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mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

J^i 67. ' Mittwoch, den 21. August 1907. 58. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Zur Jubelfeier aus Anlaß der 200jährigen Zugehörigkeit der Grafschaft Tecklenburg zur Krone Preußens trifft das Kaiserpaar am 31. August in Tecklenburg ein.

Zu den diesjährigen Kaisermanövern, die vom 9. bis 11. September stattfinden, hat der Kaiser fünf englische Offiziere eingeladen. Es sind dies General­leutnant Paget, je ein Stabsoffizier der Kavallerie und Artillerie, Oberst de Lisle, Kommandeur der Royal Dragoons, deren Chef der Kaiser ist, und Oberleutnant Charington von demselben Regiment.

Aus Anlaß des 200jährigen Bestehens des 39. russischen Dragoner-RegimenlsNarwa", dessen Che^ der deutsche Kaiser ist, wird am 2. September eine aus dem Regimentskommandeur, dem Chef der 1. Eskadron und einem Unteroffizier bestehende Deputation zur Herbstparade in Berlin eintreffen. Die russischen Offi­ziere sind zur Galavorstellung für diesen Tag geladen. Im Reichsamt des Innern hat am 14. d. M. eine Konferenz aller beteiligten Ressorts des Reichs und Preußens stattgefunden, um die Gefahr der Ein- schleppung der Cholera aus Rußland und die Maß­regeln zu ihrer Abwehr zu erörtern. Es wurde all- seitlg anerkannt, daß kein Grund zur Berunruhigung vorliege. Um jedoch für lalle Fälle gerüstet zu sein, wird schon jetzt Borsorge getroffen werden, daß die bei dem Einbruch der Cholera im Herbst 1905 bewährten k Abwehrmaßregeln, inbesondere die Ueberwachung der Flußläufe in den Grenzbezirken, in jedem Augenblick in Wirksamkeit treten können.

Der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammer- tag hat an den Reichstag und an den Bundesrat eine Eingabe gerichtet, in der um die Einführung weiterer Lohnklassen in .das Jnvalidenversicherungsgesetz ersucht wird, und zwar sollen unter Beschränkung der bis­herigen Klasse 5 auf die Lohnhöhe von 11502000 Mk., eine Kasse 6 für die Höhe eines Lohnes von 20003000 Mk. und eine Klasse 7 für eine Lohnhöhe von mehr als 3000 Mk. hinzugefügt werden. In der Begründung wird ausgeführt, daß der Deutsche Hand­werks- und Gewerbekamniertag, da seine Bestrebungen,

- die selbständigen Handwerker in die Zwangsinnung einzubeziehen, bei der Reichsregierung auf grundsätzliche Bedenken gestoßen seien, und da auch ein Teil der selbständigen Handwerker selbst sich dagegen ausge­sprochen habe, sich nunmehr auf die Verbesserung der freiwilligen Versicherung beschränke. Von der frei­

Die Komödiantin.

Roman von Oswald Benkeudorf.

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Und sie durfte nicht von ihm gehen, ehe er sie be­fragt, ehe er die Wahrheit erforscht, die ganze Wahrheit, und sei sie noch so schlimm, immer besser als dieser Zu­stand schrecklichen Zweifels.

Um das Unglück voll zu machen, wie Gräfin Sidonie ihrer Nichte erzählte, war Doktor Möllenhard an einer Lungenentzündung ziemlich heftig erkrankt, und wenn das Uebel nicht durch neue Komplikationen verschlimmert wurde, konnte man immerhin erst in Wochen seinem Besuche in Wilmenau entgegensehen.

v Vera Tornelli hatte das Schloß nicht wieder verlassen. Die Gräfin wollte sie anfänglich aus dem Krankenzim- mer weisen, aber ein flehender Blick aus den düsteren Augen des gequälten Weibes traf sie und sie hatte nicht mehr das Herz, ihren Vorsatz auSzuführen. In der dunk­len Garderobenkammer, dicht neben Konstanzes Schlaf- zimmer, wurde ein Feldbett für dieZigeunerin", wie V Thea die Alte nannte, aufgeschlagen, hier genoß sie einige V Bissen von der ihr reichlich zugemessenen Mahlzeit und da hinein flüchtete sie, wenn Gras Wilmenau im Kran­kenzimmer weilte, er hatte seine Feindin noch nicht zu Gesicht bekommen und die Seiltänzer und Akrobaten wa­ren mit dem gelehrten Esel schon am Tage nach dem Unfall weiter gezogen. Verdi Tornelli hatte wohl einge­sehen, daß der Augenblick schlecht gewählt sei, eine Erpres­sung auf den Grafen auszuüben, zudem war Vera ja im Schlosse und sie würde ihr möglichstes tun, die Lage auszubeuten.

Die Kranke war plötzlich merkwürdig ruhig gewor- den und lag wie vordem in halber Bewußtlosigkeit da. Medizinalrat Lambach auS Breslau, der zu einer Kon- sultativn telegraphisch berufen worden war, ließ sich bei Sidonie Bentheim melden und sagte ihr, mit schönen- ^ Ae» Worten, es sei keine Hoffnung mehr, das fliehende A Leben zurückzuhalte».

willigen Versicherung komme die Selbstversicherung für das Handwerk im allgemeinen nicht mehr erheblich in Betracht, da von der heutigen Generation, soweit sie nach dem Jahre 1864 geboren sei, nur wenige Prozen nicht dem Versicherungszwang als Arbeitnehmer unter­legen hätten. Für diese sei somit die Weiterversicherung von größter Bedeutung. Wenn aber die selbständigen Handwerker trotz der intensiven Belehrung durch die Landesversicherungsanstalten und die Handwerks- und Gewerbekammern so wenig von diesem Rechte der Weiterversicherung Gebrauch machten, so sei der Haupt­grund die geringe Höhe der erreichbaren Renten. Für eine große Zahl der selbständigen Handwerker sei die im günstigsten Falle erreichbare Alters rente von 230 M. bezw. Invalidenrente von 450 Mk. pro Jahr kein ge­nügender Ansporn zur Weiterzahlung der Versicherungs­prämien. Sie würden jedoch gern höhere Beiträge bezahlen, wenn sie dementsprechend hohe Renten erzielen könnten. Die Eingabe schließt mit der Bemerkung, daß die Erfüllung der dann niedergelegten Forderungen ein kleines Entgeld für die großen Lasten wäre, die durch die soziale Gesetzgebung den Arbeitgebern, nament­lich den selbständigen Handwerkern aufgebürdet sei und die in diesen Kreisen oft lauten Unmut hervorrufe.

Nochmals wird amtlich darauf hingewiesen, daß die Talerstücke außer Umlauf gesetzt sind. Der Bundes­rat hat in seiner Sitzung vom 27. Juni 1907 die Außerkurssetzung der Eintalerstücke deutschen Gepräges zum 1. Oktober 1907 beschlossen, jedoch niit einer Frist zur Einlösung bei den Reichs- und Landeskassen bis zum 30. September 1908. Österreichische Vereins« taler sind, da deren Außerkurssetzung bereits zum 1. Januar 190t mit der Einlösungsfrist bis zum 3l. März 1901 erfolgt ist, nicht mehr einlösbar. Einlieferer solcher Stücke haben vielmehr zu gewärtigen, daß diese nach dem Beschlusse des Bundesrats vom 13. März 1903 zerschlagen oder eingeschnitten werden.

Zur Bezeichnung vonMark" wird nach Be­schluß des Bundesrats erneut in Erinnerung gebracht, daß das WortMark" in seiner Abkürzung durch ein großes lateinisches M ohne jeden. Zusatz, Punkt oder Komma, zu schreiben ist; also weder Mk., M. oder anders. Diese Vorschrift ist bei der Ausstellung von Wechseln, Schecks, Kreditbriefen 2C. besonders zu beachten.

Farbige Achselklappen nach preußischem Muster sollen die sächsischen Infanterie-Regimenter erhalten, deren Achselklappen bisher von derselben Farbe sind, die der Waffenrock trägt. Dieser Gedanke soll einer

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Ja, so war es in Wirklichkeit, das Oel war schier verzehrt, die Flamme flackerte wie ängstlich hin und her, bald wird sie keine Nahrung mehr haben und erlöschen.

Ich kann sie nicht sterben sehen!" schluchzte Sidonie, und Franziska zog sich in ihr Zimmer zurück, um an dem kleinen Hansaltar Sterbegebete zu sprechen, nachdem sie nach dem Geistlichen gesendet hatte.

Vera hatte man keine Mitteilung gemacht von den Befürchtungen des Arztes und doch ahnte, wußte sie, daß Konstanze verloren sei. Sie wich nicht mehr von deren La­ger und hielt die Hand der Kranken, die von Zeit zu Zeit unrnhig auf der Bettdecke hin und her fuhr, immer wieder fest.

Da trat Graf Erich leise ein. Finsteren Blickes maß er die Venezianerin, er hatte sie sofort erkannt, trotz des dunklen Tuches, das ihre Gestalt halb verhüllte. Dieses Weib, am Krankenbette der Tochter, erschien dem Grafen wie eine Vorbedeutung, hatte doch Vera Tornelli ihm und seinem Hause stets nur Unheil gebracht.

Wer hat Ihnen gestattet, hier einzudringen?" fragte er rauh.

Sie richtete sich auf, wie von einer Feder emporge­schnellt, der alte Haß blitzte ihm anS ihren tiefliegenden Augen entgegen.Ich habe ein volles Recht hier zu sein, Graf Wilmenau, das mag Ihnen genügen," erwiderte sie stolz.

Eben solch' ein Recht lasse ich nicht gelten, deshalb will ich Sie von hier fort haben. Ich schrieb Ihnen, daß bei meinem Notar in Breslau zwanzigtausend Mark de­poniert sind, die Sie gegen eine Empfangsbescheinigung, welche Ihre beglaubigte Unterschrift trägt, erheben kön­nen. Weitere Beziehungen existieren nicht mehr zwischen Ihnen und meiner Familie."

Sie könnten sich irren, Graf Wilmenau!"

Sassen wir die alten Streitfragen ruhen, die am we­nigsten hier am Platze sind. Ich werde Ihnen einen Schein geben, daraufhin folgtJhnen der Notar das Geld aus. Be- geben Sie sich von hier nach Breslau und die Sache ist abgemacht, unsere Wege kreuze» sich nicht mehr."

Idee des Königs Friedrich August von Sachsen ent­sprungen sein, ver bereits ähnliche Neuerungen nach preußischem Muster in Sachsen eingeführt hat.

Eine Delegiertenversammlung der polnischen Vereine des Ruhrgebiets beschloß die Errichtung von vier polnischen Konsumvereinen mit 48 Zweigstellen zur Durchführung des Boykotts der deutschen Waren und Geschäfte. Das Gründungskapital wird von pol­nischen Banken des Ostens gegeben werden. Also auch im Ruhrrevier arbeiten die Polen ganz nach dem be­währten Rezept aus dem Osten.

In Elbing ist ein betrügerischerGenosse" Gehr« wann, der früher sozialdemokratischer Stadtverordneter war, wegen Unterschlagung von Gewerkschaftsgeldern zu 6 Monaten und 3 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Die Verurteilungen solcher sozialdemokratischen Vertrauensmänner" haben sich in letzter Zeit bedenk­lich gehäuft.

Für neue Telegraphen- und Fernsprechleitungen welche der Verbesserung des Zugnachrichtendienstes dienen sollen, sind aus dem 30 Millionen-Dispositions- fonds anderthalb Millionen Mark bereitgestellt worden, welche nach einem Erlasse des Ministers der öffentlichen Arbeiten zur Ausführung der dringlichsten Verbindungen verwendet werden sollen. Von der bereitgestellten Summe entfallen auf die Eisenbahndireklionsbezirke Altona 200,000 Mark, Halle a. S. 150,200 Mark, Berlin 127,800 Mark, Kassel 104,000 Mark rc. Es wird u. a. eine neue Fernsprechleitung BerlinHannover angelegt werden; im nächsten Jahre soll eine solche von Berlin nach Frankfurt a. M. folgen. Das König­liche Eisenbahnzentralamt hat den Auftrag, den er­forderlichen Bronzedraht, zunächst 150 000 Kilogramm zu beschaffen und für die einzelnen Direktionen bereit zu halten. Die Ausführungen sollen nach Möglichkeit beschleunigt werden.

Ausland

Nach einer Meldung des Gouverneurs v. Linde- quist ist der Hottentottenführer Morenga wieder in Deutsch-Südwestafrika eingefallen. Er wurde von der Kappolizei verfolgt und hat mit 400 Anhängern, von denen 150 bewaffnet waren und zwar meist mit Martiny Henry Gewehren, die deutsche Grenze bei Orlogskloof überschritten. Die Kappolizei konnte wegen ungünstigen Geländes mit Morenga keine Fühlung gewinnen D.r Premierminister hat dem Generalkon­sul »»'geteilt, daß Morenga angeblich nach Warmbad

Wie, Sie können wirklich die Grausamkeit haben, mich vom Krankenlager meiner.. meiner Pflegetochter zu ver- treibe», in einem Augenblick, wo sie mit dem Tode ringt?"

Ganz sicher, denn Sie sind nicht würdig, in der Nähe meines Kindes zu verweilen."

Ich, die Pflegerin von Konstanzes Jugend, die ich Ihnen die Tochter schön und talentvoll übergeben, eine Zierde ihres Geschlechts?!"

Nachdem Sie mein Kind aus niederer Rache und Lust an der Intrigue mir jahrelang entzogen. Das habe ich Ihnen nicht vergeben, Vera Tornelli, Ihr Anblick ist mir verhaßt, ich gestehe es und Sie würden mich verpflichten, wenn Sie mich nicht zwingen, Sie in empfindlicher Weise daran zu erinnern, daß ich Herr in meinem Hause bin und meinen Anordnungen Geltung zu verschaffen vermag."

Die Zwiesprache war bis jetzt in gedämpftem Ton« geführt worden; trotzdem schien die Kranke dadurch be- unruhigt worden zu sein, denn sie machte eine Bewegnug und über ihre Lippen drang ein leiser Klagelaut.

Vera beugte sich über das Lager und drückte einen Kuß auf das lockige, goldschimmernde Haar, das über das weiße Polster in reichen Wellen auSgebreitet war. Meine liebe Konstanze," flüsterte sie innig.

Da fühlte sie einen festen Griff einer Männerhand aus ihrem Arme, dicht neben ihr stehend sagte Graf Erich: Gehen Sie, ich leide es nicht, daß Sie mein Kind be- rühren, wäre Konstanze bei Bewußtsein, würde sie es zu­erst sein, welche Sie von sich stieße, das weiß ich genau."

Sie könnten sich irren, Graf Wilmenau," erwidert« Vera hochaufgerichtet,Konstanze weiß es, daß sie mich nicht von sich stoßen darf, weil ich ihre Mutter bin."

Weib!" Er schüttelte sie heftig am Arm, sie blickten einander in die Augen, finster, haßerfüllt, dann lachte sie leise und spöttisch.Nicht wahr, das traf, Herr Graf, Vera Tornelli versteht eS, sich zu rächen."

Er wendete, sie loslassend, sich verächtlich von ihr. Ihr ganzes Leben ist eine große Läge gewesen, ich bin nicht so töricht, Ihnen zu glaube» " 139,18