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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 36.
Samstag, den 2. Mai 1908.
59. Jahrgang.
Amtliches.
Ueber die Ergebnisse der bevorstehenden Wahlen zum Hause der Abgeordneten werden, gleichwie bei früheren Wahlen, durch die Wahlvorsteher und Wahl- kommissare wieder Zählbogen und Zählkarten ausgefüllt werden.
Dies bringe ich mit dem Bemerken zur allgemeinen Kenntnis, daß diese Erhebung lediglich statistischen Zwecken dienen. (A. I. 1885.)
Cassel, am 23. April 1908.
Der Regierungspräsident.
J. V.: Schenk zu Schweinsberg.
J.-Nr. 5392. Vorstehende Bekanntmachung wird hiermit veröffentlicht.
Schlüchtern, den 28. April 1908.
Der Königliche Landrat: I. V. Schultheis.
Deutsches Reich.
— Bei der Gratulationskur in Schloß Schönbrunn werden Kaiser Wilhelm und die deutschen Bundes« fürsten sich im Spiegelsaale versammeln, worauf Kaiser Franz Josef eintrilt. Dann werden die Flügeltüren des Saales geschlossen, sodaß niemand von dem Gefolge bei der Gratulationsansprache Kaiser Wilhelms anwesend sein wird. Der Staatssekretär des auswärtigen Amtes von Schön wird unmittelbar vor der Ankunft des Kaisers in Wien dort eintreffen. König Eduard von England wird angeblich im August den Kaiser Franz Josef in Jschl einen Besuch abstatten und ihm seine Glückwünsche zum 60jährigen Regierungsjubiläum anssprechen. König Eduard wird schon in allernächster Zeit, wie aus Wien gemeldet wird, eine Zusammenkunft mit dem Zaren haben. Falls nicht unvorhergesehene Hindernisse eintreten, soll die Begegnung bereits in der nächsten Woche stattfinden. Die Zarin-Witwe war während ihres Aufenthaltes in England in dieser Angelegenheit tätig. Die Initiative soll jedoch vom König Eduard ausgegangen sein.
— Infolge der Annahme der Flottennovelle und des Marineetats 1908 ist bei der Kaiserlichen Marine auch ein erhöhter Bedarf an Marine-Ingenieuren eingetreten, so daß für junge Leute, die das Zeugnis für den, einjährig-freiwilligen Dienst besitzen und eine zweijährige praktische Ausbildung auch auf einer der nicht für die Ausbildung vorgeschnebenen Werften oder beim Bau vonDampfmaschinen nachweisen könen, Aussicht vorhanden ist, im Oktober 1908 und 1909 als Ingenieur- anwärter eingestellt zu werden, sofern sie die Eintritts
@Me Kerze«.
Roman von Erwin Friedbach.
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Wie erlöst au» einem drückenden Banne und mit der Gewlßhelt, nach diesem Durchleben reinsten Erdenent- zucken» die Entsagung besser ertragen zu können, näherten sie sich wieder der Gesellschaft, deren Gruppen lichter
Mit der Nähe der Menschen aber wich die schützende Einsamkeit der Natur mehr und mehr zurück, und m dem Maße, wie sie schwand, trat die All- taglichkeit in den Vordergrund und zugleich damit für Dora Reue und Beschämung.
, "ud diese wuchsen im strahlenden Kerzenlicht der Ge- sellschaftSzwimer, so daß sie hätte fliehen und sich verbergen mögen. Was hatte sie getan!
- RAamunde, die heute in grünem Seidenkleid und rei- chem Goldschmuck prangte, nickte ihr, wie sie zu tun pflegte, gutmütig zu. 0
Frau ThereseS Blicke ruhten forschend auf ihr. Wie schmachvoll hatte sie da» Vertrauen dieser getäuscht wie —ch ihre große Aufgabe Roderich gegenüber be- .„^Einmal, als DoraS Augen denen Tonis begegneten, fnhipf roA ^ einer Schlange gebissen, zusammen, H°h" und Schadenfreude hatte in ihnen
\ a *""8 sie die Hände und preßte sie ge-
5 po^nden Schläfen. V B “
gelingen, mit dem Brandmal seiner ler weiwr zu leben? "^ ^san-unde und seiner Mut-
^-B' ^er auf ihr Antlitz gehauchte Kuß war keusch gewesen wie ein Erkennungsgruß ziveier See- rpHrU"k ^ Nachempfindung einer weihevollen Freudig- r-it lag noch auf semen edlen Zügen, als er sich seiner Mutter näherte, sie in den Eßsalv» zu führen trml^nh*^^ ^ ^r 'hin zu, ihn prüfend be- ^„..■L - ' "."^ "b ein ^"gel in Person Dir eine gute «ovßchast gebracht hatte, mein Sohn "
prüfung bestehen und sonst den Bedingungen genügen. Meldungen für den Eintritt sind bis zum 15. August 1908 bezw. 1909 an die II. Werftdivision in Wilhelms- Haven einzureichen, die auch weitere Auskunft über die näheren Bedingungen erteilt.
— Am 27. April beging König Otto von Bayern seinen 60. Geburtstag. Er lebt nun schon saßt 30 Jahre in geistiger Umnachtung auf Schloß Fürstsnried bei München. Sein körperlicher Zustand soll ein verhältnismäßiger günstiger sein.
— Lothringen erhält kein neues Armeekorps. Die Nachricht von der Bildung eines neuen Korps entbehrt nach dem „Tag." jeder Begründung. Sollte später einmal der Frage der Neubildung eines Armeekorps näher getreten werden, so kämen nur die Bereiche des 1. oder des 14. Korps in Betracht, bei denen bereits eine dritte Division vorhanden ist.
— Nach der Ostmarten-Denkschrift hat sich im Jahre 1907 die Zahl der seit 1886 geschaffenen neuen deutschen Dörfer in den Ostmarken auf 341 vermehrt. Außerdem sind seit 1886 in 171 alten Landgemeinden evangelische und katholische Einzel- und Gruppenan- siedlungen geschaffen worden. Ferner ist das Deutschtum in 21 Städten durch die Tätigkeit der Anfied- lungskommissivn gekräftigt und zahlenmäßig gehoben Herden.
— Die vom Pfarrer Rosenberg und Superintendent Harhausen 1906 gegründete Deutsche Kleinsiedelungsgenossenschaft, e. G. m. b. H, welche den Zweck hat, die Deutsch-Russen, von denen bisher über 7000 in Arbeitsstellen untergebracht wurden, in der gefährdeten Ostmark seßhaft zu machen, hat bis jetzt etwa 1330 Morgen Land erworben, das in Arbeitsstellen hon , 3 bis 5 Morgen zerlegt wird. Im vorigen Jahre wurden 40 Gehöfte errichtet, in diesem Jahre sollen zwei Kolonien vollständig ausgebaut und, soweit es die Mittel gestatten, einige neu in Angriff genommen werden. Man beabsichtigt, auf diese Weise einen seßhaften Arbeiterstand zu schaffen, der für seine Familie eine sichere Heimstätte besitzt und sich seinen Lebensunterhalt durch Saisonarbeit in der Landwirtschaft des Westens verdient.
— Der Grund für die Unterlassung der Maifeier in München soll in der Erhöhung der Sommerbierpreise zu suchen sein. Danach scheinen die Bicrpreise ein Thermometer für die Begeisterung der Massen zu sein: wenn die Bierpreise steigen, singt die Begeisterung.
— Wie die Angestellten in sozialdemokratischen mamsas^yjaEfffliwiiiiii < w ^■l^MMM■■■gM■■^^■MBaM^
„Vielleicht verhält er sich auch so, Mütterchen. Es gibt auf Erden mehr Engel, als wir im allgemeinen annehmen," erwiderte er, galant ihre durchsichtigen Finger an seine Lippen ziehend.
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Als draußen auf der Bucht die letzten Nachzügler der Gesellschaft verschwunden waren, und der leuchtende Ster- nenhimmel sich feierlich über die abendlich friedenSvolle Winterlandschaft breitete, verließen auch zwei Frauen, die im Schatten eines DünenhügelS versteckt stehend dem fröhlichen Treiben auf dem Eise zugesehen hatten, den einsam gewordenen Platz. Wilma begleitet von der alten Frau Rektor.
R osamundeS Einladung, dem Feste beizuwohnen, hatte sie aus triftigen Gründen abgelehnt, aber au» der Ferne diejenigen zu sehen, die ihr alles waren, konnte sie sich nicht versagen. Da war HauS, den ihre Augen suchten, er hatte noch den verwachsenen Ueberzieher an, aus dem die Arme und Beine viel zu lang hervorsahen . . sie hätte für einen neuen gesorgt. Gelviß fror er; er spielte auch nicht vergnügt wie sonst, seine Wilma mochte ihm wohl schmerzlich fehlen. Elfe, stets die Aufmerksamkeit aller in Anspruch nehmend, fuhr „iiber Kreuz" mit einem Landjunker, der ihr nicht von der Seite wich; und der Ge- Heimrat? Ihr Herz hatte sich zusammengekraMpft, während sie zu ihm hinübergesehen hatte, als er im Hellen Schein der Flammen dagestanden. Wie mußte er gelitten haben, daß die wenige» Monate genügten, den rüstigen Mann in einen Greis zu wandeln.
Und still, an den Wimpern Tränen, ging sie am Arm ihrer alten Bekannten dem Dorfe zu.
Als die Gäste fort waren, wußte eS Toni so einzu- richten, daß sie noch eine Weile mit ihrer Tante allein im Salon zurückblieb
„Ich wiederhol^Dir, diese Dora, die Ihr alle so rührend liebt, ist eine Schlange." _ .
Krankenkassen behandelt werden, zeigt folgendes. In Berlin tagte jüngst ein Einigungskongreß der Bureaubeamten der Krankenkassen. Wie dort mitgeteilt wurde, hat die Verwaltung einer in sozialdemokratischen Händen befindlichen Ortskrankenkasse einer Angestellten, die zur Generalversammlung delegiert war, zunächst den Urlaub verweigert und schließlich, nachdem auf die Folgen einer Bekanntgabe dieses Verhaltens hingewiesen war, den Sonnabend „ausnahmsweise" freigegeben. Es wurde festgestellt, daß die in bürgerlichen Privatbetrieben Angestellten ohne weiteres Urlaub erhalten hatten. Wie wird es da im Zukunftstaate werden, wenn in allen Betrieben solche ausgezeichnete Behandlung stattsindet!
Ausland.
— Laut telegraphischer Meldung hat die Lüderitz- bucht-Bahn in Deutsch-Südwestafrika Seeheim erreicht; die Eröffnung dieser Station und die Inbetriebnahme der Strecke ist demnächst zu erwarten. Dainit ist das schwierigste Gelände außer dem Dünengebiet vollendet, die Ueberwindung des Modder-Rivers, und bis Keet- manshoop liegt vor uns glatte, ebene Bahn.
— Die Besiedelung von Deutsch-Südwestafrika hat während des vorigen Monats einen bedeutenden Schritt vorwärts gemacht. Zwischen der Südwestafrikanischen Landkommission und den Landgesellschaften, mit Ausnahme der South West African Territories Co., ist eine Einigung dahin erzielt worden, daß die Gesellschaften dem GoMrnement eine Gesamtfläche von 10 Millionen Hektar zum Verkauf zur Verfügung stellen. Die Preise, zu denen das Gouvernement dieses Land verkaufen wird, schwanken zwischen 50 Pfennigen und 3 Mark für den Hektar.
— Zum Besuch deutscher Geistlicher in London verlautet, daß die Delegierten unter Führung eines Ausschusses von Kirchlichen Würdenträgern und Laien am 26. Mai von Bremen abfahren werden. Die Leitung liegt in den Händen des Hofpredigers Dr. Dryander in Berlin. Neben ihm gehören dem Ausschuß an Generalsuperintendent Dr. Faber in Berlin, der Vorsitzende des preußischen Oberkirchenrats v. Voigts, Kultusminister a. D. von Studt, Graf Sholto Douglas und Graf von der Recke-Vollmerstein. Es beteiligten sich ferner ungefähr 20 theologische Professoren preußischer Universitäten, so daß an der bis zum 3. Juni dauernden Reise °etwa 100 evangelische Vertreter, 15 Methodisten, Baptisten, Unitarier usw. und zwei bis drei Rabbiner teilnehmen werden.
„Das ist nicht wahr," entführe» Rosamunde heftig.
„Verzeih, Tante, aber Ihr Landmenschen seid in man- chen Punkten entsetzlich schwerfälliger Natur," spöttelt« Toni mit überlegener Miene. „Solchen stillen oder viel, mehr unergründlichen Mastern gegenüber läßt Deine Menschenkenntnis Dich freilich im Stich, aber meine mich nicht. Ich möchte darauf wetten, daß es ihr gelungen ist, Deinen Mann in ihre Netze zu ziehen."
„WaS Du da sagst, bedeutet eine haltlose Anklage! Kannst Du sie beweisen?"
„Selbstverständlich." Toni erzählte hierauf auSführ- lich das am Strande Erlebte, mit den Uebertreibungen, die die Gehässigkeit eingab, und die schließlich kaum noch Zweifel an den, geheimen Einverständnis der beiben übrig lasten konnten.
Regungslos hatte Rosamunde zugehört, und während die vernichtenden Worte an ihr Ohr drangen durchirrten die Gedanken mit unnatürlicher Schnelle ihr schmerzende» Gehirn.
Aber Toni sollte eS nicht merken. Seltsam war «1, daß aller Haß und alle Entrüstung sich nur gegen Toni richteten und sie das Bedürfnis empfand, Dora und ihren Gatten gegen diese, als den Feind, in Schlch zu nehmen. Noch war die Angelegenheit ihr eigenstes Besitztum, an das weder die Welt noch diese Nichte ihre plumpen Hände legen sollten.
Rosamunde brach die Unterhaltung nach einer kurzen, schroffen Verteidigung der beiden ab, und ging in ihr Zimmer. Von Zeit zu Zeit stahl sich ein leiser Wehlaut aus ihrer Brust, und mit einer an Grausamkeit streifenden Standhaftigkeit zergliederte sie DoraS Benehme« und das ihres Mannes.
Jetzt, wo sie das Gehörte noch einmal durchlebte, kam ihr Tonis Bosheit noch klarer zum Bewußtsein, sie besaß einen schlechten Charakter, den ihr eigener Vater zugege- den hatte. 140,18