Nr. 3/4 Unsere Heimat ^^6^^L^L^k^^^^>^^> Seite 27
Unsere Heimat hat also bereits ein solches Kreuz, ein solches Denkmal des Weltkrieges. Dort erhebt es sich, wo die hohen Berge schroff zum Huttental hinabfallen, dort, wo man einen entzückenden Blick ins Huttental genießt mit seinen niedlichen Dörfchen, dort, wo das Auge weit in die Ferne schweifen kann über die bewaldeten Höhen des Spessart. — Dort auf fruchtbarem Boden, dort auf einem herrlichen Fleckchen Erde steht das ernste Mahnzeichen an Eroen- not und Himmelsseligkeit. —
Herr Gastwirt Anton Ruppel von Kerbersdors hat dieses Denkmal errichten lassen auf seinem Grundstück im Grünwald. Er hat es errichten lassen „zur steten Erinnerung an den Weltkrieg und mit dem Wunsche einer frohen Heimkehr aller beteiligten Krieger aus der Gemeinde Uerbersdorf." Angefertigt wurde das Kreuz von Herrn Bauunternehmer Hausmann in Coden. Das Denkmal trägt auf Dem Querbalken die Inschrift: „Im Kreuz ist Heil uno Sieg," und auf dem Sockel: „Zur Erinnerung an den Weltkrieg". —
Welch eine gewaltige Sprache redet dieses Denkmal in seiner Schlichtheit und mit seinem knappen inhaltsreichen Wort! Wie furchtbar muß bo^ oieser Krieg gewesen sein, wie gewaltig muß er die Volksseele ergriffen haben, daß man noch' mitten in dem
Ringen und Kämpfen ein solches Denkmal errichtete.
— Merke es, Wanderer, der du in glücklichen Zeiten vorübergehst und vergiß der Not nicht, die dein Volk hat durchmachen müssen und nimm sie dir zu Herzen. — Merke dir, Wanderer, die Tatsache, die ein Mann aus dem Volke, das Volk selbst verkündet, eine Tatsache, die kein Zweifel und kein Verstand wegleugnen kann. Das Volk jener Tage flüchtete sich unter das Kreuz seines Erlösers, hier fand es Heil und Sieg gegen die Schrecken und Sorgen und Schmerzen der furchtbar schweren Zeit. Hier holte sich der Held Kraft zum Kampf und Tod fürs Vaterland; hierher kamen die daheim mit ihrer schweren Last, hier mußte ein weitseliges Geschlecht umlernen, daß nicht ourch weichliche Schonung und reichen Genuß das Glück gewonnen wird, sondern daß es durchsKreuz zur Krone, und zwar durch dieses Kreuz zur Krone geht.
Wir haben schon herrliche Siege errungen. Wir hoffen, daß auch der Endsieg unser sein wird. Wie glücklich werden wir über diesen Sieg sein, wie stolz werden wir noch in fernen Tagen auf Diesen Sieg sein. Möge in diesen schönen und besseren Zeiten das Kreuz im Grünwald bei Kerbersoorf uns immer wieder daran erinnern, was das Kreuz uns gewesen ist, als wir um dieses Segens willen litten, beteten und kämpften. — Kurz, Pfarrer.
was gibt's Neues daheim 2
er Frühling ist da! Nicht nur Die „Offensive" hat auf ihn gewartet, auch wir daheim atmen auf in dem Gedanken: Ist der Friede auch noch nicht da, den bange machenden Kriegswinter haben wir wenigstens hinter uns. Unsere Kämpfer draußen dürfen wir uns „trocken und warm" denken; das nimmt uns viel von der Kriegssorge hinweg. Nun sind schon sonnige uno warme Tage als Herolde dagewesen, und wenn auch Frostnächte und rauhe Winde uns zwischenourch mahnen und warnen: „Frohlocket nicht allzufrüh, der Nachwinter bleibt selten aus!" genießen wir froh und dankbar das vorhandene Geschenk. Alte und gebrechliche Leute sieht man auf den Treppenstufen in oer Sonne sitzen und das neue Leben anblinzeln,- sie immerfrohe Jugend hören wir beim Ball- und Schießerspiel über zehn Häuser weg jauchzen. Draußen auf den Beeten sind Die Frauen beim Graben, und der Austausch der Meinungen, ob zu früh oder zu spät angefangen worden ist, geht flott uno weit hörbar vonstatten. In den Hausgärten zumal wimmelt's von emsig schaffenden Händen der Hausfrauen und helfenden Kinder. Und nun ist die Feuchtigkeit auch schon aus der „Lehmkaute" im Weichen. Vor acht Tagen sah ich, wie ein zäher Zweiundacht- zigjähriger die schwere Egge über das Hafersaatfelo gehen ließ; er lachte fröhlich und stolz und sagte: „Die Ärwet möcht mich heut noch niet müd!" — Was bedeutet grade jetzt schönes, trockenes Wetter für die Landwirtschaft? ! Es ist viel zu schaffen uno die Arbeitskräfte fehlen; da Heißt's jeden schönen Tag nützen, damit man nicht zurückbleibt, falls noch mal eine längere Regenzeit einfetzt. Aber die wird uns hoffentlich verschonen; die alte Bauernregel sagt ooch: „Die Witterung bezöählt sich aus!" Also muß auf den feuchten Winter ein trockner Sommer folgen.
Prachtvoll steht die Wintersaat; einzelne Landwirte wollen sie aufeggen, weil sie ihnen zu dicht scheint. Das war doch unsere größte Sorge: Wird die deutsche Heimat das Iahrbrot liefern? Jetzt dürfen wir hoffen. Die Ernteaussichten sind' gut.
Unsere Landsturmbataillone in Steinau, Schlüchtern und Elm begrüßten wir im verflossenen Herbste bei ihrem Einrücken mit einem heiteren und einem nassen Auge. Gewiß wurden die Landsturmrekruten, zumeist Familienväter, mit herzlicher Freundlichkeit ausgenommen, besonders von denen, die selbst Söhne oder Gatten als Soldaten draußen hatten, denen sie ebenso herzliche Aufnahme wünschten. Bald hatten wir uns auch daran gewöhnt, um der Gäste willen auf gewisse Bequemlichkeiten zu verzichten. Und manche dieser Verzichtleistungen sollen nie und nimmer „Opfer" genannt werden, nachoem wir gelernt haben, was „Blutopfer" sind und bedeuten. Aber als die Feldküche ausblieb, da wachte die Sorge um die Nahrungsmittelbestände auf, besonders bei denen, die jede Kartoffel und jedes Strick Brot und jedes Gramm Fleisch und Fett kaufen mußten. Schließlich hat's doch gelangt, und im ganzen ist alles zufrieden gewesen. Nun sind fast alle Landstürmer abgerückt, die gesunden in die Etappen, die kranken und schwächlichen in die Heimat. Einer ^at sich auf dem Friedhof Schlüchterner Bürgerrecht erwerben müssen.
Unsere Lazarette sind neu aufgefüllt worden. Im neuen Krankenhause befinden sich 70, im alten 20 verwundete und kranke Krieger. Viele sind aus den ersten Kämpfen um Verdun Darunter. Sie erzählen uns von dem frischen Geist unb der zuversichtlichen Stimmung unserer Kampftruppen und verstärken unsere Hoffnung auf das Gelingen Der