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mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 20.

Samstag, den 7. März 1908.

59. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 728. K.-A- Dem Kreis stehen für 1908 einige Freistellen in der Kinderheilanstalt Orb zur Ver­fügung.

Anträge auf Gewährung einer Frelstelle sind bis spätestens 25 März cr. hierher einzureichen.

Schlächtern, den 27. Februar 1908.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

J.-Nr. 1017 K.-A. Die Termine für die Abhal. tung der diesjährigen Lehrkurse in der Kreisbaum­schule zur Ausbildung von Obstbaumwärtern sind wie folgt festgesetzt:

I. Hauptkursus

Vom 23. März bis zum 8. April einschließlich, Veredelung und Aufzucht des jungen Baumes, Schnitt und Formieren, Behandlung älterer Bäume, Ausputzen, Pfropfen, Belehrung über Obstbaumkrank­heiten, Schädlinge u. s. w.

n. Sommerkttrsus,

Vom 27. Juli bis zum 1. August einschl.,

Sommerbehandl'mg der Bäume.

III. #erWutfuS,

3 Tage Ende September,

Obsternten, Sortieren, Verpacken, Herbst- und Winterbehandlung des Obstbaumes.

Die drei Kursabschnitte bilden einen zusammen­hängenden Lehrgang. Sie sind sämtlich unengelt- lich. Ueberdies wird der Kreis auch in diesem Jahre jeder dem Arbeiterstand angehörenden Teilnehmer als als Ersatz für entgangenen Arbeitsverdienst eine Bei­hülfe von 1 Mk. pro Tag zahlen, vorausgesetzt, ^ die gleiche Summe von der zuständigen Gemeinde gezahlt wird.

Da die Obstbaumpflege im Kreise noch recht viel zu wünschen übrig läßt und dies fast ausnahmslos damit begründet wird, daß es an ausgebildeten Obstbaum­wärtern fehle, darf ich wohl voraussetzen, daß die Ge­meinden die günstige Gelegenheit benutzen und min« destens je einen geeigneten Mann an den diesjährigen Kursen in der Kreisbaumschule teilnehmen lassen.

Anmeldungen erbitte ich bis spätestens zum 8. März d. Js. Dabei bitte ich anzugeben, ob die Teilnehmer mit den notwendigen Geräten wie: Baum« säge, Veredelungsmesser, Baumschulscheere, Hippe und Abziehstein, versehen sind, oder ob Lieferung gegen Be- k Zahlung gewünscht wird. Der Herr Kreisgärtner ist gern bereit, den Bezug der Geräte zu Fabrikpreisen zu ! waata«^

Hdle Kerzen.

Roman von Erwin Friedbach.

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Ach, Du glaubst nicht, wie fatal mir daS ist, nachdem rch mit wahrer Höllenangst alles vermied, was den leisesten Verdacht in der Beziehung erwecken konnte!"

, t. ®i*t.ön8 bit Hände, blickte verzweifelt vor sich hin und sah dabei so verfallen aus, daß eL Dora inS Herz schnitt. . w~aS ist eine jammervolle Stellung, die Du da ein» nnnmft, Wilma, gib sie doch lieber auf; eS finden sich besser hast "*' to° ®u c$ unvergleichlich viel leichter und Da zog über Wilmas verstörte» Antlitz langsam der Schimmer eine» verklärten Lächeln», da» sie wunderbar veriwoute.

, «8,u- ®0v5 wenn das so leicht getan wie gesagt wäre; begreffst Du denn nicht, daß während der zehn Jahre diese Familie meineWelt geworden ist, in der alle Fasern mei» »ie» HerzenS wurzeln ? Nein, Dora; wie Du geboren wur­dest zum Befehlen, ward mir vom Schicksal das LoS d^r « bett zuerteilt, und ich will e» mit Würde tragen, bis Bott selbst mich erlöst."

r.*^0^^^?9 baäu- sie bewunderte diese Entsagung, die ''^.selbst in den Hintergrund stellte, um in andern auf- eigenen unruhvollen Innern lebten noch ' b Wünsche, und sie begriff nicht, wie Wilma e» fer- so demütig zu sein.

!& Lebensfreuden war für alle gedeckt, Dora ""d nicht wie Wilma immer nur abseits r tuie die übrigen sich ergötztem Sie wollte Uhen und von dem goldflüssigen Champag- ner der reinsten Freuden kosten, die das Glück seinen be» vorzugten Kindern kredenzt.

»^'^^". wir um, Dora. Vielleicht ist Frau Rosamunde och wach; ich möchte sie dringend bitten, falls eS nicht schon geschehen sein sollte, alles Berühren der zarten An­gelegenheit um memeiwillen zu unterlassen."

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vermitteln. Ich bemerke noch, daß die Kursus-Teil­nehmer stets so frühzeitig entlassen werden, daß sie jeden Tag nach Hause gehen können und daher eine mit Kosten verbundene Uebernachtung nicht nötig haben.

Schlüchtern, den 20. Februar 1908.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschuffes: Valentiner.

Deutsches Reich.

Der Reichstag setzte am Sonnabend die Beratung der Novellen zur Gewerbeordnung fort. Die Debatte, in der eine Anzahl von Einzelwünschen vorgebracht wurde, bot nichts Neues. Der Vertreter der olden- burgischen Regierung Dr. von der Eucken-Addenhausen trat unter bebhaftem Beifall der Behauptung entgegen, daß die oldenburgische Regierung Anlaß gehabt habe, sich durch die Reichsverwaltung bei der Mitteilung und Behandlung von Bundesratsvorlagen benachteiligt oder verletzt zu fühlen. Es käme nicht auf Einzelheiten an, bei denen vielleicht einmal ein Fehler gemacht werden könne, sondern auf den Geist, der den Verkehr beherrsche, und der sei zwischen allen Regierungen gleichmäßig freundschaftlich. Den Schluß der Sitzung machte einevDauerrede des Abg. Geyer (Soz) gegen die Vorlage. Am Montag wandte sich zunächst Abg. Enders (fr. Vp.) gegen die sozialdemokranschen Uebertreibungen betreffend die Heimarbeiter. Abg.Iv. Naumann fr. Vg.) sprach gegen das von den Sozial- demokraten geforderte gänzliche Verbot der Heimarbeit und berührte auch die Warenhäuser. Jedes Waren­haus sei eine Hausindustrieausstellung. Ueberall bil« lige Sachen, überall solle das schöne Weihnachtsfest durch Papeterien und anderen Schund verschönt werden. Diese billigen Preise könnten nicht sein, wenn nicht elende Löhne gewährt würden. Die Vorlage wurde schließlich einer besondern Kommission überwiesen.

Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Sonnabend die Beratung des Etats des Ministeriums des Innern bei dem KapitelLandrätliche Behörden und Aemter" fort. Die Debatte bot wenig Inter­essantes: die Redner beschränkten sich im allgemeinen darauf, ihre Auffassung von der Stellung der Landräte darzulegen. Bei den KapitelnPolizeiverwaltung in Berlin und in den Provinzen" lenkte Abg. Schulze- Pelkum (kons.) die Aufmerksamkeit des Ministers auf den Waffenfund in der Pankstraße zu Berlin hin. Minister v. Moltke erwiderte daß der Waffenfund nicht die Einleitung eines Strafverfahrens gegen be-

Der zweite Pfingsttag brächte trübe» Wetter; in der stillen Luft lag die dumpfe Schwüle eine» heranziehen­den Gewitters.

Dieser Wechsel gab Toni Grund zu schlechter Laune, weil er eine verabredete Partie nach Doßwitz verhin- derte, und da HanS seines verdorbenen Magens wegen eine schlechte Nacht gehabt, ließ sie, wie gewöhnlich ihren Aerger darüber an Wilma aus.

Als ob Wilma dafür kann, daß HanS in der Küche sich an frischgebackener Mandeltorte überißt, während Du sie beschäftigt hältst, Deine an Dorngebüsch zerrissenen Spitzen anSzubessern," gab Milly, die tapfere Verteidigerin Wilmas, wenig höflich zurück, während sie, stets möglichst unabhängig von jedermann, am offenen Fenster ihren Rad- anzug ausbürstete.

Der Nachmittag kam, die Schwüle hatte zugenommen, ohne das Gewitter gebracht zu haben; man erging sich im Park; Frau Therese von Ast sah belustigt den redlichen Bemühungen MillyS zu, dem alten Junggesellen Herrn von Neuwald, der sich durch seine ungeheure Glatze und beängstigend lange L-Beine hervortat, die für ihn ziem- lich gefährliche Kunst be» Radeln» auf ihrem zierlichen Zweirad beizubringen.

Dora war ihr eine Vertraute geworden, zu der sie auf mütterlich wohlwollendem Fuße stand; war sie doch auch die einzige, mit der sie von dem älteren Söhne Alexan­der sprechen durfte, ein Thema, da» der besorgten Mut­ter eines der liebsten war, und daS sie der früheren Be­ziehungen zu Rosamunde wegen dieser gegenüber au» Takt- gefühl vermied; selbst Roderich vermochte den'der Mut­ter angefügten Kummer nicht zu verzeihen und sprach un­gern von dem Abwesenden.

Das hierdurch nach und nach entstandene schöne Ver­hältnis zwischen Dora und der alten Dame war Rosamunde natürlich nicht entgangen und hatte sie anfangs etwas stutzig gemacht; es konnte geschehen, daß die beiden mitten im eifrigen Gespräche unwillkürlich verstummten, sobald sich

stimmte Personen, sondern nur die eines objektiven Strafverfahrens ermöglicht habe. Die KapitelLandgen­darmerie" sich die Redner aller Parteien für eine Besserstellung der Gendarmen aus. Eine längere Er­örterung knüpfte sich an das KapitelStrafanstalten". Einig waren sich die Redner der verschiedenen Parteien darüber, daß der Dualismus in dem Strafvollzüge beseitigt werden müsse. Dem Abg. Rosenow (fr. Vp.), der eine Besserstellung der Anstaltsärzte verlangte und gegen eine Konkurrenz der freien Arbeit durch die Ge« fängnisarbeit sprach, erwiderte Geheimrat Dr. Krohne, daß das Ministerium mit dem Finanzministerium über eine Besserstellung der Strasanstaltsärzte verhandle. Der Etat, des Ministeriums des Innern wurde schließ­lich bewilligt und sodann noch einige Petitionen er­ledigt.

Bei der Landtagsersatzwahl in Züllichau-Krossen wurde Prinz Wilhelm zu Löwenstein (kons.) mit 258 gegen 8 Stimmen gewählt.

Bei der Landtagsersatzwahl in Fraustadt-Lissa- Rawitsch wurde Rittergutsbesitzer Wilhelm Reinecke in Guswitz, Kreis Rawitsch, (kons.) einstimmig mit 347 Stimmen gewählt.

Der Eindruck der Annahme der Enteignung-- Vorlage aus die Polen ist umso tiefer, als sie tatsächlich, wie die Polenpresse jetzt zugesteht, bis zuletzt gehofft hatten, das Herrenhaus werde die Vorlage abmildern. Die Kommentare der polnischen Blätter betonen, daß man sich zurückhalte, weil jetzt viel Ueberlegung und Ruhe das Nötigste sei. Die radikalen Blätter reden von der Schande des 20. Jahrhunderts. Alle stimmen darin ü rerein, daß -bie Vorlage der bisher schlimmste Schlag gegen das Polentum sei und auch wirkungs­voll fein werde, sie erklären aber auch, die Polen würden wirtschaftliche und kulturell weiterkämpfen.

Einen Beweis was dieGenossen" unter volks­tümlichen Preisen verstehen, liefert eine Ankündigung in der sozialdemokratischen FrankfurterVolksstimme", in deren redaktionellem Teil angekündigt wurde, daß das dortige Schuhmann-Theater einen Maskenball zu volkstümlichen Preisen, veranstalten wird. Die Preise der Plätze sind: Logen zu 40 Mark, Herrenkarten 10, Damenkarten 5 Mark. Wenn das volkstümliche Preise sind, so kann man eigentlich von einerbitteren Not" des Volkes schlechthin nicht mehr reden.

Der bisherige Redakteur desJenaer Volks­blattes", Buchdruckereibesitzer Adolf Wolf, hat seinen Austritt aus der sozialdemokratischen Partei erklärt. In seinem an den Vorstand des sozialdemokratrschen

diese näherte, bi» Dora ihr den Gegenstand der Unterhal­tung genannt und damit da» auffällige Verstummen er­klärte. Das beruhigte sie schließlich, umsomehr, da der Zu­neigung der von ihr verehrten Frau für sie selbst kein Ab­bruch geschehen war, und sie sah ein, Dora war ein be« §nabigte» Wesen, man konnte gar nicht ander» als sie lie» eii.

Dora aber wußte, daß Frau von Ast jene spontane, au» dem Herzen kommende Sympathie für sie empfand, die uns unerklärlich oft beim ersten Erblicken eine» Men­schen gewaltsam erfaßt, und hieran» war allmählich ein der Schuld ähnliche» Empfinden Rosamunde gegenüber entstanden.

Seit ihrem Erscheinen auf FriedenSheim hatte sie die warme Liebe der Mutter gewonnen, und da» veränderte Wesen Roderich von Ast» begann. Traf sie dadurch nicht der Borwurf, den ersten Anstoß zu heimlichem Unfrieden gegeben zu haben? Diese» Bewußtsein quälte sie auch heute, nachdem e» ihr vorhin wieder gewesen, als ob ein leiser Ausdruck verborgener Eifersucht in Rosamunde» Zügen sichtbar geworden, al» sie so heiter mit Frau Therese plau­derte, daß sie nicht ander» konnte, als gelegentlich ihre Befürchtungen auSzusprechen.

ES kommt mir zuweilen vor," begann Dora schüch­tern, während sie einen Augenblick sich allein in der Ve­randa befanden,als hätte ich Ihnen ein Unrecht zuge­fügt, Frau v. Ast, und doch bin ich im Grunde schuldlos an der Zuneigung Ihrer Frau Mutter zu mir."

Rosamunde lachte ein wenig gezwungen. Jetzt, wo Dora den Gedanken auSsprach, kam sie sich selbst recht selbstsüch­tig und kleinlich vor.Meine liebe Dora," entgegnete sie weich,offen gestanden war ich anfangs aUerting» be» troffen, denn ich vergaß, daß e» mir ebenso ergeht wie Mama, auch ich habe Sie lieb gewonnen wie eine Schwe­ster; nun wir unS darüberauSgesprochen haben, wird die alberne Eifersucht mich nie wieder necken, ich müßte mich sonst ja vor mir selbst UWen!" 140,18