sind, erscheint es geboten, auch hinsichtlich des ersten Teiles des Gerüchtes hiermit festzustellen, daß der Firma Krupp niemals weder vor noch nach dem Kriege 70/71 irgend eine finanzielle Unterstützung seitens des Krön- fideikommiffes oder sonst aus königlichen Privatfonds zu teil geworden ist, und daß diese Fonds niemals mit irgend einem Kapitalbeirage an dem Kruppschen Werke beteiligt gewesen sind.
— Zur Verringerung des Schreibwerks bei den Königlichen Regierungen in Preußen und zur Vereinfachung ihrer Kassengeschäfte bei Einziehung und Ver- -Zechnur'g der Gebühren für die Untersuchung der Dampfkessel usw. haben der Finanzminister, der Minister für Handel und Gewerbe und der Minister des Innern im Einverständnis mit der Oberrechnungskammer neue Grundsätze aufgestellt, die im „Ministerial- blatte der Handels« und Gewerbeverwaltung" veröffentlicht werden.
— Einen Aufsatz über Zollschutz und Arbeiterinteresse, den Genosse Edmund Fischer in den „Sozialistischen Monatshefen veröffentlicht hat, entnehmen wir folgendes beachtenswerte Eingeständnis: Der große wirtschaftliche Aufschwung, der nach Abschluß der Caprivi- schen Handelsverträge einsetzte und viele Jahre anhielt, wurde auch von uns — wenigstens in der Agitation —, wenn auch nicht ansschließlich, so doch aber zum Teil auf das Konto der Caprivischen Handelspolitek gesetzt. Die Konsequenz erfordert nun, den jetzigen Aufschwung auf das Konto des Wuchertarifs zu setzen.
mit tonloser Stimme: „So willich e» Dir erklären, Wilma. Ich habe die Feindseligkeit de» Herrn von Ast gegen mich auf seinem Gesichte gelesen, er mag und will nicht, daß Du bei uns bist, au» Eifersucht, oder weil e» seinen Stolz verletzt. Er haßt un», wir sind nach seiner Ansicht abscheu- licheSBolk."
„Er urteilte von seinem Standpunkt au», den ich nicht teilen kann, Milly!"
„Da» begreife ich. Eben so gut aber begreife ich auch seinen Standpunkt, Wilma, ich will Dir etwa» sagen: der Mann hat vollständig recht, und Du hast unrecht."
„Mag sein! Ich aber will nur so handeln, wie mein Herz und Gewissen e» gebieten," entgegnete Wilma mit bebender Stimme.
„Um darüber gänzlich zu vergessen, wa» Du Dir selbst schuldig bist!" rief Milly außer sich. „Ja, ich verstehe Herrn von Ast vollkommen, und wa» ich bedauere, ist nur da» eine, ihm nicht mehr erklären zu können, daß weder Papa noch seine Tochter in dem Grade Monstra sind, wie er zu glauben scheint! Hätte ich die geringste Ahnung von Eurer Verlobung gehabt, glaube mir, Wilma, der unselige Brief wäre nicht geschrieben worden; so aber hielt ich er für selbstverständlich, Dich um Hilfe zu bitten. Daß Du Dein LebenSglück darüber einbüßen solltest, kann ich noch nicht fassen, und glaube sicher, dieser erste Sturm wird an Euch vorüberziehen." 140,18
Wilma hatte sich aufgerichtet und schüttelte den Koof. „Nein, Milly, er besitzt lenen Trotz de» Manne», der lieber zu Grunde geht, al» nachzugeben oder dem Weibe gegenüber eine Schwäche einzugestehen. Er will der Herr sein, der absolute Herrscher, und da» gab mir wiederum die Standhaftigkeit, auf meinem Posten auszuharren. Es ist ein furchtbarer Schmerz, diese Enttäuschung, und ich glaube kaum, daß e» mir jemals gelingen wird, sie zu überwinden. Aber, o Gott, wie könnte ich da» Glück au seiner Seite ertragen, wenn ich mich selbst gerinaschätzeu mußte um de» Unrecht» willen, da» ich an Euch beging "