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deutsches Reich.

Die Taufe des jüngsten Kaiserenkels hat statt- gefunden. Der Prinz erhält die Namen Louis. Fer­dinand, Viktor, Eduard, Albert, Michael, Hubertus. Sein Rufname ist Louis Ferdinand, zum Gedächtnis an den Heldenprinzen Louis Ferdinand von Preußen, Neffen Friedrich des Großen, der 1806 bei Saalfeld den Heldentod fand. Hofprediger Dryander vollzog den Taufakt.

Prinz Rupprecht von Bayern wird als kom­mandierender General am Neujahrstage mit dem.Kaiser eine Begegnung in Berlin haben. Persönliches liegt natürlich nicht vor, wie der herzliche Verkehr Mischen dem Kaiser und dem Prinzen Ludwig, dem Vater des Prinzen Ruurecht, beweist.

Der Kaiser hat für die Königin von Holland eine Bronzewiederholung der Statue des Prinzen Fried­rich Heinrich von Oranien, die auf der Berliner Schloß- terraffe steht, als Geschenk anfertigen lassen. Gleich­falls hat der Kaiser eine Spende für das deutsche Museum in Aussicht gestellt. Er will von seinen Ton­werken in Kabinen eine Majolikadecke für einen Saal stiften.

Patenstelle bei dem zweiten Sohne des Kron­prinzen haben auch der Großherzog und die Großher- zogin von Mecklenburg-Schwerin, der Bruder und die Schwägerin, der Kronprinzessin, übernommen.

Der Kaiser stellte den Prinzen Ludwig von Bayern a la suite des H. Seebataillons.

Die Beisetzung der verstorbenen Königin-Witwe von Sachsen fand am Mittwoch in der katholischen Hofkirche statt. Der Katafalk war von Hunderten brennenden Kerzen umgeben, die Ehrenwache und fackel- tragende Pagen umstanden den Sarg. Um halb sechs ertönte Trauergeläute und um 6 Uhr erschien der König mit den Prinzen und Fürstlichkeiten und nahm zwischen Prinz Friedrich Leopold von Preußen und dem Ver­treter des Kaisers von Oesterreich Platz. Die Prin­zessinnen und Fürstinnen hatten im Oratorium Platz genommen. Als die Geistlichkeit erschien, ertönten Orgelklänge, dann folgte der Vortrag des Miserere. Nachdem die Leiche eingeweiht, folgte der Benidiktus. worauf Bischof Schäfer das Gebet sprach. Unter Orgel- klang senkte sich der Sarg in die Tiefe. Den Schluß der Feier bildete das Salve Regina.

Die Entscheidung des Streites im Flottenverein in dem sich jetzt der Vorstand des badischen Landes­verbandes auf die Seite des bayerischen gestellt hat, ist bis nach Neujahr vertagt worden. Am 9. Januar findet in Kassel eine außerordentliche Hauptversamm­lung des Flottenvereins statt, vom Präsidium einbe­rufen. Generalmajor Keim bestätigte, daß alle Ge­rüchte von seinem Rücktritte und dem des Fürsten Solm unbegründet seien. Der Kaiser werde sich in den Streit des nicht amtlichen Flottenvereins nicht einmischen. Von München aus wird dagegen die Meldung von dem bevorstehenden Rücktritte Keims auf­recht erhalten.

Ber Betriebsüberschuß der preußischen Staats- bahnen für 1907 bleibt weit hinter dem Voranschlag zurück. , t.

Von der Berliner Kriminalpolizet ist die Ver­haftung zweier Anarchisten vorgenommen worden. Es handelt sich um den französischen Anarchisten Boinville und den Berliner Tapezierer Goschke. Beide gehören einer internationalen Anarchistengruppe an, welche in Paris ihren Sitz hat und sich in erster Reihe den Ver­trieb falschen Geldes zur Aufgabe macht. Man fand

De^eihnachtswMsch des Kanfleischreibers.

Ein Märchen.

(Schluß)

Der Gendarm verbat sich die ungebetene Rede und sagte:15 Kilometer pro Stunde ist die höchst zulässige Geschwindigkeit und jede Überschreitung wird mit 30 Mark bestraft." Und da Hans Mathias noch keinen Wohnsitz angeben konnte, mußte er gleich in den Beutel greifen und die Summe erlegen. Das war aber dem braven Michel zu viel. Er nannte das eine Unverschämtheit, der Gendarm gab ihm nichts nach, und das Ende dieses Zwischenfalls war, daß Michel wegen Beamtenbeleidigung und Wioerstand gegen die Staatsgewalt sofort in Arrest geführt wurde. Nun stand Hans Mathias allein mit seinem wunder­schönen Auto auf der Landstraße. Das war ihm eine schreckliche Not. Er hatte schon gemerkt, daß das Autofahren im lieben Deutschen Reiche nicht eine so einfache Sache war. Und da er die Gesetze noch nicht kannte und in der Lenkung des Autos noch gar nicht sicher war, trat ihm bei dem Gedanken, allein weiter zu fahren, der Angstschweiß auf die Stirn. . Doch er faßte sich ein Herz und fuhr langsam seiner Wege Unglücklicherweise war die Chaussee sehr belebt und alle Wagen fuhren in echt deutscher Gemütlichkeit bunt durcheinander, der eine rechts, der andere links, der dritte in der Mitte, und die Kutscher gingen Plaudernd in kleinen Gruppen zwischendurch. Hans Mathias hupte was er nur hupen konnte, aber keiner machte Miene auszuweichen. Er aber getraute sich nicht, um sie herum zu fahren, und so kam er bald zwischen die Ackerwagen, ohne einen Ausweg zu finden. Seine üble Laune wurde nicht besser, als er die höhnischen Blicke und Zurufe der Kutscher bemerkte, die sich ein

bei Boinville Proben von falschem französischen un- deutschem Gelde und gefälschten Banknoten Es wird angenommen, daß die Verhafteten mit der Anarchisten­gruppe in Verbindung stehen, die das Waffen- und und Papierlager in der Parlstraße in Berlin unter­halten hat.

In der kürzlich in Berlin abgehaltenen Gene­ralversammlung des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustriellen wandte sich der Geschäftsführer Bueck scharf gegen den nationalliberalen Reichstagsabgeord­neten Dr. Stresemann, der wiederholt eine überaus feindliche Stellung gegen die rheinisch-westfälische Groß­industrie bekundet habe. Dies sei um so mehr zu be­dauern, als Dr. Stresemann wiederholt versichert habe, er spreche im Namen seiner Partei. Infolge dessen werde die rheinisch-westfälische Großindustrie nicht um­hin können, ihre Stellung zur nationalliberalen Partei einer Revision zu unterziehen.

Ausland.

Der englische Staatssekretär des Auswärtigen Sir Edward Grey berührte in einer in Berwick ge­haltenen Rede auch den Besuch des Deutschen Kaisers in England und sagte daß dieser Besuch dazu bestimmt gewesen sei, auf beide Länder einen günstigen Einfluß auszuüben. Die Hälfte oder noch mehr als die Hälfte aller diplomatischen Schwierigkeiten verschwänden, wenn beide Völker gegenseitig zu der Ueberzeugung gelangten daß keines dem anderen übel wolle.

In Marseille wurden bei einem nächtlichen Ein­bruch 50 000 Francs in bar und ebensoviel in Wert­papieren aus dem Kassenschrank der deutschen Kolonial- waren-Jmportfirma Martin und Baum gestohlen.

Eine furchtbare Grubengasexplosion erfolgte in dem der Pittburg Goal Company gehörigen Darrberg- Werk unweit Connelsville (Pennsylvanien). Etwa 500 Mann, darunter 100 Amerikaner, der Rest Ungarn und Polen, waren zu der Zeit in der Mine. Sie sind wohl alle umgekommen. Die gewaltige Explosion riß die Gebäude am Grubeneingang weg. Jetzt dringt dichter Rauch aus der Einfahrt. Rettungsversuche sind noch unmöglich. Die Grube steht noch in Flammen. Die Gänge sind zweiffellos verschüttet. Die Verwal­tung fürchtet, daß alle Bergleute ^umgekommen sind. Das ist die dritte Grubenkatastrophe innerhalb vierzehn Tagen, die zusammen 1000 Menschenleben kosteten. Die Connelsville-Gruben sind bekannt für schlagende Wetter, da Kokskohle gefördert wird, die besonders viele Gase enthält.

Infolge des Vorfalles im Deutschen Klub in Warschau bei welchem die Büsten Kaiser Friedrich III. und Wilhelms H. von bewaffneten Eindringlingen zum Fenster hinausgeworfen wurden, beauftragte der Ge­neralgouverneur alle ihm unterstellten Behörden, Maß­regeln zum Schutze der deutschen Staatsbürger zu er­greifen. Das deutsche Konsulat wird militärisch be­wacht.

Das österreichische Herrenhaus hat den Aus­gleich sowie das Quotengesetz in allen Lesungen ange­nommen, nachdem sich sämtliche Redner mit Ausnahme des Grafen Kuefstein, welcher wegen staatsrechtlicher Bedenken den Ausgleich ablehnte, für den Ausgleich ausgesprochen und der Regierung wärmste Anerkennung für die erzielten Erfolge ausgesprochen hatten.

Der Schweizer Ständerat hat einstimmig das internatiinale Uebereinkommen betreffend das Verbot industrieller Nachtarbeit der Frauen und das Verbot Vergnügen daraus machten, denAutomobilprotz" einnial gründlich zu höhnen, besonders da sie seine hilflose Lage erschauten. Hans Mathias biß die Zähne zusammen; in diesem Moment fühlte er auch gar nichts von der Höhe des Uebermenschentums in sich wie aber ein besonders roher Geselle mit der Peitsche nach ihm ausholte, verlor er die Beherrschung, stellte seinen Motor auf die 4. Geschwindigkeit und stürmte vorwärts natürlich fuhr er bald gegen einen Wagen. Das Pferd ging hoch und riß sich los, das Vorderrad des Autos war gänzlich demoliert, und Hans Mathias verdankte nur dem Umstände, daß er im letzten Moment alle Bremsen angezogen hatte, ferne Rettung. Nun fielen die groben Gesellen über den Mutier her, und es hätte nicht viel gefehlt, so hätten sie ihn mit dem Peitschenstiel bearbeitet. Erst als er einige Goldfüchse vorzeigte und demjenigen eine gute Belohnung versprach, der sein Auto zur nächsten Reparaturstelle schaffen wollte, milderte sich die Stimm­ung der Bauern. Hans Mathias suchte ihnen auf die freundlichste Weise begreiflich zu machen, wie sehr sie ihm Unrecht täten, die Ursache des Unglücks sei doch nur ihre Weigerung auszuweichen und ihre Un­ordnung in der Fahrt. Da kam er aber schön an. Die Landstraße gehöre ihnen, und um eines Automo­bils willen wichen sie nicht aus, das wäre ja noch schöner. Mit welchem Rechte das so ein Protz ver­langen wolle? Hans Mathias gab es auf, mit ihnen zu diskutieren, aber er wurde sehr traurig.

Müde und zerschlagen langte er endlich in Baden- Baden an, wo er zunächst längeren Aufenthalt nehmen wollte. Nun hieß es auch, einen neuen Chauffeur zu suchen, denn den Michel wollte er nicht mehr. Der erste, den er engagierte, fuhr bei der ersten Ausfahrt

der Verwendung gelben Phosphors in der Zündholz­industrie' genehmigt.

-- In Stockholm hat das Leichenbegängnis König Oskars von Schweden mit großer Feierlichkeit statt- gefunden. Unter dem Geläute der Glocken der Stadt und Spalierbildung der Truppen bewegte sich der Trauerzug mit dem sechsspännigen Leichenwagen nach der Kirche Niddarsholm. Hinter dem Sarge schritten der König von Schweden und Dänemark, die könig­lichen Prinzen von Schweden. Prinz Heinrich von Preußen, Erzherzog Friedrich von Oesterreich, Ferdi­nand, Jnfant von Spanien, der französische Gesandte Prinz Arthur von Connaught, Großfürst Konstantin, der Kronprinz von Rumänien, der türkische Gesandte Prinz Max von Baden, der Fürst zu Wied und die übrigen außerordentlichen Gesandten. Die Königinnen von Schweden und Dänemark begaben sich im Wagen zur Kirche, wo der Crzbischof den Gottesdienst abhielt Artillerie gab eine Salve von 42 Schüssen ab. Der Leichenzug kehrte in derselben Ordnung zurück.

Der russischen politischen Polizei ist es ge­lungen, ein Lokal hervorragender Revolutionäre in Finnland in der Nähe von Tertjoki auszuheben. Es wurden drei Männer und drei Frauen verhaftet, da­runter der Haupturheber der meisten politischen Morde der letzten Zeit. Er nennt sich Karl. Seine Geliebte besitzt einen Paß auf den Namen Emma Wittenberg Es wurden zahlreiche Dokumente gefunden und ein Photographialbum mit Bildern vonGenossen", da­runter von sieben bereits Hingerichteten Revolutionären, ferner ein Adreßbuch von Mitgliedern der Revolutions­partei, lettische Broschüren usw.

Die bulgarische Regierung hat sich zu energi- schen Maßnahmen gegen das mazedonische Bandenun­wesen entschlossen und wird demnächst einen Erlaß, durch den der Bandenführer Sandanski mit seinen An­hängern auf Grund des Gesetzes über die Verfolgung von Räubern für vogelfrei erklärt wird. In Kylow- klosten wurde ein Mönch, der ein Agent von San­danski war, verhaftet. Man fand bei ihm Briefschaften vor, auf Grund deren man festgestellt hat, daß San­danski und Panitza sich im Rylowgebirge versteckt halten. Truppen haben bereils das Versteck umzingelt, sodaß eine Flucht unmöglich ist.

Die Unruhen in Persien werden immer bedenk­licher. In allen Provinzen Persiens sind die Re­gierungsvertreter machtlos. Das Volk ist einstimmig für das Parlament und fordert einstimmig die Ab­setzung des eidesbrüchigen Schahs. Tausende sind zur Unterstützung der Parlamentspartei nach Teheran unterwegs,

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 20. Dezember 1907.

* Fröhliche Weihnachten all unsern Lesern in Stadt und Land! Auf das wir uns alle gefreut, auf das Alt und Jung seit Wochen sich vorbereitet, es ist ist nun da, das schönste Fest der Christenheit. Bald werden die Glocken am hl. Abend es einläuten und überall aus den Häusern heraus die Kerzen des reich- geschmückten Tannenbaumes ihren Schein in die stille Nacht hinaussenden. Die alten schönen Weihnachts- lieber werden an geweihter Stätte und im trauten Kreise der Familie erklingen, den liebe Angehörige aus der Ferne durch ihre Gegenwart verschönen und alles wird des Kindleins gedenken, das zu Bethlehem geboren ward und in einer Krippe lag, das gekommen, die in einer Kurve gleich in den Chausseegraben, und auf die Vorwürfe seines Herrn erwiderte er:ja, ich habe nur geringere Pferdestärken gefahren; Ihre 50 PS. sind mir zu schnell, da kann ich nicht mit". Dabei hatte er das vorgeschriebene Fahrerzeugnis der Polizei vorgelegt. Haus Mathias schüttelte den Kopf; hier war wieder etwas faul. Wenn ein Unterschied in der Behandlung der Motoren bestand, dann mußte doch bei der vorgeschriebenen Prüfung darauf geachtet werden ! Der erste wurde gleich entlassen. Der zweite verstand aufs beste mit dem Wagen umzugehen, so daß Hans Mathias aufatmete. Aber der war ein gewesener Rennfahrer und konnte seinen Schnelligkeits­koller gar nicht züg-ln. Die Folge war, daß er zum Schrecken der Umgegend wurde und daß ein Straf­mandat nach dem andern auf den armen Hans Mathias herabregnete. Eine Zeit lang ließ er sich das gefallen; da es aber trotz aller Vorhaltungen nicht besser mit dem Menschen wurde, ließ er ihn wieder laufen. Nun stand jedoch sein Automobil im Rufe des Schnell- fahrens, und die Strafmandate fanden sich nach wie vor ein, trotzdem Hans Mathias nie mehr als 15 Kilometer pro Stunde innerhalb der Ortschaften fuhr. Er hatte sich auch einen Geschwindigkeitsmesser ange-- schafft, um jedem Gendarmen seine Unschuld immer gleich beweisen zu können, aber gewöhnlich kamen die Strafanzeigen aus dem Hinterhalt und erst nach einigen Wochen, wenn es ganz unmöglich war, über­haupt noch zu wissen, ob man an dem Tage. wirklich in dem Orte gewesen war. Nun legte sich Hans Mathias selber auf die Erlemung der Autofahrkunst und hielt sich einen Chauffeu: nur zum Reinigen der Maschine. Allmählich wurde er aber autvmodilmüde. Seine Reifen und Ausflüge wiren ja an sich Wunder-