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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

.M 38.

Samstag, den 9. Mai 1908.

59. Jahrgang.

Amtliches.

Die Schutzpocken - Impfung im 8. Jmpfbezirt Jmpfarzt Dr. Hebel zu Sterbfritz wird bis auf weiteres verschoben. Die auf den 12. Mai d. I. und die nachfolgenden Tage anberaumten Ampftermine werden also nicht abgehalte«. Die Herren Bürger- Meister werden ersucht, dies sofort ortsüblich bekannt machen zu lassen.

Schlächtern, den 7. Mai 1908.

Der Königliche Landrat: I. V. Schultheis.

Kaiser Kran; Loses I. von Oesterreich.

Zu seinem 60jährigen Regierungsjubiläum.

In diesem Jahre begeht Kaiser Franz Josef von Oesterreich sein 60jähriges Regierungsjubiläum. Aus diesem Anlaß ist am 7. Mai der Deutsche Kaiser an der Spitze der vornehmsten deutschen Bundesfürsten und der Vertreter der freien und Hansastädte in Wien an­wesend, um dem greisen Herrscher des mit Deutschland eng befreundeten und verbündeten Nachbarreiches ihre herzlichsten Glückwünsche gemeinsam und persönlich darzubringen, und das deutsche Volk nimmt an dem seltenen Feste, das dem edlen Monarchen zu feiern beschieden ist, innigen Anteil.

Mit dem Regierungsantritte des Kaisers Franz Josef war für Oesterreich eine neue, glückverheißende Zeit angebrochen. Als er, ein Jüngling von achtzehn Jahren und noch wenig erfahren in der schweren Kunst des Regierens, am 2. Dezember 1848 plötzlich und unerwartet auf den Thron berufen wurde, tobte durch das ganze Reich der Aufruhr der unzufrieden geworden Völker, und fast die Hälfte sagte sich von ihm und seinem Hause los. Aber seiner Weisheit und Mäßi­gung gelang es, das Erbe seiner Väter nach harten und blutigen Kämpfen zu erhalten und seine Völker zufrieden zu stellen. Der Wahlspruch des Kaisers Vin- bus unitis (mit vereinten Kräften) wurde seit dem Jaher 1868 zur vollen Tatsache. Im Verein mit seinen Völkern, denen er Verfassung, Gleichberechtigung und kostbare Freiheiten verliehen hatte, schritt er an den Neuaufbau seines Reiches durch Einführung zahlreicher Reformen im Innern und Erringung einer starken Machtstellung nach außen. Ein energisches, rastloses Arbeiten begann auf allen Gebieten des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens, der Wissenschaft und Kunst, des Verkehrs, Handels und Gewerbes. Und von all den großen während des Kaisers Franz Josef Regierung

@Me Kerzen.

Roman von Erwin Friedbach. 42

Aber das Kind mußt Du mir lassen, wenn ich nicht vor Gram und Kummer sterben soll; ja? Etwas muß ich doch für mich behalten."

Da» schnitt ihm inS Herz, er stöhnte auf.Und mit vollstem Rechte! Sei ruhig, meine arme Rosamunde, nein, sterben sollst Du nicht." Und dann mit übermenschlicher Anstrengung:Wir bleiben zusammen .. und alle» wird bester werden. Habe Geduld, eS war ein Traum in mei­ner Seele entstanden, er wird erlöschen und ich bin wie­der Dein."

Sie hatte ihn verstanden. Ja, vielleicht würde der Traum vorübergehen, vielleicht auch nicht.

Ich will sehen, wie ich Dir helfen kann, Roderich. Frauenhände sind immer zart. O, wie ich Dir dankbar bin! Wenn Du es kannst, habe mich noch ein wenig lieb. Nie­mand trägt Schuld daran, niemand: es mußte so kom­men."

Schweigend zog er ihre eiskalten Finger an seine Lip­pen.

. E» schwebte um diese dunkle Stunde etwa» UnauS- k . i6 zwischen ihm und seinem Weibe, etwas Zartes, das weder er noch sie zu berühren wagte,das unausgespro­chen bleiben sollte; ein wortloses Hinüber- und Herübec- raten zwischen Mann nnd Weib. Er hatte sie von einer neuen, ihm bis dahin unbekannten Seite kennen gelernt, die verborgene wahre Größe ihrer Liebe war ihm offen­bar geworden, vor der er nun wie vor einem Wunder stand; also dieser Kern, das war die eigentliche Rosa­munde! Und vor ihr empfand er Hochachtung.

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Hamburg, den 16. Februar 1891. Liebe gute Wilma! grauenvoll! Nein, es ist nicht zu sagen, noch blasen, viel weniger zu schreiben. Die Haare stehen nur zu Berge, und meine Feder sträubt sich gegen da»,

erzielten Fortschrillen und Errungenschaften fällt ein nicht geringer Teil auf die persönliche Anregung, Förderung, Unterstützung und werktätige Hilfe des greisen Herrschers.

Auch nach. außen hat sich Oesterreich während der Regierung Franz Josefs wieder eine achtunggebietende Stellung errungen. Das in der ersten Periode ver­lorene Ländergebiet ist durch ein in der zweiten gewon­nenes größeres ersetzt und so die Monarchie umfang­reicher als vorher geworden. Zu ihrem Schutze steht das ganze Volk in Waffen, ein Millionenheer, nach allen Richtungen den Forderungen der Gegenwart entsprechend bereit. Auf dem Meere wird diese achtunggebietende Macht unterstützt durch eine erst von Kaiser Franz Josef geschaffene bedeutende Kriegsflotte, so daßOesterreich wohl befähigt ist, im Rate der Völker ein Wort mitzu- sprechen. Trotzdem ist er ein Friedensfürst und als Senior der großen Machthaber des europäischen Fest­lands geehrt und geachtet von allen anderen Fürsten.

Franz Josef ist aber auch ein Held der Arbeit und treuester Pflichterfüllung. Die Verwaltung von Milli­onen ruht auf ihm, aber nie ist er ei.i Haar breit von seiner Pflichterfüllung abgewichen, auch in den Tagen der dichtesten Finsternis hat seine Hand am Steuer­ruder nicht gebebt. Diese Seelengröße schöpfte er aus der Heiligkeit seiner Ueberzeugungen, aus Rüstigkeit seines ganzen Wesens, in der auch seine unverwüstliche Arbeitsfreude wurzelt. Er ist der erste Bürger seines weiten Reiches; dem Gemeinwesen wendet er stets seine besten Kräfte zu, nur im Wirken für Staat und Ge­sellschaft hat er Trost und Erhebung gefunden nach furchtbaren Schicksalsschlägen. Und in allzu reichem Maße haben ihn diese getroffen.

Die Vorsehung hatte den Mordstahl im Jahre 1853 auf wunderbare Weise von seinem eigenen Leben abge­lenkt, sie ließ es aber zu, daß sein hochsinniger Bruder Max als Kaiser von Mexiko auf fremder Erde erschossen wurde, daß sein einziger heißgeliebter Sohn, der glänzende Hoffnungsstern Oesterreichs, jählings verblich, daß andere hervorragende Glieder seines Hauses in die Gruft sanken, und daß zuletzt seine erlauchte Gemahlin, die ihn auf­gerichtet hatte in den Tagen des tiefsten Schmerzes, diese Blume echter Weiblichkeit, von Mörderhand geknickt wurde. Aber wenn es wahr ist, daß es zu den be- glückendsten Gefühlen gehört, von allen bewundert und geliebt zu werden, die einen Mann umgeben, so darf Kaiser Franz Josef von sich sagen:Ich habe glücklich gemacht und bin glücklich gewesen." I was ich ihr zumute. Dir zu melden. Höre und gestehe mir dann, ob Du imstande bist, es zu fassen, Wilma. Frau Ge- Heimrat Elfe von Waßmut ist fort, ausgerückt, und mit ihr ist ein Schauspieler und früherer Verehrer ebenfalls unter sehr verdächtigen Umständen von der Bildfläche eines hiesigen Theaters verschwunden. Von diesem Umstand weiß die Welt noch nichts, das habe ich allein herauSge- bracht."

Meine Wilma, im ersten Augenblick war ich so nie­derträchtig schlecht, zu denken: es geschieht Papa schon recht, warum hat er daS Scheusal geheiratet. Dann sah ich sein Gesicht, gealtert zum Erbarmen, und mir brach daS Herz. Laut aufschluchzend warf ich mich an seine Brust. Nun weißt Du aller und kannst Dir unsere Verfassung hier so ziemlich vorstellen. Schon seit mehreren Wochen kan^ die Sache mir verdächtig vor, eS schwebte etwas in der Luft unseres HauseL, Verschiedene Male kam eiuDienst- wann mit einem Brief für Elfe, wonach sie regelmäßig deS Abends unter irgend einem Vorwand verschwand. Vor- gestern abend nun, als Papa nach Hause kam, fand er auf seinem Schreibtisch einen von ihr hinterlassenen Brief, worin sie ihn mit dürren Worten in Kenntnis setzte, es sei ihr die Einsicht gekommen, einen Fehlgriff begangen zu haben, alS sie die Ehe mit dem so viel älteren Manne eingegangen, er möge ihr verzeihen; sie bringe eS nicht fertig, die langgenährte Liebe mit einem andern zu über« winden, er habe ihr gebrobt, sich zu erschießen, sie sehe sich gezwungen, dem gebieterischen Zuge ihres Herzen» zu folgen, und was des lügnerischen Gewäsches noch war, die falsche Katze! Papa befindet sich in einem trostlosen Zustande, ich bin die einzige, die er um sich duldet in seiner Not.Meine tapfere, meine brave Milly," sagt er von Zeit zu Zeit mit einer Betonung, die mich fast laut aufschreien läßt vor Jammer über ihn.

Den 17. Februar. Heute geht es bereit» besser, Papa ist äußerlich gefaßter und sieht von einer Verfolgung Elies ab, mag sie reisen, wohin es ihr gefällt.Schwer wird mir da» Geständnis meiner Tochter gegenüber," sagte

Deutsches Reich.

Der Kaiser und die Kaiserin werden Montag, den 11. d. Mts. abends 6 Uhr 20 Min. in Karlsruhe eintreffen und bis Mittwoch den 13. früh dort ver­weilen. Mitte Juni wird der Kaiser von Hannover wieder im Automobil über Celle in die Lüneburger Heide fahren.

Am 27. Geburtstag des deutschen Kronprinzen am Mittwoch prangte die Reichshauptstadt in reichem Flaggenschmuck, um der Liebe und Verehrung Ausdruck zu geben, welche die Bevölkerung dem jungen Kaiser­sohne entgegenbringt. Erst vor wenigen Tagen hat das, Kronprinzenpaar, das mit seinen Kindern den Winter in Berlin verlebt hatte, seinen Wohnsitz wieder nach dem Marmorpalais bei Potsdam verlegt. Den ersten Geburtstagsgruß brächte ihm die Leibeskadron des Regiments Gardes du Corps, die der Kronprinz bis zu seiner Ernennung zum Major geführt hatte. Bald darauf hallte der Ehrensalut der nahen Matrosen­station herüber: 21 Schuß wurden von der kleinen Strandbatterie abgefeuert. Die Matrosenstation selbst prangte in reichem Flaggenschmuck. Die vor ihr ankernde FregatteRoyal Louise", die prinzlichen Segeljachten und Stationsfahrzeuge hatten Flaggengalla angelegt.

Die Hochzeit des Prinzen August Wilhelm von Preußen, des vierten Sohnes des Kaiserpaares, mit der Prinzessin Alexandra Viktoria zu Schleswig-Holstein wird im Herbst d. I. stattfinden. Als Hochzeitstag ist der 22. Oktober, der Geburtstag der Kaiserin, in Aus­sicht genommen.

Der Reichstag verwies am Sonnabend die Rechuungsübersicht über die Einnahmen und Ausgaben Ärr Schutzgebiete für 1905 an die Rechnungskommiffion und beendete dann die zweite Lesung des Gesetzentwurfs über den Versicherungsvertrag. In zweiter Beratung wurde auch der Gesetzentwurf auf Erleichterung des Wechselprotestes und in dritter Beratung der Gesetz- entwnrf auf Abänderung des Gesetzes über den Unter­stützungswohnsitz angenommen. Schließlich wurde der Gesetzentwurf über den kleinen Befähigungsnachweis in zweiter Lesung im wesentlichen nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Der Gesetzentwurf über die Haftung des Tierhalters wurde auf Antrag des Abgj v. Treuenfels (kons.) von der Tagesordnung abgesetzt. Am Montag wurde die Vorlage über die OstmarkrN- zulagen für die Reichsbeamten, die von Zentrum, Polen und Sozialdemokraten bekämpft wurde, in erster Lesung angenommen. Dann wurde die zweite Beratung der

er zu mir,aber eS ist eine gerechte Vergeltung, die mich trifft, jetzt sehe ich daS ein, und wahrlich werde ich mich hüten, dem Buben die eroberte Beute zu entreißen! Mag er sie behalten und dadurch die wohlverdiente Strafe ern­ten, auf so leichtfertige Art Schmach und Schande über unsere Familie gebracht zu haben." Siehst Du, Wilma, da» war männlich gesprochen, da» gefiel mir außeror­dentlich von Papa! Ich verehre ihn wie einst, und das von einem geliebten Vater sagen zu können, ist ungemein wohltuend. Froh bin ich, Dir gehorcht und Papa da­mals nicht trotzig verlassen zu haben, jetzt kann er gar nicht ohne seine Milly leben, ich bin zu dem Range eines unentbehrlichen Stück Möbel» aufgerückt, und das be­glückt mich ungeheuer, wenn nur die ganze Geschichte trotz allem nicht so namenlos traurig wäre. Erfreue bald mit ein paar Zeilen Deine Milly."

Hohenfähr, den 19. Februar 1891. Meine liebe Milly! DaS war ja eine rechte Hiobsbotschaft, die Dein Brief mir heute brächte. Alle meine Gedanken sind bei Euch, und schreibe ich diese wenigen Zeilen nur, um Dir die Versicherung zu geben, daß niemand im stände ist, so den Schmerz um Deinen Vater mit Dir zu teilen, wie ich. Dankbar bin ich Dir für Dein Vertrauen, ist e» doch der schönste Lohn, den ich mir errungen habe. Gott segne Dich, meine Milly. Du wirft alles tun, dem armen Papa so sanft wie möglich über diese schwere Zeit hinwegzu« helfen. Ich sende diese» kurze Schreiben nur als Vorläu­fer eines längeren Briefe», der übermorgen folgt. Sollte Unerwartete» geschehen und Du notwendig einer Hilfe bedürfen, dann rufe mich getrost, ich werde kommen. An­fang Mai trete ich meine neue Stellung bei der Baronin von Uhling an, die ich mit ihren fünf Kindern nach Stock­holm begleite. Leicht mag der Posten nicht sein, da heißt eS wieder einmal: Mut! Zu meiner Freude ist eS mir vergönnt, das schöne Osterfest noch hier in meinem ge­liebten Heideidyll zu feiern. Empfange Gruß uudKuß von Deiner alten Wilma."

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