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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Aalgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 77.
Mittwoch, den 25. September 1907.
58. Jahrgang.
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mit <tmi(. Kreisblatt
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Deutsches Reich.
— Der Kaiser trat Freitag früh 6 Uhr die Reise nach Posen, Königsberg, Memel und Rominten an.
— Der Kaiser traf Freitag 10 Uhr 32 Min. in Posen ein und fuhr sofort nach Glowno weiter, wo die Ankunft 10 Uhr 42 Min. erfolgte. Der Kaiser, der die Uniform der Posener Königsjäger trug, nahm zuerst die militärische Meldung des kommandierenden Generals des 5. Armeekorps entgegen. Zum Empfang auf dem Bahnhof waren anwesend Oberpräsident V. Waldow und Polizeipräsident v. Hellmann. Der Kaiser begab sich hierauf zur Festungskriegsübung in das Manövergelände, um dem Scharfschießen der Artillerie beizuwohnen.
— Der Kaiser wird, Berliner Meldungen zufolge, im Laufe des Herbstes zur Elchbirsche in Nidden an der Kurischen Nehrung eintreffen. Auch der Kriegsminister V. Einem gedenkt sich demnächst zur Elchbirsche nach Nidden zu begeben. Die Elche haben sich im Laufe der letzten Jahre derart vermehrt, daß sie in den Wäldern großen Schaden anrichten, so daß ein Abschuß angeordnet werden mußte.
— Von der preußischen Armeeverwaltung wird die drahtlose Telegraphie eifrig gefördert. An verschiedenen Orten werden seit dem Frühjahre Stationen errichtet, um sie auf ihre Brauchbarkeit hin zu erproben. Die Stationen in Berlin und Jüterbog bilden nach dieser Richtung hin Versuchsstationen. Es ist der „Post" zufolge geplant, den
Nntre««öare Kerzen.
Roman von Otmar WilmS. 7
Trotzdem der Rechtskonsulent allgemein im Rufe eines schmutzig geizigen, hartherzige» und unrechtlichen Mannes stand, erfreute er sich doch einer nicht unbedeutendenPraxiS, ja man sah sogar häufig den eleganten Wagen irgend eines Notabel» der Stadt stundenlang vor seiner Wohnung halten.
Dies hätte mit Recht zu der Vermutung führen können, daß das Innere des Hauses solchem Besuch entsprechend sein müsse. Dem war jedoch nicht so; ein Zimmer ausgenommen, welches nur an Sonn- und Feiertagen geöffnet wurdr, um den Hausherrn einzulaffen, entsprach das In- nere in Hinsicht auf Unsauberkeit und Unfreundlichkeit ganz und gar dem Aeußere» Die Zimmer waren teils ärm- lich, teils gar nicht möbliert, die Wände mannigfach beschädigt und beschmutzt, die Tapeten an den äußeren Mauern verfault, die Fußböden schmutzig grau und der Aus- besseruiig sehr bedürftig und die trüben Fensterscheiben ließen nur dann das Tageslicht voll in diese unheimlichen Gemächer fallen, wenn der Regen sie vom Staube gereinigt hatte. Der Rechtskonsulent war Junggeselle. Er hatte allerdings in der Blüteuperiode seiner Jugend, da er von Kindesbeinen an nur danach trachtete, einst ein reicher Mann zu werden, seine Netze nach einer reichen Erbin ausgeworfen. Doch war sein Plan an seinen ungeschliffenen, groben Manieren, nochmehr aber an seinem schmutzigen Geize, der ihn schon damals charakterisierte, gescheitert. Dies rief in seinem Herzen eine Bitterkeit gegen daS schöne Geschlecht wach, die ihn von jedem ferneren Versuche, sich demselben zu nähern, zurückhielt.
(Ebensowenig konnte er sich dazu entschließen, eine Magd zu halten, und streng genommen, bedurfte er einer solchen auch nicht, beim sein Schreiber, den er vor unge- । jähr zehn Jahren, wie man zu sagen pflegt, von der Straße in sein Halts ausgenommen hatte, verrichtete außer seinen Bureau-Arbeiten auch noch die Dienste einer Magd.
Besagter Schreiber führte den Namen Ferdinand Ro-
preußischen Rayon mit einem Netz von 48 Station zu überziehen.
— Das spanische Königspaar wird im November d. I. nach England reisen und einige Tage im Schlosse zu Sandringham zubringen. Vor diesem Besuch wird der König auch dem Kaiser von Oesterreich einen Besuch abstatten.
— Der Großherzog in Karlsruhe ist an einer Darmentzündung erkrankt, welche anfangs schmerzhaft und von Fieber begleitet gewesen. Die Nachtruhe war häufig unterbrochen. Der Puls ist beschleunigt und unregelmäßig. Das Allgemeinbefinden wechselt.
— Englische Flottenmanöver sollen im Oktober d. I. stattfinden. Die Manöver werden in der Nordsee abgehalten und sollen ein möglichst getreues Abbild eines Krieges darstellen. Es werden sich daran 25 Linienschiffe und 15 Panzerkreuzer, die aus Teilen der Kanal-, Mittelmeer- und Heimflotte bestehen, beteiligen.
— In den Marinen der Großstaaten sind im ganzen 117 Unterseeboote im Dienst und 86 im Bau.
Hiervon haben:
Im Dienst
Im Bau
Frankreich
40
59
England
37
11
Rußland
20
8
Vereinigte Staaten
8
4
Japan
7
—
Italien
4
2
Deutschland
1
2
Vor kurzem wurde in England ein Manöver zwischen Unterseebooten und Kreuzern ausgeführt, bei dem die Unterseeboote sich vorzüglich als Verteidiger eines Hafens bezw. zur Verhinderung einer Blockade bewährt haben.
— Ein Neffe des verstorbenen Schahs von Persien bestand an der Oberrealschule in Großlichterfelde bei Berlin das Abiturientenexamen. Er wurde vom münd- lichen Examen befreit.
Ausland
— In einer in Liverpool gehaltenen Rede des englischen Kriegsministers Haldane kam dieser auch aus den Wert wissenschaftlicher Ideen für die Regierungen zu sprechen. Er führte als nachahmenswertes Beispiel in der Verwertung solcher Ideen die deutschen Regierungen, den deutschen Generalstab und die Behandlung der Ankylostomiasis (Gotthard- oder Tunnelkrankheit) an und meinte, es müsse anerkannt werden, daß die
fenftiel, ward jedoch von seinen Bekannten gemeiniglich nur derKatzen-Nante genannt, weil er zu diesen Tieren eine zärtliche Vorliebe hegte und deren nie weniger als sechs Stück besaß, die, wie man sich erzählte, im Bette ihres Herrn schliefen und mit ihm aus einer Schüssel aßen.
Er mochte ungefähr vierzig Jahre alt sein. Seine Ge- stalt war groß und hager, sein Gesicht knochig und scharf markiert, und aus seinen matten, tiefliegendenÄugen sprach eine stürmische Vergangenheit. Sein gebückter, fast krie- chender Gang, die schlaff herunterhäugende Unterlippe, und sein dummdreister, stierender Blick veranlaßten jeden, der mit ihm verkehrte, zu der Vermutung, daß in dem großen Körper des Schreibers ein sehr beschränkter Geist wohnen müsse. In wie weit diese Vermutung eine richtige war, werden wir im Verlauf unserer Erzählung erfahren.
Acht Tage waren nach der Beerdigung des Wucherers verstrichen. Das Glöckchen der Schwarzwälder Wanduhr, die in dem Privatkabinett des Rechtskonsulenten hing, hatte schon vor einer Stunde Mittag geschlagen, und zum zehntenmal zog Ferdinand, der in der anstoßenden Schreibstube ungeduldig auf- und abgiug, feine silberne Uhr auS der Westentasche, um zu sehen, wie viel der Zeiger schon vorangeschritten war.
„Zehn Minuten nach eins!" hob er zornig an, „jetzt hat meine Geduld bald ein Ende! Das ist nun in den letzten acht Tagen schon das dritte Mal, daß der Alte über die Mittagszeit ausbleibt, und wer muß darunter leiden? Ich, kein anderer; der Alte hat seinen Magen an eine unregelmäßige Lebensweise gewöhnt und glaubt, jedem an- dern sei es eben so gleichgültig, ob er um zwölf oder um zwei Uhr zu Mittag esse. Aber ich werde ihn heute noch eines Besseren belehren! Was kümmert mich seine Erbschaft," fuhr er nach einer Weile fort, während er am Fenster stehen blieb und durch die trüben Scheiben stier auf die Straße schaute, „für mich wird kein roter Heller davon abfallen! Zehn Taler monatlich, dabei bleibt's, kaum genug, das nackte Leben zu fristen, aber warte, Alter, bald schlägt die Stunde der Vergeltung. Treue Dienste habe ich
Deutschen besser als die Engländer zur Erfassung allgemeiner Ideen befähigt seien.
— Der Hafenarbeiterstreik in Antwerpen scheint nunmehr seinem Ende entgegenzugehen; an verschiedenen Stellen ist die Arbeit bereits wieder aufgenommen worden. Der Zuzug englischer und deutscher Dockarbeiter dauert an, so daß jetzt über 4000 Mann auf den Schiffen entladend und verstauend arbeiten, was jedoch immer noch ganz unzureichend ist. An- und Abfuhr der Waren an Land vollzieht sich jetzt ungestört mit genügender Arbeiterzahl.
— Bei allen Deutschen in Marokko rief die rasche und wirksame Hülfe der deutschen Reichsregierung, den in Casablanca geschädigten Deutschen aus Reichsmitteln einen Vorschluß zu gewähren, hohe Befriedigung hervor.
— Die marokkanischen Stämme sind mit der Un- entschlossenheit des Gegensultans Mulay Hafid hinsichtlich seines Vordringens nach Norden dermaßen unzufrieden, daß selbst diejenigen, welche ihn zum Sultan ausgerufen haben, jetzt zögern, ihm weitere Unterstützung zu gewähren. Mulay Hafid sandte fünfzig auserwählte Anhänger mit einem Vesier nach Tanger, welche wichtige Depeschen für die Vertreter der europäischen Mächte überbringen sollen, in denen er seine Proklamation zum Sultan mitteilt und alle Verträge und die Abmachungen der Algecirasakte anerkennt, welche bei richtiger Anwendung Frieden und Sicherheit für ganz Marokko gewährleisteten, wozu sein Bruder Abdul Aziz nach seiner Ansicht nicht imstande sei. Mulay Hafid fordert, daß die europäischen Mächte aushören, in Casablanca Anlaß zu Unruhen zu geben, und ferner, daß die französischen Truppen zurückgezogen werden, dagegen würde er die Bestrafung des Schauja-Stammes übernehmen und mit der französischen Regierung Frieden schließ-».
— Das englisch-russische Abkommen soll, wie das Petersburger Kadettenblatt „Rjetsch" jetzt erfahren haben will, Persien in eine englische und eine russische Interessensphäre aufteilen, Tibet neutralisieren und Afghanistan ganz dem englischen Einfluß überlassen.
Eine furchtbare Brandkatastrophe
hat in Berlin eine ganze Anzahl von Opfern gefordert. In einem Hause der Lehrterstraße im Stadtteil Moabit brach ein Feuer aus, bei dem eine Frau und ein Kind erstickten. Eine zweite Frau und deren Söhnchen starben an den erhaltenen Verletzungen im Krankenhause. Zwei Feuerwehrleute sind an Rauchvergiftung schwer erkrankt, eine dritte Frau liegt ebenfalls auf den Tod danieder.
Dir geleistet, mich demütig unter Dein Joch gebeugt, den Staub von Deinen tranigen Stiefeln geküßt, und wie hast Du mir gelohnt? Wie einen Hund hast Du mich behandelt, mich als Spielball Deiner Launen benutzt und mir bis schmutzigsten Arbeiten aufgebürdet!"
Bei den letzten Worten war er an sein Schreibpult getreten. Er nahm aus demselben ein Paketchen, welches er hämisch lächelnd in die Brusttasche seines fadenscheinigen Rockes schob. „Hier halte ich den Preis," sagte er trium- phierend, „für den ich alles ertrug, gib acht, Alter, bald wirst Du's erfahren, was der Nante seinen Katzen abgelernt hat."
Das letzte Wort war seinen Lippen kaum entflohen, als die Hausglocke heftig gezogen wurde.
Der Schreiber ging hinaus und kehrte gleich daraus mit einem schon ziemlich bejahrten Manne zurück, der genau das Aussehen eines Vagabunden hatte. Sein Anzug bestand aus einer schmutziggrauen, leinenen Hose, einem bis unters Kinn zugeknöpfte» mannigfach geflickten Rock, einer alten verschlossene» Halsbinde und einer keck aufs rechte Ohr gerückten Militärmütze. Die grauen, von bu- schigen Brauen umschatteten Augen, die stark hervortre- tenden Backenknochen, die trotzig aufgeworfenen Lippen und der lange, struppige Bart, machten einen unheimli- chen, zurückstoßenden Eindruck, der durch die rauhe, hei» sere Sprache nicht gemindert wurde.
„Also noch nicht zurück?" hob er an, als Ferdinand auf seinem hohen Schreibstuhle wieder Platz genommen hatte: „Das scheint mir verdächtig; läßt sich wohl verleugnen, He ?*
Der Schreiber war froh, daß ihn, Anlaß gegeben wurde, seinem Aerger Luft machen zu können. „Glaubt Ihr der Rechtskonsulent könne Grund haben, sich vor Va- gabunden verleugnen zu lassen?" entgegnete er barsch
„Wer ist ein Vagabund?" fiel der andere ihm aufbrausend ins Wort. „Wie dürfen Sie es wagen, einen Freund Ihres Herrn zu beleidigen ? Mein Name ist Chri- stoph Tümpling, und so gut ich Ihnen gegenüber höflich auftrete, kann ich auch von Ihnen, einem anscheinend gebildeten Manne, Höflichkeit verlangen , 144,18