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mit amtlichem Rreisblatt.

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren -Raum 10 Pfg.

Samstag, den 5. Oktober 1907

58. Jahrgang.

Zum Erntedankfest.

Was einst ward auf Hoffnung gefäet ins Land Im Lenze am sonnigen Morgen, Das wurde, da nun der Sommer verging. In schützenden Scheuern geborgen.

Aus grünenden Saaten ein wogendes Feld Ließ Frühling und Sommer erstehen, Und heute nun können das Dankfest aufs neu. Der Ernte wir wieder begehen.

Die Glocken, sie klingen mit ehernem Mund Weithin über Fluren und Auen Und lade» uns ein, den Segen ringsum Des freundlichen Gebers zu schauen. Des Gebers, der uns unser täglich Brot Nun wieder trotz allem bescheeret: Drum dankt im Gebet und Gesänge dem Herrn Deß' Güte ja ewiglich währet.

Wir können wohl säen den Samen ins Land Doch er nur allein gibts Gedeihen, Drum lasset mit Worten nicht nur, mit der Tat Ein Opfer des Danks uns ihm weihen.

Für Not rings und Elend der Brüder so viel Laßl Liebe uns haben, Erbarmen;

Zum Danksest sei das drum dein innigster Dank Daß dein Brot du brichst mit den Armen.

Daß Du gern gibst und freudig vom Ueberfluß Den du hast vom Schöpfer empfangen, Daß Kummer und schmerzliches, bitteres Weh

Du stillst ohne Zagen und Bangen. Was so du in Liebe bei Andern gesät, Wie so du verscheucht hast die Sorgen, Am Tage der Ernte für dich ist es dann Als Segen im Himmel geborgen.

M. L».

Erntedankfest.

Die Glocken des morgigen ersten Sonntags nach Michaelis läuten uns das Erntedankfest ein. Ueber Felder und Auen, über Stadt und Land ziehen ihre Klänge in die Weite, uns zum Gotteshause rufend, um Lob und Dank zu sagen dem Geoer aller Gaben, der uns den Tisch aufs neue gedeckt und dessen Güte ewiglich währet. Ist auch für Jeden unter uns, der Gemüt und Dankgefühl besitzt, das ganze Jahr hin­durch Erntedankfest, da ja kein Tag vergeht, an dem wir nicht auf irgend eine Weise die Frucht treuerfüllter Arbeit empfangen, so ist doch mit dem Schluß der

Untrennbar« Kerze».

Roman von Otmar WilinS.

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Noch ist nicht» verloren," fuhr er fort, indem er den Zettel zusammenfaltete,hat der Schurke die Wahrheit gesprochen, lebt das Mädchen noch, so wird eS hierher in mein Hau» kommen, und dann . .."

Er sprach den finsteren Gedanken, den er hegte, nicht aus, denn eben trat Ferdinand ein und meldete, daß eine Dame mit dem RechtSkonsulenten zu sprechen wünsche.

Die Angemeldete folgte dem Schreiber auf dem Fuße und machte eS dadurch dem RechtSkonsulenten unmöglich, den Besuch, der ihm in diesem Augenblicke ungelegen kam abzuweisen. , sidi

Entschuldigen Sie, wenn ich störe," hob sie,Mindem sie den dichten, schwarzen Schleier zurückschlug,eine.sehr

tuen.

Geier winkte seinem Schreiber,upchrzu MWÄt'M schob der Dame einen Stuhl hin, ni ?41 .istnSirE

Die Fremde besaß eine hohe,ftzqttliche Ngür,«der nte etwa» mehr Fülle zu wüns geiMieflHPäjie; und.Eben­mäßige, doch stark markier Augen verrieten unerbittT

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Stolz, und um ihre fest« jener Zug, aus demMPymwgnoMket'M Möt'näckigen Eigensinn und Trotz schlivWk.liuftssiv't Mm f

Ihre KleidMgtwgx HHach? rttzHAeWtzMM und elegant. Wu^^r^ Hundert Louis-

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daß sie e?iie den Höheren Ständen a u g e h ü.repdH-,TWtK sei»i

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Firma meines Mannes wird Ihnen bekannt sein."

Geier verbeugte sich und ein süßfreundliches Lächeln

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Ernte die Zeit herbeigekommen, in welcher der nimmer­müde Landmann, aller Sorgen frei, die ihn in den Tagen des Lenzes und Sommers bedrückt, die wichtigste Arbeit getan, in der er den Segen des Feldes in die schützenden Scheuern gebracht, in der er den Lohn seiner Mühen empfängt und aus diesem Grunde alle Ursache hat, dem allgütigen Schöpfer zu danken. Und wie der Landmann, so hat auch der Städter die gleiche Aufgabe, geht die Ernte doch auch ihn gleichermaßen an, da ohne Ernte kein Leben. So findet alljährlich, geht der Sommer zur Rüste und zieht der Herbst ins Land, die Feier des Erntedankfestes statt, an welchem der schuldige Dank Gott gespendet werden und die Bitte um neuen Segen für das kommende Jahr ge­sprochen werden soll. Haben wir es doch teilweise auch in diesem Jahre von neuem wieder gesehen, daß mit unserer Macht nichts getan, daß an Gottes Segen alles gelegen ist. Ist auch nicht alles geraten, so ist doch manches glücklich gediehen, und wie wichtig das ist, beweist die Tatsache, daß der Ackerbau die Stütze eines jeden Staates ist. So wird das Erntedankfest auch in diesem Jahre im allgemeinen in freudiger Stimmung gefeiert werden und uns Alle außer an den Dank gegen Gott Von neuem auch daran erinnern, daß wir uns gegenseitig in Liebe und Freundschaft begegnen und des Spruches eingedenk sein sotten: Wohlzutun und mitzuteilen vergesset nie, denn solche Opfer gefallen Gott wohl!" Kommt dann im raschen Lauf der Jahre auch für uns am Ende unsers Lebens der große Tag der Ernte, dann wird es sich zeigen, daß wir das ernten werden, was wir in Liebe gesäet und daß wir das, was wir getan dem geringsten unserer Brüder, dem Herrn getan haben._____________

Deutsches Reich.

Wie man aus Karlsruhe meldet, hat der Kaiser die Mitteilung dorthin gelangen lassen, daß er zu den Beisetzungsfeierlichkeiten am 7. d. M. in Karlsruhe eintreffen werde. Als erste Regierungshandlung des neuen Gro^herzogs von Baden wird, wie sich der Hann. Cour." aus Karlsruhe melden läßt, der Erlaß einer allgemeinen Amnestie angekündigt. Eine Huldig­ung für den neuen Großherzog, wie sie 1852 statt« gefunden, ist nicht in Aussicht genommen. Sämtliche Mitglieder des Staatsministeriums dürften dem neuen Großherzog wie üblich ihre Portefeuilles zur Verfüg­ung stellen, man zweifelt aber in eingeweihten Kreisen nicht daran, daß sämtliche Minister in ihren Aemtern bestätigt werden.

Der deutsche Kaiser und die Kaiserin beabsich­tigen, der Königin Wilhelmina in der zweiten Hälfte des November in Holland einen Besuch abzustatten. Dieser von amtlicher Seite angekündigte Besuch stellt offenbar einen Gegenbesuch auf die Antrittsvisite dar, die die Königin Wilhelmina s. Z. in Potsdam abstattete.

Auf den Howaldtswerken in Kiel lief das für die Reichsmarine erbaute Bergungsfahrzeug für Unter­seeboote, das der Reichstag im Marineetat 1907 be­willigte, glücklich vom Stapel.

Der Kultusminister hat auf Antrag der Profes­soren Genzmer und Brix die versuchsweise Einrichtung eines Seminars für Städtebau an der Technischen Hochschule in Berlin zu Beginn des Wintersemesters 1907/08 genehmigt Der von den genannten Profes­soren zu erteilende Unterricht wird bestehen:

1. in einem drei Wochenstunden umfassenden Som­mer« und Winterkursus für die Bearbeitung von Stadt- und Ortsbebauungsplänen auf prak­tischer Grundlage,

2. in einem ebenfalls in jedem Semester abzuhalten- den Vortragszyklus über ausgewählte Kapitel des angewandten Städtebaus.

Der Vortragszyklus wird von besonderem Werte auch für Kreis- und Gemeindebaubeamte sein. Die Verträge werden, um ihren Besuch auch Auswärtigen zu erleichtern, je in einen Zeitraum von etwa 2 bis 3 Wochen zusammengefaßt und so gelegt werden, daß auch den Auswärtigen, entsprechend der teilzunehmen möglich sein wird.

Nachdem seitens der Bergverwaltung und für den Bereich der Eisenbahndirektion Saarbrücken auch seitens der Eisenbahnverwaltung schon früher versuchs­weise Darlehen an Eisenbahn-Arbeiter und untere Eisenbahnbedienstete znr Erbauung eigener Wohnhäuser gewährt worden waren, ist diese Maßregel mit Rück­sicht auf die günstigen Erfahrungen, die bei dieser Art der Wohnungsfürsorge gemacht worden sind, nunmehr versuchsweise auch auf die übrigen Eisenbahndirektious- bezirke ausgedehnt worden. Der Höchstbetrag des einzelnen Darlehens, das bisher nicht mehr als 4000 Mark für das Zweifamilienhaus ausmachen durfte, ist auf drei Viertel der Baukosten, höchstens aber 6000 Mark für das Zweifamilienhaus festgesetzt worden. Der Darlehensempfänger hat mindestens 6 v. H. des e,'pfaugenen Darlehnsbetrages jährlich zu entrichten, und zwar 37a v. H. zur Verzinsung und 27a v. H. mittels Zuwachs der ersparten Zinsen zur Tilgung

glitt über seine Züge.Allerdings," entgegnete er,das | reichste, älteste Bankhaus unserer Provinz."

Ich habe mich an Sie gewandt," fuhr sie fort, ohne 1 die Schmeichelei zu beachten,weil man Sie in meiner I Gegenwart häufig als gewandt und pfiffig gerühmt hat." 1

Bevor ich zur Angelegenheit selbst komme, muß ich JH- | nen einige zum Verständnis der Sache nötige Notizen ae- I ben. Sie werden wissen, daß ich nur einen Sohn habe. j Vielleicht ist eB Ihnen bekannt, welchen Lebenswandel er ' führt." _ nsd Mb

-MstchuW-Habe, ist derselbe sehr to^ww« den Herrn Doktor

wolle sie sich überzeugen, ob er die Wahrheit spreche, dann nahm sie, anscheinend beruhigt, ihren Platz wieder ein.

So hören Sie denn," erwiderte sie,was mich zu Ihnen führt. Julius hat, wie Sie wissen, Medizin stu­diert; er kehrte vor zwei Jahren von der Universität zurück und übernahm aus Liebe zur Wissenschaft die Praxis mei- nes Hausarztes, der sich zur Ruhe setzen wollte. Sie wer­den meiner Behauptung recht geben, daß ein Arzt Gatte sein muß, wenn er bei seinen Patienten Vertrauen er-

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wecken will. Ich machte Julius hierauf aufmerksam; er pflichtete mir vollkommen bei, tat aber trotzdem keinen Schritt zur Annäherung an irgend eine derjenigen Da­men, die täglich unser Hau» besuchten, im Gegenteil, mir schien es, als suche er ihnen geflissentlich aus dem Wege

schien eS, als suche er ihnen geflissentlich aus dem Wege zu gehen. Ich lud die schönsten, vornehmsten und reich­sten Damen unserer Stadt zu mir ein, hielt eine Visite nach der andern, umsonst, Julius blieb den Damen stets fern.

Jetzt unterzog ich mich der Mühe, selbst für ihn zu wählen, und meine Wahl fiel, nach langer, sorgfältiger Prüfung auf Leda von Wellbaum, ein bildschönes, geist­reiches Mädchen, aus einer reichen, angesehenen Familie, in jeder Beziehung also eine passende Partie für den ein- zigen Sohn des KommerzienratS Alsdorf. Bor acht Ta- gen nun erklärte ich ihm, was ich in seinem Interesse ge­tan hatte, ersuchte ihn, sich dem Fräulein von Wellbaum ^Ü nähern, damit er sie kennen lerne und, wenn sie seinen

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mit ihm in irgend einem Weinhause beschränkt."

Die Kommerzienrätin warf einen prüfenden Blick auf das lächelnde Antlitz des demütig vor ihr Stehenden, als

i UAWrderungen genüge, um ihre Hand anzuhalten, die man ihm nicht abschlagen werde. Die Antwort, welche er mir mgMchavuichtete mit einem Schlage meine schönsten Hoff-

.MigWiliWuLder, sagte er, lasse mich ungehindert meine ijWSI gehe«, ÄH-tMrde die nicht heiraten, die Du für mich

ir

chiDÄ auch ferner keine Mühe, sie wäre i ^xzM» Hand habe ich schon längst einer

Die alte Geschichte," warf der RechtSkonsulent gleich­gültig ein,eine Jugend-Passion, der man Zeit lassen muß, daß sie sich die Hörner ablausen kann " 144,18