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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

__vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".____

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Deutsches Reich.

Der deutsche Kaiser hat Korfu wieder verlassen.

Bei der Fahrt zum Hafen warfen die Landbewohner den scheidenden hohen Gästen Blumen-Sträußchen zu, die Behörden, waren zur Verabschiedung anwesend. Der Kaiser und die Kaiserin und die Prinzessin Vik­toria Luise gingen dann sofort an Bord, während die Kanonen der Festung und der Kriegsschiffe Salut­schüsse abgaben. Am Sonntag erfolgte auf der Hohenzollern" der Abschied vom König Georg von Griechenland, der während des ganzen Kaiserausent- Haltes auf der Insel gewesen ist. Die Majestäten unternehmen bekanntlich noch eine Rundfahrt durch die ionischen Inseln, besuchen die Santa Maura-Jnsel, das alte Laukes. die nach den neuesten Forschungen für das homerische Jthaka gehalten wird, und reisen dann über den österreich. Kriegshafen Pola nach Wien. Der Kaiser hinterließ für die Armen Korfus 2000 und für die des Ortes Gasturi 500 Frks. Er gab außerdem vom 1. Juni ab die Besichtigung des Achilleion frei. Das erhobene Entree von 1 Frk fließt ebenfalls den Armen zu. Die Tgl. Rdsch. erzählt eine niedliche Geschichte von einem Klempner Carapopolo, der dicht beim Achilleion wohnt und dort etwas störte. Der Kaiser wollte ihm sein Haus ab­kaufen, aber der Brave weigerte sich. Bereitwillig Hat er es aber vermietet und hat während der Anwesen­heit der deutschen Schloßbewohner sich bei Verwandten einquartiert. Die Majestäten machten am Sonntag nachmittag mit ihren Umgebungen noch einen Ausflug in Automobilen nach Pantaleone. Zur Ah^ndtafel auf totHohenzollern" waren der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland geladen. Am;Sonu- tag vormittag hielt der Kaiser Gottesdienst an Bord derHohenzollern" ab.

Der Kaiser hat den Wiederaufbau der abge- brannten Berliner Garnisonkirche in der alten Form hauptsächlich deshalb angeordnet, weil das Gotteshaus unter allen Berliner Kirchen die beste Akustik hatte. Natürlich werden aber alle modernen Errungenschaften der Baukunst mit zur Anwendung gelangen.

Die Teuerungszulagen für Reichsbeamte. Die Unmöglichkeit, die in Aussicht gestellte Aufbesser­ung der Veamtengehälter ohne gleichzeitige Lösung der Deckungsfrage durchzuführen, soll nicht zur Folge haben, daß die Beamten hierdurch auch nur vorüber­gehend schlechter gestellt sind als im Jahre 1907. Es wird deshalb beabsichtigt, im Rechnungsjahr 1908 in

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@Me Kerzen.

Roman von Erwin Friedbach.

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Dann löste sich die Starrheit und Rosamunde weinte Mlt unteibnuftent Schluchzen jene heißen Tränen, wie her verborgene Schmerz sie in der verschwiegenen Nacht weint.

* *

WaßmutS waren abgereift. Auf FriedenSheim lag wie­der daS Abgeschiedensein von Welt und Menschen.

Frau Therese beobachtete Dora, die unter beut Drucke seelischer Vernichtung einher ging. Verwundert suchte sie in dein verschlossenen Innern des Mädchens zu lesen, was für Gründe sie zu dem unerklärlichen Entschlüsse belveg- teil, denn geschwätziger Natur, wie Gras Meuder war, hatte er es nicht unterlassen können, Andeutungen über den voraussichtlichen Erfolg seiner fortgesetzten Werbung ju äußern. WaS veranlaßte sie, diesem Manne, der ihr so un- sympathisch war, Gehör zu schenken?

Roderich war seit einer Woche fort gewesen, der Ein- Ladung eine» Bekannten zur Jagd folgend.

Heute abend war er einsilbig unb mißmutig heimgekom- men und zog sich nach kurzem Gruß, obgleich es erst acht Uhr war, auf sein Zimmer zurück.

Rosamnnde folgte ihn» bald. Sie fand ihn auf einem ®tugi m der Fensternische sitzend, ben Kopf gestützt, an- l1^!1!161^^rcn Eintritt kaum bemerkend. Er hatte daS

l axgezündet. Am klaren Himmel stand die blasse Rioudsichel und warf ihr geisterhafte» Licht über die to­tenstille Wmterlnudschaft.

Sie legte sanft ihre Hand aufseineSchnlter, während er fortfuhr, »n die n.ondhelle Nacht hinauSzublicken.Mein Ueber Roderich! Du fühlst Dich unglücklich, unb ich weiß auch, weshalb. Du magst mich nicht mehr "

Er machte eine halbe Wendung und sah betroffen zu ihr empor.Wie kommst Du daraus?"

, «Durch Nachdenken Ich bin eine einfache Frau, für da»

Mittwoch, den 5. Mai 1908.

59. Jahrgang

gleicher Weise und unter denselben Maßgaben, wie es durch das Elatsjahr 1907 geschehen ist, den im Reichs« dienst etatsmäßig und diätarisch beschäftigten Unter­beamten sowie den gleichartigen mittleren Beamten, die nicht seitdem 1. April 1907 entsprechende Gehalts­aufbesserungen erfahren haben, und deren tatsächliches Gehalt den Betrag von 4200 Mark nicht übersteigt, außerordentliche einmalige Beihülfen zu zahlen unter dem Vorbehalte der Anrechnung auf die künftigen er­höhten Bezüge. Die Beihülfen sollen betragen: je 100 Mark für die Unterbeamten, je 150 Mark für die mittleren Beamten. Der hierauf bezügliche Nach­tragsetat ist im Reichstage bereits beraten und der Budgetkommission überwiesen worden. Der Gesamtbe­darf für die oben erwähnten Beihülfen, die sich auf 128571 etatsmäßig und diätarisch beschäftigte Unter- beamte und auf 82 834 etatsmäßig und diätarifch beschäftigte mittlere Beamte erstrecken, sollen, ist auf 23,57 Millionen Mark veranschlagt.

Der Reichstag beschäftigte sich am Donnerstag zunächst mit der Vorlage über die Erhöhung der dem Norddeutschen Lloyd gewährten Postdampfersubvention um jährlich 500 000 Mark, die vom Unterstaatssekretär Wermuth warm empfohlen wurde. Die Vorlage wurde schließlich der Budgetkommission überwiesen. Die Vor­lage über Erleichterung des Kraftwagenverkehrs an der Reichsgrenze wurde in erster und zweiter Lesung angenommen, und schließlich wurde nach ziemlich aus-, gedehnter Debatte die Vorlage über Teuerungsvorlagen für die Reichsbeaint^ an die Budgetkommission ver­wiesen. Am Ft HF wurde nach längerer Debatte die Novelle zuM Münzgesetz angenommen, durch die das Fünfundzwanzigpfennigstück eingesührt und die Quote des Silbergeldes pro Kops der Bevölkerung von fünfzehn aus zwanzig Mark erhöht wird. eingenommen wurde weiter eine Resolution der Kommission, die ein Preisausschreiben für die künstlerische Ausstattung der Münzen und Erwägungen über eine handlichere Ge­staltung der Fünfmarkstücke verlangt, sowie ein Antrag Raab (Wirtsch. Vg.) auf Ausprägung von Dreimark­stücken. Alsdann erteilte der Reichstag dem Gesetzent­wurf über den Postscheckverkehr seine Zustimmung und begann in ziemlich vorgerückter Stunde die zweite Lesung des Gesetzentwurfs über den Versicherungsvertrag.

Die von denGenossen" mit so viel Pauken- und Trompetenschall inszenierte sozialdemokratische Mai­feier ist auch in diesem Jahre verlaufen, wie man es erwarten konnte, d. h. ohne daß sich irgend jemand

EHESS

Alltägliche geschaffen, das ist mein Feld. Deine Natur ist zu großartig für meine schlichte Begabung."

Der Ton ihrer Stimme bewegte ihn.Was bedeutet das, Rosamunde ? Gab ich Dir Grund zur Klage übermich?"

Im Gegenteil. Aller was von Dir kam, war Glück und grenzenlose Wonne. Aber gerade, weil mir so un­endlich viel Gutes durch Dich geworden, bist Du auch be­rechtigt, etwas von mir zu fordern. Nun bin ich aber arm an allem, und," ihre Stimme versagte,da ist da» ein­zige, was ich Dir geben kann . . Deine Freiheit."

Roiamunde," stieß er rauh hervor,soll das heißen...*

Daß ich bereit bin, in unsere Scheidung zu willigen," vollendete sie tonlos.

Roderich vermochte nicht zu antworten, so mächtig war die Erschütterung, die dieses unerwartete Geständnis her- vorgerufen. Er sah int Geiste ein Bild, so verlockend, so voll überschwänglichen Entzückens, daß die Sinne ihm zu schwinden drohten. Was er in seinen kühnsten Träumen kaum zu hoffen gewagt, das bot ihm jetzt sein Weib au» freien Stücken.

Was brächte Dich zu diesem Anerbieten?"

Ich war unfreiwillig Zeuge Deines Gespräches mit Bruno Burghardt im Pavillon und hörte, wie Du von Ketten sprachst, mein armer Roderich, von denen nur der Tod Dich erlösen kann."

Roderich erschrak, daS hatte er nicht gewollt, ein Blick auf ihre abgehärmten Züge und die gebrochen vor ihm stehende Gestalt zeigten ihm, wie schmerzlich sie gelitten hatte.Es war ein unbedachtes Wort, daS mir entschlüpfte, vergib, suche eS zu vergessen."

So etwas kann man nicht vergessen, Roderich. ES fiel wie ein Funke in mein Herz und brannte undbrannte wei­ter, bis eS ein loderndes Feuer geworden war, daS mich verzehrte, aber auch klar alles durchschauen ließ. Nun bin ich fertig mit mir und der Welt. Ich will Dich freigeben, die Reihe des GlücklichseinS ist jetzt an Dir, ich war es lange genug." Die überwäl ligenden Gefühle zogen sie herab zu ihm, auf ihre Knie.

wesentlich darüber aufregte und so ziemlich unter Aus» schluß der Oeffenilichkeit. Die Beteiligung war, so­weit bisher Nachrichten vorliegen, durchweg geringer als früher, eine Folge der ablehnenden Stellungnahme der Gewerkschaften inbezug auf Streikentschädigung für die Maifeiernden. Zu besonderen Ereignissen ist es' nirgends gekommen. Im übrigen feierte man nach der alten Schablone. In Berlin war die Beteiligung noch schwächer als im vorigen Jahre trotz der großen Zahl der Arbeitslosen, etwa 20 000, die, ohne eine wirtschaftliche Schädigung befürchten zu brauchen, an den Versammlungen der baugewerblichen Arbeiter be­sucht.

Die schon so oft bedauerte deutsche Gleichgül­tigkeit in der Ostmark geht wieder aus folgender Mit­teilung hervor. Nach einer Notiz derGazeta Pols- ka" in Kosten fanden kürzlich die Wahlen zur Dar- lehnskasse in Znin statt. Von 300 deutschen Mit­gliedern erschienen nur 18 zur Wahl, dagegen die 80 polnischen Mitglieder sämtlich. In den Aufsichtsrat wurden nur Polen gewählt, so daß der Aufsichtsrat dieses eigentlich fast rein deutschen Vereins aus 7 Polen und 2 Deutschen besteht. Wenn freilich die Deutschen derartig auf der Bärenhaut liegen, dann werden alle Maßnahmen der Regierung zur Förderung des Deutschtums in der Ostmark vergeblich sein. Jeden­falls ist es höchst bedauerlich, daß Deutsche in der Ostmark eine solche Gleichgültigkeit an den Tag legen. Gerade sie sollen doch wahrlich Grund genug haben, den Kampf mit aller Kraft zu führen, die ihnen zu Gebote steht.

Ein Nachspiel zum polnischen Schulstreik bot eine Schwurgerichtsverhandlung, die sich mit dem im Dorfe Kasparus verübten Krawall, bei dem ein Haufen von Polen gewaltsam in das Schulhaus und Unter­richtszimmer eindrang und zwei Lehrer arg mißhandelte, zu beschäftigen hatte. Die Rädelsführer Kätner Anton Klomski, zugleich Schulvorsteher und Höker Thomas Grabowski, wurden wegen Landfriedensbruchs zu neun und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Eine bedeutsame Neuerung im Tarifwesen will der Verband der Baugeschäfte durch einen Antrag ein- führen: die finanzielle Verantwortlichkeit der Organi­sationen für unberechtigte Ausstände und Aussperrungen. Nach dem Antrag des Verbandes der Baugeschäfte soll sich die Arbeitnehmerorganisation verpflichten, den Schaden, der einem Arbeitgeber durch eine unberechtigte (dem Tarifvertrag zuwiederlaufende) Bausperre ent«

Im Fluge wechselten Roderich» Gedanken, wie ein Fie­ber hatte es ihn ergriffen. Frei! Der Weg zur Bereini­gung mit dem geliebten Mädchen geebnet, plötzlich da» Ziel seiner glühendsten Wünsche erreicht zu sehen, daS war zu viel, er vermochte es noch kaum zu fassen. Ein Tau­mel packte ihn, er mußte sich beherrschen, die vor ihn» Kniende nicht im Jubel des DankeS an sich zu reißen.

Rosamunde, daS wolltest Du wirklich tun?"

. Sie richtete das verstörte Antlitz zu ihm auf, der Klang seiner Stimme hatte ihr verraten, daß ihm die Nachricht willkommen war.Ja, Roderich. Du willigst ein?"

Er hielt die rasch bejahende Antwort zurück, denn im fahlen Mondlicht sah er in den Zügen seines Weibes eine so abgrundtiefe Verzweiflung, daß ihm die Besinnung wie- derkam und er Beschämung empfand.

Voll Staunen sah er in eine ungeabi weiblichen Herzens, dessen war Rosamunvi oberflächlich gehalten, fähig!

Antworte doch," bat sie heiser.

inte Tiefe der

-e, die er für so

Stehe auf, Rosamunde, fasse Dich. Was Du da for­derst läßt sich nicht so schnell gewähren .." Er hielt inne, fürchtend, sie zu verletzen, und doch auch nicht im stände, diegebotene Freiheit auszuschlagen. Er warf sich Schwäche vor und Roheit andererseits, ein demütigender, verzwei­felter Zwiespalt, der ihm den kalten Schweiß auf die Stirn trieb. Dort lockte die entzückende Aussicht, Dora seinEigen- tum zu nennen, hier kniete sein Weib, der er nicht nur Rücksicht, der er um ihrer Liebe willen Barmherzigkeit schuldete.

Also ja? Sprich doch, Roderich."

Heute nicht, morgen oder später.. komm, stehe auf, ich möchte Dir nicht wehe tun . . um nicht» . . o Rosa- munde!" Er verstummte und bedeckte da» Gesicht mit den Händen. ,

Es ist gut, Roderich, Du willst;nur etwa» später . Die Sprache versagte, mit einem leisen, ächzenden Laut richtete sie sich auf.

Eine lange Pause folgte. -* 140,1$