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mit amtlichem Kreisblatt

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 83. Mittwoch, den 16. Oktober 1907? 58. Jahrgang.

Amtliches.

Nach §46 des Gewerbesteuergesetzes vom 24. Juni 1891 hat in diesem Jahre die Neuwahl der Abgeord­neten der Steuerausschüsse zu erfolgen.

Als Tag der Vornahme der Wahl wird hierdurch Dienstag den 22. Oktober d Js. festgesetzt, Die Wahlen finden für die Klasse III um 10 Uhr vorm.

im Saale des Hotels zum Stern statt.

Es sind zu wählen:

in Klasse III 3 Abgeordnete und 3 Stellvertreter

IV 5

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Wählbar sind nur solche männliche Mitglieder der betreffenden Klasse, welche das fünfundzwanzigste Lebens­jahr vollendet und sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte besinden.

Von mehreren Inhabern eines Geschäftes ist nur einer wählbar und zur Ausübung der Wahlbefugnis zugelassen. Aktien und ähnliche Gesellschaften üben die Wahlbefugnis durch einen von dem Geschäftsführen- den Vorstand zu bezeichnenden Beauftragten aus; wählbar ist von den Mitgliedern des geschäftssührcnden Vorstandes nur eines. Minderjährige und Frauen können die Wahlbefugnis durch Bevollmächtigte ausüben, wählbar sind diese nicht.

Niemand darf mehr als eine Stimme abgeben. Die Uebertragung des Stimmenrechtes ist unzulässig. Die Wahl darf nur aus den im § 8 der Kreisordnung vom 13. Dezember 1872 (Gesetzsammlung Seite 661) angegebenen Gründen abgelehnt werden. Ueber die Zulässigkeit der Ablehnung entscheidet der Vorsitzende des Steuerausschusses.

Wird die Wahl der Abgeordneten und Stellver. treter seitens einer Steuergesellschaft verweigert oder nicht ordnungsmäßig bewirkt oder verweigern die Ge­wählten die ordnungsmäßige Mitwirkung, so gehen die dem Steuerausschusse Zustehenden Befugnisse für das nächste Jahr auf den Vorsitzenden über.

Schlüchtern, den 4. Oktober 1907,

Der Vorsitzende der Steuerausschüsse der Gewerbesteuerklassen III u. IV.

Valentiner.

Deutsches Reich.

Der Kaiser und die Kaiserin mit der Prinzessin Luise sind am Samstag nachmittag 1 Uhr 50 Min.

werden könnten, zuvor ins Einvernehmen zu setzen.

j - In der Posener Bischoffrage richtet derDzien-

von Cadinen nach Marienburg abgereist. | -- In der Posener Bischoffrage richtet derDzien-

Am Samstag vormittag starb in Potsdam im nik Kujawski" heftige Angriffe gegen die vatikanische

Alter von 71 Jahren der General der Kavallerie, Generaladjutant Adolf V. Bülow an Herzschwäche.

Der Reichstag wird nach einer jedenfalls aus den Kreisen des Reichstagspräsidiums stammenden Mitteilung seine Sitzungen am 22. November nach­mittags wieder aufnehmen. In dieser ersten Sitzung werden kleinere Vorlagen und Petitionsberichte beraten werden, Alsdann wird in die weitere Verhandlung der am Schluß des letzten Tagungsabschnittes uner­ledigt gebliebenen Gesetzentwürfe eingetreten werden. Wahrscheinlich wird einer der ersten Gegenstände die erste Beratung des Gesetzentwurfs über den Majestäts- beleidigungs'Paragraphen sein.

DieNordd. Allgem. Ztg/' bespricht an leitender Stelle den durch einen Vertrauensbruch an dieOeffent- lichkeit gelangten Erlaß des preußischen Eisenbahnmi- nisters, der sich gegen die Gründung eines Verbandes der höheren technischen Verwaltungsbeamten bei den preußischen Staatseisenbahnen wendete. Der Minister wolle durchaus das Petitionsrecht der Beamten nicht einschränken, habe auch bereits vieles für Verbesserung ihrer Anstellungs- und Beförderungsverhältnisse getan, doch müsse dringend davor gewarnt werden, das es zur Gewohnheit würde, daß die höheren Beamten, die an der Staatsverwaltung teilzunehmen berufen sind, z. B. auch Landräte, Regierungsrüte, bis zu den Ministerien hinauf, sich zu Kampfverbänden zusammenschlössen und jede Gattung ihre Wünsche gegen die andere und gegen den Staat mit allen Mitteln durchzusetzen suchte.

Die Untersuchung über die bedrängte Lage der ostpreußischen Landwirtschaft wird sich, wie aus zuver­lässiger Quelle verlautet, sowohl auf dauernde, wie auf zeitweilige Maßnahmen erstrecken. Unter den vor­übergehenden kämen in erster Linie billige Eisenbahn­tarife für Saatgetreide und Futtermittel in Frage. Von den dauernden wird eine Erhöhung der Provin- zialdotation voraussichtlich gleichfalls ins Auge gefaßt werden. Verschiedene Vorschläge zur Seßhaftmachung der Landarbeiter u. a. m. dürfen jetzt einer beschleunigten Bearbeitung sicher sein. Die Frage der Wiederein­führung ermäßigter Staffeltariefe für den Osten, die von verschiedenen ostpreußischen Parlamentariern dringend gefordert wurden, ist noch keineswegs ad acta gelegt, doch hält es allem Anscheine nach die preußische Re­gierung für geboten, sich mit anderen Bundesstaaten, deren landwirtschaftlichen Interessen dadurch betroffen

Diplomatie und fordert, daß kein Deutscher Erzbischof von Posen werde. Es würden schreckliche Dinge vor­gehen, wenn die Polen den Schachergeschäften der römisch-preußischen Diplomatie geopfert würden. Die Besetzung des Posener Erzbistums sei durchaus nicht eine rein kirchliche Angelegenheit, sondern eine äußerst loichtige Frage der nationalen Politik der Polen. Jeder deutsche Priester, der den Posener Erzbischofstuhl besteige, würde dem schärfsten Widerstand der Polen begegnen. Dieses offene Eingeständnis der national-polnischen Bedeutung der Erzbischoffrage wird auch für bisher Gutgläubige die Lage in dankenswerter Weise klären.

Wegen Aufhetzung zum Schulstreik ist der Vikar Pohadzi aus Schubin von der Strafkammer zu Bromberg als Berufungsinstanz zu einem Monat Ge­fängnis verurteilt worden. Er hatte seinen Konfir­mandinnen verboten, in der Schule deutsch zu ant- worteu. Das Schöffengericht in Schubin hatte ihn nur zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt.

Die vier Forstlehrlingsschulen, welche neuerdings Westerwald, Spangenberg in Hessen, Steinbusch in der Mark und Margouiusdorf im Bezirk Bromberg, haben am 1. Oktober die neuen Kurse begonnen. Jede Schule nimmt im Alumnat 50 Lehrlinge auf, die vorher ein praktisches Lehrjahr in einer Oberförsterei abgeleiftet haben müssen. Für Verpflegung und Unterricht haben die jungen Leute je 30 Mark monatlich an die Staats­kasse zu entrichten. Nach bestandener Abschlußprüfung vor einer sechsgliedrigen Kommission höherer Forst- beamten treten die jungen Leute in die Jägerbataillone ein. Jede Schule ist einem Königlichen Oberförster im Nebenamts (als Direktor) unterstellt; den forstlichen Unterricht nimmt außer ihm ein Forstassessor im Hauptamt wahr, außerdem sind eine Reihe von Lehrern und forstlicher Erzieher bei jeder Anstalt beschäftigt.

Ausland.

Ein offensives Wiederauftreten Simon Coppers in Deutsch-Südwestafrika ist neuerdings auf Grund von Privatnachrichten in der Presse gemeldet worden. Der genannte Hottentottenführer sollte mit angeblich 500 Mann gegen Hasuuc im Vormarsch begriffen sein. Nach einer soeben eingetroffenen Meldung des Gouver­nements liegt irgend ein Grund zur Beunruhigung nicht vor. Die Begleitung Simon Coppers wird von amtlicher Stelle im Schutzgebiet auf etwa 200 Mann geschätzt. Es ist nicht unmöglich, daß sich zersprengte Herero und anderes Grenzgesindel bei Simon Copper befinden. Im übrigen herrscht jedoch im Hererolande

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Untrennbare Kerzen.

Roman von Otmar WilmS. 13

Ferdinand wurde allgemein bemitleidet, doch wie ober- flächliches Mitleid und Gleichgültigkeit fast immer gepaart sind, so auch hier. Worte hatte man für den Schreiber, doch niemand fand sich, der geneigt gewesen wäre, die Lage desselben zu verbessern.

Seit einigen Tagen war nun plötzlich da» Gerücht auf- getaucht, der Rechtskonsulent gehe mit dem Plane um, zu heiraten. Anfangs hielt man dieses Gerücht für die müßige Erfindung eines Spaßvogels; als es aber bekannt ward, daß Geier seit drei Wochen schon eine Näherin unausge­setzt für sich beschäftigte, begann man an die Wahrheit jenes Gerüchtes zu glauben, und jetzt verbreitete sich das­selbe gleich einem Lauffeuer.

Der Doktor Julius Alsdorf kam aus dem Kaffeehause, in welchem er täglich nach dem Mittagessen die Zeitun­gen zu lese» pflegte, als ein Freund ihm jenes Gerücht mitteilte.

Er fühlte sich beunruhigt, als er hörte, daß Meta für den Rechtekonsulenten arbeite, sie hatte ihm davon nichts gesagt, und wenn er auch nichts Auffallendes darin fin­den konnte, so flüsterte doch eine ihm selbst unerklärbare Ahnung zu, daß Geier, an dessen HeiratSlust er nicht glau­ben Ivollte, bei dieser plötzlichen, auffallenden Arbeitertei- hing nichts Gutes im Schilde führe. Er erinnerte sich, daß seine Mutter in den letzten Wochen nicht nur ihre Spöt­tereien über sei» Verhältnis zu Meta gänzlich vermie­den, sondern auch Darauf bezügliche Worte fallen gelassen hatte, deren Sinn ihm unklar war, die ihn aber vermu- ten ließen, daß die geldstolze, nur an den Konvenienzen ihres Standes hängende Frau heimlich an der Vernichtung seines Glückes arbeite.

Diese Vermutung brächte er unwillkürlich, und ohne dafür einen anderen Grund als unbestimmte Ahnung fin­gen zu können, mit der Arbeiterteilung des Rechtskon-

ESM»»aM«ma»ftB«B»«MEMM»aMre*S*«**t«9iWHsMWifr«0Wi«^'^ sulenten in Verbindung, der ihm als ein durchtriebener, abgefeimter Schurke bekannt war.

Ohne es zu wissen, hatte er, während er über dies alles grübelte, den Weg zur Wohnung seiner Geliebten schon eingeschlagen, und bald stand er in der breiten, luf- tigen Straße der Vorstadt, vor dem kleinen, freundlichen Hause, in dessen drittem Stockwerke die trauliche Heimat des Mädchens sich befand.

In der Türe ihrer Wohnstube befand sich, wie man : dies in früherer Zeit häufig fand, ein Glasfenster, und : vor diesem blieb Julius eine Weile stehen, um vorher - einen Blick durch die blendend weiße, durchsichtige Gardine zu werfen. Mit sichtlichem Wohlgefallen überflog er das Innere des bescheiden und doch geschmackvoll eingerichte­ten StübchenS, in welchem jeder, selbst der geringfügigste Gegenstand, von der Ordnungsliebe und Reinlichkeit der Bewohnerin zeugte, er blieb endlich auf dieser ruhen, die am Fenster vor ihrem Nähtischchen saß und emsig die Na­del führte.

Das Mädchen ließ dann und wann die Hand einen Augenblick sinken und schaute gedankenvoll auf den Kana­rienvogel, der dicht am Fenster, zwischen blühenden Ro­sen und Nelken, seinenPlatz hatte, und von Zeit zu Zeit sein kleines Köpfchen zwischen die glänzenden Messingstäbe feines Käfigs zwängte, um seine Herrin klug anzublicken. Ja, es schien dem Doktor fast, als bestehe zwischen die­sen beiden unverdorbenen Geschöpfen ein geheimnisvolles Verständnis, eine Art Seelensprache, denn so oft Meta den seelenvollen Blick auf ihren kleinen Liebling richtete, stimmte dieser, sei» Köpfchen zurückziehend, eine fröhliche Weise an, die er nach den ersten Akkorden plötzlich schrill abbrach, um sie mit leisen, wehmütigen Tönen der Sehn­sucht zu beenden.

Julius trat ein und schloß das ihm mit freudigem- cheln entgegentretende Mädchen in seine Arme.

Nicht leicht fand man ein Paar, welches besser zusam- menpaßte, als dieses. Beide waren von mittlerer Größe, schlank und ebenmäßig gebaut, und in der ersten, schön­

sten Blüte ihrer Jugend. In dem Gange und der Hal- tung des jungen Manne? lag eine imponierende Hoheit, in seinen tiefblauen Augen, die mit inniger Liebe auf dem rosigen Antlitz der Geliebten ruhten, spiegelte sich eine denkende, fühlende Seele, während die hohe, von dichten Locken beschattete Stirne auf stolzes Selbstvertrauen und Charakterfestigkeit deutete. Das junge Mädchen dagegen umschwebte der zarte, duftige Hauch einer fleckenlosen Un- schuld, und aus ihren dunkeln, feucht schimmernden Au» gen sprachen kindliches Vertrauen und hingebende Liebe

Ich hatte Dich heute nicht erwartet," hob Meta an, als Julius hinter dem runden, mit einer weißen Decke be- haugenen Tische auf dem Sofa saß,doch ist es mir dop­pelt lieb, daß Du gekommen bist, einmal, weil ich mich nur in Deiner Nähe so ganz glücklich fühle, dann aber auch weil. . ."

Nun, weil?" fragte Julius gespannt, als das Mäd­chen zögerte.

Ach, ich bin ein Kind, eine Törin," fuhr sie lächelnd fort, während sie von der wieder aufgenommenen Arbeit aufblickte,Du magst mich nur schelten darum, ich habe eS verdient."

Nun so sprich doch," entgegnete Julius ungeduldig, ist Dir etwas Unangenehmes begegnet oder gar einZwei- fel an meiner Liebe aufgestoßen?"

Onein," erwiderte Meta, den seelenvollen Blick treu­herzig auf den Geliebten richtend,an Dir zweifeln, das hieße ja an allem zweifeln, was mir teuer ist. Nein, eS ist eine Ahnung, die seit einigen Stunden plötzlich mein Herz befallen hat, eine Ahnung, als ob ein großes Unglück mir bevorstände."

Ein Unglück?" fragte Julius erstaunt.Kind, wie kommst Du zu diesem Gedanken?"

Ja, ein Unglück, eine Trennung von Dir," fuhr Meta wehmütig fort,ich weiß, daß es Torheit ist, sich solchen Ahnungen hinzugeben; doch mein armes Herz kann nicht dafür, Du weißt ja, wie schwach eS ist." . 144,18