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mit amtlichem Rreisblatt, Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Amtliches.

Kreis-Pferdeversicherung betreffend

Nach dem Ergebnis der Vorprüfungen und Be­gutachtungen sind in der gestrigen Sitzung des Vor« standes der Kreis-Viehversicherungsanstalt und der Vertrauensmänner = 148 Pferdebesitzer mit 246 Pferden über 137 850 Mk. Versicherungskapital, als Mitglieder der Versicherungsanstalt ausgenommen worden und wird sonach die Kreispferde Versicherung am 1. Oktober d. Js. eröffnet.

Den Versicherer wird die Police in den ersten Tagen des Oktober behändigt werden.

Beteiligt an der Versicherung haben sich Pferdebe­sitzer aus den Städten Schlüchtern, Steinau, Sal- münster, Soden und aus den Landgemeinden Ahlersbach, Altengronau, Elm, Gundhelm, Heubach, Hintersteinau, Hütten, Joffa, Lindenberg, Marborn, Marjoß, Mottgers, Neuengronau, Neustall, Oberkalbach, Oberzell, Rein­hards, Sarrod, Schwarzenfels, Sterbfritz, Uerzell, Ulmbach, Uttrichshausen, Wallroth, Weichersbach, Weiperz, Züntersbach Sa. 31 Gemeinden.

Nicht beteiligt haben sich bis jetzt die Gemeinden: Ahl, Bellings, Breitenbach, Breunings, Eckardroth, Herolz, Hohenzell, Kerbersdorf, Klosterhöfe, Kressen- bach, Niederzell, Romsthal, Sannerz, Seidenroth, Vollmerz, Wahlert = Sa. 16 Gemeinden.

Diejenigen Pferdebesitzer, welche nach dem 1. Oktober der Versicherungsanstalt beitreten, haben ein Eintrittsgeld von 2 Mk. pro Pferd zu zahlen.

Versicherungsanträge werden jederzeit von dem Vorstand der Anstalt, sowie den Herren Bürgermeister, Vertrauensmänner und Ortsvertretern entgegen ge­nommen.

Ueber die weitere Entwickelung der Anstalt, über Verluste und gezahlte Entschädigungen werden die Versicherer von Zeit zu Zeit durch diese Zeitung unter­richtet.

Schlüchtern, den 18. September 1907.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

J. V. Berta.

Dom Anfiedelungswerk in den Ostmarken.

Hessische Bauern, die sich in der Ostmark angesiedelt haben, haben in ihren neuen Heimat sehr gute Er­fahrungen gemacht und fühlen sich Wohl daselbst. Das neugeschaffene Dorf Ostwehr im Kreise Hohensalza ist fast ausschließlich von Hessen bewohnt, die hauptsächlich aus den Kreisen Kassel-Land, Hofgeismar, Wolfshagen,

Samstag, den 21. September 1907.

Rotenburg und Gersfeld a. d. Rhön 'stammen. Wie sehr diese Ansiedler mit ihrer wirtschaftlichen Lage zufrieden und über die dortigen Verhältnisse des Lobes voll sind, geht aus einem im amtlichen Anzeiger der AnsiedlungskommissionNeues Bauernland" veröffent­lichten Briefe hervor, den ein Ansiedler nach seiner alten Heimat geschrieben hat. Es heißt darin:

Das vergangene Jahr war hier durchweg ein gutes Erntejahr, so daß der hiesige Landmann mit Befriedigung rückwärts schauen kann. Unser Gemeinde­areal umfaßt rund 3000 Morgen und ist eingeteilt in 33 größere und kleinere Wirtschaften. Ein erheblicher Teil der Gemeindefläche wird als Wiese und dann als Weide benutzt. Ein kleiner Teil besteht aus Wald. Etwa zwei Drittel der gesamten Gemeindefläche wird bewirtschaftet. Hauptsächlich wird hier Roggen und Gerste gebaut, weniger Weizen und Hafer. Als Hack­früchte werden viel Rüben und Kartoffeln gezogen. Der Roggen gedeiht bei uns sehr gut wie wohl selten in einer Gemeinde des deutschen Vaterlandes. Die Roggenernte betrug im Durchschnitt zehn Zentner für den Morgen. Der Preis betrug im September 7 Mk. im November 7,50 Mark für den Zentner. Die Gerste ist hier ebenfalls reichtragend, so daß 12 Zentner der Morgen der ungefähre Durchschnitt, aber 15 Zentner keine Seltenheit sind. Der Preis für Gerste (Braugerste) beträgt augenblicklich 8 bis 8,50 Mark. Die Rüben gedeihen hier vorzüglich, so daß 200 bis 250 Zentner für den Morgen keine Seltenheit sind. Im Jahre vorher erzielte ich mit Dividendenanteil 1,01 Mark für den Zentner und erhielt 40 v. H. Rübenschnitzel franko zurück. Durch den starken Rübenbau sind wir alle in der Lage, große Rindviehbestände zu halten. Der Kartoffelbau ist hier sehr lohnend, und daher besteht hier eine sehr starke Schweinezucht. Vor kurzem fragte ich in einer Gemeindesitzung, wieviel Schweine in unserm Orte ständen, da stellte es sich heraus, daß 350 schlacht­reife Schweine und mindestens ebenso viel Faselschweine vorhanden waren. Die Fleischpreise sind ungefähr wie folgt: Schlachtreife Bullen werden bezahlt mit 36 Mk. der Zentner Lebendgewicht. Gute Kühe kosten 350 bis 450 Mark das Stück. Die Schweine wurden im Sommer mit 58 Mark der Zentner Lebendgewicht bezahlt, jetzt freilich (Ende Dezember) nur mit 40 bis 50 Mark. Betreffs meiner eigenen Wirtschaft teile ich mit, daß ich 130 Morgen Land besitze, ferner 5 Pferde, 2 Fohlen, 23 Stück Rindvieh, 28 Schweine, 40 Gänse und 40 Hühner. Ich erntete im letzten Jahre 400 Zentner Roggen, 100 Zentner Gerste 150

58. Jahrgang.

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Zentner Hafer, 2000 Zentner Rüben und 600 Zentner Kartoffeln."

In seiner alten Heimat besaß der Briefschreiber etwa 20 Morgen. Es leuchtet ein, daß unter diesen Verhältnissen kein Bauer mehr nach Ainerika auszm wandern braucht, sondern hier im deutschen Vaterlande die Scholle findet, die ihn sicher ernährt. In Hessen findet auch das Ansiedlungswerk immer mehr Anklang und viele hessische Bauern sind in letzter Zeit nach dem Osten gekommen, um Umschau zu halten und zwecks spätere Ansiedlung die Verhältnisse in Augenschein zu nehmen. ______ ____________

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat seinem Schwager, dem Kron­prinzen Konstantin von Griechenland, den Vorschlag gemacht, seinen Sohn Georg, den Neffen des Kaisers, nach Beendigung seiner Studien in Griechenland nach Berlin zur Kriegsakademie zu weiterem Studium zu schicken. Der Kronprinz von Griechenland hat den An­trag des Kaisers freudig angenommen und ihm seinen wärmsten Dank ausgesprochen.

Kronprinz des Deutschen Reichs und Kronprinz von Preußen Kaiserliche und Königliche Hoheit, Haupt­mann im 1. Garde-Regt. zu Fuß usw. von dem Kom­mando zur Dienstleistung beim Regt, der Gardedukorps enthoben und zum Major befördert." So meldet dasMilit-Wochenbl. aus Wilhelmshöhe vom 18. September.

Bei der Landtagsersatzwahl in Friedeberg- Arnswalde, die durch die Ernennung des bisherigen Abgeordneten v. Schuckmanu zum Gouverneur von Deutsch SSdwestasrika notwendig geworden ist, wurde der konservative Kandidat Oberregierungsrat a. D. v. Voß mit allen 246 abgegebenen Stimmen gewählt.

Zum Strausberger Eisenbahnunglück schreibt dieNordd. Allg. Ztg.": Trotz amtlicher Mitteilung, wonach kein Zweifel darauf bestehen kann, daß der Eisenbahnunfall bei Strausberg in der Nacht zum 4. September auf einen Bahnfrevel zurückzuführen ist, haben einzelne Zeitungen doch noch Angaben und Hin­weise gebracht, welche eine nicht ordnungsmäßige Aus­führung von Ausbesserungen an dem Gleise als die Ursache des Unglücksfalles als möglich hinstellen. Eine nochmalige örtliche Untersuchung der Sachlage durch einen Kommissar des Ministers der öffentlichen Arbeiten am 13. September hatte lediglich das Ergebnis, daß die Wahrnehmungen des zuerst entsandten Ministerial- kommissars wie auch diejenigen eines Kommissars des

N«tre«nvare Kerzen.

Roman von Otmar WilmS. 6

Die andere Hälfte erhält Paul Geier, wenn er alsdann noch lebt, andernfalls geht sie zu gleichen Teilen auf daS Waisenhaus und daS Armen-Hospital über."

Viertens: Erscheint meine Tochter innerhalb der er­sten fünf Jahre, so soll mein TestamentS-Exekutor, sobald er sich die Gewißheit verschafft hat, daß sie wirklich meine Tochter und nicht eine Betrügerin ist, sie sofort in den Besitz meiner ganzen Hinterlassenschaft setzen, ihr Rech­nung über seine Verwaltung ablegen und daS alsdann noch vorhandene Vermögen ungeteilt übergeben. Fünftens: Er­scheint sie jedoch erst nach Ablauf jener fünf Jahre, nach­dem die Teilung meines Vermögens und Ueberweisung an die betreffenden Erben schon stattgehabt hat, so ist die Stadt gehalten, ihr auS dem aus meinem Vermächtnisse erhalte­nen Kapitale ein Jahrgehalt von mindestens achthundert Talern auSzusetzen, und zwar auf Lebenszeit. Sechsten-: Mein TestamentS-Exekutor, der Notar Alfred Horn, er­hält nach Ablauf der mehrerwähnten fünf Jahre aus mei- ner Hinterlassenschaft, außer den Kosten seiner Verwaltung und der Entschädigung für Zeitverlust, eine Summe von fünftausend Taler für seine eigene Person. Gelingt eS aber seinen Bemühungen, meine Tochter so rechtzeitig aufzu- finden, daß sie in den Besitz des vollen Vermögens gesetzt werden kann, so soll jene Summe verdoppelt werden, so daß er alsdann zehntausend Taler zu beanspruchen hat."

DieseBestimmungen," so lautete der Schluß deSSchrift- stücks,die ich eigenhändig ge- und unterschrieben habe und in Gegenwart der vorgeschriebenen sechs Zeugen ver- siegelt dem Notar übergeben werde, enthalten meinen letz­ten, unabänderlichen, unwiderruflichen Willen, und ich er­warte von dem mir bekannten, strengen Rechtlichkeit-gefühl des Herrn Horn, daß er denselben heilig halten und in allen seinen Teilen vollziehen wird. So geschehen in C. am Himmelfahrtstage des JahreS 1842. Richard West- f Hau». 2 - . _ _

Nachschrift: Die Schlüssel zu meinem Pulte, deu Geld- schränken und Gewölben liegen in meiner Wohnstube in der Nähe des Ofens unter dem Fußboden; ich habe sie dort, seit man vor einem Jahre bei mir emzubreche» ver­suchte, stets verborgen."

Geier zuckte bei diesen Worten zusammen, doch be­merkten die anderen dies nicht, da ihre Aufmerksamkeit von dem Inhalte des Testament» zu sehr in Anspruch genommen wurde.

Nun?" fragte der Notar, als der Friedensrichter das Testament zu feinen Akten gelegt hatte, den wieder in dü­steres Sinnen versunkenenRechtskonsuleuten,was sagen Sie dazu? Glauben Sie noch immer, daß der Erblasser diesen Akt in unzurechnungsfähigem Zustande geschrieben hat?"

WaS ich davon halte?" entgegnete Geier rauh, indem er seinen Hut ergriff:Offen gestanden. Halteichesfür nicht schwer, sich einem alten, am Rande des Grabes ste­henden Manne als TestamentS-Exekutor aufzudrängen. Sie werden mich verstehen; mit welchem Worte mau ein solches Tun bezeichnet, wissen Sie wohl selbst."

Gewiß," entgegnete der Notar ruhig,Erbschleiche­rei, auf wen von uns beiden dies jedoch Anwendung fin­det, das überlasse ich dem Urteile derer, welche uns oder den Wortlaut der beiden Testamente kennen."

Der Rechtskonsulent hatte bei den letzten Worten des Notars einen Blick voll unversöhnlichen Hasses auf diesen geworfen. Er antwortete auf die Frage des Richters, ob er bei der Siegelanlage zugegen sein wolle, mit einem rauhenNein", schob dann den schweren Riegel zurück, öff­nete die Tür deS Schreibzimmers, die auf den Flur führte, und schritt, ohne einen Blick zurückzuwerfen, schweigend hinaus.

Vor der HauStüre ward er vom Volke mit lautem Hallo empfangen, von allen Seiten drängte man sich an ihn heran, um näheres über den Tod des alten Wuche­rers zu erfahren, und wenig fehlte, so hätten ihm seine

groben Worte, sein barsches:Laßt mich in Ruhe und kümmert Euch nicht um Sache», die Euch nicht« angehen!" fühlbare Beweise der Entrüstung, mit der das Volk diese Worte aufnahm, eingetragen.

Doch ehe es dazu kam, hatte Geier sich schon eine Bahn durch die Menge gebrochen, die nach seinen: Verschwinden ihre ungeteilte Aufmerksamkeit dein jetzt doppelt interes­santen Hause wieder zuwandte.

Der Notar hatte inzwischen einige seiner Schreiber ru­fen lassen und nahm jetzt im Beisein des Friedensrichters der die Siegel anlegte, das Inventar auf.

Der Polizeirat blieb ebenfalls, der Kommissar dage­gen entfernte sich, um die nötigen Vorbereitungen zur Be- erdigung des Selbstmörders,dieamAbend desselben Ta- ges stattfinden sollte, zu treffen.

Mittag war längst vorüber, als der Notar sein müh- sames Geschäft beendete, er nahm die versiegelten Schlüs- sel an sich, und verließ, von den übrigen begleitet, das Haus, in welchem, da die Haustür noch nicht wieder aus- gebessert war, die beide» Gendarmen bei der Leiche zurück-

Die Wohnung des Rechtskonsulenten lag in einer engen, dumpfen, nur von der ärmeren Volksklasse bewohnten Gasse, die mit ihren unzähligen Schutt- und Kehricht-Hau- fen, den hohen, geschwärzten Häusern und den blassen, ver- kommenen Kindern, die trag und schweigsam an den Tu- ren derselben saßen, ein düsteres, fast unheimliche» Aus- sehen hatte.

DaS Haus, welche» Geier bewohnte, lag ungefähr in der Mitte dieser Gasse und sah ebenso unrein und ver­fallen wie die Nachbarhäuser aus, von denen eS sich nur dadurch unterschied, daß starke Eisenstäbe die Fenster deS Erdgeschosses schützten, und ein schwarzlackiertes Schild- chen, welches in verwitterter Gvldichrisldie Worte:Paul Geier, Rechtskonsulent," zeigte, über dem Ichellenknopfe am Türpfosten befestigt war 144,18

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