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Achiffsgesellschaften dürfen Niederlassungen nur in Budapest, in Fiume und an den Grenzstationen der Eisenbahnen errichten. Ausländischen Gesellschaften kann Konzession nur erteilt werden, falls sie sich dem ungarischen Auswanderungsgesetz unterwerfen.

Die jetzt völlig abgeschlossenen Pariser Gemeinde- ratswahlen haben der Jauresschen sozialistischen Frak­tion einen Verlust von drei Sitzen gebracht.' Die Nationalisten gewannen einen Sitz. Die radikale Mehrheit des Gemeinderats bleibt die bisherige. Bei den Stichwahlen in den Departements sind nach einer weiteren telegraphischen Meldung die Vereinigten Sozialisten geschlagen worden, namentlich in Toulouse, Brest, Roubaix und Lyon.

Zur Lage in Marokko wird gemeldet, daß der Einzug des Gegensultans Mulay Hafid in Fez un­mittelbar bevorstehe oder bereits erfolgt sei. Das ganze Heer des Sultans Abdul Aziz unter dem von ihm abgefallenen Ben Bagdadi ist gegen den Befehl des Sultans von Rabat nach Fez aufgebrochen, um zu Mulay Hafid Überzugehen. Abdul Aziz, der nun mehr vollkommen verlassen ist, fühlt sich in Rabat unsicher. Es verlautet, daß er im Begriff ist, bei den Franzosen im Hinterlande von Casablanca ein Unterkommen zu suchen.

Von der indisch-afghanischen Grenze wird in einem Telegramm aus Peschawar gemeldet, daß Ge­neral Wilcocks den Befehl erhalten hat, sofort mit zwei Brigaden gegen die Mohmands vorzugehen, weit diese der Aufforderung, sich zu unterwerfen, nicht ent­sprochen haben. Ferner wird demReuterschen Bureau" von maßgebender Stelle aus Simla berichtet, der Emir von Afghanistan habe auf die Vorstellungen der in­dischen Regierung bezüglich des Anteils afghanischer Untertanen an den Grenzaufständen geantwortet, daß er bündige Befehle erteilt habe, alle Afghanen, die sich mit den aufrührerischen Stämmen vereinigt hätten, zurückzurufen, und daß er auch seine Beamten ange­wiesen habe, die Afghanen am Ueberschreiten der Grenze zu hindern.

Der chinesische Boykott japanischer Waren macht der Regierung in Tokio mit Recht schwere Sorgen. Jetzt hat der japanische Gesandte in Piking dem Aus­wärtigen Amte die Namen von vier chinesischen Kauf­leuten mitgeteilt, die den Boykott des - japanischen Handels in Südchina nach Möglichkeit auszudehnen bemüht sind. Der Gesandte verlangte, daß die Kauf­leute daran gehindert würden, den Unwillen gegen Japan zu schüren. Der englische Gesandte hat auf Anweisung aus London den englischen Generalkonsul in Kanton angewiesen, dem Vizekönig von Kanton den Rat zu erteilen, den Boykott zu unterdrücken.'^

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 15. Mai J908.

* Die gefürchtet! n Eisheiligen, Mamertus, Pan- kratius und Servatius, deren Herrschaft nach dem Kalender vom 11. bis 13. Mai währt, haben sich dies­mal harmloser als ihr Ruf erwiesen. Wenn sich nicht noch einige im Kalender nicht verzeichnete,Eisheilige" einstellen, so werden wir, wie es scheint, in diesem Jahre glücklich von Maifrösten verschont bleiben. Indessen man kann auch den Mai nicht vor seinem Ende loben.

* Am 11. d. Mts. abends 9 Uhr fand in der Bierhalle dahier die Generalversammlung des Ver­schönerungsvereins statt. Die Zahl der erschienenen Mitglieder entsprach leider nicht der Größe des Vereins, was im Interesse der idealen Bestrebungen, die den Verein leiten, zu bedauern ist. Nachdem der Herr Vorsitzende den Jahresbericht erstattet, aus dem zu ersehen ist, mit welchem Eifer der Vorstand an der Sache arbeitet, gelangte der Kassenbericht zur Verlesung. Dem Kassenführer wurde Entlastung erteilt und der Dank des.Vereins.für seine Mühewaltung ausgesprochen. Die nun folgende Neuwahl des Vorstandes ergab eine einstimmige Wiederwahl. Aus der sehr angeregte! Debatte ist zu entnehmen, daß zwei neue Fußwege g plant sind. Der eine als Verbindung der alten Hohe zeller-Straße am Walde entlang nach der soeben in Bau befindlichen neuen Straße. Ein anderer als Ver­bindung zwischen dem Galgenberg und dem Röderweg, ebenfalls am Walde entlang. Für diesen Sommer sind ferner einige schöne Ausflüge unter sachkundiger Leitung vorgeschlagen. So übsr Willingshof nach Neuengronau am Himmelsfahrtstag, ferner über Hahnenkamm nach Aschaffenburg und endlich über Ohlwiese, Schassteg, Soden nach Salmünster. Nähere Einzelheiten werden den Mitgliedern noch bekannt gegeben. Hoffentlich finden sich zahlreiche Teilnehmer zu diesen gemeinschaft­lichen Wanderungen in unseren schönen Bergen.

* Theater. Die Direktion Herrmann scheidet nunmehr doch bestimmt, denn sie anonnciert schon die letzten Sonntagsvorstellungen. Sie bietet aber, um sich ein gutes Andenken zu bewahren, diesen Sonntag dem Theaterpublikum das Allerbeste. Für die kleine Welt kommt Nachmittag 4 Uhr das reizende Kindermärchen Schneewittchen" und abends das Neueste und Beste der Operettenpossen und zwarDie wilde Katze" zur Auf­führung. In derwilden Katze", tritt wieder einmal ein recht gesunder Humor in den Vordergrund, sowie reizende und sprudelnde Gesänge, die diese Posse zum

Zug und Kassen stück aller besseren Bühnen gemacht haben.

* Serenissimus kommt nach Schlächtern. Wie uns mitgeteilt wird, werden Durchlaucht Serenissimus nebst großem Gefolge, bei welchem sich unter anderem auch Exzellenz von Kindermann befindet, auf der Rück­reise von der Riviera nach der Residenz auch unser Schlüchtern mit einem abendlichen Besuch beehren. Se. Durchlaucht treffen im Laufe des kommenden Dienstag hier ein und werden abends der Festvorstellung im Theater in der Turnhalle von der eigens zu diesem Zweck erbauten Hofloge aus beiwohnen. Durchlaucht erscheint präcise 8/4 Uhr im Zuschauerraum. Nach der offiziellen Begrüßung und längeren Ansprache durch den Oberregisseur werden Sereniffimus Cercle vor der Hofloge abhalten, mehrere Herrschaften durch huldvolle Ansprachen auszeichnen usw. Nach der Vorstellung werden sich Se. Durcylaucht auf die Bühne begeben, um die namhaftesten Kräfte des Theaters durch Ordens­verleihungen auszuzeichnen.

* Der Evangelische Bund verzeichnet mit.Genu tuung eine neue b)eutsame Ehrung eines seiner führe - den Männer. Sein stellvertretender Vorsitzender, Ober­pfarrer Aug. Wächtler, Superintendent der Stadt Halle ist unter dem 21. v. Bits. durch die Universität Halle- Wittenberg ehrenhalber zum Doktor der Theologie ernannt unter ausdrücklichen! Hinw is a> " sein über die Kreise seines Amtsbereiches weit hinausgehendes bemerkenswertes Wirken zur Wahrung uer deutsch- protestantischen Interessen, wie sie der nun schon über 350 000 Mitglieder zählende Evangelischer Bund auf seine Fahne geschrieben hat. Die Promotionsurkunde hebt bei der eingehenden Begründung der ehrenvollen Verleihung neben den wissenschaftlichen Leistungen be­sonders hervor, wie sehr sich Superintendent Wächtler durch sein entschiedenes Eintreten für die Rechte und Würde der evangelischen Kirche um die Gesamtheit unserer Kirche verdient gemacht hat. Der Evangelisch Bund kann mit Recht in dieser bemerkenswerten Bezug­nahme eine ehrenvolle Anerkennung seiner für die evangelische Kirche und unser deutsches Vaterland wert­vollen und dringend notwendigen Arbeit erblicken.

* Herr Amtsrichter Hadermann ist auf seinen Antrag von Schwarzenfels nach Jdstein versetzt worden.

* Wie verlautet begeht der Schützenverein Elm am 28. d. Mts. sein diesjähriges Eröffnungs- und Preisschießen, wozu Preise in der Höhe von 120 Mk. zur Verteilung kommen.

* Das diesjährige Jahresfest des Hanauer Be­zirksvereins der Gustav-Adolfstiftung findet am 20. Mai in Birstein statt.

* Der Bauarbeiter Karl Schlauch in Salmünster hat sich wegen fahrlässiger Körperverletzung vor der Strafkammer zu Hanau ,zu verantworten. Er leitete am 15. Januar den Aobruch des Grünbaumschen Neu- bau, bei dem die 16 Meter lange obere Gerüststange, als sie bereits mit dem einen Ende auf der Straße und mit dem anderen noch freischwebend war, infolge Knotenauflösung am Seile auf die Straße Herunterstärzte und den 16 Jahre alten Wilhelm Klug traf, der noch schnell unter der Stange hindurch schlüpfen wollte, um nach Hause zu gehen. Er wurde recht erheblich ver­letzt, ist aber soweit wieder hergestellt. Sch. hatte den Knoten, der sich auflöste, geschürzt und auch unterlassen Sicherheitswachen auszustellen, die die Passanten warnen konnten. Es wird auf 30 Mark Geldstrafe erkannt.

* Büdingen. Die angemeldeten Federungen in dem Konkurse des Bankhauses Wertyeimer u. Co. (Inhaber Bankier Hofrat Rothschild) belaufen sich jetzt auf etwa 2,5 Millionen Mark, so daß angesichts der geringen Vermögenswerte leider für die Gläubiger schlechte Aussichten vorhanden sind.

* Turnfest 1908 in Frankfurt. Während des Deutschen Turnfestes, in den Tagen vom 11. bis 23. Juli, findet in den Räumlichkeiten der dem Festplatz angeschlossenen Varrentrappschule eine Ausstellung von literarischem und verwandtem Material statt als da nd: Berichte, Briefe, Urkunden, Erinnerungszeichen, Ab- oildungen, die sich auf dasTurnwesen beziehen. Die Frank­furter Turnvereine, sowie mehrere Freunde und Förderer des Turnwesens haben bereits die in ihrem Besitz be­findlichen Gegenstände in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt oder ihre Unterstützung zugesagt. Es wäre erfreulich, weiteres geeignetes Material aus Privatbefitz zu erhalten; handelt es sich doch besonders darum, den von überall her zusammenströmenden Turnern ein Bild von der Entwicklung des Turnwesens zu geben. Um eine rechtzeitige Drucklegung des Katalogs zu er- möqlichen, werden daher Besitzer genannter Gegenstände höflichst gebeten, solche bis spätestens 30. Mai bei Herrn Dr. P. Hohenemser, Frankfurt a. M., Rossertstraße 9 anzumelden. Hiermit verbunden ist eine Ausstellung von Turn-, Schwimm- und Spielgeräten, sowie Turn- bekleidungsgegenständen. Anmeldungsformulare hierzu sind von Herrn Direktor Dr. Busch, Frankfurt, Neue Kräme 5, zu beziehen.

* Heiligenstadt. Unter den Schafherden der hiesigen Gegend ist die Räude ausgebrochen, die eine immer größere Ausdehnung annimmt. Ueber viele Fluren und Gemeinden ist die Sperre verhängt.

* Durch Chilisalpeter kam der 30 Jahre alte Bauer

Florian Bohn in DkeLach (Rhön) ums Leben. Er Halts Kunstdünger auf das Feld gestreut und ohne besondere Reinigung der Hände sein Vesperbrot eingenommen. Nach zwei Tagen starb er unter großen Schmerzen. An dem am 18., 19. und 20. d. Mts. in Fulda statt- findenden Bezirkstage des Mitteldeutschen Gastwirte­verbandes werden nach den bis jetzt vorliegenden An­meldungen ungefähr 300 Wirte teilnehmen.

* Bebra. Der erste der beiden Ballons, die am Montag morgen über unseren Ort zogen, ließ in der Nähe desselben eine in einen Sandsack gehüllte Depesche fallen, die sofort bemerkt und zur Weiterbeförderung an ihren Bestimmungsort Köln aufgegeben wurde. Die Luftschiffer, die sich nach Angabe der Depesche in einer Lufthöhe von 1400 Meter befanden, waren über Oert- lichkeit und Zeit genau informiert, denn die Depesche trug den Vermerk: Bebra, 7.20 Uhr morgens.

* In der öffentlichen Sitzung des Kommunalland- tages, welche am Mittwoch in Cassel abgehalten wurde wurden die Rechnungen der Landesverwaltung für geprüft und abgehört erkärt. Der zweite Punkt der Tagesordnung betrifft Beratung der Vorlage des Landwegeausschusses betreffend den Uebergang der Landwegebaulast von den Gemeinden auf die Kreise. Es liegt dazu ein Gesetzentwurf betreffend die Ab­änderung der Wegegesetze im Regierungsbezirk Cassel vor, sowie ein Reglement über die Verwaltung der Landstraßen und Landwege des Regierungsbezirks. Berichterstatter sind die Herren Abgeordneten Berta und Landrat von Keudell-Eschwege. Der Vorsitzende, Herr Kammerherr Rabe v. Pappenheim, regt an, zunächst die erste Lesung des Gesetzentwurfs vorzu- nehmen, dann in eine allgemeine Besprechung der Vorlage einzutreten und danach eventuell gleich die zweite Lesung folgen zu lassen. Abg. Berta betont, daß tatsächlich die Gemeinden nicht mehr in der Lage seien, aus ihre Kosten die Landwege in einer den heutigen Verkehrsverhältnissen entsprechenden Weise zu unterhalten. Der dem Landtage vorliegende Gesetz­entwurf sei nicht etwa geeignet, einen Gegensatz zwischen Stadt und Land hervorzurufen bezw. die Harmonie zwischen beiden zu stören. Das Gesetz sei eingehend in den Kommissionssitzungen beraten worden. Abg. Landrat y. Keudell-Eschwege betont, daß die Annahme des vorliegenden Gesetzes große Vorzüge für die Kreisverwaltungen bedeute. Der Herr Oberpräsident Hengstenberg empfiehlt in warmen Worten die An­nahme der Vorlage des Landwege-Ausschusses. Sie biete eine durchaus geeignete Grundlage für die selbst- ständigere Verwaltung der Kreise und entspreche durch­aus den örtlichen Bedürfnissen. Landeshauptmann Freiherr Riedesel zu Eisenbach empfiehlt rfleichfM« Annahme des Gesetzes. Abg. Dr. Antoni nimmt einen ablehnenden Standtpunkt zu dem Gesetzentwurf ein. In der Hauptsache sollten die Mittel für Land- straßenverwaltung auf Landwegeverwaltung übertragen werden, das hieße also, daß die Kreisverwaltungen die Lasten zu tragen haben, daß die jetzige Vorlage wesent­lich besser sei, wie die vorige, trotzdem liege jedoch kein zwingender Grund für Einführung der neuen Vorlage vor. Er stehe auf dem Standpunkte, daß man nie­manden zwingen sollte etwas zu tun, was die Allge­meinheit nicht fordert. Die Abgg. v. Buttlar, v. Ditfurth und Nölling empfehlen die Annahme der Gesetzesvorlage. Das Haus tritt dann in die Be­ratung des Gesetzentwurfes ein und erteilt demselben seine Genehmigung, nachdem vorher auf Antrag des Abg. Berta noch beschlossen ist, daß das Gesetz am 1. Oktober 1910 in Kraft treten soll. Punkt 3 der Tagesordnung betrifft die Beratung eines Gesetzent­wurfes betr. die Verpflichtung der Gemeinden in der Provinz zur Haltung von Ziegenböcken. Das Ergeb­nis der Beratung war, daß das Gesetz in der vor­liegenden Form mit unwesentlichen Aenderungen ange­nommen wurde. Damit war die erste Tagesordnung er­schöpft. Die nächste öffentliche Plenarsitzung findet Freitag mittag 12 Uhr statt. Tagesordnung: 1. Be­ratung der Vorlage des Landesausschusses, betreffend die Einführung des Wanderarbeitsstättengesetzes vom 29. Juni 1907 im Regierungsbezirk Cassel; 2. Be­ratung des Etats. Wie der Vorsitzende, Herr Kammer­herr Rabe v. Pappenheim, am Schlüsse der Sitzung mitteilte, dürfte der Kommuuallandtag bereits am Dienstag nächster Woche geschlossen werden können.

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Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.

Evangelische Gemeinde: Sonntag, den 17. Mai. Cantate: Vorm. 9'/, Uhr: Herr Superintendent Orth.

Nachm. Herr Parrer Rollmann. Nachmittags 1'/, Uhr: Herr Superintendent Orth.

Katholische Gemeinde Gottesdienst: 10 Uhr Herr Pfarrer Richter-Herolz.