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SchlüchternerMun g

mit amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 15. Februar 1908

59. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Jagdbeute des Kaisers in der Schorfheide. Der Kaiser, der Montag aus Hubertusstock nach Berlin zurückgekehrt ist, hat eine Woche hindurch ganz zurück­gezogen in der Schorfheide am Werbellinersee der Jagd obgelegen. Die Jagdgäste des Kaisers im Schloß Hubertusstock waren die Flügeladjutanten v. Friedburg und v. Neumann-Cosel, der Generaloberarzt Dr. v. Jlberg und Hofmarschall Graf Zedlitz-Trützschler. Der Kaiser schoß unter anderen 16 Hirsche in der Schorfheide.

Prinz Eitel Friedrich ist am Mittwoch von Lissabon und Paris wieder in Berlin eingetroffen. Die Kaiserin empfing den Prinzen am Bahnhof. Im königlichen Schloß nahmen die Majestäten gemeinsam mit dem Prinzen das Frühstück ein.

Das preußische Abgeordnetenhaus beendet am Sonnabend die Beratung des Etats der Bauverwaltung bis auf einige Titel, die auf Antrag des Abg. Frhrn. b. Zedlitz (frkons.) an die Budgetkommission zurückge­wiesen wurden. Aus den Erörterungen ist lediglich hervorzuheben eine Debatte über die Feuergefährlichkeit der Warenhäuser, die vom Abg. Fetisch (kons.) ein­geleitet wurde, der der Befürchtung Ausdruck gab, daß die bestehenden feuerpolizeilichen Bestimmungen nicht ausreichen würden, um Katastrophen vorzubeugen. Ein Regierungskommissar legte dar, daß angesichts der verschärften Bestimmungen vom vorigen Jahre vor­aussichtlich Katastrophen nicht zu erwarten seien. Am Montag kam der Etat der Preußischen Zentral; genossenschaftskasse zur Beratung. Abg. Meyenschein (kons.) gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß die ralgenossenschaftskasse geradezu Großartiges geleistet habe, und betonte weiter, daß die Genossenschaften christlichen Charakter haben müßten. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben und Präsident der Zentralge- nossenschaftskasse Heiligenstedt verteidigten die Geschäfts­führung der Preußenkasse und betonten die Notwen­digkeit, ihr Grundkapital zu erhöhen. Frhr. v. Rheinbaben pflichlete dem Abg. Meyenschein auch darin bei, daß die Genossenschaften sich von christlichen Grundsätzen leiten lassen müßten. Die Abgg. v. Brockhausen (kons.) und Dr. Hahn (B. d. L.) lobten die Tätigkeit der Preußenkasse. Der Etat wurde be­willigt. Nächste Sitzung Mittwoch.

Die Morgenblätter melden aus Paris: Prinz Eitel Friedrich machte am Mittwoch im Automobil des Botschaftsattaches Frank eine Spazierfahrt durch

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GdleKerzen.

Roman von Erwin Friedbach. 8

Weilte er auf Eichhof, sehnte er sich unausgesetzt nach Friedensheim, wo Dora war; diese Sehnsucht empfand er einerseits als etwas Entzückendes, doch betrachtete er die Trennung des Tages unter verdoppeltem Fleiße gleichsam als den Tribut, den er dem Genuß de» Abends bringen mußte; denn diese Abende waren nach und nach An einer Quelle unaussprechlichen Glückes für ihn gewor­ben.

Gegen neun Uhr, nachdem man gemeinschaftlich daS Abendbrot eingenommen hatte, zog sich FrauTherese, die stark von ihrem rheumatischen Leiden geplagt wurde, zu­rück, und ihr Aufbruch gab auch das Zeichen zu LorchenS Verschwinden.

Dann gingen Rosamunde, Roderich und Dora in den an­stoßenden grünen Salon, seiner herrlichen Palmengruppen wegen so genannt, wo einbehagliches Feuer knisterte und die rotbeschirmte Hängelampe über dem Sofatische ein trau­lich gedämpftes Licht verbreitete.

Nun begann Roderich aus den Werken klassischer Dich­ter vorzulesen. In jüngster Zeit laS man denFaust" von Böthe.

Rosamunde, die sich deS TageS über tüchtig in ihrer Musterwirtschaft getummelt hatte, wurde bald von unwi­derstehlicher Müdigkeit befallen; die Worte des Gelesenen, daS sie gar nicht interessierte, klangen wie eine fremde Sprache an ihr Ohr, der Sinn blieb unverstanden. Da sanken denn die Hände mit der Häkelarbeit auf den Schoß, das Haupt glitt in die Schlummerrolle des Lehnstuhls. Rosamunde schlief so gern; hatte sie sich nicht geschämt, sie wäre am liebsten um neun Uhr zu Bett gegangen. Moch­ten doch die beiden da sich an dem krausen Zeug ergötzen, der arme Roderich hatte so wie so kein Vergnügen, und Gefahr war nicht dabei, bei denen nicht, darauf hätte Rv- samunde zu jeder Stunde einen Eid geleistet. War doch längst, ganz abgesehen von Roderich, der keiner Untreue

Paris und fuhr auf einem kleinen Umwege über die Place de la Concorde, die Rue de Rivoli und die Rue de la Paix nach de n Jnvalidendom, wo er von dem General Niox, dem Direktor des Museums, be­grüßt wurde. Der einen Zivilanzug tragende Prinz fiel bei seiner Ankunft im Hotel des Invalides nicht auf. Er ließ sich sofort zum Grabe Napoleons führen, wo er lange verweilte. Er besuchte dann die Kapelle und das Museum und nahm die Erklärungen des General Niox mit dankbarer Aufmerksamkeit entgegen. Der Prinz hat sich durch seine natürliche Frische und durch die rege Teilnahme, die er den großen Erinner­ungen Frankreichs erwies, rasch Sympathien erworben. Um 11 Uhr verließ er den Jnvalidendom und fuhr über die Champs Elysees nach dem Arc de Triomphe. Im Magasin de Louvre, wo der Prinz einige Minuten verweilte, wurde er erkannt und von freundlich grüßenden Gruppen umgeben. Mehrere Blätter sprechen das Bedauern aus, daß der Prinz das Pariser Stadtbild vom Sacre Coeur wegen des Frühnebels nicht voll genießen konnte; es sei schade, daß der sympathische Prinz von den Pariser Sehenswürdigkeiten nur eine geringe Anzahl zu besichtigen Zeit hatte.

Ausland.

Aus Anlaß der 15 Jahrhundertfeier des Todes­tages des heiligen Christostomus in Konstantinopel zelebrierte in Rom am Mittwoch in Anwesenheit des Papstes der Patriarch Kyrill 8. im großen Saal der Selig- sprechung im Vatikan ein feierliches Hochamt nach griechischem Ritus. Nach dem Gottesdienst hielt der heilige Vater eine Ansprache, erteilte den Anwesenden den Segen und ließ die Kardinäle zum Handkuß zu

Der Nachlaß des Königs Carlos beträgt nur 150 000 Franks. Die Summe von 850 000 Franks hatte er auf seine Lebensversicherungsprämie hin be­reits von der Bank von Portugal vorschußweise er­halten. König Carlos war sich der Gefährlichkeit seiner Lage vollauf bewußt. Bei der Unterzeichnung des Dekrets über die Ausweisungen sagte er:Ich habe die Vorahnung, daß ich damit mein Todesurteil unterzeichne."

Der Konflikt zwischen der ungarischen und der österreichischen Delegation wegen Erhöhung der Offi­ziersgehälter hat sich neuerdings verschärft. Die öster­reichische Delegation beabsichtigt, einen Antrag der Delegierten Latour und Schraffl anzunehmen, wodurch den Offizieren schon jetzt eine Teuerungszulage ge­währt wird. Vor diesem Antrag beabsichtigt die

fähig schien, auch ihr Vertrauen zu Dora ein unwandelba­res geworden.

Sobald aber Rosamunde schlief, war eS, als sei plötz­lich eine Schranke gefallen, die ihn von dem zurückhalten­den Mädchen «eben ihm, er saß auf dem Sofa, doch so, daß Dora mit in das Buch blicken konnte, wenn er es ihr bei einzelnen Stellen näher schob, trennte Da stürmten die berauschendenEmpfindnugen aus allen Winkeln des ver­schwiegenen Gemachs herbei, und hingerissen, ließ er die immer höher flutenden Wogen über sich ergehen. DaS Tor eines unsichtbaren Edens erschloß sich alsbald, und die Wirklichkeit versank vor dem zauberischen Empfinden die­ser berückenden Welt, in der er sich allein mit Dora befand. Doch standhaft verbirgt er die inneren Vorgänge, weil er weiß, daß ein wenn auch noch so leises Vergessen, viel­leicht nur ein Blick, Dora zum Aufgeben dieser Stunden veranlaßt haben würde. Nur seine Stimme die er dämpfte, wie um Rosamunde nicht zu stören, klang inniger, als dürfe er mit den Worten des Dichters beredter zu ihr sprechen, und sein ganzes Sein hob sich zu einer einzigen begeister­ten Huldigung. Es folgten Pausen, wo Dora den beklein- ,«enden Zauber, der von ihm auSging, empfand. Seine einnehmende Gestalt in unmittelbarer Nähe, das schöne Haupt, über dessen blondem Haar daS Licht einen Gold­schein warf, seine von Begeisterung strahlen Blicke zogen sie an und weckten Ahnungen, als müsse unter der starren Eisdecke deS Millers draußen irgendwo ein kommender Frühling erblühen.

Und voll heimlichen Jubels begrüßte er daS sichtbar tverdende langsame Erwachen ihres eigenen zum Bewußt­sein gelangenden inneren Reichtums.

Er war ja verheiratet. Dieser Umstand war für Dora wie eine unübersteigbare Mauer, in der alle Befürchtun­gen abprallten. Ihm gegenüber blieb ja jede Gefahr voll­ständig ausgeschlossen. Auch sie hätte diese Abendstunden nicht gern entbehren mögen, eS lag ein unleugbarer Reiz barin, gemeinsam mit ihm, dessen hochstrebenden GeisteS­

österreichische Delegation der ungarischen ein Nuntium zuzusenden. Der Präsident der ungarischen Delegation, Barabas, hat nunmehr erklärt, daß er ein solches Nuntium der österreichischen Delegation überhaupt nicht entgegennehmen werde.

Die Wahlbewegung in Kroatien hat bereits zu Blutvergießen geführt. In Ubbina kam es zwischen Anhängern der Koalition und Serbisch Radikalen zu Schlägereien, wobei ein Mann getötet und mehrere schwer verletzt wurden.

Das Urteil im Jrredentisten-Prozeß in Rovereto ist nunmehr gefällt worden. Zehn Angeklagte wurden zu Gefängnisstrafen von einem Tage bis zu vier Wochen verurteilt. 35 Angeklagte wurden freigesprochen. Das Urteil erfährt in der deutschtiroler Presse die schärfste Verurteilung.

Das neue holländische Ministerium setzt sich wie folgt zusammen: Dr. Heemskerk Inneres und Minister­präsident, Demarees von Swinderen Aeußeres, Dr. Nelissen Justiz, Dr. Kolkmann Finanzen, Talma Landwirtschaft, Bevers öffentliche Arbeiten, Jdenburg Kolonien, Sabron Krieg, Wentholt Marine.

Lokales und Provinzieller.

Schlächtern, 14. Februar 1908.

* Zwei Wetterpropheten sind der 22. und 24. Februar. Auf erstgenannten Tag fällt Petri Stuhl­feier auf letztgenannten Sankt Matthias. Ist es am 22. kalt, so soll die Kälte noch länger anhalten und vom Mathiastage heißts im Volksmunde:Matthias brichts Eis, findet er keins, so macht er eins". Wollen sehiUs wies kommt; allzu schlimm kanns auf keinen Fall mehr werden.

* Seminarkonzert. Sonntag, den 16. d. Mts. soll eine musikalische Darbietung in der Aula des Seminars stattfinden. Volkslieder aller Nationen werden von dem Seminarchor vorgetragen werden. Bei den deutschen Volksliedern sei besonders auf die aus dem XIII. und XV. Jahrhundert hingewiesen. Slreichquintett, Soloinstrumente und Soloquartett werden für hinreichende Abwechslung sorgen. Die Besucher dürfen auf einen seltenen Genuß rechnen. Ausführliches ist im Programm und int Anzeigenteil dieser Nummer d. Bl. zu finden. Es sei besonders an dieser Stelle noch daraus hingewiesen, daß ein Teil des Reingewinnes dem Vaterländischen Frauen-Verein für seine auch unserem Kreise und unserer Stadt zu Gute kommenden Bestrebungen überwiesen werden wird.

flug sich ihr seelisches Empfinden so wunderbar verwandt fühlte, in die Schönheiten deS gedaukentiefen Werke» zu dringen.

Wohl erkannte Roderich die Gefahr de» ungestörten Gedankenaustausche», der die innere Welt deS andern bloß- legte, aber schon war die bestrickende Macht diese» Ver­kehrs zu stark geworden, um ihn aufzugeben. Und warum auch? Richtete nicht seine Ehe und ihre Schutzlosigkeit eine unüberwindliche Schranke zwischen ihnen auf ? Der ai^e- boreue Adel der Gesinnung schützte ihn vor dem, was in seinen Augen ein Verbrechen gewesen wäre, ihr Ver­trauen zu verscheuchen, sie mit Blicken zu betrachte«, auS denen die verräterische Flamme glühte.

Frau Therese von Ast waren die bedeutungsvollen Bor- gange zwischen den drei ihr nahestehenden Menschen, denn sie hatte um diese Zeit Dora wie eine Tochter lieben ge- lernt, nicht entgangen. Sie sah den unvermeidlichen Kon- flikt sich langsam entwickeln, ohne doch im stände zu sein, das Geringste für oder gegen ihn zu unternehmen. Sie beobachtete mit wachsender Sorge, doch derZeitpuukt eine» wirksamen Eingriffs in die überaus zartenBerhältuiffe war noch nicht gekommen.

Nun war der Frühling da und hatte nach strengem Winter schnell durch eine Reihe sonnig-warmer Tage den FriedenSheimer Park mit Knospen und Blüten übersäet. Die ephenumrankten Fenster deS ParterregeschoffeS stan­den der Luft weit geöffnet. Zur allgemeinen Genugtmmg war eS schon lind genug, die lauschigen Plätze inmitten des alten Parkes wieder aufzusuchen.

Recht» von der Hinteren Front deS Hauptgebäude» auf Friedensheim führt der breit sich schlangelnde Kiesweg zwischen anmutigen Rasenflächen mit Gebüschgruppen und einzelnen uralten Bäumen zu einem auS zwei Zimmern bestehenden länglich viereckigen Pavillon, zu dem an bei­den Seitenwänden steinerne EingangSstufen emporsühr- ten. 14041