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mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 90.
Samstag, den 9. November 1907.
58. Jahrgang.
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Erstes Blatt.
Ileischeinfuhr im Zahre 1906.
Aus der amtlichen Statistik der Fleischbeschau bei dem in das Zollinland Angeführten Fleisch für das Jahr 1906 ergibt sich, was zunächst das frische Fleisch betrifft, daß den größten Anteil der Gesamteinfuhr das Schweinefleisch lieferte. Es wurden 123990 Tierkörper im Gewichte von 9947592 Kilogramm gegen 106791 Körper mit 9 276 306 Kilogramm Gewicht iin Vorjahre eingeführt. Von Rindfleisch, einschließlich Kalbfleisch, wurde weniger als im Jahre 1905 zur Untersuchung gestellt, nämlich 6140? Tierkörper im Gewichte von 7526886 Kilogramm gegen 62433 Tierkörper mit 8262816 Kilogramm- Die Einsuhr von sonstigem frischen Fleische war auch 1906 gering.
Bedeutend umfangreicher war die Einsuhr zubereiteten Fleisches. Obenan stand die Einfuhr von Därmen, die nicht weniger als 14,50 Millionen Kilogramm betrug. Dagegen ist die Einfuhr von Speck ganz auffallend zurückgegangen, nämlich von 6193512 Kilogramm auf 2801459 Kilogramm. Auch die Einfuhr des sonstigen zubereiteten Schweinefleisches ist gesunken, nämlich von 2527069 Kilogramm auf 2388957 Kilogramm. An zubereitetem Rind- und Kalbfleisch wurden 1906 1820506 Kilogramm gegen 2044700 Kilogramm im Vorjahre eingeführt, und von Schweineschinken ist die Einfuhrmenge von 649845 aus 4 60580 Kilogramm gefallen. In große-." Mengen wurden dagegen zubereitete Fette auch im Berichtsjahre eingeführt. An Schweineschmalz gingen nicht weniger als 66397815 Kilogramm gegen 64955852 Kilogramm im Jahre 1905 ein. An zweiter Stelle steht die Einfuhr von Oleomargarin, welche die Höhe von 21810565 Kilogramm erreichte. An sonstigem Fett warmblütiger Tiere wurden diesmal nur 11910448 Kilogramm gegen 13333246 Kilogramm im Jahre vorher eingeführt.
Was die Herkunft der erwähnten Fleischgattungen betrifft, so kam frisches Rindfleisch und Kalbfleisch fast ausschließlich aus den Niederlanden; die Beanstandungen haben sich vermindert, sind aber immer noch ziemlich zahlreich. Frisches Schweinefleisch kam ebenfalls zum weitaus größten Teile aus den Niederlanden, und hierbei ist bemerkenswert, daß ein erheblicher Rückgang der Beanstandungen eingetreten ist. Zubereitetes Rind- und Kalbfleisch kam meistens aus den Vereinigten
Staaten von Amerika, wobei die Zahl der Beanstandungen in bemerkenswertem Maße gestiegen ist. Ebendaher wurden Schweineschinken eingeführt, in noch etwas größeren Mengen als aus den Niederlanden. Bei beiden Ländern ist die Einfuhr jedoch bedeutend zurückgegangen. Auch aus Dänemark wurden Schinken importiert, und davon mußte besonders viel beanstandet werden. Mit Speck versorgte uns ausschließlich Ainerika. Die übrigen zubereiteten Schweinefleischsorten wurden gleicherweise zum größten Teile aus den Vereinigten Staaten von Amerika eingeführt, daneben kamen aber noch nicht unbeträchtliche Mengen aus Dänemark. Sonstiges zubereitetes Fleisch ist hauptsächlich nur aus Rußland eingeführt worden. Die Därme stammten überwiegend aus den Vereinigten Staaten, dann aus Rußland, Dänemark und Großbritannien. Schweineschmalz wurde überhaupt kaum anderswoher importiert als aus den Vereinigten Staaten. Auch die übrigen Fette von warmblütigen Tieren kamen zum größten Teil aus den Vereinigten Staaten.
Den weitaus größten Anteil an der Fleischeinfuhr haben sonach noch immer die Vereinigten Staaten von Amerika. Von dem im Jahre 1906 im ganzen in Preußen eingeführten ausländischen Fleische von rund 140 Millionen Kilogramm kamen allein 100 Millionen Kilogramm aus den Vereinigten Staaten. Die Beanstandungen des aus jenem Lande eingeführten Fleisches beliefen sich auf rund 255000 Kilogramm; für die Gesamteinfuhr waren es rund 570000 Kilogramm, so daß also im Verhältnis die Union ziemlich gut ab- schneidet, namentlich wenn man im Betracht zieht, daß unter die von der Union beanstandeten Gewichtsmengen 85258 Kilogramm auf Därme, 1462 Kilogramm auf Margarine, 14818 Kilogramm auf Kunstspeisefett und 102215 Kilogramm aus sonstiges Fett entfallen. */
Deutsches Reich
— Der Kaiser hat noch der „Nationalztg." den Wunsch ausgesprochen, daß künftig nicht nur die Leiter von Kriegervereinen, sondern auch solche Vereinsmitglieder, die durch ihre ganze Persönlichkeit und militärische Vergangenheit zur Hebung des Ansehens der Kriegervereine beitragen, bei den Vorschlägen zur Auszeichnung berücksichtigt werden. Der Kaiser will die erforderliche Anzahl von allgemeinen Ehrenzeichen und Kreuzen schon bei dem nächsten Ordensfest zur Verfügung stellen.
— Die Kaiserin hat auf dringendes Ersuchen des
Königs und der Königin Von England nun doch noch zugesagt, den Kaiser nach England zu begleiten.
— Das Programm der Kaisersahrt nach England hat eine einschneidende Veränderung erfahren. Wie das offiziele Wölfische Bureau mitteilt, ist dir Braut des Prinzen August Wilhelm im hiesigen Stadtschloß an den Windpocken erkrankt. Die Aerzte befürchten, daß die Krankheit weitere Verbreitung finden könnte. Unter diesen Umstünder hat die Kaiserin die Mitreise nach England zu ihrem Bedauern aufgeben müssen. Der Kaiser wird die Reise programmäßig ausführen und im Anschluß baran auf ärztlichen Rat zur Hebung des immer noch andauernden Katarrhs ein paar Wochen inkognito auf der Insel Wight verweilen. Der Besuch des Kaisers in Holland ist infolgedessen ebenfalls aufgeschoben und bis nach Abschluß des Aufenthaltes auf der Insel Wight vertagt worden.
— Der Kronprinz traf am Samstag mittag in Hannover ein und begab sich nach dem Frühstück im Automobil zur Teilnahme an der Hubertusjagd der hiesigen Militärreitschule.
— Der preußische Landtag wird auf den 26. November einberufen.
— Professor Koch ist am 4. November von seiner Forschungsreise aus Südwestafrika zurückgekehrt und in Berlin eingetroffen.
— Am 6. November morgens ist auf dem bei Mürwik liegenden Schulschiff „Blücher" der Dampfkessel explodiert. Bisher sind acht Tote aufgefunden worden. Die Zahl der Verwundeten beträgt soweit bis jetzt seststeht, 22. Alle verfügbaren Aerzte aus Flen churg sind nach der Unglücksstätte geeilt.
— Am Samstag legten die Kriegervereine von Straßburg und den Vororten unter Anwesenheit von Vertretern der Militärbehörde und der Stadt an den Massengräbern der deutschen und französischen Soldaten Kränze nieder.
— Bei der Landtagsersatzwahl im Wahlkreisj Kiel wurde der freisinnige Kandidat Lehrer Hoff mit 387 Stimmen in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt. Der nationalliberale Kandidat Justizrat Thomsen brächte es auf 180 Stimmen.
— Eine recht erfreuliche Verfügung gegen anonyme Denunziationen hat die Königl. Eisenbahndirektion Berlin erlassen. Sie lautet: „In der letzten Zeit ist zu unserem Bedauern ein auffallend . starker Eingang anonymer Anzeigen gegen Beamte festgestellt worden Wir vermuten, daß häufig Angestellte der eigenen Verwaltung die Urheber der Anzeigen sind, und sehen
Zlntrennvare Kerzen.
Roman von Otmar Wilms. 22
E» lag ein so tiefer Schmerz in dem Tone, in welchem Ferdinand die letzten Worte leise vor sich hin. murmelte, daß Horn sich ergriffen fühlte. Einen Augenblick ließ er seinen Blick prüfend auf dem wehmütig vor sichhinschauen- den Schreiber ruhen. „Ihr könnt in meiner Schreibstube Beschäftigung finden," entgegnete er, „wenn Ihr mit dem Posten eines Abschreibers und fünfzehn Taler monatliches Gehalt zufrieden seid. Ich suche ohnehin jemand zu dieser Stelle, wenn Ihr wollt, könnt Ihr morgen schon die Stelle antreten."
Ferdinand hatte sich freudig überrascht erhoben. „Dank, tausend Dank," erwiderte er, dem Notar die Hand reichend, „Sie sollen mit mir zufrieden sein.
Doch daS war es nicht, was mich zu Ihnen führte, ich habe eine andere Bitte au Sie. Sehen Sie hier," fahr er fort, indem er ein versiegeltes Paketchen aus der Tasche zog, „dies ist eine Waffe, mit der ich denRechtskvnsnleu- ten vernichten, ja, an den Galgen bringen kann. DaS Paketchen enthält Briese, Geier weiß oder vermutet doch, daß sie in meinen Händen sind, und ihrer wieder habhaft zu werden, würde er selbst vor einem Morde nicht zurückschrecken. Noch ist die Stunde der Rache nicht gekom- men, bis sie schlägt, bitte ich Sie, diese Briefe aufzube- wahren. Bei mir sind sie nicht sicher, bei Ihnen dagegen wird niemand sie suchen Wollen Sie diese Bitte erfüllen?"
Horn zögerte einen Augenblick, dann nahm er das Pa- ketchen inEmpfang und steckte es in die Tasche seines Schlafrocks. Ich weiß zwar nicht, ob ich Recht tue, wenn ich die Bitte erfülle," erwiderte er, „indes, da mir nicht bekannt ist, ob jene Briefe Beweise von Verbrechen enthalten, die ich dem Gerichte anzuzeige» verpflichtet wäre, so will ich es darauf ankomme» lassen. Gebt mir Eure näheren Be- [timmnngen an, für den Fall Ihr plötzlich sterbt."
Ferdinand atmete sichtlich erleichtert auf. „Geben Sie VaS Paket nicht aus den Händen," entgegnete er, „mag
dasselbe auch verlangen, wer will. Sollte ich plötzlich ster- ben oder verschwinden, so haben Sie die Güte, dasselbe sofort dem Staatsproknrator zustellen zu lassen, er soll es alsdann eröffnen und für mich die Rache übernehmen."
Der Notar versprach, diesen Bestimmungen gewissenhaft nachzukommeu, und Ferdinand verließ, nachdem er dem wackeren Manne nochmals gedankt hatte, das Haus.
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Mitternacht war schon nahe, als der Schreiber in der niedrigen, ärmlichen Dachstube, welche er bewohnte, wieder aiilangte. Er zündete ein Licht an und trat an das Bett, dessen Decke er behutsam zurückschlug.
Hätte eine ordnungsliebende Hausfrau in diesem Au- genblicke neben dem Schreiber gestanden, sie würde ent- setzt zurückgewichen sein, denn nicht weniger als sechs wohlgenährte Katzen hatten es sich auf dem schmutzig grauen Leintuche bequem gemacht. Ein freudiges Lächeln flog über das hagere Antlitz Ferdinands.
„Ihr seid meine einzigen Freunde," murmelte er, „nur der Tod soll Euch von mir trennen!"
„Oder daS Gericht!" ertönte die rauhe Stimme des Rechtskonsnleuten, der unbemerkt eingetreten war und hin- ter dem Schreiber stehend, einen höhnischen Blick aus die Katzeufamilie warf.
Ferdinand wandte sich erschreckt um. „Was sucht Ihr hier?" fragte er barsch. „Wir beide haben nichts mehr mit einander zu schaffen!"
„Mehr als Ihr glauben mögt," entgegnete Geier, indem er sich auf die Kiste setzte, welche dem Schreiber als Kleiderschrank, Waschtisch und Stuhl diente. „Ich komme noch einmal jener Briefe wegen, die mir gestohlen wurden, zu Euch."
Ferdinand setzte sich auf eine Ecke des Tisches, verschränkte die Arme und blickte seine» ehemaligen Herrn gleichgültig au. „Und wenn ich sie hätte?" fragte er.
„Ich zweifle nicht daran, daß dies der Fall ist," erwiderte Geier scharf, „Ihr allein wußtet, wo sie lagen.
Euch allein war es bekannt, daß sie großen Wert für mich hatten. Weshalb Ihr sie gestohlen habt, ist mir allerdings unklar, wahrscheinlich bewog Euch Neugier dazu, oder Ihr glaubtet, durch ihre Rückgabe Geld von mir erpressen zu können. Dem sei nun, wie ihm wolle, gebt die Papiere heraus und alles soll Euch verziehen sein, ja, Ihr könnt morgen Euren alten Dienst in meinem Hause wieder autreten."
„Danke bestens," fiel Ferdinand ihm höhnisch lächelnd inS Wort, „ich habe, Gott sei Dank, schon ein Unterkommen gefunden. Um Euch nicht länger in Ungewißheit zu lassen, will ich Euch gestehen, daß die Briefe allerdings in meinem Besitze waren und ich ihren Inhalt genau kenne."
Der Rechtskonsulent fuhr in die Höhe, ein Blick des glühendsten Hasses traf den Schreiber.
„Ihr seid jedoch," fuhr dieser fort, „imIrrtum, wenn Ihr glaubt, Neugier oder Habsucht hätten mich zur Wegnahme jener Papiere bewogen; eine Neugier zu befrie- digen, blieb mir im Bureau Zeit genug, wenn Ihr Euren Geschäften nachgiugt, Habsucht ist mir, wie Ihr selbst wißt, fremd. Nein, etwas anderes veranlaßte mich dazu. Wollt Ihr wissen, was? Der Rachedurst war es, was mich an- trieb, mir eine Waffe gegen Euch zu verschaffen!" Beiden letzten Worten hatte der Schreiber sich erhoben, in drohender Haltung, die Fäuste krampfhaft geballt, stand er dem erbleichenden Rechtskonsulenten gegenüber."
„Rache?" stotterte Geier nach einer Weile, während er sich vergeblich bemühte, dem durchbohrenden Blicke Fer- dinands zu begegnen. „Meines Wissens habe ich Euch kei- nen Anlaß dazu gegeben!"
„Nicht ?" entgegnete Ferdinand. „Denkt an meine Eltern, deren Glück Ihr vernichtet, deren Namen Ihr geschändet habt!"
„Mir däucht, Ihr seid reif für das Irrenhaus," versetzte der Rechtskonsulent, der sich inzwischen wieder ge- faßt hatte. 144, i&