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mit amtlichem Kreisblatt Monalsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum W Pfg.
<M 71. Mittwoch, den 4. September 1907. 58. Jahrgang.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Der Metzger und Gastwirt Josef Henkel hiev' selbst beabsichtigt, auf dem Grundstück Kartenblatt B. I Nr. 13 in der Gemarkung Salmünster ein Schlachthaus zu errichten.
Dieses Vorhaben wird mit der Aufforderung zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß etwaige Einwendungen binnen 14 Tagen bei der unterzeichneten Behörde schriftlich in 2 Exemplaren oder zu Protokoll anzubringen sind.
Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in dein Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Zeichnungen und Beschreibungen liegen zur Einsicht auf dem Magistratsbureau offen.
Termin zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen findet am 19. d Mts, vormittags 9 Uhr auf dem hiesigen Polizeibureau statt.
Im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden, wird gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden.
Salmünster, 1, September 1907.
Die Ortspolizeibehörde: Schröer.
Morris und Morenga.
Mit dem Hottentoltenführer Morenga hat sich, wie bekannt, jetzt Morris vereinigt, der schon früher mit jenem gemeinsam unsern braven Truppen viel zu schaffen gemacht hat. Das Generalstabswerk über den Hottentottenkrieg macht über die beiden interessante Mitteilungen.
Die Nachricht, daß die beiden Morris mit ihrem gesamten Troß im Februar 1905 zu Morenga gestoßen waren und die Zahl der Hottentotten auf 500 bis 800 Gewehre gebracht hatten, während auch die Witbois sich mit ihnen zu vereinigen beabsichtigten, hatte Oberst Deimling veranlaßt, schon früher, als im Hauptquartier geplant, einen konzentrischen Angriff gegen den in den Karrasbergen sitzenden Feind einzuleiten. Morenga hatte in seinem geschickten Feldzugsplan, bei dem die getrennt vorgehenden deutschen Abteilungen nacheinander vernichtet werden sollten, dem Morris die Aufgabe zu- gewiesen, mit einer Abteilung von etwa hundert Mann bei Garupp Aufstellung zu nehmen und den Vormarsch der deutschen Abteilungen aufzuhalten, bis er selbst die schwache Abteilung Kirchner vernichtet hätte und sich dann auf die andern werfen könnte. Daß Morris
I feine Aufgabe nicht erfüllte, wurde von entscheidender Bedeutung für den für Morenga so ungünstigen Ausgang dieses Kampfes. Morenga selbst siegte bei Aob über die Abteilung Kirchner — in diesem Gefecht am 10. März 1905 fiel der jüngere Morris —, aber der ältere Morris ließ sich von Hauptmann v. Koppy mit leichter Mühe aus seiner Stellung bei Garup vertreiben.
Hauptmann v. Koppy, der das Gelände aus eigener Anschauung von früher her kannte und wußte, daß die vom Feinde besetzte Stellung in der Front fast uneinnehmbar war, beschloß, sobald der Feind gemeldet war, ihn mit der berittenen Abteilung zu umgehen. Während sich die Fußmannschaften der feindlichen Stellung gegenüber entwickelten, wurde die berittene Abteilung mit den Geschützen in westlicher Richtung gegen die Rückzugsstraße des Gegners entsandt. Kaum aber halten die Hottentotten diese Bewegung erkannt, als sie bereits nach wenigen Schüssen ihre Stellung aufgaben und eiligst in der Richtung auf Narudas davonflohen. So konnte die deutsche Abteilung ihren Vormarsch fortsetzen, und am Vormittag des nächsten Tages traf sie ganz kurze Zeit vor Morenga in der Narudasschlucht ein und konnte sich hier noch festsetzen, ehe der eiligst her« anstürmende Feinde die Schlucht gewonnen und das sie umgebende klippenreiche, sehr günstige Gelände besetzt hatte. Morenga war durch die Schuld des Morris zu spät gekommen, und der nun folgende hartnäckige Kampf endete mit einer folgenschweren Niederlage der Hottentotten.
Nach beut Kampfe herrschte unter den Führern große Uneinigkeit; Morenga schob dem Morris die Schuld an der Niederlage zu, weil dieser seine Stellung bei Garup jeiner Ansicht nach viel zu früh aufgegeben hätte, und die Folge dieser Streitigkeiten war, daß Morris sich mit seinen Leuten wieder von Morenga trennte und nach den Oranjebergen zog. Ende August erschien er mit dem Bondelswartkapitän Johannes Christian und mit Cornelius wieder in den Karrasbergen, und Johannes Christian sprach Morenga das Recht ab, die damals eingeleiteten Friedensverhandlungen selbständig zu führen, übernahm selbst den Oberbefehl und ernannte Morris und Morenga zu seinen Feldkornetts. So tauchten in den folgenden kleinen Kämpfen die beiden wieder ge- meinsam auf. Schließlich wurden beide auf englisches Gebiet verdrängt, und während Morenga sich der Kappolizei ergab, hat Morris die mit den Bondelswarts abgeschlossene Unterwerfung im Frühjahr 1907 unterzeichnet, um sie jetzt bei der ersten Gelegenheit wieder
zu brechen und sich mit Morenga zu vereinigen. Voraussichtlich wird es nun bald dem vereinten Vorgehen unserer Schutztruppe und der englischen Kappolizei gelingen, beide endgültig unschädlich zu machen.
Deutsches Reich.
— Die Kaisertage in Hannover sind überaus glänzend verlaufen. Beim Einzüge in die Stadt wurde dem Kaiser ein begeisterter Empfang bereitet. Stadt» direktor Tramm hielt an den Kaiser eine Ansprache, in der er betonte, daß dem hohen entschlossenen Wollen des Kaisers, den Frieden zu wahren und zu erhalten, allein nur alle wirtschaftliche Tätigkeit und jeder soziale Fortschritt in Hannover zu danken sei. Der Kaiser erwiderte in überaus warmen Worten und trank aus dem überreichten Ehrenbecher auf das Wohl der Stadt Hannover. Beim Festmahl der Provinz Hannover im Ständehaus brächte ebenfalls Stadtdirektor Tramm einen Trinkspruch aus, in dem er für den Gnadende» weis des Kaisers vom Jahre 1899 dankte, durchweichen den Truppen des 10. Armeekorps die Tradition ihrer Vorfahren zurückgegeben sei, und zum Schluß gelobte, daß die Provinz Hannover in unwandelbarer Treue in guten wie in ernsten Tagen zum Kaiser stehen werde. Der Kaiser erwiderte mit einer an historischen Erinnerungen reichen Rede, in der er für die patriotischen Worte dankte und ein dreimaliges Hurra auf «.die Provinz Hannover ausbrachte. Am folgenden Tage fand die Kaiserparade des 10. Armeekorps statt. Ueberall wo sich der Kaiser zeigte, wurde er von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt.
— Den Hannoverschen Festtagen sind die Kaisertage in Bielefeld und Münster gefolgt. In Bielefeld fand in Gegenwart des Kaisers, des Kronprinzen und der Prinzen Eitel Friedrich und Oskar die Enthüllung des marmornen Reiterdenkmals Kaiser Wilhelms I. statt. Nach der Enthüllung stattete der Kaiser mit den Prinzen seinem alten Lehrer, dem Wirklichen Geh. Rat Prof. Dr. Hintzpeter einen Besuch ab, dem er das Großkomturkreuz des Hausordens von Hohenzollern verlieh. Von Bielefeld begab sich der Kaiser nach Münster, wo ein Festakt in der Universität stattfand, zu dem auch der Kultusminister D. Holle erschienen war. Der Kaiser hat der Universität Münster durch Allerhöchste Kabinettsordre den Namen Westfälische Wilhelms-Universität beigelegt. Am folgenden Tage nahm der Kaiser auf der Vennheide bei Münster bei herrlichem Wetter die Parade über das VII. Armeekorps ab.
- Die Komödiantin.
Roman von Oswald Benkendorf. 48
„Und welch' grelle Kontraste folgen einander, machen die Nerven vibrieren in allen möglichen Empfindungen der Mitleids, der Angst, der Sorge, des Ab- scheues, und in reiner Begeisterung für das Heldentum der tapferen Streiter, in glühendem Danke für den Schlach- tenlenker droben,im Jubel über den Sieg, den Sieg deutscher Waffen! Ja, meine Teuren, indem Gefühle ging alles unter, es war so groß, so überwältigend, daß ich meinem Zeltgenossen schluchzend in die Arme sank und er auSrief: Wer da» erlebt, kann in Frieden scheiden, Größeres gibt eS nicht! Und der Mann hat Weib und Kind daheim. Köstlich war der Preis, doch mit viel edlem Blute bezahlt! Trübe brach der große Tag, der erste des Eep- tember, an. Bon den Höhen des ArdennenwaldeS im Nor- den vonSedan wallten wie düstere Trauerschleier die Nr- bei nieder inS Tal, dicht und dichter, bald alle« einhüllend. Und dann tönten Kommandoworte, knallten die ersten Schüsse; der harte Kampf um Bazeilles begann.
Nachdem auch der letzte verzweifelte Durchbruchs- versuch der Franzosen zurückgeschlagen worden, konnte die Einschließung der feindlichen Armee in die Festung emevollständige genannt werden. Es mochte gegen 4 Uhr nachmittags sein, Krankenträger unserer Sanitätskolonne brachten eben zwei bei Jlly verwundete Offiziere eines Posener Regiments, als ich, inS Freie tretend, aus der jetzt im hellsten Sonnenglanze liegenden Feste plötzlich eine schwarze Wolke aufsteigen sah, die sich mehr und mehr verbreitete und unter der bald rote Gluten emporzün- gelten. In der Stadt Sedan brannte es und der Donner der Geschütze währte fort. Meine Pflicht rief mich an das SchmerzenSlager der Verwundeten, an den Opera- twnStisch Die Stunden flogen dahin, ich achtete nicht auf den Lauf der Zeit. Die Geschütze schwiegen lange, schon war die Sonne untergegangen, es dunkelte. Dadurch- Hauste nicht endeiitvvllender Jubel dje Luft, in den sich
die rauschenden Klänge des Regimentsmnsikkorps misch- ten: „Heil Dir im Siegerkranz!" Das war der Ruhm, die Größe, die Bürgschaft für die Einigung deutscher Stämme; denn der Bau war mit Blut gekittet! Laßt mich schweigen von dem düsteren Nachtbilde auf der anderen Seite. Blinkend schauten die Sterne nieder in gebrochene Augen, basse, schmerzverzogene Züge, auf blutge- tränkte Wiesenpfade, wo sie herangeschlichen kamen, die Hyänen des Schlachtfeldes."
Daß Kurt bei Sedan durch einen Streifschuß an der linken Schulter verwundet worden war, hatte er vorläufig deu Seinen verschwiegen. Die Wunde war zwar nicht gefährlich, aber sehr schmerzhaft und deren Heilung erforderte längere Zeit, da Kurt anfänglich die Sache leicht genommen und zuletzt an sich gedacht hatte; eine Folge davon war, daß der Arm steif blieb, wenn auch nicht völlig gelähmt.
So kehrte Kurt in kurzen Tagereisen als ein Invalide nach Wilmenau zurück und so verändert, daß ihn zuerst nicht einmal der treue Heinrich MertenS erkannte, als er ihm, auf verschwiegenem Parkwege, ganz plötzlich gegenüber stand. Dann aber mar die Freude des getreuen Alten gar groß, und weil Heinrich MertenS ein Mann von vielen Worten war, erschien eS Kurt verwunderlich, daß er sich nach kurzem Handkuß schleunig verabschiedete. Freilich, hätte Kurt das Schmunzeln gesehen, mit dem Heinrich sich in die Büsche schlug, er wäre wohl aufmerksamer geworden und würde nicht gleich darauf ganz fas- sungslos der schlanken Mädcheugestaltgegenüber gestanden haben, die hastigen Schrittes, von der Hauptallee kommend, in den Seitenpfad einbog.
„FranziSka!"
„Kurt!"
Ja er war eS, sie hatte ihn sofort erkannt, obwohl das gebräunte Gesicht, der große Vollbart an ihm ihr doch wieder recht fremd erschienen. Und gar das Lächeln und der feurige Blick, vor dem sie schüchtern die Augen niederschlug. . . ^ r ■
„So empfängt man heimkehrende Krieger!" klang e» heiter spottend von seinen Lippen.
„O Kurt, verzeihe, wir haben Dich erst morgen er- wartet. Wie wird Deine Mutter sich freuen, ich will ihr gleich . . ."
»Nichts da,Hausmülterchen, hier geblieben, Order pa- riert! Glaube nur, der Invalide ist trotz deS gelähmten Annes stark genug, sein Glück festzuhalten, falls e» sich nicht selbst von ihm abwenden will."
Letzteres schien nicht der Fall zu sein; denn FranziSka» ruhte, fest von Kurts Arm umschlingen, an dessen Brust. Weinend und lachend, selig schweigend und lustig plau- dernd, so saßen die beiden glücklich Vereinten auf der Bank aus Birkenstämmen unter der breitästigen Kasta- nie, die ihre letzten, braungefärbten Blätter grüßend her- absandte; so verträumten sie die schönsten Minuten ihres jungen Glücks, indessen der leere MietSwagen mit Kurt- Reisegepäck vor dem Schloßportale hielt.
* *
Graf Erich Wilmenau starb am neunundzwanziasten " November vor PariS bei Choisy-le-Roi den Heldentod, als der vom General Trochu wohl vorbereitete Ausfall nach sechsstündigem, harten Kampse, in den hauptsächlich die Schlesier eingriffen, zurückgeschlagen ward.
Oberst von Perle blieb vor Paris, er erlag einer Kopf- wunde, während Leutnant von Zöbitz, zum Hauptmann avanziert und die Brust mit dem Eisernen Kreuze geschmückt, heimkehrte.
Auch Möllenhard, der als Freiwilliger den Krieg mit- gemacht, wurde am gleichen Tage wie Graf Wilmenau, aber bei Chevilly, schwer verwundet. Man trug ihn als einen Sterbenden aus dem Gewühl. Doch sollte er von seiner, durch einen Granatsplitter verursachten Wunde genesen, um noch durch viele Jahre sich an dem Glück seines jungen Freundes und einstigen Schülers zu erfreuen.
- S « L«. — 139,1^