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mit amtlichem Rreisblatt.
Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. —
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Deutsches Reich.
— Der Kaiser und das Gefolge sind in zwei Automobilen von Swinemünde nach Heringsdorf gefahren.
— Mit der Stellvertretung des Reichskanzlers in der Vertretung der Reichsbank wurde der neue Staatssekretär des Reichsamts des Innern v. Bethmaun- Hollweg beauftragt.
— Der neue Gouverneur von Kamerun, Geheime Legationsrat Dr. v. Seitz hat am 31. v. Mts. die Gouvernementsgeschäfte in Buea übernommen. Der stellvertretende Gouverneur, Wirkliche Legationsrat Dr. Klein, trifft am 9. d. Mts. die Heimreise an.
— Am Mittwoch verabschiedete sich der Zar von unserem Kaiser, um in die russische Heimat zurückzu- kehren. Kaiser Nikolaus II wird an die Swinemündner Tage gern zurückdenken, genoß er doch an ihnen das Glück der persönlichen Ruhe und Sicherheit. Dieses Glück des schlichten Bürgermannes, das dem mächtigen Herrscher aller Reußen im eigenen Lande versagt ist, wurde dem Zaren in der Nähe unseres Kaisers, auf hoher See, zwischen den mächtigen deutschen Kriegsschiffen zuteil. Die Treue und Zuverlässigkeit der deutschen Marinetruppen ließ den durch ewige Atten- tatsgefahren Geängstigten aufatmen. Wir glauben daher auch, daß diejenigen Berichterstatter recht gesehen haben, die in ihren Blättern meldeten, der Zar habe in Eindruck, Haltung und Gebärden einen frischen und zuversichtlichen Eindruck gemacht.
— Aus Anlaß des 600jährigen Jubiläums der Universität Gießen hat der Großherzog von Hessen für die neue Aula der Universität sein in Del gemalt« Bild sowie für den Rektor eine goldene Amtskette gestiftet. In seiner Rede bei dem Festakte, in welcher der Großherzog versprach, der Universität allzeit ein wohlgesinnter Schützer und Förderer sein zu wollen, führte er etwa folgendes aus: An dein heutigen Ehrentage huldige der Hochschule die Kunst, der er neben den Wissenschaften im Hessenlande eine bevorzugte Heimstätte zu bereiten bestrebt sei. Die Amtskette des Rektors solle in den sie zierenden Bildern und Wappenschildern die Zusammengehörigkeit mit seinem Hause und dem hessischen Staate während aller Zeilen seines Bestehens hindurch versinnbildlichen und, hergestellt aus Gold und edlem Gestein, bekunden, wie Hessens Fürsten und Volk in der Hochschule immerdar eins der wertvollsten Kleinode erblickten und ehrten. Die Regierung stiftete als Festgabe zum Andenken eine Plakette. Den
Die Komödiantin.
Roman von Oswald Benkendorf. 41
„Aber lassen wir die persönlichen Gefühle beiseite. Ich bin im Besitze Deines Geheimnisses und daS gibt wir Macht über Dich. Welch' ein Tor wäre ich, die günstige Wendung nicht ausznuützeu! Morgen wirst Du Deinem Pseudo-Vater Mitteilung davon machen, daßDnDich außerstande fühlst, Deinen Vetter Kurt zu heiraten, weil Du zufällig erfahren, daß der Maunesstninni der Beutheims die unangenehme Eigenart besitzt, nach Vollendung des dreißigsten Lebensjahres überzuschnappen, respektive in diesem Zustande physischer und moralischer Unzurechnungsfähigkeit der jeweiligen besseren Hälfte nach dem Leben zu trachte». Wenn Du »ochhinzufügst, daß Du mich, Ernst Kiudler, leidenschaftlich geliebt hast und diese Neigung bisher heroisch unterdrücktest, wird Graf Wilmenau es ganz in der Ordnung finden, daß sein Goldtöchterchen mit besagtem Ernst Kiudler vorläufig den Schauplatz der ersten Hochzeitsseier verlassen hat, um . . ."
„Sie wollen mich mit Gewalt von hier fortführen?" brächte Konstanze zitternd hervor, dann riß sie ihren Arm los, den der Hauptmann unter den seinen gezogen, ehe er es zu hindern vermochte, und floh, einem gescheuchte» Reh gleich, von ihm fort, in ihrer Erregung nicht darauf achtend, daß sie einen falschen Weg eingeschlagen und in entgegengesetzter Richtung vom Schlosse dem Teiche zu-
Kiudler hatte das sofort bemerkt unb sein Opfer fest int Auge behaltend, welches ihm das jetzt klare Mond- licht ermöglichte, folgte er der Flüchtigen mit gleichmäßig schnellen Schritten und hatte sie fast erreicht, als Konstanze sich, mit keuchender Brust ganz erschöpft an den Stamm einer breitästigen Kastanie lehnte und erschreckt auf den Wasserspiegel starrte, den das Gebüsch ihr bisher verborgen. Jetzt wusste auch sie, daß sie irre gegangen, doch trotzig erhob sie das Haupt. von dem das verhüllende Tuch geglitten, und blickte so zu dem sich nä
Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 10. August 1907
58. Jahrgang.
Schluß bildete die Dankesrede des Rektors der Universität. In der evangelischen Johanniskirche sowie in der katholischen Pfarrkirche fand ein Festgottesdienst statt.
— Die Zahl der Arbeitswilligen im Berliner Baugewerbe hat seit dem 1. August, besonders infolge von Zuzug von außerhalb, abermals zugenommen. Die Zahl der Bauten, auf denen gearbeitet wird, hat ebenfalls zugenommen, und da anderseits die Zahl der Baugesuche in der letzten Zeit bedeutend angenommen hat, so nimmt man an, daß die Zahl der arbeitsuchenden Banhandwerker weiter zunehmen wird, besonders die der Akkordmaurer.
— Eine Niederlage erlitten die Sozialdemokraten bei der Wahl der Arbeitgeber-Vertreter zum Gewerbegericht im Berliner Vororte Rummelsburg- Boxhagen. Ihre Kandidaten erhielten nur 10 Stimmen, während die bürgerliche» Arbeitgeber 76 aufbrachten.
— Der Führer der Sozialdemokratie in Zabern, Privatlehrer Friedrich Cost, ist wegen Untreue und Unterschlagung zu fünf Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Cost hatte in seiner Eigenschaft als Geschäftsagent von einer alten Frau den Auftrag erhalten, neun ihr aus einer Erbschaft zugefallene Aktien zu verkaufen und diesen Auftrag auch ausgeführt; von dem Erlös erhielt die Wolf auf Verlangen nach längerer Zeit nur 1000 Mk'., den Rest im Betrage von 1736 Mark behielt Cost für sich. Außer etwa 20 Briefen von Cost an die Frau, in welchen er diese vertröstete, wurde in der Verhandlung auch ein Brief des „Genossen" Fuchs aus Straßburg verlesen, in dem die charakteristischen Worte stehen, daß die Angelegenheit mit den 1700 Mark, welche die Parteileitung beschaffen sollte, vor der Wahl geregelt werden müsse, damit nicht nach einer eventuellen Wahl Costs ein Krach entstehe. Cost fiel durch und erhielt auch das Geld nicht. — So sehen die „Vertrauensmänner" der Sozialdemokratie aus, die bei jeder Gelegenheit in pharisäischer Heuchelei über die Verworfenheit der bürgerlichen Gesellschaft zetert.
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— Aus Deutsch-Südwestafrika wird amtlich gemeldet : Klein-Hendrik, der zweite Sohn Hendrik Witbois, ist aus dem englischen Gebiete zurückgekehrt und hat sich in Keetmanshoop dem Unterstaatssekretär von Lindequist gestellt. Wie sein Bruder Jsaak Wit-
hernden Manne auf, der wie in ihr Anschauen vertieft, ruhig ihr gegenüber stehen geblieben war.
Endlich sagte er mit tiefer, vor Erregung bebender Stimme: „Konstanze, ich liebe Dich, sei mein!"
Sie schüttelte heftig verneinend das Hanpt.
„So liebst Du Kurt?"
„Ich achte ihn, er ist mir sympathisch, ich weiß, daß ich glücklich mit il)nt sein werde."
„Nie wirft Du das, ich würbe es verhindern, indem ich die Wahrheit enthüllte, und wahrlich, Kurt denkt nicht groß genug, um Vera Toruelli, um der Tochter des in Boston gehängte» Diebes die Treue zu halten."
„DaS sind Erfindungen jenes habsüchtigen WeibeS."
„Belüge nicht mich und Dich selbst, Konstante, int inneren Herzen glaubst Du, daß Deine Mutter die Wahrheit gesprochen. Sieh, wir drei, die wir um das Geheimnis wissen, müssen zusammeustehen, leuchtet Dir das nicht ein?"
„Lieber stürbe ich," rief Konstanze außer sich, „oder tötete Dich und jene, ehe ich in so schmachvoller Unter- Würfigteit, einer Gefangenen gleich, mein Lebe» verbrächte. Abhängig von dem guten Willen der Mitwisser eines entehrende» Geheimnisses, selbst eine Betrügerin . . mit Betrügern im Bunde! Nein, Ernst Kiudler, ich verachte Sie nur um so tiefer, weil Ihnen auch das verwerflichste Mittel recht ist, Ihr Ziel zu erreichen."
„Du wirst mich lieben lernen; benn ich werde Deinen Trotz zu bändige» wissen, und es liegt in der Natur, daß das Weib den Mann liebt, in welchem es seinen Herrn erkannt hat." Dabei erfaßte er sie mit kräftigem Arme und drängte sie zum Uferraude hin, in bem feuchten Wie- seugrunde sanken ihre Füße ein, sie kam nur schwer vor- wärts, an Flucht war hier nicht zu denken.
Dennoch trachtete sie, sich von ihn: loszumacheu, bei dem wieder durch leichtes Gewölk getrübten Mondlicht in den wallenden Nebeln, die Dom Wasser her zu schive- ben schienen, konnten sie einander nur undeutlich erkennen, und doch fühlte er, daß Konstanze sich mit einer Ge-
boi, der in Otavi Wohnsitz erhalten hat, wird auch Klein-Hendrik mit seinem Anhang voraussichtlich im Hererolande angesiedelt werden. Seine Ergebung bedeutet einen großen Schritt zur völligen Wiederherstellung der Ruhe im Groß-Namalande. An der Südgrenze dagegen erscheint der Friede noch nicht gegen alle Möglichkeiten endgültig gesichert. Morenga begab sich nämlich nach seiner Freilassung von Kapstadt nach Upingtou unweit der deutschen Grenze, angeblich um nach seiner Frau zu forschen. Es sind aber Nachrichten über die Grenze gelangt, wonach sich der Rebellenführer im Grenzgebiet bereits mit einigen Anhängern getroffen hat. Auf deutscher Seite werden die Bewegungen Morengas aufmerksam verfolgt. Die Grenze wird scharf bewacht für den Fall, daß Morenga aus andern Gründen, als um sich etwa dem Unterwerfungabkommen seiner frühern Kampfgenossen anzuschließen, eine Rückkehr auf deutsches Gebiet versuchen sollte.
— Wieder ist ein neuer politischer Mord in Rußland verübt worden. In der Stadt Pjatigorsk ist der frühere Generalgouverneur von Odessa General Barau- goroff durch drei Revolverschüsse getötet worden. Die Täter, drei an der Zahl, sind entkommen.
— Wegen der Vorgänge in Marokko besprach sich der französische Minister des Auswärtigen Pichon mit mehreren Botschaftern. Er hob dabei hervor, daß Frankreich auch diesesmal lediglich Vorkehrungen zum Schutze seiner Staatsangehörigen und der übrigen Europäer sowie zur Herstellung der Ordnung in Marokko beabsichtige.
— Wie einmal hat sich ein türkisch-persischer Grenz- zwischenfall ereignet. Eine 6000 Mann starke türkische Truppe mit Artillerie hat bei Sajudsch im Bulak- Kreise die persische Grenze überschritten und die persischen Truppen nach kurzem Widerstände in die Flucht geschlagen. Da die persische Regierung durch die wiederholt erfolgte Ueberschreitung der persischen Grenze seitens türkischer Truppen beunruhigt ist und sich ohnmächtig sieht, Widerstand zu leisten, wendet sie sich um Hülse an Rußland und England. Weitere amtliche persische Telegramme berichten, daß türkische Truppen mit Artillerie persisches Gebiet in der Nähe von Urmia betreten, das Dorf Mavaneh zerstört und 18 Männer rnd 60 Frauen und Kinder, meist Christen, getötet jaben. Sie nahmen darauf Besitz von dem persischen Lager, welches die geringe Besatzung zu räumen gezwungen war.
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bärde des Widerwillens von ihm wandte, das erbitterte ihn und er sagte, ihr feines Handgelenk fester umspan- nend: „Ich werbe Dich übersetzen unb im Dorfe wird sich ein Fuhrwerk finden, das uns zur Eisenbahn fährt."
„Mit dem Frühzuge fahren wir nach Breslau, eine Stiefschwester meines Vaters ist Oberin der Ursnlinerin- neu, zu ihr bringe ich Dich, sie wird Dir ihren Schutz am gedeihen lassen."
„Bin ich eine Sache, eine leblose Pnppe," fragte Kou- stauze blitzenden Auges, „daß man mich da unb dorthin bringen kann, ohne daß ich dagegen protestiere, die Leute um Hilfe anrufe, oder glauben Sie, daß ich inich schivei- gend zur Gefangenen »rächen lassen werde?"
„Merke wohl auf, was ich Dir sage. Gesetzt den Fall, daß Du, drüben int Dorfe angelangt, dem Schulzen, bei dem ich Wagen und Pferde bestellen will, Dein Leid klagst und seine Hilfe anrufst, was wirb die Folge davon sein? Glaubt er Deiner Anklage, wird er es jedenfalls seltsam finden, daß Komtesse Wilmenau kurz vor ihrer Hochzeit sich in Gesellschaft ihres Entführers nachts im Park er- geht. Andererseits wirb Thea von Graf Wilmenau und Kurt streng befragt, die Wahrheit gestehen, daß ich Dich int Parke getroffen und darauf wir beide, hörst Du, wir beide, sie heimgeschickt haben, um ganz ungestört zu sein.. Kurt ahnt, daß ich Dich liebe, daß Beziehungen zwischen uns bestanden haben; kannst Du Dir vorsteffeu, daß er die Sache harurlos auffassen werde, etwa al^eiuefreundschaftliche Aussprache im nächtlichen Parke, eine kleine Mondscheinpromenade?"
Ein Gefühl der Erstarrung kam über Konstanze, wie sie es nur einmal übernimmt; an jenem verhängnisvollen Abend im Theatersaal, sie fühlte das Herz in der Brust ihr schwer unb schwerer werden, eiskalt überrieselte es sie. Er hatte die Wahrheit gesprochen, der Mann neben ihr, und blieb sie rein wie ein Engel, diele Nachtstunden, verbracht in der Gesellschaft von Ernst Kiudler, warfen einen unauslöschlichen Makel auf ihren Ruf. 139,18