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zu beginnen. Dieser Bau soll so beschleunigt werden, daß er bei Eintritt günstiger Witterung fertig ist. Von dein Ergebnis der mit dem neuen Luftschiff zu unter« nehmenden Probefahrten, bei welchen die vom Grafen Zeppelin in Aussicht gestellten weiteren Erfolge nach­gewiesen werden sollen, wird es abhängen, ob die im Etat des Reichsamtes des Innern für 1908 geforderte Summe von 2 150 000 Mk. zum Ankauf des Zeppe- liuschen Unternehmens verwendet wird. |3n dieser Summe sind die Barauslagen des Grafen Zeppelin, sowie eine angemessene Entschädigung für seine nunmehr zehnjährige Tätigkeit enthalten. Der Standpunkt der Reichsregierung wird in einer im Etat des Reichs­amtes des Innern beigefügten Denkschrift dargelegt werden.

Der Reichstag ist am Freitag zu seiner ersten Sitzung nach den Ferien wieder zusammengetreten. Präsident Graf Stolberg-Wernigerode gedachte der während der Ferien verstorbenen Mitglieder des Hauses, deren Andenken das Haus in der üblichen Weise ehrte. Nach Entgegennahme einer Reihe von geschäftlichen Mitteilungen beschäftigte sich der Reichstag ausschließ­lich mit Petitionsberichten, die zumeist ohne größere Debatte nach den Anträgen der Kommission erledigt wurden.

Der Gesetzentwurf betreffend das Vereins« und Versammlungsrecht ist vom Bundesrat genehmigtjworden.

Das Ministerium des Innern warnt vor Zu- drang zum höheren Forstdienst, da das Bedürfnis nach Anwärtern befriedigt ist. Die Studierenden des Forst­faches hätten damit zu rechnen, daß sin Zukunft nur eine sehr beschränkte Anzahl nach Bestehen der Hoch- schulprüsung zum Vorbereitungsdienst zugelassen werde.

Seit Erlaß der Anweisung des Ministers des Innern zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens vom 17. Februar 1906 hat die Zigeunerplage nach den übereinstimmenden Berichten der Provinzialbehörden in Preußen erheblich nachgelassen. Nicht nur, daß überall ein geringeres Auftreten von Zigeunern, und zwar meist in kleineren Trupps wie bisher festgestellt wurde es hat sich auch in einzelnen Fällen ein Streben nach Seßhastwerden unter ihnen bemerkbar gemacht. Diese günstigen Wirkungen der Verordnung sollen dadurch noch erweitert und befestigt werden, daß Vereinbarungen mit den übrigen Bundesstaaten wegen gleichmäßiger Behandlung der Zigeuner im ganzen Deutschen Reiche angebahnt werden. Die in dieser Hiusicht schwebenden Verhandlungen streben insbesondere an, daß die Aus­weisung nicht reichsangehöriger Zigeuner in allen Staaten gleichmäßig über die Reichsgrenze und nicht nur über die Landesgrenze zu erfolgen hat, und daß die Verfolgung vagabondierenocr Zigeunerbanden durch Polizeibeamte auch über die Grenze eines Bundesstaates hinaus gestattet werden soll. Die Durchführung der zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens in Preußen erlassenen Bestimmungen ist im übrigen nur insofern auf Schwierigkeiten gestoßen, als manche Ortspolizei- verwaltungen" die Kosten scheuen, welche ihnen möglicher­weise durch ihr Einschreiten gegen die Zigeuner er­wachsen können. Einige Kreisverwaltungen haben sich infolgedessen bereit erklärt, derartige Kosten, soweit sie nicht vom Staate zu tragen sind, aus Kreismitteln zu decken.

Ausland.

Der englische Kriegsminister Haldane hielt in Sheffield eine Rede, in der er auf den Besuch des Deutschen Kaisers hinwies und sagte, die vorige Woche sei er Zeuge der Begegnung zweier mächtiger Monarchen gewesen, die beide dasselbe Ziel erstrebten, nämlich Frieden und freundschaftliche Gesinnung unter den Völkern.

Die kroatische Obstruktion im ungarischen Reichs« tage und die völlige Lahmlegung der parlamentarischen Maschine hat das ungarische Ministerium vor die Notwendigkeit gestellt, alsbald einen Ausweg aus diesen Kalamitäten zu suchen. Ministerpräsident Wekerle teilte dem Exekutivkomitee der Unabhängigkeitspartei mit, die Regiernng sei infolge der Obstruktion der Kroater genötigt, ein Gesetz zu unterbreiten, das nur einen Paragraphen enthält, der das Ministerium ermächtigt, die Ausgleichsvorlagen im Januar 1908 ins Leben treten zu lassen. Dieses Gesetz bleibe jedoch nur in Kraft, bis die Ausgleichsverhandlungen auf dem regel­mäßigen Wege im Abgeordnetenhaus? beraten und erledigt sein werden. Diese Notgesetzvorlage hat Mi­nister Wekerle im ungarischen Reichstage bereits ein­gebracht. Infolge dringenden Zuredens Wekerles und Ändrassys hat der Reichstagspräsident Just beschlossen, im Amte zu bleiben. Damit ist die Präsidentenkrisis beigelegt.

Ernste Nachrichten über revolutionäre Ström­ungen in Portugal kommen aus Lissabon. Die Zen­sur wird sehr streng geübt. Inländische werden mit Deportation nach Afrika bedroht. Ein schwarzes Ka­binett öffnet alle verdächtigeil Briefe. In Oporto wurden 13 Zeitungen gerichtlich belangt. Bedeutende Politiker schlagen sich zu den Republikanern. Der Sturz der Monarchie wird als unvermeidlich angesehen. In der Straße Barento in Lissabon kam eine Bom- Äenexplosion vor, durch die zwei Personen getötet und

eine schwer verletzt wurden. Die Berfertiger »der Bombe waren ein Arzt, ein Elektriker und ein See­offizier. Die Bombe war für das königliche Theater bestimmt. Sofort erfolgten 38 Verhaftungen, später noch Hunderte. Zahlreiche Familien wanDern nach Spanien und Frankreich aus; die Aufregung ist all­gemein.

Die Aktion der türkischen Truppen gegen die Banden in Mazedonien, welche in letzter Zeit wegen des Ramazan teilweise unterbrochen war, hat nach Konsularmeldungen wieder begonnen. So wurde in Oblovo, Bezirk Kratovo (Wilajet Uesküb), eine bul­garische Bande zersprengt, wobei sieben Mann getötet, einer gefangen genommen wurde.

Der Ausstand der indischen Eisenbahnangestellten, der bereits bedrohliche Stockungen im Personen- und Güterverkehr angenommen hatte, scheint bereits beendet zu sein. Von dem großen Eisenbahnknotenpunkt Asan- sol wird gemeldet, daß einige Lokomotivführer die Arbeit wieder ausgenommen haben. Der erste Zug nach Kalkutta ist abgelaßen, weitere folgen. Die Lage gewinnt ein hoffnungsvollers Aussehen. In Kalkutta empfindet man große Erleichterung, da während fast einer Woche beinahe der ganze Geschäftsverkehr lahm­gelegt war.

Der Rindviehbestand Hessen-Uassaus nach der letzten Zahlung.

(Nachdruck auch auszugsweise verboten.)

In der deutschen Mehproduklion steht die des Rindviehs an der Spitze, denn nach der letzten Zählung wurden 19,3 Millionen Stück Rindvieh fest­gestellt, was gegen den Rinderbestand im Anfänge der Sechsziger Jahre des vorigen Jahrhunderts eine Zu­nahme von mehr als 4 Millionen Stück bedeutet. Nahezu zwei Drittel des deutschen Rindviehs wird in den, Königreich Preußen gezüchtet. 11,1 Millionen Stück wurden dort am 1. Dezember 1904 gezähl. Das bedeutet, daß auf einem □Silometer der land­wirtschaftlich benutzten Fläche 48,5 und auf je ICO Einwohner in Preußen 30,4 Rinder kommen. Abso­lut die größte Anzahl Rindvieh wurde mit 1,5 Million in der Provinz Schlesien gezählt, während in der Provinz Westpreußen mit 665000 Stück die Rindvieh­zucht am wenigsten in Preußen produziert. Was das Verhältnis der Zahl der Rinder zur landwirtschaftlich benutzten Fläche angeht, so marschiert in dieser Be­ziehung das Rheinland an der Spitze, wo auf einem □Silometer 71,2 Rinder kommen. Am wenigsten Rinder auf den □Silometer zählt Pommern mit 3b,9. Das Verhältnis der Einwohnerzahl zu der Zahl des gezüchteten Rindviehs war am günstigsten mit 66,3 Rinder auf je 100 Einwohner in der Provinz Schleswig-Holstein, während das Rheinland bei diesem Vergleich am schlechtesten wegkommt, da dort auf eben genannte Einwohnerzahl 18,4 Rinder kommen. In unserer Provinz Hessen-Nassau wurden bei der letzten Feststellung vor drei Jahren 582000 Stück Rindvieh gezählt. Das heißt, daß auf den einzelnen □Si(o= Meter 67,0 und auf je 100 Einwohner 28,8 Rinder kommen.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 26. November 1907.

_* Vergangenen Sonntag stellte sich auch hier der erste Schnee ein, jedoch nur auf kurze Dauer. Jetzt haben wir das längst ersehnte Regenwetter für das aus- getröcknete Feld.

- * Der Totensonntag ist auch hier in würdiger Weise begangen worden. Hier, wie überall in christ­lichen Ländern herrscht die schöne Sitte, einen Tag im Jahre den Toten zu weihen und ihre Gräber mit freund­licher Zierde zu schmücken. Eine große Anzahl Menschen zog am Totensonntag hinaus zum stillen Gottesacker, wo ihre Lieben zu ewiger Ruhe gebettet sind. Liebe­volle Hände zierten die schmalen Hügel, wanden Kränze um die Grabsteine und Kreuze und legten die letzten Blumen des sterbenden Herbstes zu Füßen der fried­lichen Schläfer.

* Kommenden Sonntag ist der erste Advent Sonntag, von da an findet wieder in der hiesigen evangelischen Kirche um 7 Uhr der Abendgottesdienst statt.

* Der Durchschnitt der höchsten Tagespreise für Fourage beträgt mit einem Aufschlage von 5 vom Hundert für den Monat November 1907 in den Kreisen Schlüchtern, Fulda, Hünfeld und Gersfeld für Hafer 9 Mark 71 Pfg., für Heu 2 Mark 63 Psg., für Stroh 2 Mark 63 Pfg. pro Zentner.

* Bei der Kirchweihe in Wernarz kam es in der Mahlmeisterschen Wirtschaft zu einer Schlägerei, in deren Verlauf einem Brückenauer Einwohner ein Teil des Ohres, sowie eine Fingerspitze abgebiffen wurden.

* Mansbach. Ein Bubenstreich wurde vorige Woche auf der Bahnstrecke Hünfeld-Wenigentaft-Mans- bach entdeckt. Als der 5'/, Uhr früh von Hünfeld abgehende Güterzug die Anhöhe vor der Station Steinbach (Rhön) hinauffahren wollte, bemerkte das Zugpersonal, daß von frevelhafter Hand einige Laschen, welche die Schienen miteinander verbinden, abge­

schraubt und quer über das Geleise gelegt worden waren. Ein großes Unglück ist also durch die Wach­samkeit des Bahnpersonals verhütet worden Von den Tätern fehlt jede Spur.

* In dem diesjährigen Militäretat sind für die Er­richtung eines Meldeamtes in Tretzsa 1842 Mark für einen Truppenübungsplatz des 11. Armeekoprs 3 000 000 Mark eingestellt worden.

* Wie bestimmt verlautet, sind den Bahnbeamten vom 1. Januar n. Jahres ab die sog. Freifahrtscheine entzogen worden. Sämtliche Eisenbahnangestellten von Bebra und Umgegend einschließlich der Bahnarbeiter stand bisher für sich oder einen der Familienange« Hörigen wöchentlich eine Freifahrt mit der Bahn nach Hersfeld zwecks Einkauf von Waren, Lebensmittel usw. zu. Die Beamten machten von dieser Vergünstigung den ausgiebigsten Gebrauch, wodurch natürlich weite Kreise unserer steuerzahlenden gewerblichen und kauf­männischen Einwohnerschaft und somit schließlich auch unser Ort erheblich geschädigt wurden. Es wird daher mit Genugtuung empfunden, daß sich die Bahn­behörde veranlaßt gesehen hat, mit dieser Vergünstig­ung aufzuräumen.

* Spielende Kinder hatten am Donnerstag Nach­mittag in der Großen Rosenstraße in Kassel ein schweres Unglück hrrbeigeführl. Sie stießen gegen eine Leiter, auf welcher der Schildermaler Reuffe stand, um an einem über einem Hauseingang befindlichen Schilde zu arbeiten. Die Leiter stürzte um und der Mann blieb tot auf dem Platze.

* Das große Los der preußischen Klassenlotterie fiel nach Eifeuach. Die Gewinner sind mittlere Ge­schäftsleute^______________________

Vermischtes.

In Dortmund sollte am Donnerstag die Hin­richtung eines wegen Mordes zum Tode verurteilten Bergmannes stattfinden. Alle Vorbereitungen waren getroffen, da traf ein Telegramm des Staatsanwalts ein, daß die Hinrichtung aufschob. Der Mörder wurde in seine Zelle zurückgebracht.

Die zurzeit geöffnete große Hundeausstellung im Londoner Kristallpalast enthält ein Hundeexemplar, dessen Wert auf 200 900 Mark geschätzt wird. Es ist ein kleiner Peckinger, welcher der Lady Holland gehört. Das sehenswerteste Exemplar der Ausstellung ist ein reinweißer Windhund von seltener Größe und außer­ordentlich seiner Behaarung. Dieses Tier gehört der Königin von England.

Eine große Feuersbrunst ist Donnerstag Nacht 4 Uhr in der Vorstadt Molenbeek (Brüssel) ausge­brochen. Ein ganzes Stadtviertel steht in Flaumm»..-^

Das Kriegsgericht der 16. Division verurteilte' * den Unteroffizier Klose vom Infanterieregiment Nr. 69 zu 18 Monaten Zuchthaus. Es wurden ihm 145 Fälle von Mißhandlung und 134 Fälle von vor­schriftswidriger Behandlung nachgewiesen. Außerdem versuchte er die Belastungszeugen zum Meineid zu verleiten.

Der Mühlenbesitzer Friedrich Stiebling in der Untermühle bei Marksnhl feierte mit seiner Frau das Fest der goldenen Hochzeit; das Jubelpaar ließ sich in der Tracht wie vor 50 Jahren in der Kirche einsegnen,

Die an hochgradiger Schlaflosigkeit leidende Tochter einer Familie O. zu Hottingen (Diemel) hatte die ihr vom Arzte verschriebenen Pulver anstatt nach und nach einzunehmen, auf einmal genommen und liegt nun seit vier Tagen in einem todesähnlichen Schlafe.

Durch einen Erdrutsch, der sich bei einem Straßenbau in Cannes zutrug wurden zahlreiche Arbeiter verschüttet. Bis jetzt sind 15 Leichen ge­borgen.______________________________________________

Meßmers Thee «euer Ernte im Verkauf. Russische Mischung a M. 3.50 per Pfd. (100 Gr Paket 80 Pfg.) in Folge günstiger Jmportchancen zur Zeit besonders empfehlenswert. Künstlerische Stunden­pläne für höhere Schüler als Gratiszugabe.

Franksurla. M., . 25Nov. Amtliche Notierungen der Viedmarkt preise. Zum Verkauf standen 350 Ochsen, 52 Lullen, 84b Kühe und Färsen (Stiere und Rinder), 223 Kälber, 013 Schafe und Hämmel, 1740 Schweine. Bezahlt ivurde für 100 Pfund: Ochsen a) vollfleischige, auSgemästete höchsten SchlachtwerteS bis zu 8 Jahren Mk. 81 83, b) junge fleischige nicht auSgemästete und ältere ausgemästete Mk. 72-75, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere Mk. 62-,67 d) gering genährte jeden Alters Mk. bis. Bullen: a) vollfleischige höchsten SchlachtwerteS Mk. 66 bis 68, b) mäßig genährte jüngere und gut ge- genährte ältere Mk. 6264, cj gering genährte Mk., Kühe und Färsen Stiere und Rinder: a) vollfleischige, auSgemästete Färsen (Stiere und Rinder) höchsten SchlachtwerteS Mk. 73 -75 b) vollfleischige, auSgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren Mk. 66 g8, c) ältere auSgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 5456, d) mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 00 00, e) gering genährte Kühe und Färsen. (Stiere und Rinder) Mk.. Bezahlt wurde für ein Pfund a) seine Mast (Bollm.-Mast und beste Saugkälber (Schlachtgewicht) 9295 Pfg., (Lebendgewicht) 5457 Psg., b) mittlere Mast- und gute Saugkälber (Schlachtgewicht) 82 - 90 Psg., (Lebendgewicht) 48- 52. Pfg., c) geringe Saugkälber i>0 -6» Pfg., d ältere gering genährte Kälber Fresser Psg. Schafe: ai Mastlämmee und jüngere Masthämmel 80 82 Pfg,, b) ältere Masthämmel 6466 Pfg c) mäßig genährte Hämmel und Schafe (Märzschase) Pfg. Schweine: a, vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuz­ungen im Alter bis zu IV« Jahren 63 Psg., b. fleischige 62