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mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
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Erscheint Mittwoch und Samstag - Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
32 30. Samstag, den 11. April 1908. 59. Jahrgang.
Fortwährend
werden Bestellungen auf die Schlüchterurr Zeitung mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.
tern erscheinenden Zeitungen besitzt.
Amtliches.
I -Nr. 3974. Die nach § 2 des Gesetzes, betreffend die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten vom 28. August 1905 zur Anzeige einer Krankheit oder eines Todesfalles verpflichteten Personen werden erneut darauf aufmerksam gemacht, daß zu den schriftlichen Anzeigen die dafür vorgeschriebenen und von den zuständigen Ortspolizeihörden unentgeltlich zu verabfolgenden Formulare (Kartenbriefe) zu benutzen sind. Die Anzeigen sind stets an die Ortspoltzeibehörden abzugeben, in deren Bezirk der Krankheits- oder Todesfall eingetreten ist, sie können dort aber auch mündlich angebracht werden.
Schlichtern, den 8. April 1908.
Der Kgl. Landrat: Valentiner.
Zur Konfirmation,
Wieder einmal treten im deutschen Vaterlande Tausende von Kindern an den Konfirmationsaltar. Jm Volksmunde heißt's wohl auch die „Einsegnung", und sie gilt als schöne, feierliche Sitte, die so manchen ins Gotteshaus führt, der sonst wenig oder gar nicht kommt. Es hat etwas ungemein Rührendes, wenn da die Jungen und Mädchen im ernsten Feiertagsgewande ihr christlich-evangelisches Gelöbnis ablegen. Den Eltern wird's weich ums Herz. So rasch sind die paar Schul- und Kinderjahre dahingegangen. Vielleicht haben sich viele Sorgen um das Kind gerankt, und Vater und Mutter mußten alle Hände um den Liebling breiten, um ihn körperlich und geistig hübsch vorwärts zu bringen Nun endlich ist eine gewisse Höhe erreicht. Aber da steigen auch schon die Zukunftssorgen auf. Vielleicht gilt es ja nun Abschied zu. nehmen. Das Kind soll in die Lehre, in den Dienst,
Kdt- Kerze«.
Roman von Erwin Friedbach. 31
„Vater!" Das Wort klang wie ein Schrei aus ihrem verzweifelten Innern. „So bist Du unwiderruflich entschlossen, uns alle aufzugeben und Deinen schön erworbenen Ruhm, der Dich ein Leben voll Mühe und Entbehrung gekostet, um einer Fremden willen von seinem Postament zu reißen und in den Staub zu zerren?"
„Mäßige Dich, Milly. Ja, mein Entschluß steht fest, der Ruhm, den mir die Wissenschaft gebracht, leidet nicht unter den Privatverhältnissen des Gelehrten."
„Doch, Vater, doch, was diesen Punkt betrifft, irrst Du Dich ganz entschieden I"
„DaS sind Ansichten, die ich nicht zu teilen vermag, Ausflüsse stürmischer Jugendgefühle, die nur allzu leicht über ihr Ziel hinausschießen, Milly. Ich gestehe der Menge nicht die Berechtigung zu, über mich als Mann zu rich- ^nachdem sie mich als Mensch und Arzt hochachten ge-
„Gut, denn, heirate, sie, Papa, ich habe meine Pflicht getan. Ein jeder hat seine eigenen Taten vor Gott zu ver- antworten. Du bist mein Vater, und ich will zu überwinden suchen, was Dein Andenken von nun an für mich verdunkeln wird, aber die Fremde existiert für mich nicht, an dem Tage, wo sie einzieht, wird Deine Milly gehen",
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ist aus und zu Ende, Wilma; Papa heiratet sie* „Ich habe daS vermutet."
„Ach, und so ohnmächtig zu sein, so grenzenlos hilflos ! Mit ansehen ;u müssen, wie ein Mensch von der Art meines Vaters blindlings mit vollen Segeln in den Ha- sen steuert, wo sein Lebensschiff unrettbar zerschellen muß, daS ist fürchterlich. 3
Milly, er ist ein Mann!"
.Ja, wahrhaftig, Du hast recht, er ist ein Mann!" stieß
unter die fremden Leute, in eine ganz neue, ungewohnte Umgebung. Wie wird's werden? Wird alles gut und glücklich gehen? Werden die Söhne und Töchter immer ordentlich auf sich halten und den Eltern wirkliche Freude machen? Dort stehen sie am Konfirmationsaltare, noch so unberührt vom Wirbel und Kampfe der großen Welt, noch so abseits von ungezählten Versuchungen und Verführungen . . .
Man kanns begreifen, wenn bei den Erwachsenen wehmütige Stimmungen ausgelöst werden. Aber der Konfirmalionstag will doch an seinem Teile die ganze Gemeinde in das Licht der Ewigkeitsstrahlen rücken Gott' der Herr sitzt im Regimente und an Gottes Segen ist alles gelegen! Wenn m^n sich dies als Christenmensch vergegenwärtigt — und es ist doch etwas christlich Selbstverständliches —, so muß zunächst ein rechtes Dankgebet zum Himmel steigen: Der herz liche, freudige Dank, daß der Höchste bis hierher gnädig fortgeholfen hat. Und damit kann und soll sich die starke Glaubenshoffnung verbinden, daß der alte treue Herrgott auch weiterhelfen wird. Seinem Schutze sollen die Neukonfirmierten befohlen sein. Möchten sie sich auch immer getreulich an diesen Schutz klammern und ein schlichtes, gläubiges Christentum betätigen!
Freilich, es sind noch die reinen Kinder, und sie bedürfen noch lange der erziehenden Fürsorge durch die lebenserfahrenen Erwachsenen. Damit ist eine ebenso schwere wie verantwortungsvolle Aufgabe angedeutet. Durch Wort und Beispiel helfen, daß der Segen des Konfirmationstages nicht allgemach in alle Winde zerflattere, sondern daß die Jugend je mehr und mehr in ein lebendig praktisches Christentum Hineinwachse, und daß sie solches Christentum immer lieber gewinne, das muß das Ideal jedes christlichen Volksfreundes sein. Umso trauriger ist es, wenn hier und dort aus Leichtsinn oder Gleichgültigkeit schwer gefehlt wird. Dann war die Konfirmation nur eine ästhetische oder sentimentale Augenblicksstimmung, und dieses Nichtpflegen des bestimmten Sittlich-Religiösen rächt sich bitter, nicht nur an den jungen Menschenkindern selbst, die dann ohne Steuern dahintreiben, sondern auch am ganzen Volksleben, das ja schon so allzusehr zum bloßen Irdisch-Materiellen hinneigt. Die Konfirmation ist ein Markstein im jungen Leben und zugleich eine tiefernste Mahnung: Bewahrt die Jugend! Helft, daß in unserem Volke die glaubens- kräftigen Persönlichkeiten nicht aussterben! Besinnt euch auf hohe, heilige Lebensgüter, die zum eigentlichen,
Milly voll namenloser Bitterkeit hervor, „ein Mann! Das bedeutet soviel wie schwach sein und das Privilegium da- rauf! Ich sehe doch ein, daß der Verstand uns gegeben ward, unsere Leidenschaften zu beherrschen, der Meister unseres begehrlichen Ich zu werden. Mein Vater aber scheint das noch nicht begriffen zu haben, Wilma. Ich möchte alles kurz und klein schlagen, und Dich läßt auch dieses Gräßlichste von allem ungerührt."
„Liebe, einzige Milly, denke nicht, daß mein Kummer weniger tief ist, weil ich ihn gefaßt ertrage, in meinem Alter hat der Mensch schon besser gelernt, sich zu beschei- den."
»Ich gehe nun, und sollte eS zu Toni sein, mir ist die Schauspielerin zu verhaßt; aber Du, Wilma, wie soll eS werden mit Dir, bist Du im stande zu bleiben, sobald sie hier als Herrin auftritt?"
„Nein, Milly, in diesem Falle nicht. Ganz abgesehen von meiner persönlichen Abneigung, würde schon ein Zusammenleben zwischen mir, der früheren Braut Deines Vaters, und seiner gegenwärtigen Gattin eine Unmöglich- keit sein."
„Natürlich. "Milly knirschte mit denZähnen. „Ich werde rasend! Lieber noch einmal den barbarischen Schmerz eines Abschieds auf ewig von Udo Westphal durchleben, als diesen Kelch zu leeren, der so beschämend ist. Wilma, so etwas macht den Menschen schlecht.. ich könnte die Person vergiften."
„DaS wirst Du nicht, und Du wirst auch nicht fort- gehen, wenn sie kommt. Bedarf Walter auch keines Schutzes mehr, so ist doch der arme Haus da, und vielleicht wird Dein Vater ebenfalls bald deS Trostes seiner erwachsenen Tochter bedürfen," fügte Wilma gepreßt hinzu.
t „Begeht mein hochgelehrter Herr Vater eine solche Dummheit," entgeguete Milly, „so muß er durch ihre Folgen klug werden."
„Gut denn, lassen wir vorerst Deinen Vater auS dem Spiele" sagte Wilma, während auS ihren seelenvollen
innersten Lebensglück gehören! Möchten alle, die eS irgendwie angeht, von Herzen dazu beitragen, daß grade auch unserer Jugend die Religion erhalten bleibe I
Unsern Konfirmanden,
Seid stark und treu! Mit diesem Wunsch geleiten Wir segnend heute euch ins Gotteshaus, Und dankerfüllt und hoffnungsfreudig breiten Sich treuer Eltern Hände auf euch aus.
Mag golden euch die Zukunft tagen. Mag Kummer euch am Herzen nagen — Ein jeder Morgen mahne euch aufs neu:
Seid stark und treu!
Stark sollt ihr sein, wenn der Versucher leise Euch auf der Lüfte glatte Pfade ruft, Wenn euch der Frevler lockt in seine Kreise, Der Schmeichler euch umgibt mit Weihrauchduft..
Als Christ zu wirken und zu schaffen, Bedarf's im Kampfe guter Waffen — O führt sie mutvoll ohne Furcht und Scheu, Seid stark und treu!
Treu sollt ihr sein, wohin auch Gott euch stellte, Auch das Geringste sei euch groß genug!
Treu sollt ihr sein auf eurem Ackerfelde, Treu gegen alle, ohne Falsch und Trug! Und wer im Kleinsten treu erfunden, Dem winken ew'gen Glückes Stunden, Und schließen darf sein Aug' er ohne Reu': Seid stark und treu!
Richard von Felseneck.
Deutsches Deich.
— Die „Hohenzollern" wurden am Freitag um 11 Uhr vormittags vor Korfu erwartet. Die griechische Königsfamilie wird sogleich an Bord der Kaiserjacht gehen, wo ein Dejeuner stattfindet. Gegen 2 Uhr wird, wie dem Berliner Tageblatt aus Korfu mitgeteilt wird, das Kaiserpaar mit dem Prinzen August Wilhelm und der Prinzessin Louise an Land gehen und nach einer festlichen Begrüßungsrede durch den Gemeindevorstand die Fahrt nach dem Achilleion antreten.
— Die „Hohenzollern" mit den Majestäten an Bord, die am Donnerstag vormittag von Palermo in See gegangen war, passierte nachmittags 4 Uhr die Meerenge von Messiua und setzte die Fahrt in der Richtung nach Korfu fort.
Augen ein Strahl der innigsten Bitte leuchtete, „aber da ist HanS, und noch eine, das bin ich. Wir beide sind treue Freunde, nicht wahr? Nun, worin besteht denn die wahre Freundschaft anders als in dem gegenseitigen Bringen kleiner Opfer? Ich wenigstens verstehe sie so; ich muß gehen, Milly. Wenn ich Dich nun herzlich bitte, um HanS wegen zu bleiben, wirft Du es da für mich tun ?"
Milly sah noch eine Weile, ohne zu antworten, trotzig finster vor sich hin, die Spitze ihres kleinen Fußes nervös auf', und abwiegend, dann streckte sie entschlossen Wilma die Hand entgegen. „Um Deinetwillen will ich eS versuchen; weil es für Dich ein Trost ist, werde ich HanS be- muttern und meinen Widerwillen gegen die Komödiantin bezwingen, wie schauderhaft eS mir auch sein mag! Nicht weil sie Schauspielerin ist, jeder Stand ist ehrlich, der ehrlich erwirbt, sondern weil sie eine Heuchlerin der schlimmsten Sorte ist, der ich den Kampf bis auf» Messer schwor. Ja, Wilma, Du bist mein treuer Kamerad, wir bleiben Freunde, weißt Du, so auf Tod und Leben einer für den anderen, daS ist hundertmal bester als die Liebeleien mit dem grundsatzlosen Männergeschlecht, die einen immer nur in die furchtbarsten Konflikte stürzen. Also, ich rechne auf Dich, Wilma, falls wir Dich hier einmal nötig haben sollten."
„Rechne Du auf mich, Milly, rufe nur. Und sollte ich mit einem Prinzen am Traualtar stehen," setzte sie mit ihrem müden Lächeln hinzu, „ich würde fortlaufen und kommen, sobald Du mich rufst."
MillyS Befürchtungen betreff» einer bald bevorstehenden Ehe ihres Vaters mit Elfe von Ralfs sollten sich bestätigen. Wenige Wochen nach diesen Unterredungen kündigte er unumwunden an, daß die junge Schauspielerin, die endgültig der Bühne entsagt hatte, ihr erstes Erscheinen als Braut in seinem Hause versprochen habe.
Während dieses Besuches blieb Milly unsichtbar.
Wilma hingegen wurde die Aufgabe zu teil, sie durch die vielen Räumlichkeiten zu führen. 140,18