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chlüchternerMung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

J£ 28.

Samstag, den 4. April 1908.

59. Jahrgang.

Fortwährend

werben Bestellungen auf die Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tein erscheinenden Zeitungen besitzt.

Amtliches.

J.-Nr. 1389 K.-A. Der bei dem Kaufmann Fehl zu Schlüchtern in Dienst stehenden Dienstmagd Mar­garet« Beringer aus Neuengronau ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 10 Mk. aus Kreis­mitteln bewilligt worden.

Schlüchtern, den 19. März 1908.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.

J.-Nr. 1388 K.-A. Der bei dem Pfarrer Volkenand zu Steinau in Dienst stehenden Dienstmagd Elisabeth Strott aus Breitenbach ist für langjährige treue Dienst­zeit eine Prämie von 10 Mk. aus Kreismitteln be­willigt worden.

Schlüchtern, den 19. März 1908.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.

Deutsches Reich.

Das Kaiserpaar hat Venedig nun tatsächlich verlassen und besucht jetzt Sizilien. Die Abfahrt von Venedig nach Syrakus erfolgte am Montag nachmit­tag bei schönem Wetter unter den Huldigungen der Bevölkerung. Gondeln und Danipfer gaben derHohen- zollern" eine Strecke das Geleit. Musikkapellen spielten, und die Geschütze der Kriegsschiffe feuerten Salut. Das italienische SchlachtschiffFrancesco Ferucio" und eine Torpedobootsdivision begleiteten die Kaiserflottille bis Syrakus. Auf Korfu soll am Ankunftstage ein Feuerwerk stattfinden. Das Programm für den Auf­enthalt des Kaiserpaares ist noch nicht bekannt. Als gewiß gilt, daß Automobilausflüge und Adlerjagden stattfinden. werden. Gegen eine Korfuer Zeitung, die die Nachricht von der Verhaftung eines nach Korfu

^Me Kerzen.

Roman von Erwin Friedbach. 28

»Gott segne Sie, mein liebes Kind. Dächten alle so verständig, würde eS weniger Uneinigkeiten und Verwir­rung in der Welt geben Nicht jeder ist im stande, sich zu- solcher Größe aufzuschwingen. Ich bewundere Sie, Wilma, und werde Ihnen bis zu meinem Lebensende riuen Platz in der Erinnerung bewahren." Allmählich hat­ten seine Züge einen veränderten Ausdruck angenommen, er zog die Uhr und betrachtete sie prüfend.Halb Zehn, ich möchte doch lieber noch ein Stüsidchen fortgehen, mein Kopf schmerzt, ein Spaziergang in der frischen Luft wird mir wohltun. Rike soll die Lampe in der Arbeitsstube brennen lassen." Er entfernte sich.

, Wilma blieb allein. Verschmäht, beiseite geschoben, alle Hoffnungen einer schönen Zukunft neben Milly und HanS dahin. Es sollte nicht sein, die Göttin des Glücks mit ihrem Füllhorn hatte Wilma vergessen. Sie sollte weiter dienen, vielleicht von nun an bei fremden ungeliebten Menschen. Ihr Haupt sank auf den Tisch.Ruhig, Du ^^rhrUches Herz da drinnen, sei still mit Deiner Klage, wolltest mal wieder nach den Sternen greifen, und mußt nU'eTn' daß eS nichts ist.«

Nach einer Weile nahm sie von neuem mechanisch die etiacrei Mir Hand, es sollte eine Briefmappe für Dora werden. Während Stich um Stich sich an einander reihte, tonnte man die Gedanken ungestört verfolgen. Eine un­endliche Bitterkeit stieg immer schmerzlicher in ihrem In­nern auf. Wer war es, die eine solche dämonische Gewalt über den berühmten Mann gewonnen, um sie gründlich aaö seinem Herzen zu verdrängen? Würde jene nun ihre Stelle hier einnehmen?

Da bemerkte Wilma, al» sie die Nadel einfädelte, in der Sofaecke, wo er vorhin gesessen hatte, einen weiß- liehen Gegenstand, eS schien ein Brief zu sein, der viel­leicht, als er einmal das Notizbuch aus der Tasche ge- -ogen, dieser entglitten war. Sie staub auf und griff da­

reisenden, Bomben bei sich führenden Anarchisten ver­breitet hatte, ist Anklage wegen Wiedergabe falscher, die öffentliche Ruhe gefährdender Nachrichten erhoben worden. Die Ankunft des Kaiserpaares auf Korfu dürfte erst am 8. April erfolgen. Am 7. wird das gegen die Türkei gerichtete griechische Befreiungsfest gefeiert.

Nach einer Mitteilung derPolitischen Korre­spondenz" werden sich der Kaiser und die Kaiserin in der ersten Hälste des Mai nach Wien begeben, um dem Kaiser von Oesterreich anläßlich des 60jährigen Regier­ungsjubiläums persönlich ihre Glückwünsche darzubringen. Dieser Besuch, der ausschließlich dem bezeichneten Zwecke gilt, werde wahrscheinlich nur einen Tag dauern.

Die Ankunft Kaiser Wilhelms in Wien wird nicht vor dem 9. oder 10. Mai erfolgen, da der Kaiser den Namenstag des Königs Georg von Griechenland, der sauf den 6. Mai fällt, mit diesem zusammen in Korfu feiern und erst am nächsten Tage abreisen möchte.

Der Großherzog und die Großherzogin von Hessen begeben sich zu einem vier- bis fünfwöchigem Aufenthalt zum Besuch der kaiserlichen Familie nach Rußland.

Der Prinz und die Prinzessin von Wales sind Dienstag von Darmstadt nach Paris abgereist.

Der Reichstag setzte am Sonnabend die dritte Etatsberatung vor ziemlich leerem Hause fort. Beim Etat für das Reichsamt des Innern wiederholte sich die sozialpolitische Debatte aus der zweiten Lesung. Der Staatssekretär von Bethmann-Hollweg gab mit Bezug auf die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe der Meinung Ausdruck, man dürfte nicht lediglich nach praktischen Gesichtspunkten Vorgehen, sondern man müsse auch ethische walten lassen. Die Angestellten müßten jedenfalls einen Tag in der Woche zur Er­holung frei haben. Zum Schluß gab es eine vom Zentrum inszenierte lange konfessionelle Debatte, das über die Benachteiligung von Katholiken durch die Landesversicherungsanstalten klagte. Der Etat des Reichsamls des Innern wurde bewilligt. Am Mon­tag fanden nicht weniger als drei Sitzungen statt, in denen der Etat in dritter Lesung endgültig verabschiedet wurde. Bei der Beratung über den Militäretat ent­spann sich eine längere Auseinandersetzung über die Behauptung der Abgg. Erzberger (Z.) und Dr. Südekum (Soz.) die Firma Krupp und andere Fabriken hätten eine Art Monopolstellung bei Waffenlieferungen. Diese Behauptungen wie auch Gerüchte von angeblichen Beziehungen des preußischen Kronfideikommisses zur

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nach, es war jedoch kein Brief, sondern die Photographie einer herausfordernd hübschen, auffällig gekleideten, jun­gen Dame. Auf der Rückseite stand geschrieben:Elfe von Ralfs ihrem geliebten U." DaS bedeutete jedenfalls Ulrich", der Vorname des GeheimratS, aber wer war Elfe von Ralfs? Der Manie kam Wilma bekannt vor. Richtig, jetzt besann sie sich: das war ja die rotblonde Schauspielerin, die im Sommer verschiedene Male ihre» verstauchten Fußes wegen hergekommen war.

Also dieses Mädchen, über das sich Rike so wegwerfend geäußert, hatte sie aus seiner Zuneigung verdrängt, ge­rade die! Und dann kam ein tröstender Gedanke; nein . . an eine Heirat mit Elfe von Ralfs würde er nicht den- ken, das war nur ein vorübergehender Rausch, der ihn gefangen hielt, weiter nichts.

Jetzt schlug es schon halb Zwölf, zugleich ging die Korridortür und MillyS energischer, kleiner Schritt wurde vernehmbar.

Wilma wollte ihr entgegengehen, als sie schon hastig hereintrat, die schwarzen Augen verstört, das feine Ge- sichtchen rot und erhitzt. Sie warf ihr Samtbarett un* wirsch aus einen Stuhl, setzte sich und stützte den Locken­kopf auf beide Fäustchen.

Ich habe eine furchtbare Entdeckung gemacht."

Bist Du denn allein nach Hause gekommen, Milly?"

Gott ja, Du weißt doch, daß ich mir daraus nichts mache. Zu erbärmlich wäre es doch wohl auch, traute ich mir als zukünftiger Doktor nicht zu, die paar Straßen ohne Begleitung zu gehen. Walter traf Luitpold und ging noch mit ihm kneipen. Ach, das ist ja auch alles Neben- fache. Wilma, ich habe einen fürchterlichen, bewegten Tag hinter mir. Um meine Stimmung zu begreifen, mußt Du alles von Anfang an hören. Du weißt, ich liebe Udo Westphal, den Sohn des Hamburger Krösus,' der fünf­zehn eigene Schiffe auf dem Meere herumschwimmen hat. Er liebt mich wieder, rasend, unglaublich, weißt Du .. so . . so über alles Irdische erhaben, wenigstens manch­mal. Wenn ich aus der lateinischen Stunde bei Professor

Firma Krupp wurden von der Regierung energisch zurückgewiesen.

Das preußische Herrenhaus begann am Sonn« abend die Beratung des Staatshaushalts-EtatS. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben führte die Ursache der ungünstigen Finanzlage auf den hohen Betriebs­koeffizienten der Eisenbahnen, die hohen Anforderungen des Schulunterhaltungsgesetzes und die Erhöhung der Beamtengehälter zurück. Er sprach sich dann, zurück­kommend auf die Finanzwirtschaft bis zum Jahre 1892, gegen eine zu große Inanspruchnahme des Staatskredits aus. Am Schluß seiner Rede ging er noch auf einige von dem Berichterstatter beanstandete Punkte des Etats, wie die Januaranleihe, die Bereit­stellung von 77 Millionen Mark zur Verfügung eines zu erlassenden Gesetzes und die Beamtenvermehrung ein. Am Montag begann die Spezialberatung. Nach eingehender Erörterung wurde der Antrag Trachenberg angenommen, die Regierung zu ersuchen, Veräußerung staatlicher Grundstücke im Grunewald bei Berlin nur mit Zustimmung sämtlicher beteiligten Ressorts und des Staatsministeriums vorzunehmen, sowie solche be­deutende Anlagen, wie die Döberitzer Heerstraße, in Einnahme und Ausgabe des Etats ersichtlich zu machen. Das Herrenhaus nahm ferner beim Etat des Finanz­ministeriums eine Resolution an, durch welche die Regierung ersucht werden soll, bei der Aufbesserung der Dienstbezüge der Beamten, Geistlichen und Volks- schullehrer gleichzeitig für Beschaffung ausreichender Deckungsmittel zu sorgen sowie der Einführung von direkten Steuern im Reiche entgegenzutreten. Der Handels-, und Gewerbeetat wurde ohne Erörterung be- wrülgt, ebenso der Bergetat.

Das preußische Abgeordnetenhaus beendet am Sonnabend die erste Beratung der Sekundärbahnvor- läge. Auf die vielfach vorgebrachten Einzelwünsche nach besseren Zugverbindungen erklärte Minister Breiten­bach, nach der starken Vermehrung der Züge sowohl im Schnellzugs- und Personenverkehr wie im Nah- und Ortsverkehr müsse er sich von bem Standpunkte der Wirtschaftlichkeit bezüglich der Vermehrung der Zugverbindungen etwas Reserve auferlegen. Er sei aber Optimist und hoffe, daß der Personenverkehr nicht zurückgeben, sondern sich steigern werde. Dann würde es wohl möglich sein, die meisten der hier geäußerten Wünsche im Jahre 1909 zu erfüllen. Die Vorlage wurde der Budgetkommission überwiesen, ebenso auch die Denkschrift über die Entwicklung der Kleinbahnen in Preußen.

I Träger kam, wartete er stets auf mich, wir gingen dann ! in Spechts Konditorei, wo er mir Schokolade mit Rahm- Kaisers geben ließ. Wilma, da» war mein Jugendtraum! Ach, e» ist so köstlich, wenn man liebt, himmlisch, sage ich Dir. Du verstehst davon natürlich nicht», Du Arme. Nun bin ich vorige Woche zwanzig Jahre geworden und hab« eingesehen, daß es von jetzt an mit den Träumen und Torheiten vorbei sein muß."

Aber weshalb denn, Milly? Mit Deinem Beruf alt Arzt läßt sich doch die Liebe sehr gut vereinen."

Nein, das läßt sie eben nicht!" gab Milly heftig zu­rück.Höre also: ich habe mir eine Riesenaufgabe ge­stellt, ich will eine Aerztin werden, wie sie im Buche st^t. Ein Mensch aber, der ganz in einem erwählten und sehr verantwortlichen Beruf aufgeht, der mit seinem Denken, Schaffen und Handeln ausschließlich nur der leidenden Menschheit gehört, ein solcher Mensch, sage ich, soll bat, was er sein will, vollkommen sein, denn Halbheit ist so gut wie nicht», und darum darf er nicht heiraten. Sein Beruf muß ihm alles sein, alle» ersetzen, die Welt für ihn bedeuten, in der er aufgeht Genug, da» ist vorüber und abgetan, mit der Jugend ist e» zu Ende. Und nun kommt die Hauptsache." Hier nahm Milly eine tragische. Miene an.Meine Wilma, ich weiß jetzt, in wessen Ge­sellschaft Papa seine Abende verbringt."

Als Wilmas Erstaunen, da» Milly nach diesen pa­thetisch gesprochenen Worten erwartet hatte, auSbliib, fuhr sie fort:Du erinnerst Dich gewiß jener gräßlichen Per­son, der Elfe von Ralfs, der rotblonden Schauspielerin mit den grünschillernden Augen, die im Sommer bei un» war?"

Ich entsinne mich genau." 140,18

«Die ist eS, Wilma, denke Dir, die ist e», zu der geht Papa hin! Ich bin so entsetzlich aufgeregt, daß mir da» Sprechen schwer wird, Wilma. Mein Vater, den wir so verehren, der auf solchem Gipfel der Menschheit ft«ht, läßt sich herbei und geht zu dieser abgetakelt,n Briggs