mit amtlichem Kreisblatt.
Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Amtliches.
J.-Nr. 501. I. In nächster Zeit wird eine Revision der Quittungskarten durch einen Beamten der Landesversicherungsanstalt zu Caffel vorgenommen werden.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Arbeitgeber hierauf aufmerksam zu niachen, damit sie die Quittungskarlen bereit halten
Schlüchtern, den 5. August 1907.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
J.-Nr. 3498 K. A. Um die Ausbildung von Gemeinde-Obstbaumwärtern zw fördern, hat der Kreisausschuß beschlossen, den Teilnehmern an den in der Kreisbaumschule stattfindenden Obstbau-Unterrichts- kursen auf besonderen Antrag eine Beihülfe von 1 Mk. pro Tag und Kopf zu gewähren, jedoch unter der Voraussetzung, daß die Gemeinde, welcher der Kursusteilnehmer angehört, mindestens den gleichen Betrag zahlt. Schlüchtern, den 26. Juli 1907.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Valentiner.
Regelung des Submissionswesens
Ein vom Kaiserlichen Statistischen Amt herausgegebenes und in Karl Heymanns Verlag zu Berlin erschienenes Werk über die Regelung des Arbeitsverhältnisses bei Vergebung öffentlicher Arbeiten beschäftigt sich mit der sozialpolitischen Bedeutung des Submissionswesens und seiner Einwirkung auf das Arbeitsverhältnis.
Im ersten Kapitel ist die Technik des Submissionsverfahrens so weit behandelt worden, als es zum Verständnis der Ausführungen im Laufe der weiteren Darstellung erforderlich erschien. Da die Einflußnahme auf das Arbeitsverhältnis innerhalb des Submissionswesens gerade im Ausland eine geschichtliche Entwicklung bereits aufzuweisen hat, so wird diese Entwicklung 'des Auslandes zunächst im zweiten Kapitel geschildert. Die Darstellung läßt die einschlägige Gesetzgebung in Großbritannien und seinen Kolonien (Neu-Seeland, Queensland, Neusüdwales, Viktoria, Kanada), Frankreich. Belgien, den Niederlanden, Oesterreich, Italien, in der Schweiz und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika an uns vorüberziehen. Der Gesamtein- druck der in diesen Ländern über das Submissionswesen erlassenen Bestimmungen wird dahin zusammengefaßt: Im Auslande hat sich ziemlich allgemein die
Mittwoch, den 7. August 1907.
58. Jahrgang.
Ansicht durchgesetzt, daß es Pflicht der Behörden sei, darauf zu achten, daß die Arbeitsbedingungen, unter welchen öffentliche Arbeiten von Unternehmern ausgeführt werden, angemessene sein sollen, und daß das Submissionswesen in keinem Falle zu einem Druck auf das Arbeitsverhältnis benutzt werden darf. Es handelt sich dabei keineswegs lediglich um die Vorschrift bestimmter Lohnsätze, sondern um einen ganzen Komplex von Schutzbestimmungen (Arbeitszeit, Akkordlohn, Ausländerbeschäftigung, hygienische Vorschriften usw.).
Auch in Deutschland macht sich das Bestreben in den neueren Ordnungen geltend, die Submissionsbedingungen, die ursprünglich vom rein finanziellen Gesichtspunkte beherrscht werden, nach der sozialpolitischen Seite auszugestalten. Die bisher vorhandenen Ansätze bleiben, mit einigen Ausnahmen, im allgemeinen hinter dem Vorgehen des Auslandes auf diesem Gebiete noch zurück, wenigstens soweit es sich um die Einwirkung auf Arbeitszeit und Arbeitslohn der bei Subniissions- arbeiten beschäftigten Arbeiter handelt, nicht dagegen, soweit hygienische Gesichtspunkte in Frage kommsn Hier gehen die deutschen Vorschriften vielfach weiter als die ausländischen.
Was besonders die Stadtverwaltungen betrifft, so finden sich die gleichen Bestrebungen, die im Auslande hervortreten, auch in Deutschland, nur daß die Versuche hier noch nicht systematisch zusammengefaßt, mehr vereinzelt und tastend sind, von den individuellen Anschauungen der einzelnen Verwaltungen noch stark beeinflußt erscheinen. Im ganzen läßt sich die ständig wachsende Ausdehnung des Grundsatzes, auf irgend eine Weise eine Sicherung einer unteren Lohngrenze bei Vergebung öffentlicher Arbeiten herbeizuführen, auch in Deutschland jedenfalls nicht verkennen.
Im Schlußwort wird ansgeführt, daß die Bedeutung behördlicher Sicherung angemessener Arbeitsbedingungen bei Vergebung öffentlicher Arbeiten nicht nnterschatzt werden darf. Das Ausland ist in dieser Beziehung vorangegangen, in Deutschland Jinb die Landesregierungen vorsichtig, die Stadtverwaltungen zwar vereinzelt, aber bereits energischer auf diesem Wege gefolgt, und es besteht die unverkennbare Tendenz, auf dem bisher beschrittenen Wege weiter zu gehen. Der weitere Ausbau der Tarifverträge, der in den letzten Jahren in großem Umfang erfolgt ist, wird dazu beitragen, das Vorgehen der Verwaltungen auf diesem Gebiete zu erleichtern und die Möglichkeit eines Drucks auf die Arbeitsbedingungen von feiten desSubmiffionsverfahrens
auszuschalten, ohne daß sich daraus eine nennenswerte Belastung der Verwaltungen, noch eine erhebliche Beschwerung für die Unternehmer ergeben dürfen._______
Deutsches Deich.
— Die Zusammenkunft zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren hat am Samstag vormittag auf der Reede vor Swinemünde stattgefunden und den vorge- schriebenen Verlauf genommen. Die Begegnung der kaiserlichen Jachten erfolgte um 10 Uhr südlich von der Oderbank-Südboje. Sobald der „Standart" die „Hohenzollern" erreichte, brachten die Mannschaften der letzteren Hurras aus und die Musik spielte die russische Hymne. Der Kaiser in russischer Admiralsuniform mit dem Bande des Andreasordens begab sich, begleitet vom Reichskanzler, der Husarenuniform trug, und dem Staatssekrektür v. Tirpitz, im „Standarte- Boot au Bord des „Standart". In einem zweiten Boot folgten die übrigen Herren der Umgebung. Auf dem „Standart ' empfing Kaiser Nikolaus den Kaiser Wilhelm aufs herzlichste. Die Besatzung erwies die Honneurs, die Musik spielte „Heil dir im Siegerkranz". Am Großmast wurde die Kaiserstandarte gehißt. Hierauf nahm der „Standart" die Fahrt mit den beiden Monarchen an Bord wieder auf und hielt auf die vor Swinemünde ankernde deutsche Hochseeflotte zu. Der „Standart" durchfuhr langsam die deutsche Flotte, begleitet von einigen Torpedokreuzern. Im Gefolge des Zaren befand sich auch der Minister des Aeußern Jswolski und der Minister des kaiserlichen Hofes, Baron Fredericks. Sämtliche Mannschaften standen in Parade und brachten drei Hurras aus, die Musikkapelle spielte die russische Hymne. Hiernach gingen „Standart" und „Hohenzollern" auf den vorgesehenen Ankerplätzen an der Spitze der ankernden Flotte vor Anker. Um 11 '/< Uhr begaben sich die deutschen Admirale und Kommandanten, als erster Flottenchef Prinz Heinrich, an Bord des „Standart", wo Kaiser Nikolaus die Meldung der Herren in Form einer Defiliercour ent- gegennahm. Zahlreiche Dampfer und andere Fahrzeuge waren auf die Reede hinausgefahren, um die Parade der Flotte zu sehr«. Um 12’4 Uhr ging Kaiser Wilhelm von Bord des „Standart". Der „Standart" feuerte Salut. Gleich darauf kam der Kaiser von Rußland an Bord der „Hohenzollern" zum Gegenbesuch. Die Monarchen verweilte« längere Zeit auf dem Achterdeck. Der Kaiser von Rußland trug deutsche Marineuniform und den Schwarze« Adlerorden. An Bord hatte sich auch Prinz Adalbert eingefunden.
Die Komödiantin.
Roman von Oswald Benkendorf. 40
Starr und unbeweglich hatte sie zugehört und dabei das Gefühl gehabt, als überwinde sie ein ekler Wurm, der, aus dem Dunkel hervorkriechend, sie plötzlich in seine feuchtkalte Umarmung gezogen. Hatte sie, halb unbewußt, nicht schon mehr als einmal das Empfinden gehabt, als bedrücke sie ein Angstgefühl, dem sie keinen Namen geben wollte, als fei nicht alles so, wie es den Anschein hatte.
Erst als Vera schwieg, raffte sich Konstauze auf. „Ber- üchtliche Lüge, leere Drohung! Habt Ihr meinem Vater nicht den Taufschein von Helmine OstS Tochter vor« !gelegt? Derselbe trägt das Kirchensiegel, er kann wenig- tenS nicht gefälscht sein."
„DaS ist er auch nicht, aber Konstanze, wie wir sie nannten, starb noch am selbe» Tage."
„Ihr lügt!"
„So wahr Gott und die heilige Jungfrau mir helfen sollen in meiner Sterbestunde," rief Vera, das Kreuz ihres Rosenkranzes mit der Rechten in die Höhe strek- keud, „so wahr bist Du mein Kind, und wenn Ihr mir nicht glauben wollt, Du und Dem angeblicher Vater, so wird das Grab sich auftun und Zeugnis ablegen für mich. Geht und öffnet den Sarg Helmines, an ihr moderndes Gebein geschmiegt, werdet Ihr das Skelett des Kindes finden, das sie geboren und das ihr in den Tod gefolgt ist!"
Konstanze stieß einen dumpfen Schrei aus und streckte die Arme aus, als Vera nun mit widerlicher Freundlichkeit sortfnhr: „Wenn Du vernünftig bist und eine dankbare Tochter, wirst Du keinen Schaden dabei haben. Ich werde mein Fleisch und Blut nicht verraten und mich selbst der Fälschung anklägen, ist es denn ein so großes Opfer, gut zu sein gegen die eigene Mutter? Gib mir die Hand, mein Kind!"
^Laß mich, nur jetzt nicht, mir ist, als müsse ich hier
ersticken, ich brauche Lust.. morgen .. später .. sprechen wir darüber."
„Schon gut, Du sollst DeiuenWillen haben, Kind, aber laß mich nicht zu lange ivarten."
Wahrscheinlich hatte Koustanze die letzten Worte Veras nicht gehört, denn ohne die alte Frau auch nur eines Blickes zu würdige», eilte sie an ihr vorbei, dem Aus- gange zu und rief, die Tür aufstoßeud, der draußen har- reuden Thea zu: „Komm schnell, zeige mir den nächsten Weg nach dem Schlosse."
Der Mond, dessen fast gefüllte Scheibe sich hinter dichtem Geivölk verborgen, begann sich frei zu niachen von den schwärzlichen Hüllen, trotzdem ivar es unter den hohen Bäumen recht dunkel. Thea, die auf der Türschwelle gekaüert, ivar erschreckt aufgesprungen und fragte nun ganz verblüfft, ob die Herrin nicht wohl, ob ihr etwas Unangenehmes zugestoßen sei.
Ungeduldig winkte Koustanze mit der Hand: „Geh voran, ich folge!"
„Aber die Laterne, sie ist brennend in der Krähen- Hütte zurückgeblieben."
„Jene. . jene Frau wird sie an sich nehmen."
Schweigend gehorchte Thea nun, doch machte sie sich : Gedanken über das Worthalten großer Damen, wie egoi- s stisch, sie würde nun heute abend nicht erfahren, ob der i junge Förster Heiratsabsichten hege, wie schade.
Und dabei hätte sie seelensgern gewußt, was die Alte s der Komtesse prophezeit. Gutes schien es eben nicht ge- i Wesen zu sein, auch hatten beide so laut mit einander gesprochen, natürlich hatte Thea gehorcht, aber leider nichts zu verstehen vermocht.
Verdrossen schritt sie voran, Konstauze folgte ihr aus dem Fuße, da fühlte sie plötzlich, wie eine Haud sich auf ihren Arm legte, sie stieß einen leichten Schrei aus, eine Stimme dicht an ihrem Ohr flüsterte: „Still, Konstauze, fürchten Sie nichts, ich bin es!"
Sie hatte die Stinime erkannt und schauerte fröstelnd zusammen.
Thea hatte sich blitzschnell umgewenbet. „Komtesse, war ift’S ?" Verstummend blickte sie nach der hohen Gestalt de» Hauptmann» hin, auch sie erkannte nun Ernst Kind« ler.
Dieser wandte sich zu ihr und sagte in befehlendem Tone: „Gehen Sie voran und warteuSie im Garten an den Stufen der Terrasse, ich werde die Komtesse selbst dahin geleiten."
Zögernd blickte Thea nach der Herrin, die gleichfalls in befehlendem Tone, kurz zu ihr sagte: „Du bleibst!"
Doch Ernst neigte sich zu Konstauze und sagte in ita- lienischer Sprache, scheinbar ganz ruhig und höflich: „Sie werden sich meinen Anordnungen fügen und das Mädchen entlassen; denn ich habe über Wichtiges mit Ihnen zu reden, da ich unfreiwilliger Zeuge Ihrer Unterredung mit .. Ihrer Mutter war."
Was Konstauze bei der Eröffnung, die ihr übrigen» nicht ganz unerwartet kam, seit der Begegnung mit Kind- ler empfand, kam nicht zum Ausdruck, nur ihre zuweilen so melodische Stimme klang heiser, als sie zu Thea geweu« det, sprach: „Ja, es ist besser, daß Du voran gehst, man könnte die Tür des Gartensaals schließen, sorge dafür daß ich sie offen finde."
„Koustanze," begann nun Ernst als Thea nicht mehr in Hörweite war, mit vor Erregung bebender Stimme, „das Schicksal, welches mir so lange feindlich mein Glück verweigert, hat Erbarme» mit mir gehabt. Im Augen- blick, wo ich alles verloren gewähnt, läßt es mich zum Mitwisser eines Geheimnisses werden, das mich zum Herrn der Situation macht." /
„Wie soll ich das verstehen?"
„Ganz einfach so, daß Du die Meine wirst und Dein Verlöbnis mit jenem Halbnarren lösest."
„Das wagen Sie mir vorzuschlagen?" 139,18
„Rege Dich nicht unnütz auf Kind, auch ich will die Sache und unsere Lage ganz ruhig klarstellen Ich konnte Dir eine recht artige Rührkomödie Vorspielen, vielleicht wäre das nicht einmal Lüge; denn ich liebe Dich Mädchen!"