WichtemerMun g
p tlichem Rreisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
leint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Amtliches.
J.-Nr. «-26. Diejenigen Herren Bürgermeister, welche mit dr Erledigung meiner Verfügung vom 9. d. M., J.-Nr 12811, betreff, die Feststellung der Zahl der kriegsbrcuchbaren Fahrzeuge noch im Rückstände sind, werdemmit 24 Stunden Frist daran erinnert.
Scklüchtrn, den 16. Dezember 1907.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Die Heren Bibliothekare mache ich auf die im Vaterlä.'vischen Verlag in Berlin erschienene sehr em- pfehleswerten Bücher aufmerksam:
1. .Der Krieg in Südwestafrika 1904—1906". Der Preis ftr das geschmackvoll gebundene, 448 Seiten starke Buch, wlches mit Hunderten von interessanten, größten- teis noch nirgends veröffentlichten Abbildungen und 16 mehrfachsten Original-Kunstbeilagen ausgestattet ist, *yr 3,50 Mk. außerdem auf je 6 Werke ein 0-rewzcisiplar.
2. „Die Vaterländische Hausbibliothek" ist 1150 Seiten stark, hat Hunderte von Abbildungen im Text und 48 Vollbildern auf Tafeln. Subskriptionspreis nur 3,50 Mk., außerdem auf je 6 Werke ein Freiexemplar.
3. „Von Sieg zu Sieg". Kulturbilder und Szenen aus der Vergangenheit des brandenburgischen Staates, gediegen gebunden, 252 Seiten, 4 Chromos und 6 Kunstdruckbilder. Statt 4 M nur 1,50 7 Exemplare, f unter Berechnung von 6.
Zu dem Vorzüge der Billigkeit dieser Werke kommt noch der größter Gediegenheit und des allgemeinsten Interesses für jedes deutsche Haus, für die Schüler r. Schlüchtern, den 7. Dezember 1907.
Der Kgl. Landrat: Valentiner.
J.-Nr. 13098. Ueber das Gut Hohenroth, Ge- nieinde Schaippach, Bezirksamt Gemünden, wurde wegen Ausbruchs der Schweineseuche Gehöftsperre verhängt. Schlüchtern, den 14. Dezember 1907.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Ergebnisse der Volkszählung am 1. Dezember 1905.
In dem Vierteljahrheft zur Statistik des Deutschen Reichs 1907 IV werden als weitere Ergebnisse der ... Volkszählung vom 1. Dezember 1905 Nachweise über '-die Bevölkerung des Reichs nach Größenklassen der Gemeinden und über die Bevölkerungsdichte veröffentlicht. Hiernach wohnten von den 60 641278 Ein-
\ , Untrennbare Kerzen.
Roman von Otmar Wilms. 38
Ich war Witwe, als einige Wochen später der Wucherer mich bat, zu ihm iuS Haus zu ziehen und die Pflege seines Kindes zu übernehineu, ging ich, der kleinen Meta wegen, die ich wie mein eigenes Kind lieble, auf den Vorschlag ein.
Um jene Zeit lernte ich den Herrn, der sich so sehr um die Liebe meiner Freundin bemüht hatte, kennen, er hieß Christoph Tümpling und gab vor, ein reicher Gutsbesitzer zu sein, der hier in der Stadt eine Lebensgefährtin suche. Sie wisse», junge Witwen heiraten gerne, ich traute seinen Worten und Schwüren, mit denen er mein leichtgläubiges Herz bald betört hatte, und bewilligte ihm sogar Znsam- menkünfte im Hanse Westhaus', wenn dieser verreist war. Bei einer solchen Zusammenkunft kam die Rede darauf, wer die Pflege des Kindes übernehmen tuerbe, wenn ich einmal fort und in meiner neuen Heimat sei. Mein ivar mir aus Herz gewachsen, übernahm ihr Vater ihre Erziehung, ward ihr unjdpilbigeS Herz verdorben, denn daß sie von ihm nur Geiz und Hartherzigkeit lernen werde, daran konnte ich nicht zweifeln. Ich teilte meinem Bräutigam meine Skrupel mit, er gab mir recht und machte den Vorschlag, ich solle das Kind mitnehmen, er »volle ihm gerne den Vater ersetzen unb es als sein eigenes Kind halten. Anfangs wies ich diesen Vorschlag als unausführbar zurück, kaun» aber hatte ich mich mit dem Gedanken vertraut gemacht, als ich mich nicht mehr von ihm treu- neu konnte. Da WesthauS seine Einwilligung voraussichtlich nicht gab, so entwarfen wir einen Plan, diese zu er- zwingen. Demzufolge sollte ich mit Meta das Hans heimlich verlassen und erst ein Jahr nach meiner Hochzeit dein Wucherer den Aufenthaltsort seiner Tochter anzeigen unter der Bedingung, daß er mir die Pflege und Erziehung der- selben auch ferner anvertranen müsse.
^ Wir berieten diesen Plan sorgfältig und führte» den
Mittwoch, den 18. Dezember 1907.
58. Jahrgang.
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wohnern des Deutschen Reichs 25 822 481 oder 42, 58 vH. in 72 811 Gemeinden mit weniger als 20C0 und 34 818 797 oder 57,42 vH. in 3580 Gemeinden mit 2000 und mehr Einwohnern. Beide Gruppen von Gemeinden sind in je vier Größenklassen eingeteilt. Zur ersteren Gruppe gehören 15 449 Gemeinden mit weniger als 100 Einwohnern und einer Bevölkerung von 850 231 Seelen; 40 845 Gemeinden mit 100 bis 500 Einwohnern und .einer Bevölkerung von 10 307 747 Seelen, 11 679 Gemeinden mit 500 bis 1 000 Einwohnern und einer Bevölkerung von 8 073 843 Seelen, endlich 4838 Gemeinden mit 1000 bis 2000 Einwohnern und einer Bevölkerung von 6 590 660 Seelen Zur zweiten Gruppe gehören 2386 Gemeinden mit 2000 bis 5000 Einwohnern und einer Bevölkerung von 7 158 685 Seelen, 945 Gemeinden mit 5000 bis 20 000 Einwohnern (Kleinstädte) und einer Bevölkerung von 8 334 478 Seelen, 208 Gemeinden von 20 00J bis 100 000 Einwohnern (Mittelstädte und einer Bevölkerung von 7 816 630 Seelen. Endlich 41 Gemeinden mit mehr als 100 000 Einwohnern (Großstädte) und einer Bevölkerung von 11 509 004 Seelen.
Unter Zugrundelegung der für das Reich ermittelten Fläche von 540 7 7 7,52 pkm und der Bevölkerung von 60 641 278 Einwohnern kommen auf ein pkm im Durchschnitt 112,14 Einwohnern; vor 10 Jahren kamen auf die gleiche Fläche nur 96, 70 Einwohner. Abgesehen von Berlin und den Hansestaaten Hamburg und Bremen weisen unter den größeren Verwaltungsbezirken'die beträchtlichsten Dichten auf Regierungsbe- zlrk'Düsfeldorf mit 546,10 Einwohnern auf 1 pkm, Kreishauptmannschafl Chemnrtz mit 410,98 Einwohnern, der Hansestaat Lübeck mit 355,57, die Kreishauptmannschaften Leipzig, Zwickau und Dresden mit 321,37, 314,06 und 296,16, die Regierungsbezirke Cöln mit 287,09 und Arnsberg mit 274,46, endlich Rheinheffen mit 268,86 und der Neckarkreis mit 243,71 Einwohnern auf 1 pkm. Die am geringsten bevölkerten Gebiete sind die Großherzogtümer Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin sowie die Regierungsbezirke Köslin, Allenstein und Lüneburg, die alle im Durchschnitt weniger als 50 Einwohner auf ein Quadratkilometer enthalten.
In demselben Heft gelangt auch ein Verzeichnis aller Gemeinden und Wohnplätze von mindestens 2000 Einwohnern nach dem Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 zur Veröffentlichung.
selben bald darauf, während WesthauS sich auf einer Reise befand, aus Der Verabredung gemäß hielt ich mich acht Tage lang in einer unbekannten, abgelegenen Kneipe auf und reifte dann mitten in der Nacht mit dem Kinde ab. Mein Bräutigam blieb zurück, um die Nachforschungen des Wucherers zu vereiteln. In einer fremden, weit von hier gelegenen Stadt wollten wir uns treffen und von dort mitsammen nach dem Gute meines fünftigen Gatten reisen. Am dritten Tage nach meiner Ankunft in jener Stadt traf mein Bräutigam ein, doch fiel mir sofort eine gewisse Zurückhaltung an ihm auf, die augenblicklich die Ahnung in mir erweckte, daß ich betört und überlistet worden sei. Ich fragte ihn nach dem Grunde seiner Kälte. Er warf sich mit der Miene eines reuigen Sünders mir zu Füßen unb gestand, daß er mich getäuscht habe, er fei weder Gutsbesitzer noch in Europa ansässig. Die Liebe zu mir habe allein ihn zu dieser Lüge bewogen, seine Heimat sei Amerika, dort besitze er ein einträgliches Geschäft, welches in seiner Abwesenheit ein Kommis verwalte, dorthin müsse er auch zurück, und er stelle es mir frei, ob ich ihm folgen wolle oder nicht. Ich hielt in meiner Leichtgläubigkeit seine Angaben für wahr, verzieh ihm unb erklärte mich bereit, ihm zu folgen, wenn er sein Versprechen, das Kind mitzu- nehmen, halten wolle. Er versprach, alles zu tun, was ich begehrte, wir reisten ab unb kamen »ach drei Tagen in der Seestadt, in welcher wir uns einschiffen wollten, an. Am nächsten Morgen lag das Schiff zur Abfahrt bereit im Hafen, schon läutete es zum letztenmal, als wir das Verdeck betraten, die Anker mürben gelichtet, die Segel gehißt, der Kapitän gab das Kommando zur Abfahrt, als plötzlich mein Bräntigam, der im Gedränge das Kind auf den Arm genommen hatte, unter dem Vorivaiide, er habe etwas vergessen, wieber ans Land sprang. Ich wollte ihm folgen, es war zu spät, das Schiff fuhr hinüber, und ein- mal drüben, hielt es schwer, nach Enropa zurückzukom- men. Um mein Leben zu fristen, arbeitete ich im Tage- lohne, es waren zehn harte Jahre, die ich dort verlebte. Nach dieser Zeit hatte ich so viel erspart, daß ich die Kosten
Deutsches Deich.
— Der Kaiser traf am Sonnabend um 11 Uhr 20 Minuten in Wildpark ein. Zum Empfang hatten sich eingefunden die Kaiserin, der Kronprinz Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich und Prinzessin Luise, sowie der Polizeipräsident v. Stark. Die Begrüßung war eine Herzliche. Der Kaiser überreichte der Kaiserin einen Blumenstrauß. Nach längerer Unterhaltung und Verabschiedung vom Gefolge fuhren die Herrschaften nach dem Neuen Palais.
— Der Reichstag setzte am Dienstag nach Erledigung einiger Rechnungssachen die erste Beratung des Vereinsgesetzes fort- Der Beratung wohnte in der Hofloge der Kronprinz bei. In der Debatte wurde von den Aogg. Gregoire (lib. Lothr.), Müller-Mein- ingen (fr. Bt und Hansen (Däne) namentlich der § 7, der die prachenbestimmung enthält, bekäinpft. Abg. Fürst r wziwill (Pole) und Abg. Pachnicke (fr. Vg.) wandten sich gegen die preußische Polenpolitik. Abg. Kolbe (Rp.) bezeichnete den § 7 als notwendig zur Bekämpfung der großpolnischen Agitation. Staatssekretär von Bethmann-Hollweg betonte, wie am Tage zuvor, die Regierung müsse aus dem Verhalten der polnischen Agitatoren ihre Konsequenzen ziehen. Nationalitäten, die an keine Losreißung von Deutschland denken, hätten nichts von der Sprachbestimmung zu fürchten. — Am Mittwoch verabschiedete der Reichstag das deutsch-englische Handelsprovisorium, verwies den Zeppelin-Nachtragsetat an die Budgetkommission und schließlich das Vereinsgesetz nach längerer Debatte an eine besondere Kommission.
— Der Reichstag trat am Donnerstag in die erste Beratung der Novelle zum Börsengesetz ein, die durch eine längere Rede des Handelsministers Dr. Delbrück eingeleitet würde. Nach einer Uebersicht über die Bestimmungen des neuen Entwurfes gab er der Hoffnung Ausdruck, daß alle Parteien an einer Verständigung in der jetzigen schwierigen Lage mitarbeiten möchten. Abg. Bitter (Z.) erklärte sich ablehnend, während Abg. Dr. Semler (natl.) die Vorlage eine befreiende Tat nannte und für die Wiedereinführung des Terminhandels in Waren eintrat, der seine Berechtigung schon ganz allein aus dem Assekuranzcharakter des Termingeschäfts herleiten könne. Die gleichen Forderungen erhob der Abg. Kaempf (frs. Vp.) Abg. Arendt (Rp.) trat für den Bankierstand ein und teilte mit, ooß es dem Grasen Kanitz (kons), der während seiner Rede von einem plötzlichen Unwohlsein befallen
der Ueberfahrt decken konnte; ich schiffte mich ein und laugte, nach einer stürmischen Fahrt, glücklich hier an. . . Ich hatte guten Grund, eine Begegnung mit dem Wucherer zu vermeiden und konnte deshalb meine Nachforschungen nach dem Kinde nur im Verborgenen anstelle». Sie blieben lange fruchtlos, endlich vernahm ich, daß man in jener Zeit, in der ich die Reise nach Amerika antrat, die Leiche eines Kindes im Flusse gefunden habe. Einige Jahre später, ich war inzwischen das Weib eines Tagelöhners und Mutter zweier Kinder geworden, begegnete ich plötzlich dem, der mich so schändlich hintergangen hatte. Er war gekleidet wie ein Vagabund, und seine, einst so schönen Züge trugen die Spuren eines wüsten Lebenswandels.
„Trotz seinem Rausche erkannte er mich sofort. Er stutzte, als ich auf ihn zutrat. Auf meine Frage nach dem Kinde antwortete er höhnisch, ich würde es am jüngsten Tag Wiedersehen, könne ich mich aber bis dahin nicht gedulden, so solle ich im Flußbett suchen, vielleicht fände ich dort die gebleichten Gebeine. DaS war die letzte Nachricht, die ich über das liebe, teure Wesen erhielt, ich glaubte an die Wahrheit derselben, und jahrelang nagten an meinem Herzen Kummer unb bittere Reue. Mein Mann starb, ich stand mit den beiden Kindern allein, Not und Armut zogen in meine Hütte ein, meine Kräfte nahmen mit den Jahren ab und, zu schwach zur Arbeit, wollte ich zum letzten greifen, waS dem Armen übrig bleibt, zum Bettel- sacke, als plötzlich ein rettender Engel erschien. ES war am Weihnachtsabend, in meiner Verzweiflung hatte ich die Kinder auf die Straße geführt und hier unter freiem Himmel den Vater aller Menschen um Hilfe gebeten, eben wollte ich mit ihnen mich auf den Weg machen, um das Mitleid der Reichen anzuflehen, als eine junge Dame vor mich trat und mir eine gefüllte Börse in die Hand drückte. Auf meine Bitte schlug sie ihren Schleier zurück, al» ich in ihr Gesicht blickte, welches unverkennbare Aehnlichkeit mit den Zügen der kleine» Meta trug, stieg die Ahnung in mir auf, daß sie die Verlorene sein müsse. „Ich fragte nach ihrem Namen, sie hieß Meta Behrend." 144,18,