wurde, bereits wieder besser gings. — Am Freitag erklärte Abg. Singer (Soz) die Aufhebung des Ver- bots des Getreideterminhandels für unbedingt notwendig und mache die Stellungnahme seiner Partei von der Gestaltung, welche die Vorlage erhalten würde, abhängig. Den entgegengesetzten Standpunkt nahm der Abg. Böhme (Wirtsch. Vg.) ein Abg. Hahn (kons.) beantragte Ueberweisung der Vorlage an eine Kommission, was auch schließlich beschlossen würde. Auch der Entwurf über Erleichterung des Wechselprotestes wurde nach kurzer Debatte einer besonderen Kommission überwiesen. Dann ging der Reichstag bis zum 8. Januar in die Weihnachtsferien.
— Das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigte sich am Mittwoch mit der nationalliberalen Interpellation betreffend die Aufbesserung der Beamtengehälter, die vom Abg. Schiffer (natl.) begründet wurde. Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben beantwortete die Interpellation. Er wies auf die außerordentlichen Schwierigkeiten hin, die der Regelung der ganzen Materie entgegenstehen, und betonte, er werde den Beamten das größte Wohlwollen entgegenbringen und denke nicht daran, die ursprünglich für die Aufbesserung in Aussicht genommene Summe zu reduzieren.
— Das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigte sich am Donnerstag mit der ersten Beratung des Polizeikostengesetzes. Der Minister des Innern v. Moltke begründete die Vorlage und legte dar, daß das jetzt geltende Gesetz von 1892 die Erwartungen nicht erfüllt habe, da das Verhältnis der Polizeikostenbeiträge zu den Staatsaufwendungen in den Städten mit staatlicher Polizeiverwaltung sich immer mehr zu un- gunsten des Staates verschoben hat. Um diesen Mißstand abzustellen, schlägt die Regierung vor, eine feste Quote von zwei Fünfteln den Städten zuzuweisen. Nach kurzer Debatte, an der sich die Abg. v. Treskow (kons), Dr. Schroeder (natl.), Dr. König (Z.,) Dr. Rewoldt (frkons), Cassel (fr. Vp.) und Münsterberg (fr. Vg.) beteiligten, wurde die Vorlage einer besondern Kommission überwiesen. Dann kamen die beiden Interpellationen der Konservativen und Frcikonserva- tiven über Maßnahmen gegen den Kontraktbruch auswärtiger ländlicher Arbeiter zur Verhandlung. Landwirtschaftsminister v. Arnim beantwortete die Interpellationen dahin, daß die Regierung von einem Gesetze gegen den Kontraklbruch absehe, weil schon früher eine Einigung darüber nicht habe erzielt werden können, daß sie aber damit umgehe, den Legitimationszwang für die ausländischen Arbeiter durchzuführen. Mit dieser Maßregel erklärten sich sämtliche Parteien einverstanden. Dann ging das Haus bis zum 8. Januar in die Weihnachtsferien.
— Die Königin-Witwe Karola von Sachsen ist am Sonntag früh 3 Uhr 40 Minuten sanft in der königlichen Villa zu Strehlen entschlafen. Am Sterbebett waren der König, die Prinzessin Mathilde, die Prinzessin Johann Georg und der gatize Dienst versammelt.
— Die Leiche der Königin-Witwe Carola ist im Wintergarten der Villa Strehlen aufgebahrt. Nach den zur Zeit getroffenen Dispositionen findet die Ueberführung der Leiche nach der katholischen Hos- kirche am Dienstag, den 17. d. Mts., abends 9 Uhr und die feierliche Beisetzung in dieser Kirche am Mittwoch, abends 6 Uhr, statt. Der königliche Hof legt von heute ab auf 10 Wochen Trauer an.
— Der Angeklagte Harden ist am Montag nicht erschienen. Der Vertreter erklärt, nach dem ärztlichen Gutachten lasse es Hardens Zustand unmöglich zu, an Gerichtsstelle zu erscheinen. Der Oberstaatsanwalt be- antragte die Verhandlungen auf drei Tage auszusetzen. Der Gerichtshof beschloß, die Sache bis 12 Uhr mittags auszusetzen und den Gerichtsarzt zu beauftragen, den Angeklagten zu untersuchen und bis 12 Uhr mittags sein Gutachten über den Gesundheitszustand des Angeklagten abzugeben.
Ausland.
— In Athen fand die kirchliche Trauung des Prinzen Georg von Griechenland und der Prinzessin Marie Bonnaparte statt.
— Die deutsch-südwestafrikanische Eisenbahn Lüderitz- bucht— Keetmanshoop ist Ende November in Feld- schoe-Horn bei Kilometer 285 angelangt. Bis Keet- manshoop fehlen noch etwa 80 Kilometer. Die nächste Teilstrecke bis Seeheim bietet erhebliche Geländeschwierigkeiten, so daß ihre Fertigstellung erst im Frühjahr erwartet werden darf.
— Zum Schweizer Bundespräsidenten wurde von der vereinigten Bundesversammlung für das Jahr 1908 der Bundesrat Brenner-Basel (radikal), zum Vizepräsidenten der Bundesrat Zemp-Luzern (katholischkonservativ) gewählt.
— Um Gehaltserhöhungen durchzusetzen, hat die passive Resistenz der österreichischen Postunterbeamten begonnen, eine mildere Form des Streiks, wobei zwar Dienst getan wird, aber so lässig, daß sich die Abfertigung der Sendungen aufs äußerste verzögert.
— Uebernahme des Kongostaates durch Belgien veröffentlicht worden. Der wichtigste Teil der Anlagen ist der Bericht der belgischen Regierungsbevoll-
uiächtigten, Welcher zu der Schlußfolgerung gelangt, daß die Lage des Kongostaates geregelt sei in nationaler Hinsicht durch eine Gesamtheit diplomatischer Akte, deren loyale Ausführung durch alle Parteien jede Möglichkeit eines Konfliktes ausschließe.
— In Konstantinopel ist ein Komplott zur Entthronung des Sultans Abdul Hamid entdeckt worden. Kurz vor Ausführung des Planes wurde die Verschwörung entdeckt. Es sollen mehrere hohe Würdenträger stark kompromittiert sein, sogar hohe Herren aus der nächsten Umgebung des Sultans. In Jildis und Konstantinopel wird vorläufig strengstes Stillschweigen über die Angelegenheit gewahrt.
— Vom Aufstand in Südchina meldet das Reutersche Bureau aus Hongkong, daß die Regier- ungstruppen die von den Aufständischen kürzlich besetzten drei Befestigungen zwischen Lungschow und Langson nach blutigen Kämpfen, die zwei Tage und Nächte währten, wieder eingenommen haben. Auf beiden Seiten sind die Verluste groß.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 17, Dezember 1907.
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muffen Sie bald gehen, wenn Sie für das 1. Quartal (Monate Januar, Februar, März die Schlüchterner Zeitung mit amtl. Kreisblatt
und der Monatsbeilage Landwirtschaftlicher Ratgeber abonnieren wollen. Aber auch Postboten und unsere Zeitungsträger nehmen die Bestellung entgegen.
—* Wie bereits im Kreisblatt bekannt gemacht wurde, hat Seine Majestät der Kaiser und König dem Herrn Bürgermeister Christ in Oberzell das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Wie wir hören fand sich Herr Landrat Valentiner vor Kurzem in der Wohnung des Genannten ein, um ihm die wohlverdiente Auszeichnung mit herzlichen Glückwünschen und sehr ehrenden Worten zu überreichen^
—* Der Amtsgerichtsrat Winneberger in Zabern ist zum Landgerichtsrat in Hanau und der Gerichts- assessor Daltrop zum Amtsrichter in Großalmerode ernannt.
* Der Raiffeisenverband für den Regierungsbezirk Kassel beabsichtigt in Wächtersbach in der Nähe des Bahnhofes ein neues Kornhaus zu errieten.
* Die Vorbereitungen zum nächstjährigen Gesangswettstreit in Büdingen sind in vollem Gange. Es sind zahlreiche Geld- und Ehrenpreise gestiftet, so für die Stadtklasse der Großherzogspreis und 1350 Mk., für die Landklaffen 375 Mk. und der Preis des hiesigen Fürsten, der das Protektorat über das Fest übernommen hat.
* Aus dem Spessart. Ein folgenschweres Präsent in Form einer Wurst übersandte dieser Tage der Förster Kern aus Troppenbach bei Burgsinn seinem bei dem Jägerbataillon zu Aschaffenburg der Militärpflicht genügenden Sohne. Der Ueberbringer des Geschenkes war ein jüngerer Bruder des Soldaten. Der Jäger freute sich herzlich über den leckeren Bissen aus dem trauten Elternhause und machte sich sofort über die einladende Wurst her, nicht ahnend, daß diese ihm den Tod bringen sollte. Kaum hatte nämlich der Soldat einen Teil des Präsentes verzehrt, als er sich auch schon unwohl fühlte und alsbald ärztliche Hilfe |in Anspruch nehmen mußte. Bald darauf hauchte der Jäger im Aschaffenburger Garnisonslazaret sein junges Leben aus. Als unmittelbare Todesursache wurde Wurstvergiftung konstatiert.
* Aus Allendorf in Hessen ist vor einiger Zeit der Bürgermeister Seelbach verschwunden. Er hat jetzt von Newgork aus dem Landrat mitgeteilt, man mäße in Allendorf einen neuen Bürgermeister wählen, da er sich gegenwärtig „auf einer längeren Geschäftsreise" befinde. Was den Mann zu seiner Entfernung veranlaßte, konnte bisher noch nicht festgestellt werden.
* Die Oberpostdireklion in Kassel hat mit den gläsernen Telegraphenstangen der Glasindustrie-Gesellschaft Schütz-Kassel eine Versuchsstrecke hergerichtet. Neben der großen Haltbarkeit der Glasstangen wird zu ihren Gunsten angeführt, die bei Holzstangen nie erreichbare gleichmäßige Stärke und dadurch erleichterte Ausrüstung, sowie der ruhige Stand und die größte Sicherheit gegen Erdschluß.
* Als Leiterin der Ostern 1908 zu eröffnenden Kolonial-Frauenschule in Witzenhausen ist Frl. Helene von Falkenhausen, die lange Jahre in Deulsch-Süd- westafrita tätig war, ausersehen. Zu den Stiftern
gehören ül erster Reihe Ihre Majestät die Kaiserit, Ihre Hoheiten der Herzog (Regent von Braunschweg) und die Herzogin von Mecklenburg, Johann Albreckt.
* In diesen! Winter findet in Marburg der sechso wissenschaftliche Vorlesungskursns für Lehrer unr Lehrerinnen statt. Derselbe beginnt am 8. Januar.
* Fulda. Durch Allerhöchsten Erlaß ist der in Kreise Fulda belegene Gutsbezirk Domäne Blankewn aufgelöst worden. Die Grundstücke sind an Änlicher aufgeteilt.
* In Kassel ließ ein Geschäftsmann aus SpamLn- berg Obligationen in Höhe von 8000 M. auf der Stilette eines dortigen Hotels liegen. Er bemerkte erst zu Hause seinen Verlust, bekam aber zu seiner Frude auf eine telegraphische Anfrage sofort die Antwort, daß ein anderer Gast die Obligationen inzwischen gefmden habe. Der Finder beanspruchte die ihm gesetzlich zustehenden 5 Proz. Finderlohn.
* Cassel. Unverhoffte Freude wurde einem polnischen Arbeiter zuteil, dessen Ehefrau auf de- Reise von Münster i. W. nach der Heimat im Ostn des Reiches, zwischen den Stationen Amöste und SöHering» Hof mit Drillingen niederkam. Ein katholischr Geistlicher, der zufällig im nämlichen Zuge fuhr nahm während des Aufenthaltes in Lippstadt im Watesaale die Taufe der drei jungen Weltbürger vor. DieEltern der Kleinen wurden von den Reisenden, die ger/de im Bahnhöfe weilten, reich beschenkt. Mutter undKinder befanden sich, als sie auf Bahnhof Caffel-Obestadt anlaugten, bei bestem Wohlsein. Ein Nachlösen vn Fahrkarten für die neuen Passagiere war von der kou lauten Eisenbahnverwaltung nicht verlangt worden.
* Welch traurige Folgen ein Zahngeschwür, namentlich ein solches im Unterkiefer nach sich ziehen kmn, wenn nicht rechtzeitige Hilfe in Anspruch genehmen wird, zeigt ein Vorfall der sich in der Nähe von Esurt zugetragen hat. Dort ist ein Lehrer nach vierwöchtMl Krankenlager an den Folgen eines Zahngeschwürs gestorben. Trotz Operationen durch einen Erfurter Zahnarzt und weiterer Behandlung in einem Krankenhause kam jede Hilfe zu spät.
Telegraphischer Schiffsbericht der „Red Star Linie"
Antwerpen. .
Der Postdampfer „Samland" der „Red Star Linie" in Antwerpen, ist laut Telegramm am 12. Dezember wohlbehalten in „Newyork" angefommen.
Frankfurt a. M., 16. Dez. AmUichc '.Notierungen her ShebmarH pfeife. Zum Verkauf standen 449 Ochsen, 24 Lullen, 838 Kühe und Färsen (Stiere und Rinder), 295 Kälber, 453 Schafe und Hämmel, 1909 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfund: Ochsen a) vollfleischige, auSgemästete höchsten SchlachtwerteS bis zu 6 Jahren Mk. 78—80, b) junge fleischige nicht auSgemästete und ältere auSgemästete Mk. 71 73, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere Mk. 60 - 63, d) gering genährte jeden Alters Mk. — bis —. Bullen: a) vollfleischige höchsten SchlachtwerteS Mk. 69 bis 71, b) mäßig genährte jüngere und gut ge- genährte ältere Mk. 65—67, c) gering genährte Mk. —, Kühe und Färsen Stiere und Rinder: a) vollfleischtge, auSgemästete Färsen (Stiere und Rinder) höchsten SchlachtwerteS Mk. 71 73 b) vollfleischige, auSgemästete Kühe höchsten SchlachtwerteS bis zu 7 Jahren Mk. 65- §7, c) ältere auSgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 50—54, d) mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 09 00, e) gering genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. —. Bezahlt wurde für ein Pfund a) feine Mast (Bollm.-Mast)und beste Saugkälber (Schlachtgewicht) 92—95 Pfg., (Lebendgewicht) 54—57 Pfg., b) mittlere Mast- und gute Saugkälber (Schlachtgewicht) 80 - 85 Pfg., (Lebendgewicht) 45—50. Pfg., c) geringe Saugkälber 60—63 Pfg., d ältere gering genährte Kälber Fresser — Pfg. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel 78-80 Pfg., b) ältere Masthämmel 60—64 Pfg c) mäßig genährte Hämmel und Schafe (Märzschafe) — Pfg. Schweine: a. vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1^4 Jahren 62 Pfg., b. fleischige — 62
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