SchWernerMung
mit amtlichem Areisblatt.
Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg,
M 4.
Samstag, den 11. Januar 1908.
59. Jahrgang.
Fortwährend
werden Bestellungen auf die
SchMchterner Zeitung
mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.
hneAHala finden in der SchlÄchterner ■ Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tein erscheinenden Zeitungen besitzt.
Kautschukproduktion.
Ueber den Kautschuk und seine Produktion, der wohl heute in keiner Industrie entbehrt werden kann, hielt vor einiger Zeit das Mitglied der Berliner Handelskammer Dr. Sandmann auf Grund eigener Studienreisen einen sehr lehrreichen Vortrag, dem wir folgendes entnehmen.
Deutschland allein braucht jährlich für 100 Millionen Mark Kautschuk. Bekannt geworden ist der Kautschuk erst im Jahre 1736 durch den Gelehrten Charles de la Condamine, der zur Erforschung der Aequatorgebiete Peru und Brasilien besuchte, wo er festgestellt hatte, daß die Bewohner der Provinz Es- meralda von einem Baum, den sie Heve nannten, eine Milch gewannen, aus der sie nach ihrer Verhärtung Lichte bereiteten, die ohne Docht mit ziemlicher HUe brannten. Auch wurden Stoffe und Schuhe mit dieser MiW, bestreichen und geräuchert. Nach den verschiedensten Versuchen für die Verwendbarkeit des Kautschuks brächte die später erfundene Vulkanisierung des Kautschuk eine vollständige Umwälzung; der Bedarf steigerte sich von Jahr zu Jahr und der derzeitige Weltbedarf an Kautschuk stellt sich auf 60—70 000 To. pro Jahr.
Davon liefert Brasilien weit über die Hälfte, und besonders ist es das Amazonasgebiet, das 1906 allein 34 768 To. lieferte. Es umfaßt eine Fläche von 3'/, Millionen Quadratkilometer, ist daher sechsmal so groß wie Deutschland; auf 4 Quadratkilometer kommt bei etwa 1 Million Bewohner ein Mensch. Der Kaulfchuk beherrscht dort den ganzen Verkehr, der sich fast ausschließlich auf dem Wasserwege voll zieht. Von den Wäldern des Amazonasgebietes sind erst kleine Strecken in Bewirtschaftung genommen; die
Untrennbare Kerzen.
Roman von Otmar WilmS. 47
«WaS sollen wir mit der Summe beginnen? Ich habe ohnehin vollauf zu tun, um den übrigen Teil unsere» Vermögens zu verwalten."
Meta gab ihre Zustimmung.
«Ich sagte ihm dies auch," fuhr Julius fort, „und fragte ihn gleichzeitig, ob Horn noch immer so fest darauf bestehe, die zehntansend Taler, die ihm Dein Ba- ter vererbt hat, nicht annehmen zu wollen. Er bejahte dies, und ich glaube es bleibt uns kein anderer Weg übrig, als daß wir das Geld den Eheleuten Weiß in Form einer Schenkung überweisen. Eine kleine Rache nehme ich doch, ich werde Horn zwingen, selbst den SchenkungSakt anzu- fertigen."
„Ich entsinne mich da plötzlich des Testaments, welches Geier hinterließ," nahm Meta, als Julius schwieg, daS Wort. „Hast Du vielleicht gehört, ob die sonderbaren Bestimmungen, die es enthält, buchstäblich erfüllt wurden?" „Allerdings," erwiderte der Doktor lächelnd, „die glücklichen Erben nahmen ohne Ausnahme die Erbschaft an, und Tümpling war der erste, dem der Henker am Gal- gen den Becher mit der Zumutung überreichte, denselben auf das Andenken deS RechtSkonsulenten Paul Geier zu leeren. Der Vagabund, der das Testament nicht kannte, machte große Augen und schleuderte dem Rotmantel den Becher tue Gesicht. Doch ehe ich'S vergesse, ich habe die Akten und Schuldscheine jetzt zum größten Teile durchge- sehen, eS befinden sich viele Zettel Darunter, deren Aussteller ich als tätige, aber blutarme Handwerker kenne. Ich zweifle nicht daran, daß sie ehrlich sind, glaube aber nicht, daß es ihnen je möglich sein wird, das Darlehen, welches sie von Deinem Vater empfingen, zurückzuzahlen. Was meinst Du, sollen wir die Leute gerichtlich verfolgen, um zu unserem Gelde zu kommen?"
Meta sah erstaunt und forschend zugleich in da» ernste Antlitz ihre» Gatten.
Bewirtschaftung resp. Eröffnung eines Gummiwaldes erfordert aber erhebliche Kosten. Die Kautschukbäume werden in einer Art Straßen (Estrada) mit je 100 )is 150 Gummibäumen angelegt, die ungefähr 200 Kilogramm Gummi liefern. Außer im Amazonasge- üet wird auch in den Staaten Maranhao, Piauhy, Ceara, Pernambuco und Bahia Kautschukprodu^tion getrieben. Dort ist es aber nicht die Hevea, sondern die Manihot (Manigoba), welche zum Teil wild und zum Teil in Pflanzungen beobachtet wird. Auch Ceylon hat eine bedeutende Kautschukproduktion. Während noch 1901 auf Ceylon 1500 Acre angebaut wurden, ist dieser Anbau 1906 bereits auf 100 000 Acre gestiegen mit 20 Millionen Bäumen. Im Jahre 1911 wird ein Ertrag von 15 000 To. Gummi erwartet. Ebenso günstig ist die Ertragsfähigkeit der Hevea in anderen Ländern.
Bei Anpflanzungen von Kautschuk in unseren Ko« lonien empfiehlt Dr. Sandmann den Anbau nur solcher Pflanzen, die entweder durch besonders gute Qualität oder sehr billige Produktionskosten konkurrenzfähig sind. Es ist dabei zu prüfen, ob die Kautschukpflanzung noch ertragsfähig ist, wenn die Produktion den Weltkonsum übersteigt und die Preise, wie bei anderen Waren, auf ein Nieveau zurückgehen, die einen der konkurrenzfähigen Ware noch normalen Gewinn übrig lassen. In genügend feuchten Tropengegenden entspricht die Hevea brasiliensis diesen Anforderungen; für trockene unD weniger fruchtbare tropische Landstriche dürfte die Manihot heptophylla und Manihot piauh- yensis nach den neuesten Feststellungen die geeignete Pflanze sein.
Deutsches Reich.
— Der Reichstag nahm in seinen am Mittwoch wieder aufgenommenen Beratungen zunächst den Zent» rumsantrag auf Besserung der Lage des gewerblichen und kaufmännischen Mittelstandes an und ging dann auf den konservativen Antrag betreffend die Privat- beamtenversicherung ein. Frhr. v. Richthofen (kons.) begründete den Antrag unter lebhaftem Beifall und empfahl für die Privatbeamten die Schaffung einer selbständigen Verficherungsorganisation. In der Debatte äußerten auch die übrigen Redner ihr Einverständnis mit der Inangriffnahme dieser Art Versicherung ; indessen forderten die einen eine Sonderversicherung, während eine Minderheit Anschluß an die bestehende Arbeiterversicherung befürwortete.
„Wo sind die Schuldscheine?" fragte sie ruhig, „ich muß sie selbst anseheu, ehe ich darüber bestimme« kann."
Julius zeigte auf ein Päckchen, welches abgesondert auf dem Tische lag. „Die Summen sind nicht bedeutend," versetzte er, indem er aufstaud, um die Jalousien zu schließen, „höher als fünfzig Taler ist keine, indes einige tausend Taler machen diese Kleinigkeiten immerhin auS."
Meta nahm die Scheine und riß sie, ohne einen Blick darauf zu werfen, in der Mitte durch.
Ein freudiges Lächeln flog über die Züge des Doktors. „Ich wußte, daß Du so auf meine Frage antworten wer- best," sagte er, „doch jetzt gib mir die Stücke, ich werde sie kuvertieren und den betreffenden Leuten zusenden. Da» Bewußtsein, Schulden zu haben ist über dem Haupte des ehrlichen Familienvaters ein Damoklesschwert und unser Werk wäre nur halb getan, wollten wir unsere Schuldner darüber in Ungewißheit lassen. Apropos, hast Du in letzter Zeit Dein elterliche» HauS gesehen?"
Meta legte daS Kind, welches inzwischen eingeschlummert war, auf den Divan und kehrte zu ihrem Sitze zurück. „Nein," erwiderte sie, „mich erfaßt stet» ein Grauen, wenn ich in die Nähe der NikolaSstraße komme, ich vermeide eS ängstlich, sie passieren zu müssen."
„Ich kam gestern an dem Hause vorbei," fuhr Julius fort, „Du wirst erstaunen, wenn Du e» wiederstehst. Die Armen-Verwaltung, der Du es schenktest, hat eS zu einer Rettunganstalt für verlassene Kinder bestimmt, und die innere Einrichtung, die mir Deine erste Pflegemutter, die Frau Münster, die auf Deine Fürsprache dort die Stelle einer Haushälterin erhalten hat, bereitwillig zeigte, ist in jeder Beziehung vortrefflich."
Während er noch redete, hatte eS leise angepocht.
Julius öffnete die Türe und reichte dem Eintretenden freudig überrascht die Hand.
„Willkommen! Also ganz haben Sie mich doch nicht vergessen," sagte Julius im Tone des Borwurf». alSDok-
— Das preußische Abgeordnetenhaus trat am Mittwoch zur ersten Sitzung nach den Weihnachtsferien zusammen. Zunächst brächte Finanzminister v. Rhein- baben den Etat mit einer längeren Rede ein, in der er einen Ueberblick über die Etatsjahre 1906, 1907 und 1908 gab. Der Minister schloß seine Rede unter lebhaftem Beifall mit den Worten: „Unser Staatshaushalt muß unserem Wirtschaftsleben eine kräftige Stütze geben. Ich vertraue, daß wir mit bestem Mute und in gemeinschaftlicher Arbeit alle kommenden Schwierigkeiten für Volk und Staat überwinden werden Dann ging das Haus zur Beratung eines nationalliberalen Antrages auf einheitliche Regelung der Haft» flicht der Staats- und Gemeindebeamten über. Der Antrag wurde zurückgezogen, nachdem Jnstizminister Dr. Beseler erklärt hatte, daß ein entsprechender Gesetzentwurf voraussichtlich noch im Laufe der Session vorgelegt werden würde. Ein Antrag des Abg. Hammer (kons.), der in höherem Maße die Zuziehung von Handwerkern als Sachverständige bei Vergebung staatlicher Submissionsarbeiten verlangt, wurde der Kommission für Handel und Gewerbe überwiesen.
— Prinz Waldemar von Preußen, der älteste Sohn des Prinzen Heinrich, hat sich in Begleitung eines Marinearztes nach Aegypten begeben.
— Im „Reichsanzeiger" wird ein Wechsel in hohen Beamtenstellen veröffentlicht. Der Oberpräsident der Provinz Sachsen, Wirkliche Geheime Rat Freiherr v. Wilmowski, tritt am 1. Februar in den Ruhestand. An seine Stelle tritt der Regierungspräsident Hegel in Allenstein. Der Regierungspräsident v. Bake in Trier ist in.gleicher Amtseigenschaft an die Regierung in Arnsberg und der Regierungspräsident Dr. Baltz in Magdeburg an die Regierung in Trier versetzt worden. Ferner sind ernannt worden der Oerpräsidialrat Gramsch in Königsberg zum Präsidenten der Regierung in Allenstein, der Polizeipräsident Dr. v. Borries in Berlin zum Präsidenten der Regierung in Magdeburg und der Landrat des Kreises Teltow von Stubenrauch, unter Verleihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat mit dem Range der Räte erster Klasse, zum Polizeipräsidenten von Berlin. Herr v. Stubenrauch hat sich große Verdienste namentlich durch den Bau des Teltow-Kanals erworben, der mit vielen Hafenanlage,l, Treidelverkehr, mustergültigen Schleusen über 40 Millionen Mark gekostet hat. Mit dem Kanal hat der Kreis auch die Personenschiffahrt auf Teilen der Havel und auf dem Kanal in eigene Regie übernommen.
tor Zwenger inS Zimmer trat. „Seit zwei Jahren habe ich Sie täglich, ja stündlich erwartet, ich baute fest darauf, den, Doktor Zwenger werde mein Befinden nicht gleichgültig sein."
„DaS ist er auch nicht, lieber Junge, gewiß nicht," entschuldigte der alte Herr sich, während er auf dem Stuhle, den Meta ihm anbot, Platz nahm; „aber mein Landgut . mein Landgut! Es verfeindet mich mit all meinen Freunden, jeden Tag nehme ich mir vor, in die Stadt zu gehen, und meinen alten Bekannten einen Besuch abzustat- ten, aber wenn ich vor die Türe trete und meinen schönen Garten, den frischen duftigen Wald und die üppigen Wiesen sehe, läßt eS mich nicht fort. Statt den Weg zur Stadt einzuschlagen, bleibe ich in einer Laube oder unter einem schattigen Baume sitzen und träume von alten vergangenen Tagen. Er träumt sich köstlich da, Juliu», ich bitte Sie, kommen Sie mit Frau und Kind einmal auf ein paar Wochen zu mir, die Landluft wird Euch gut tun. Ihr müßt eS mir nicht übel nehmen," fuhr er redselig fort, indem er die Hand Julius' ergriff und der jungen Frau einen bittenden Blick zuwarf, „dav Alter hat seine Gewohnheiten, von denen eS sich nicht loSreißen kann. Besucht Ihr mich desto öfter, Ihr sollt mir in meiner Einsamkeit herzlich willkommen sein."
Meta zog die Schelle und befahl der gleich darauf erscheinenden Magd, eine Flasche Wein auS dem Keller zu holen.
Zwenger wandle sich um, und ein Schatten düstern Ernstes verdrängte das freundliche Lächeln von seinemAnt- litze. „Nein, nein," wehrte er ernst ab, „lassen Sie den Wein unten, ein andermal will ich von Ihrem freundlichen Allerbieten Gebrauch machen, heute ist es mir nicht möglich, einen Tropfen über die Lippen zu bringen. Ich habe eine traurige Nachricht für Sie," wandle er sich zu Julius. „Ich hege die feste Hoffnung, daß die Bitte, die ich an Sie richte, ein offenes Herz findet.. Ihre Mutter liegt in den letzten Zügen..." - - . 144,1t,