tlungen der Abgeordneten Almeida, Braga und Mach- ada sind durch die Polizei blockiert; Munizipalgarde patrouilliert die Straßen Lissabons ständig ab. Truppen, die vom Geist des Aufruhrs erfüllt sind, wurde die Munition weggenommen; das Artillerie-Regiment Nummer 1 und das Infanterie-Regiment Nr. 16 wurden ganz entwaffnet, weil sie in Verdacht kamen, den König und Franco gefangennehmen zu wollen. Progressisten und Konservative ziehen sich vom Wahl- kampf zurück, so daß die Regierung sich nur den Republikanern gegenüber sieht. Die Börse in Lissabon ist geschlossen; der Handel steht vollständig still.
— Ein spanisches Anarchistengesetz ist geplant. Der spanische Justizminister brächte im Senat einen Gesetzentwurf betreffend die Bekämpfung anarchistischer Anschläge ein. Nach dem Entwürfe soll die Regierung das Recht haben, Zeitungen zu verbieten, anarchistische Klubs und Vereinslokale zu schließen, die Verbreiter anarchistischer Ideen auszuweisen und ausgewiesene Anarchisten, die nach Spanien zurückkehren sollten, zu verbannen.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 31. Januar 1908.
—* Der erste Monat des neuen Jahres ist dahin und der zweite Tag seines Nachfolgers bringt uns das Fest Maria Lichtmeß, an welchem die römische Kirche die Weihe der Kerzen in feierlicher Weise vornimmt und das der Erinnerung der Darstellung Christi im Winter zu Ende und dem Lenze mit Macht entgegen geht. „Lichtmessen können die großen Herren bei Tage essen", sagt ein altes Sprichwort, und das mag stimmen, wenn sie mit dem Abentbrot rechtzeitig beginnen. Immerhin macht sich jetzt schon eine merkliche Zunahme der Tageslänge bemerkbar und nach Lichtmeß wird es in dieser Hinsicht noch besser, wir haben dann pro Woche eine Tageszunahme schon von einer halben Stunde. Und das ist erfreulich. Man ist die trübe, kalte Winterzeit allenthalben satt und die Vorräte an Holz und Kohlen haben sich schon ganz bedenklich gelichtet. Das schlimmste ist überwunden, wir haben auf dem Ausstieg zum Frühling schon eine tüchtige Strecke zurückgelegt und das ist das erfreulichste vom „Hornung", der uns zum Frühlingsmonat März hinüberführt.
—* Lichtmeßregeln. Scheint zu Lichtmeß die Sonne klar, wird größer das Eis, als zuvor es war. — Wenns an Lichtmeß stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit. — Lichtmeß hell, schindet dem Bauer das Fell. — Lichtmessen hell und blank, wird der Flachs dann gut und lang. — Find't die Gans zu Lichtmeß Naß, hat das Schaf zu Marien (25.) Gras. — Lichtmeß feucht und naß, gibt viel Wein ins Faß. — Lichtmeß im Klee, Ostern im Schnee. — Lichtmessen ist der Winter halb gemessen.
— * Am 14. d. Mts. fand eine Sitzung des Vorstandes des hiesigen Vaterländischen Frauenvereins statt. Es wurde zunächst die Mitteilung gemacht, daß die Zahl der Mitglieder im vergangenen Jahre von 337 erfreulicher Weise auf 690 gestiegen sei und daß in den letzten Monaten besonders in Elm, Salmünster, Altengronau, Steinau und Weichersbach neue Mitglieder gewonnen wurden. .Sodann wurde ein kurzer Kassenbericht über Einnahmen und Ausgaben des letzten Jahres erstattet. Bezüglich der Ausgaben sei erwähnt, daß 109 Mark zur Unterstützung Bedürftiger in Stadt und Kreis Schlüchtern verwendet wurden; ferner wurden für die Kleinkinderschulen in Schlüchtern und Oberzell als Zuschüsse zur Unterhaltung dieser Anstalten 156 Mark und für die Ersteinrichtung der Slluvesternstationen in Elm und Altengronau 130 Mk. verausgabt; an den Hauptverein und Bezirksverband wurden 69,99 Mark abgeführt. Der Vorstand beschloß, auch für das laufende Jahr den erwähnten Anstalten bezw. Stationen je 50 Mark als Beihülfe in Aussicht zu stellen. Es wurde sodann ein Schreiben des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz bekannt gegeben, wonach die Bewilligung von Badekuren an kurbedürftige Veteranen ferner durch Vermittelung entweder der Zweigvereinen bom Roten Kreuz oder der Vaterländischen Frauenvereine nachgesucht werden soll. Näheres hierüber ist aus der Bekanntmachung im Amtlichen Teil der Schlüchterner Zeitung vom 22. d. Mts. zu ersehen. Schließlich wurde bestimmt, daß die diesjährige General-Versammlung in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten statlfinden soll.
— * Wie wir aus sicherer Quelle erfahren übernimmt vom 1. März d. Js. ab der seitherige Schornsteinfegermeister Leonh. v. Paris, Sohn des hiesigen Bezirksmeisters, eine Bezirksmeisterstelle in Schmal- kalden.
— * Die Untersuchung an dem tot aufgefundenen jungen Mann in der Nähe von Gomfritz hat ergeben, daß der Tod durch ersticken in Folge einer Kropfge- schwulst eingetreten ist.
— * Der zwischen Flieden und Schlüchtern belegene sogen. „Röhrigserhof" 300 Morgen umfassend, ist von Herrn Jgnaz Veldung Posthalter in Fulda käuflich erworben worden.
* Ein Automobilunfall hat sich vor einigen Tagen -ei Flieden ereignet. Auf der Leipziger Landstraße
beim sogenannten Leidewalde begegneten sich ein Fuhrwerk und ei» Automobil. Der Chauffeur des Letzteren fuhr beim Ausweichen in einen Graben, welchen er infolge des Schnees nicht bemerkt hatte. Das Automobil blieb stecken und konnte erst mit großer Mühe herausgezogeu werden. Von den Insassen wurde eine Dame schwer verletzt und verlor dieselbe bei dieser Gelegenheit einen Handschuh nebst Brillantring.
* Hanau. In seiner Wohnung in der Großen Dechaneistraße bearbeitete der Arbeiter Engel seine Frau mit dem Messer und brächte ihr einen schweren Stich über dem linken Auge bei. Nachdem E. seine Frau blutüberströmt liegen sah, versuchte er sich zu töten, indem er sich einen Stich in den Hals beibrachte, doch gelang ihm sein Vorhaben nicht, da er die Schlagader nicht getroffen hatte. Engel und seine Frau wurden per Droschke ins Landkrankenhaus verbracht.
* Infolge des starken Nebels geriet der Kaufmann Levy Goldschmidt von Willmars (Rhön) kürzlich des abends mit seinem Fuhrwerk in der Gemarkung Haselbach vom Wege ab, der Wagen fiel eine Böschung hinab. Hierbei kam Goldschmidt so unglückich zu Fall daß der Tod sofort eintrat. Erst am anderen Morgen fand man den verunglückten Kaufmann. Das Pferd war während der ganzen Nacht bei seinem so jäh aus dem Leben geschiedenen Herrn stehen geblieben.
* Ein Apotheker in Würzburg starb halb verhungert und hat dabei etwa V« Million M. Vermögen hinterlassen. Da der Mann niemals Kapitalrentensteuer gezahlt hat, kommt jetzt das Rentamt als lachender Erbe. — Ein neues Krankenhaus soll in Würzburg erbaut werden, das gegen 8 Millionen Mark kosten wird.
* Treysa. Eine schöne und erhebende Feier durfte am letzten Sonntag das hiesige Brüderhaus begehen. 8 Diakonen wurden zum Amte dienender Liebe eingesegnet, nachdem sie in 4—5jähriger Ausbildungszeit auf ihr Amt vorbereitet waren. Eine große Festgemeinde füllte die schöne, neue Hephata- kirche, in der um V,11 Uhr der Festgoltesdienst begann. Herr Pastor Kuhlo von Bethet bei Bielefeld, der bekannte Posaunengeneral, hielt in der ihm eigenen originellen und packenden Weise die Festpredigt, während der Anstalts-Vorsteher Pfr. Schuchard ernste Worte der Ermahnung und Ermutigung an die Brüder richtete und dann die Einsegnung vornahm. Wesentlich zur Verschönerung der gottesdienstlichen Feier trugen die trefflich zum Vertrag gebrachten Lieder des gemischten Chores von Hepham und die Darbietungen des Posaunenchores bei. Am Nachmittag vereinigten sich bei Kaffee und Kuchen in dem großen unter der Kirche befindlichem Saale noch ein- mal ca. 200 Festteilnehmer zu einer Nachfeier, bei der Herr Generalsuperintendent Dr. Pfeiffer aus Cassel, Herr Pfr. Nordmann aus Cassel und Herr Pfarrer Kuhlo Ansprachen hielten und jeder in seiner Weise die Zuhörer zu fesseln und zu erbauen wußte. — In den auf die Einsegnung folgenden Tagen zogen dann die Brüder in ihre Arbeitsfelder aus, um die ihnen übertragene Arbeit in der Stadtmission in Kranken- und Rettungshäusern u. a. m. zu übernehmen.
Vermischtes.
— Bauernregeln für Februar. Klar Februar, gut Roggenjahr. — Mattheis brichts Eis, findt er keins, so macht er eins. — Singt die Lerche jetzt schon hell, gehts dem Landmann an das Fell. — Sankt Dorothee (6.) wirft den meisten Schnee. — Viel Nebel im Februar viel Kälte das ganze Jahr. — Wenn der Hornung warm uns macht, frierts noch gern im Mai bei Nacht. — Lichtmeß im Klee, Ostern im Schnee. — Wenns an Lichtmeß stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit, ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell.
— Titel Sr. Majestät des Kaisers. An der Spitze des Berliner Adreßbuches steht jedes Jahr gebührendermaßen der Name des Kaisers, der mit den vollständigen Titeln verzeichnet ist. Sie nehmen dort nicht weniger als zehn ganze Zeilen ein und lauten: „Wilhelm der Zweite, deutscher Kaiser und König von Preußen, Markgraf zu Brandenburg, Burggraf zu Nürnberg, Graf zu Hohenzollern, souveräner und oberster Herzog von Schlesien wie auch der Grafschaft Glatz, Groß- Herzog von Niederrhein und Posen, Herzog zu Sachsen, Westfalen und Engern, zu Pommern, Lüneburg, Holstein und Schleswig, zu Magdeburg, Bremen, Geldern, Kleve, Jülich und Berg, sowie auch der Wenden und Kassuben, zu Krossen, Lauenburg, Mecklenburg, Landgraf zu Hessen und Thüringen, Markgraf der Ober- und Niederlausitz, Prinz von Oranien, Fürst zu Rügen zu Ostfriesland, zu Paderborn und Pyrmont, zu Halberstadt, Münster, Minden, Osnabrück, Hildesheim, zu Werden, Kammin, Fulda, Nassau, und Mörs, gefürsteter Graf zu Henneberg, Graf der Mark und zu Ravens- berg, zu Hohenstein, Tecklenburg und Lingen, zu Mans- feld, Sigmaringen und Beringen, Herr zu Frankfurt."
— Infolge Scheuens der Pferde stieß bei Freuden- berg (Westfalen) ein Leichenwagen mit einem Personen- zug zusammen. Der Führer des Wagens und das Pferd wurde sofort getötet, der Wagen zertrümmert, wobei die Leiche aus dem Sarge geschleudert wurde.
— In dem Postamt in Lübeck wurde ein Diebstahl von 14000 Mark aus einem für Rostock für die Reichsbankstelle eingetroffenem Beutel mit 400000 Mark Inhalt entdeckt. Als Täter wurde ein Postassistent . ermittelt. Von dem Gelde sind tausend Mark wieder beschafft worden.
— Originelles Verfahren mit einem Funde. Ein Landwirt in Neermoor verlor vor acht Tagen seine Brieftasche mit 17,600 Mark. Letzten Freitag erhielt er einen Brief folgenden Inhalts: „Einen Teil Ihres Geldes — 8000 Mark — finden Sie bei der Ttmmeler Brücke rechts. Das andere sollen Sie nach fünf Jahren mit Zinsen wieder haben; dann kriegen wir Geld aus Amerika. Sie haben ein gutes Geschäft, und in der Bibel steht: „Wer zwei Röcke hat, soll einen abgeben." Tatsächlich fand der Landwirt die 8000 Mark, in graues Papier eingeschlagen, an der bezeichneten Stelle. Von dem bibelkundigen, geheimnisvollen Briefschreiber fehlt aber jede Spur.
— In Gleiwitz wurde ein lang gesuchter Einbrecher in der Kirche während des Gottesdienstes verhaftet.
— In Oberschlesien nahmen die Erkrankungen an schwarzen Pocken zu. Bis jetzt sind gegen 30 Fälle zur amtlichen Kenntnis gelangt.
— Mit einer so reichen Beute an Heringen, wie in den letzten sechs Tagen sind die Ostender Fischer wohl selten heimgekehrt. Seit dem 14. d. M. sind die Fische in solchen Scharen aufgetaucht, daß die Schaluppen unter ihrer Ladung fast zu sinken drohen. Man will berechnet haben, daß allein am 16. Januar in Ostende 15 Millionen Heringe verkauft worden sind. Infolge des reichen Fanges ist der Preis der Heringe, die anfangs voriger Woche noch 14 Fr. die 100 Kilogr. kosteten, auf 3,50 bis 6 Fr. zurückgegangen. Die meisten der Fische gehen nach Deutschland und Holland.
Verband Deutscher Molorenbesitzer E. P.
Am 5. Januar d. I. wurde in Erfurt dieser Verband unter gleichzeitiger Anmeldung von einer beträchtlichen Anzahl in ganz Deutschland verbreiteten Mitgliedern ins Leben gerufen. Der Verband bezweckt die Förderung der Interessen deutscher Motorenbesitzer, gleichviel ob dieselben Gas-, Benzin-, Elektro-, oder andere Motoren haben. Die Mitglieder des Vereins setzen sich hauptsächlich aus landwirtschaftlichen Be- trieben und Gewerbetreibenden Behörden, Zoll- und Steuer-Aemtern, Versicherungsgesellschaften rc., sowie auch Lieferanten gegenüber vertreten werden. Der Verband beabsichtigt für seine Mitglieder eine Monatsschrift ins Leben zu rufen, die seinen Mitgliedern kostenlos zugestellt werden soll. Um auch den wirtschaftlich schwächsten Elementen den Eintritt ^'eim#^- lichen, wurde die Aufnahmegebühr auf $lt. I —, der Jahresbeitrag mit nur Mk. 2.- festgesetzt. Als Sitz des Verbandes ist der jeweilige Wohnort des geschäfts- führenden Präsidenten bestimmt. Der engere Vorstand besteht aus den Herren:
fürstl. Wirtschaftsdirektor a. D. Wilh. Martin, als geschästsführender Präsident in Regensburg, Sedanstr. 15.
Schreinermeister F. Pfluger, stellv. Vorsitzender der Handwerkskammer, als Schriftführer.
R. Rindermann, Fabrikant, Leipzig als Schatzmeister. Ingenieur R. Schön, Erfurt, als Vorsitzender der Technischen Kommission.
Dr. jur. Ernst Oberländer, München, als juristi, scher Beirat.
Der Verband will in ganz Deutschland Bezirksverbände ins Leben rufen und bereits bestehende Vereine mit gleichen Zielen aufnehmen. In besonderer Würdigung des für das Kleingewerbe und die Landwirtschaft wachsenden Mangels an Arbeitskräften und in der Erkenntnis, daß der Motor diesen Erwerbszweigen die Möglichkeit gibt, billige maschinelle Kraft gegenüber der Konkurrenz der Groß-Jndustrie zu beschaffen, glaubt der Verband einem dringenden wirtschaftlichen Bedürfnis abzuhelfen, aufklärend auf seine Mitglieder wirken zu können und die weitere Ausbreitung der Motore zu fördern. Anmeldungen zum Verband nimmt entgegen: die Geschäftsstelle in Regensburg.
Patentliste hessischer Erfinder.
Herausgegeben von der Firma Heinrich Brust, Verbands-Patent-Büro Cassel, Hohenzollernstraße 43. Fernruf 3186. Amerikanischer Patentanwalt. Den Abonnenten dieser Zeitschrift wird Rat und Auskunft in allen Patentangelegenheiten kostenlos erteilt.
1- Patentanmeldungen.
13c. E. 22580. Sicherheitsventil mit Federbelastung. Gustav Heinrich Rendel, Frankfurt a. M., Gartenstr. 120. 33b. Sch 27363. Reisetasche. Martin Schneider, Offenbach a. M., Sprendlingerstr. 24. 74c. F. 23419. Einrichtung zur Uebertragung von Signalen mittels schwingender elastischer Körper. Feiten u. Quilleaume Lahmeyerwerke, A.-G. Frankfurt a. M.
2. Patenterteilungen.
24a. 195378. Jnnenfeuerung mit Luftzuführendem Flammenrohreinsatz. Deutsche Feuerungs- u. HeizungS- Industrie H. Untiedt, Cassel. 42f. 195385. Ktpp und drehbare Lastaufnehmer für Tafel und Brücken-