die anderweitige Verteilung der Polizeikosten zwischen Staat und Gemeinde in den Gemeinden mit königlicher Polizeiverwaltung und einen Gesetzentwurf zum Schutze gemeinnütziger Mineral- und Thermalquellen an. Der preußische Landtag hat seine Arbeiten wiederaufge- nommen, wir rufen ihm ein herzliches Heil und Glückauf zu.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser pflanzte Montag früh im Park zu Highcliffe eine Eiche und begab sich später mit Gefolge im Automobil nach Witlon, um bei Lord Pembroke das Frühstück einzunehmen und die berühmte Gemäldegalerie zu besichtigen.
— Ueber das Befinden des Kaisers wird aus London telegraphiert: Laut Meldungen aus Highcliffe bewirken die gesunden Lüfte Hampshires Wunder im Befinden des Kaisers, der Besuche empfängt und eine vierstündige Automobilfahrt nach Salisbury machte. — Die Gerüchte über ein Kehlkopf- und Ohrenleiden des Kaisers werden von dem offiziösen Wolff'schen Bureau als jeder Begründung entbehrend bezeichnet. Der Kaiser litt, so behauptet das Bureau, lediglich an einem Katarrh der oberen Luftwege, der jetzt behoben ist.
— Der Reichstag behandelte am Sonnabend den Vertrag zwischen dem Deutschen Reiche und den Niederlanden über die gegenseitige Behandlung der Fälle der Unfallversicherung. Die Debatte schloß mit der Ueber- weisung der Vorlage an eine besondere Kommission. Darauf trat das Haus in die erste Beratung des Ge« setzes betreffend die Bestrafung der Majestätsbeleidigung ein. Der Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. Nieberding empfahl den Entwurf zur Annahme; er solle einen vorläufigen Ausgleich zwischen dem allgemeinen Rechtsempfinden und den strengen Erfordernissen der formalen Justiz darstelleu. Er habe also nur eine interimistische Bedeutung. Er solle überleiten zu dem Strafgesetzbuch einer nahen Zukunft. Der Entwurf solle Mißstimmungen beseitigen und dem inneren Frieden dienen. Die Vorlage ist ein Beweis der Hochherzigkeit unseres Kaisers, dessen eigenster Initiative sie entstammt. Um so widerwärtiger berührte die mit Angriffen auf den Kaiser gespickte Rede des Abg. Heine (Soz.), dem jedoch gehörig gedient wurde. Auch diese Vorlage wurde schließlich einer besonderen Kommission überwiesen. — Am Montag wurde über die sozialdemokratische Interpellation wegen der Teuerung der Lebensmittel verhandelt. Im Namen des Reichskanzlers beantwortete Staatssekretär v. Bethmann- Hollweg die Interpellation. Er wies auf die allge- meine Steigung der Löhne hin, die eine bessere Lebenshaltung der Arbeiter ermöglichten, wohingegen die Produktivität und Prosperität der Landwirtschaft durch die gesteigerten Löhne und den damit einhergehenden Mangel an Arbeitern sehr ungünstig beeinflußt würden. Indem er auf die hohen Fleischpreise einging, war er der Ansicht, daß die Schweinepreise normal seien, daß aber leider die Händler und Fleischer nach wie vor teure Preise nähmen. Er erklärte schließlich unter lebhaftem Beifall der Mehrheit des Hauses, daß die Regierung an der bisherigen bewährten Wirtschaftspolitik wegen einer vorübergehenden Preissteigerung nicht rütteln werde. Die Besprechung der Interpellation erblaßte immer mehr und mehr.
— Der Kaiser hat durch eine Kabinettsorder vom 27. Nov. geruht, den General der Infanterie Grafen Bitztum v. Eckstädt, Kommandeur des 19. (2. sächsischen) Armeekorps, von dieser Stellung zu entheben und auf Grund des Vorschlags des Königs von Sachsen den General der Artillerie, bisher Generalleutnant und Kommandeur der 3. Division (32) v. Kirchbach zum kommandierenden General des 19. Armeekorps ernannt.
— Bei den letzten Manövern der englischen Flotte waren folgende Schiffe unter dem Kommando des Kommandierenden Admirals vereinigt:
26 Linienschiffe mit zusammen 382 6501 Depl.
15 Panzerkreuzer „ „ 184 950 „ „
15 Geschützte Kreuzer „ „ 63 070 „ „
In Summa 56 Schiffe mrt zusammen 630 6701 Depl.
Hierzu kommen eine Reihe von Depot- usw. Schiffen und 48 Torpedobootszerstörer.
Ausland.
— Man wird sich erinnern, mit welchem Eifer die Kolonialgegner den Bau der Usambarabahn in Ostafrika bekämpfen. Die sozialdemokratische Presse höhnte geradezu, als Kapitän Stenzel ihren Bau empfahl. Nun ist die Bahn im Betriebe und erweist sich nicht nur als notwendig, sondern auch als rentabel. Im letzten Geschäftsjahre bis 31. März 1907 hatte sie eine Gesamteinnahme von 184 000 Rupien, denen eine Ausgabe von nur 99 000 Rupien gegenüberstand, sodaß sich ein Betriebsgewinn von 85 000 Rupien oder 114000 Mark ergab. Nach reichlichen Abschreibungen und Dotierungen der Fonds betrug der Reingewinn noch 35 000 Mark. Die Bahn beförderte 7,5 Millionen Kilogramm Güter und 3000 Stück Vieh im Frachtbetriebe. Der Personenverkehr stellte sich auf 160 000 Personen, darunter 5000 Weiße.
=— Das ungarische Ausgleichsnotgesetz, das sogenannte „Ermächtigungsgesetz" ist in dem vom Abgeordnetenhause gewählten Ausschusse verhandelt und ein» stimmig angenommen worden. Zugleich wird berichtet, daß der Quotenausschuß des Abgeordnetenhauses den Antrag seines Präsidenten Szell annahm, demzufolge die ungarische Beitragsleistung zu den gemeinsamen Ausgaben um zwei v. H. erhöht werden soll.
— Die Friedenskonferenz der Mittelamerikanischen Republiken hat den Entwurf einer Konföderation „der Vereinigten Staaten von Zentralamerika" vereinbart, der die Republiken Guatemala, Honduras, Nicaragua, Salvador und Costa Rica angehören wollen. Man hofft, alle Vorbereitungen so weit zu fördern, daß der neue Bund Ende nächsten Jahres ins Leben treten kann.
— Die Unruhen in Indien äußern sich fortgesetzt in aufrührerischen Handlungen, die ernste Besorgnisse für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung im Lande erwecken. So wird aus Peschawar telegraphirt, daß drei Militärpolizisten bei einer Streifpatrouille bei Bura in der Nähe von Peschawar von Afridis erschossen wurden. Der Eisenbahnerstreik beginnt abzuflauen. Nach Meldungen aus Kalkutta haben die Schaffner der Eisenbahnlinie Bengalen-Nagpur die Arbeit wieder ausgenommen. Die Ausständischen der ostindischen Bahn in Asansol haben sich gleichfalls mit der ihnen vorgeschlagenen Verständigung einverstanden erklärt.
Lokales und Prsvinsielles.
Schlüchtern, 26. November 1907,
—* Wie wir hören ist Herr Seminaroberlehrer Weckwerth als Seminardirektor nach Usingen versetzt. Herr Oberlehrer wirkt erst wenige Jahre als Seminarlehrer und bekleidete vorher ein Pfarramt in der Provinz Posen.
—* Der hiesige Kriegerverein veranstaltet am Sonntag nach Weihnachten eine Verlosung zugunsten des Denkmalfonds.
— * Der hiesige Verschönerungsverein, der Mitglied des „Vereins der Spessartfreunde" geworden ist, um den Touristenverkehr über Schlüchtern zu lenken, hat im abgelaufenen Sommer eine sehr dankenswerte Arbeit geleistet, die auch vielen Kreiseingesessenen zu gute kommt. Die bisher nur schwer oder gar nicht auf- zufindenden kürzesten und landschaftlich schönsten Wege nach verschiedenen Orten sind mit Farbenbezeichnungen versehen worden. Schlüchtern wurde mit Marjoß über Hohenzell Ratzroth und mit Neuengronau über Ahlers. bach, Dallecker, Willingshof, Ziegelhütte verbunden- Ebenso führen Wegezeichen von Neuengronau über Marjoß, Berg Totenkopf, Alsberg nach Hausen bei Salmünster, und endlich solche von Marjoß nach Steinau. Auf der im Oktober bei Heigenbrücken statt- gefundenen Vertreterversammlung des „Speffartver- eins" wurde dem Vertreter der Sektion Schlüchtern auf dessen Antrag zugesagt, daß in die neue Auflage der Verkehrskarte des Spessact die Tour von Schlüchtern über Marjoß, Forsthütte, Zieglersfeld, Rengersbrunn nach der Bayrischen Schanze (Hermannskuppe) als Hauptlinie eingetragen werden soll. Da diese Tour mit allen Spessarttouren Verbindung erhält, so hofft der hiesige Verschönerungsverein, daß hierdurch wenigstens ein Teil des alljährlich starkwachsenden Touristenstromes das bisher „links liegen gelassene Schlüchtern aufsucht. Auch die von den Touren berührten Ortschaften des Kreises dürften hiervon nicht geringen Vorteil haben. Der Verschönerungsverein plant für Montag den 20. April 1908 seinen 1. weiteren Ausflug zur Bayrischen Schanze, seinen zweiten für den 8. Juni Pfingstmontag zum Hahnenkamm und nach Aschaffenburg.
—* Immer noch ist die Mäuseplage unter unseren Landwirten eine vielerörterte Frage. Mancher betrachtet noch immer seine Wintersaat mit banger Sorge, obgleich er bereits 1 bis 2 mal die lästigen Nager durch das Auslegen von sicher wirkenden Strychnin-Hafer auf seinen Fruchtfeldern beseitigt hat. Von den Nachbarfeldern, den Wegen und Rainen her laufen ständig wieder Mäuse zu, sodaß er um seine Saaten vor der Vernichtung zu schützen, immer von Neuem wieder zum Gifthafer greifen muß. Einige Landwirte, die sich dazu entschlossen, auch die den Fruchtfeldern angrenzenden Aecker, Wiesen, Wege usw. mit dem Gift zu belegen, sind mit ihrem dadurch erzielten Erfolg sehr zufrieden. — Solche Beispiele dürften der Nachahmung werl sein.
—* Wie aus der Spiritusbranche mitgeteilt wird, ist eine Erhöhung der Preise für Liköre um 4—5 Mk. per Hektoliter zu erwarten.
—* Neue Zweigvereine des Evangelischen Bundes wurden durch den Generalsekretär desselben, Herrn Lizentiat Bräunlich im Kirchspiel Mottgers, sowie in Altengronau und Neuengronau ins Leben gerufen.
— * In Hintersteinau ertrank der 64jährige Schuhmacher und Schweinehirt Leipold im Dorfbach auf dem nächtlichen Heimweg aus dem Wirtshause.
* Hanau. Gegen den Soldaten, jetzigen Kutscher in Wiesbaden, der seinerzeit auf dem Truppenübungsplatz Griesheim bei Darmstadt in der Trunkenheit durch unvorsichtiges Tabakrauchen einen Stall in Brand gesetzt hat, wobei etwa 40 Pferde der Hanauer Ulanen
umkamen, ist jetzt durch den Fiskus ein Zivilprozeß angestrengt worden. Vom Kriegsgericht wurde er zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Der Zivilprozeß, in dem es sich um 50 000 Mark Entschädigung handelt, schwebt vor dem Wiesbadener Landgericht.
* Hanau. Die beiden 14 und 16 Jahre alten Söhne des Eisenbahnschaffners Bretthauer hier wurden am Dienstag morgen tot im Bette aufgefunden. Der Tod wird auf den Genuß von Bücklinge zurückgeführt — Die ausgesprochenen Zweifel, daß eine Vergiftung durch verdorbene Bücklinge vorliegen könne, haben durch die stattgefundene Sektion ihre Bestätigung gefunden. Wie mitgeteilt wird, sind die beiden bedauernswerten Knaben einer Vergiftung durch Kohlenoxyd erlegen, wie die mit dem Blut der Leichen vorgenommene chemische Analyse zweifellos ergeben hat. Das giftige Gas hat sich in dem Schmelzofen einer an die Schlafkammer der Knaben angrenzenden Werkstatt entwickelt und ist höchstwahrscheinlich durch mangelhaft ausgebesserte frühere Oeffnungen in der Wand in die Kam- mer eingedrungen. Der traurige Vorfall steht also mit dem Genuß von Bücklingen in keinerlei Verbindung. - Dem nach 44jähr. Dienstzeit beim hiesigen thüringischen Ulanen-Regiment Nr. 6 in den Ruhestand getretenen Wachtmeister Lier, der der älteste aktive Wachtmeister der preußischen Armee war, ist der Charakter als Leutnant verliehen worden.
* Offenbach. Wie jetzt feststeht, hat der hiesige sozialdemokratische Konsumverein im abgelausenen Geschäftsjahre mit einer ganz erheblichen Unterbilanz gearbeitet. Man spricht von 27000 Mk. Austriltser- klärungen finden in Menge statt.
* Der neunjährige Sohn eines Aufsehers in Frankfurt hatte eines Tages beim Spiel auf der Straße den sechsjährigen Sohn eines Trambahnschaffners zweimal zu Boden geworfen, sodaß er beim Fallen einen Beinbruch erlitt. Der Vater des verletzten Kindes machte den Vater des Urhebers der Verletzung für ärztlichen Kosten in Höhe von 33,20 Mk. ersatzpflichtig. Die Zivilkammer des Frankfurter Landgerichts wies die Klage ab und verurteilte den Kläger, die Kosten des Rechtsstreits zu tragen. In dem Urteil heißt es, daß sich die Klage auf § 832 des B. G. B. stützt. Sie konnte jedoch keinen Erfolg haben, denn der Beklagte hat zur Genüge dargelegt, daß er seiner gesetzlich vorgeschriebenen Aufsichtspflicht genügt hat. Unter normalen Umständen kann man verständiger Weise feinem Vater zumuten, seinen neunjährigen Sohn stets unter Augen zu behalten, wenn er über die Straße geht. Von einer Verletzung der Aufsichtspflicht des Beklagten kann im vorliegenden Falle keine Rede sein. Es w«r daher wie geschehen zu erkennen.
* Witzenhauseu. In Anlehnung an die hiesige Deutsche Kolonialschule soll eine Frauen-Kolonialschule gegründet werden. Die Schule soll jungen Mädchen die Möglichkeit bieten, ihr praktisches Können und theoretisches Wissen grade mit Rücksicht auf die be- sonderen Anforderungen, die in der Kolonie an die deutsche Frau herantreten, zu vervollständigen. Die neue Anstalt wird Ostern 1908 eröffnet. — Eine katholische koloniale Frauenschule besteht auch bereits in einem ehemaligen Kloster am Kochelsee in Oberbayern.
* Cassel. Am Montag morgen fand im großen Saal des Ev. Vereinshauses die Eröffnungsfeier des 13. Rechner-Kurses der hessischen Raiffeisen-Organisation statt. Der Verbandsanwalt, Herr Oekonomierat Rexe- rodt, eröffnete die Feier, begrüßte die erschienenen Ehrengäste und sprach feine Freude über die große Teilnahme an dem diesjährigen dreizehnten Kursus aus. Zwölf dieser Kurse seien schon abgehalten und 850 hessische Raiffeisenmänner seien hier ausgebildet worden zum Segen des Verbandes ; er betonte besonders daß unter den hier erschienenen 100 Personen fast sämtliche ländliche Berufe vertreten seien und sprach die Hoffnung aus, daß sie, in ihre Heimat zurückgekehrt, das hier Gelernte verwenden würden. Herr Pfarrer Meyenschein hielt einen Vortrag „Die Stellung des hessischen Verbandes im deutschen ländlichen Genossenschaftswesen."
Rheumatismus
und Blutreinigung.
Reinigt das Blut! Eine Blutreinigungskur ist besonders jetzt für jeden Menschen, ob gesund oder krank ein Gebot der Notwendigkeit. Ein ganz vorzügliches weit und breit rühmlichst bekanntes Blutreinigungsmittel ist der arttirheumatische Blutreinigungstee des Apoth. Grundmann, Berlin SW., Friedrichstr. 207; derselbe wird als Hausmittel gegen Säfteverderbnis, verschiedene Flechten, Hautausschläge, Rheumatismus, Blasen- und Nierenleiden, sowie Blutandrang nach dem Kopfe, als vortrefflich empfohlen und darf demnach in keiner Familie fehlen. Dieser Tee ist zu beziehen durch die Firma Apoth. Grundmann, Berlin SW., Friedrichstr. 207. Proben und illust vierte Broschüre gratis. Original - badete zu 1,50, 3 und 5 Mark.